Essen  
Villa Hügel   -  
Ruhrlandmuseum - SynagogeDom zu Essen - Christengemeinschaft - Grugapark

Essen


Siedlung Margarethenhöhe
Der betriebliche Wohnungsbau im Ruhrgebiet begann mit der Industrialisierung um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung zu Beginn der 1870er Jahre entstanden größere zusammenhängende Siedlungen. Nach Jahren der Stagnation bedingte ab den 1890er Jahren die erneute, nun lang anhaltende Aufwärtsentwicklung des Bergbaus und der Eisen- und Stahlindustrie mit der dadurch hervorgerufenen starken Zuwanderung eine Ausdehnung des Werkssiedlungsbaus in einem bis dahin unbekannten Umfang.
Da die Zechen häufig in dünn besiedelten Gegenden entstanden, mussten Wohnmöglichkeiten für die Bergleute neu geschaffen werden. Hinzu kam die über lange Zeit hohe Fluktuation der Arbeiter, so daß die Unternehmen das Angebot von Werkswohnungen auch als Mittel in der Konkurrenz um die Arbeitskräfte einsetzten.
Eine Werkswohnung bot den Arbeitern eine Reihe von Vorteilen. Bei allgemeiner Wohnungsnot konnten insbesondere Arbeitsimmigranten oft nur sehr schwer eine annehmbare und erschwingliche Wohnung finden. Außerdem lagen die Mieten in Werkssiedlungen unter denen auf dem freien Wohnungsmarkt, während die Wohnungen in der Regel geräumiger und besser ausgestattet waren. Gartenland und Stall erlaubten es, die Versorgung der Familie zu verbessern und bildeten für die Zuwanderer, die in ländlichen Gebieten angeworben wurden, einen zusätzlichen Anreiz, sich im Bergbau zu verdingen. Die Kehrseite dieser Vorzüge bestanden in einer umfassen Kontrolle von Seiten des Unternehmens, die häufig bis in das Privatleben reicht, und in der Bindung des Mietverhältnisses an das Arbeitsverhältnis, was die Mobilität einschränkte und zur Disziplinierung der Siedlungsbewohner beitrug.
Die soziale und betriebliche Hierarchie schlägt sich in den Wohnungen deutlich nieder. Die Häuser der Bergbeamten waren geräumiger und aufwendiger gestaltet als die der Bergarbeiter. Oft lagen Arbeiter- und Beamtensiedlung dicht beieinander, aber fast immer waren sie durch Gleisanlagen, Straßen oder unbebautes Gelände getrennt. Während die Arbeiter in Mehrfamilienhäusern wohnen, blieben Doppelhäuser Meistern und Steigern vorbehalten. Welten trennten selbst noch die großzügigen Siedlungen der Bergbeamten von den Villenvierteln, die Krupp oder die Gutehoffnungshütte für ihre leitenden Angestellten errichteten.
Zusammen mit anderen Wohlfahrtseinrichtungen erscheint das betriebliche Siedlungswesen ab den 1890er Jahren immer häufiger in den Selbstdarstellungen der Unternehmen und soll wie Mütterberatungsstellen, Werkskindergärten oder Prämien für langjährige Betriebszugehörigkeit die Arbeiter auch mental an den Arbeitgeber und die bestehende Gesellschaftsordnung binden. Mit ähnlicher Zielsetzung formulierte der ?Heimatstil Integrationsangebote über die Gestaltung der Siedlung selbst.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden für den Wohnungsbau gemeinnützigre Bauträger öffentliche Mittel zur Verfügung gestellt. Da der herkömmliche Werkswohnungsbau keine Unterstützung erhielt, beteiligte sich die Industrie nun an gemeinnützigen Wohnungsunternehmen. Für den Bergarbeiterwohnungsbau entstand 1920 die ?Treuhandstelle für Bergmannswohnstätten im rheinisch westfälischen Steinkohlebezirk (THS), in deren Entscheidungsgremien Arbeitgeber und Arbeitnehmer paritätisch vertreten waren. Durch die neue Organisation des Wohnungsbaus löste sich die Bindung des Wohnungswesens an ein bestimmtes Unternehmen und die Abhängigkeit der Mieter von ihrem Arbeitgeber. Die Kopplung von Miet- und Arbeitsverhältnis, die schon in den zwanziger Jahren teilweise aufgehoben worden war, wurde 1930 gesetzlich verboten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg galten die Arbeitersiedlungen aus der Zeit vor 1914 als rückständig und nicht erhaltenswert. Der Wohnungsbestand wurde von den Eigentümergesellschaften häufig vernachlässigt. Erst die Erfahrungen mit dem Leben in Neubausiedlungen und ein verändertes Verständnis von Städtebau bewirkten in den siebziger Jahren einen Wandel dieser Einschätzung. So trafen die Pläne zur ?Kahlschlagsanierung von Arbeitersiedlungen auf den wachsenden Widerstand der Bewohner, die für Versprechungen eines besseren Wohnstandards in Neubauten nicht auf enge Nachbarschaftsbeziehungen, ein überschaubares soziales Umfeld und das Wohnen zu ebener Erde und im Grünen verzichten wollten.
Die Siedlung Margarethenhöhe, meist nur Margarethenhöhe genannt, gilt als die erste deutsche Gartenstadt hinsichtlich ihrer Bauweise (nicht wegen des genossenschaftlichen Konzeptes) und bildet den Kern des Essener Stadtteils Margarethenhöhe im Stadtbezirk III Essen West mit 7.529 Einwohnern (Stand: 31.12.2005). Der Stadtteil hat eine Gesamtfläche von 1,48 Quadratkilometern und liegt auf einer durchschnittlichen Höhe von 105 Metern ü. NN..
Die Siedlung selbst gilt als gutes Beispiel für menschenfreundliches Wohnen und hat in 935 Gebäuden und 3.092 Wohneinheiten, die auf 115 Hektar von der Margarethe Krupp Stiftung verwaltet werden, von denen 50 Hektar als unbebaubares Waldland festgelegt sind.

Das Gebiet gehörte ursprünglich zur Gemarkung Rüttenscheid, das 1905 zur Stadt Essen eingemeindet wurde. Die ersten Häuser auf der Höhe wurden 1910 fertiggestellt. Deshalb waren die Bewohner von Beginn an Bürger von Essen. Die Margarethenhöhe wurde 1906 von Margarethe Krupp anlässlich der Hochzeit ihrer Tochter Bertha gestiftet und ab 1906 bis 1938 vom dem Architekten Georg Metzendorf, einem Mitglied des Deutschen Werkbundes gebaut. Während der Zeit ihrer Errichtung war sie, wie sonst nur die Gartenstadt Dresden Hellerau, durch einen Regierungserlass von allen Bauvorschriften befreit.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde die schwer beschäftigte Siedlung in ihrer historischen Form wiederhergestellt. Von 1962 bis 1966 und von 1971 bis 1980 wurde auch dem noch unbebauten Land südlich der ersten Siedlung die Margarethenhöhe II errichtet, architektonisch teilweise minderwertig, und speziell im letzten Bauabschnitt, in dem Hochhäuser gebaut wurden, sozial problematisch. Laut Stiftung setzten diese Häuser ?einen deutlich gestalterischen Kontrast zur alten Margarethenhöhe. Um die sozialen., technischen und ästhetischen Probleme der Margarethenhöhe II zu beheben, wurde bereits 1987 ein Sanierungsprogramm begonnen, um ?die öffentliche Wertschätzung auch der jüngeren Siedlungseinheit der Margarethenhöhe deutlich zu erhöhen.
Die Margarethenhöhe I hingegen wurde im gleichen Jahr unter Denkmalschutz gestellt. Eine vom Essener Ruhrlandmuseum eingerichtete Musterwohnung vergegenwärtigt dem Besucher die ursprüngliche Gestaltung der Wohneinheiten und soll ihm ?die wohlkulturellen Bedeutung des Denkmals Margarethenhöhe mit ihren variablen Typengrundrissen auch aus der Innenperspektive sichtbar werden lassen.
Zeitweise existierte auf der Margarethenhöhe auch eine kleine Künstlerkolonie. Ihr bedeutendster Gast war der Fotograph Albert Renger Patzsch. Diese Kolonie wurde von den Nationalsozialisten aufgelöst. Nur die ?Keramikwerkstatt Margarethenhöhe existiert noch. Sie ist mittlerweile in die Zeche Zollverein umgezogen.
Die architektonische Einheitlichkeit der Siedlung geht auf einen Trick zur Kostenersparnis zurück. Es sollten zwar nicht alle Häuser identisch aussehen, aber jedes Gebäude einzeln zu konzipieren hätten den finanziellen Rahmen gesprengt. Daher entwarf Metzendorf einen Satz von Elementen, der immer wieder neu kombiniert wurde. Dadurch weichen die Häuser zwar alle voneinander ab, bleiben aber stilistisch geschlossen.
Seit ihrer Gründung bis in die Gegenwart wird die Margarethenhöhe von der Margarethe Krupp Stiftung für Wohnungsfürsorge geführt. Obwohl der von ihr zu verwaltend Wohnraum eigentlich den ?minderbemittelten Klassen zugedacht war, hat sich vor allem die Margarethenhöhe I heutzutage in eine gehoben bürgerliche Wohngegend verwandelt. In der Stadt wird dies vielfach auf einen siedlungsinternen Klüngel zurückgeführt, der nepotistisch vor allem eigene Familienmitglieder bevorzuge. Auch eine rassistische Vergabepolitik wird dem Gremium gelegentlich vorgeworfen, da der Ausländeranteil besonders in der Margarethenhöhe I im Vergleich zum städtischen Durchschnitt äußerst gering ist. In jedem Fall ist das Wohnen auf der Margarethenhöhe I äußerst begehrt, trotz teils merklich beengter Wohnverhältnisse. Heute gibt es hier auch eine Grundschule und vier Kindergärten.
(Quelle: Wikipedia)
Langsam strebt die Straßenbahn der Endhaltestelle entgegen. Das ist also die berühmte Arbeitersiedlung Margarethenhöhe. So oft ich auch schon in Essen gewesen bin, so wenig sah ich bisher diese Kolonie. ?Grün ist mein erster Eindruck. Endlich hält die Straßenbahn. Ich steige aus. Hitze umgibt mich sofort. Es ist Sommer, Ferienzeit wir schreiben den Juli 2006.
Langsam schlendere ich durch die Straßen. Mehrere Eindrücke drängen sich mir auf. Zum einen ist es die Enge der Straßen. Hier passen gerade einmal zwei Autos nebeneinander. So wundere ich mich auch nicht, daß ich hier kaum Garagen sehen. Stehen die Autos wirklich auch nachts auf der Straße? Hat da keiner Angst, dass die Autos gestohlen werden? Oder passen hier die Nachbarn noch aufeinander auf und merken, wenn jemand bestohlen wird? Egal. Das ist hier nicht das Thema.
Der Eindruck grün verstärkt sich hier noch. Hier gibt es tatsächlich viel Grünzeug. Heute kann ich aber nicht mehr nachvollziehen, warum die Margarethenhöhe Gartenstadt genannt wird. Viele Bäume und Sträucher sehe ich; einen klassischen Garten entdecke ich aber nirgends.

Villa Hügel

Die Villa Hügel liegt im Essener Stadtteil Bredeney. Sie wurde 1873 von Alfred Krupp errichtet und ist das ehemalige Wohn- und Repräsentationshaus der Industriellen Familie Krupp. Die Villa hat 269 Räume, 8.100 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche und liegt in einem 28 Hektar großen Park an prominenter Stelle über dem Ruhrtal und dem Baldeneysee.
Ursprünglich wurde das Haus vollständig auch nichtbrennbaren Materialien errichtet, also Stein, Stahl und Glas, da Krupp Angst vor Feuer hatte. Nach seinem Tode wurde die Inneneinrichtung der Villa im Stil der Zeit komplett erneuert. Nur in Seitenbereichen ist die alte Anlage noch erkennbar (Treppenhäuser, Gesindebereiche, Geländer). Die Anlage besteht aus einem kleineren Gebäude sowie dem Haupthaus, die über einen langen Trakt aus Bibliothek und Ballsaal miteinander verbunden sind. Zum Zeitpunkt ihres Baus galt die Villa Hügel wegen der von Alfred Krupp gewollten und größtenteils persönlich mitgeplanten modernen Technik als Anschauungsobjekt des technischen Fortschritts. Die Bauphase verschliß wegen des Eigensinns des Bauherrn mehrere Architekten.
Zur ursprünglichen Anlage gehörte ein vollständiger Bauernhof, der vor dem Nebenhaus lag, um eine autarke Versorgung zu gewährleisten. Auch dieser wurde relativ schnell wieder abgerissen, da er das repräsentative Gesamtbild störte. Zum weiteren Ensemble der Gebäude von Villa Hügel gehören das Parkhaus Hügel, das heute das Heim der Familie Beitz ist, und der auf halber Hanghöhe zum Baldeneysee gelegene Bahnhof Hügel. 1894 wurde ein Spielhaus für die Krupptöchter Bertha und Barbara errichtet. Das Fachwerkhaus wird im Volksmund Spatzenhaus genannt.
Der Bau der Villa Hügel ist zugleich ein Zeugnis neureicher Hybris. In den Treppenhausfenstern des Nebengebäudes sind jahrhundertealte Glasmalereien eingelassen, die Krupp zuvor zusammengekauft hatte. Bei der Anlage des riesigen Parks ließ Alfred Krupp ausgewachsene Bäume anpflanzen, um noch zu Lebzeiten den Park im Endzustand zu sehen. Abgestorbene Bäume wurden kurzerhand durch neue alte ersetzt, was dazu führte, dass der Baumbestand im Park der Villa Hügel erheblich älter ist als die Gesamtanlage. Der Park ist insgesamt 23 Hektar groß und wurde seit 1914 kaum verändert.
Seit 1953 finden im Haupthaus regelmäßig bedeutende Kunstausstellungen statt. Seit Jahrzehnten gibt es mehrmals im Jahr im Obergeschoß klassische Kammerkonzerte für Firmenangehörige, die aufgrund der hervorragenden Akustik der oberen Halle und der erstrangigen Künstler Besetzungen zu sehr gefragten Kulturveranstaltungen im Ruhrgebiet wurden und aufzeichnet werden für Firmen-, Werbe- und Wohlfahrtszwecke. Das östliche Nebengebäude enthält eine ständige Ausstellung zur Familien- und Firmengeschichte. Park und Gebäude können gegen einen geringen Obolus besichtigt werden, wenn keine Ausstellungen oder Sonderveranstaltungen der Krupp Stiftung stattfinden.

Ein kulturelles Leben im Industriegebiet an der Ruhr ist ohne die alte Tradition des privaten Stifter- und Mäzenatentums nicht denkbar. Nachdrücklicher als anderswo haben sich hier die wirtschaftlich Erfolgreichen nicht nur für das materielle, sondern auch für das geistige Wohl der im Revier lebenden und arbeitenden Menschen eingesetzt. Sie haben in der industriellen Gründerzeit vor und nach 1900 den Grundstein für ein lebhaftes kulturelles und künstlerisches Leben in den Großstädten an der Ruhr gelegt und nach 1945 an dessen Wiedererstehen und neuer Blüte entscheidend mitgewirkt.
1984 wurde in Fortführung dieser Tradition durch Prof. Dr. hc. mult. Berthold Beitz, den Ehren Aufsichtsratsvorsitzenden der ThyssenKrupp AG und Vorsitzenden der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung die ?Kulturstiftung Ruhr mit der satzungsgemäßen Aufgabe gegründet, dem kulturellen Leben im Ruhrgebiet neue Impulse zu geben und ihm Maßstäbe und Ziele zu setzen. Nach dem Willen des Stifters soll seine Gründung ?das Ruhrgebiet wieder enger mit den internationalen geistigen Kraftfeldern verbinden, erneut seine Tradition als bedeutende Kulturlandschaft bestätigen, ihm eine herausragende Position in der Bundesrepublik Deutschland gewinnen und damit jene Resignation zu überwinden helfen, die das geistige Leben in den Industriegroßstädten zu lähmen beginnt.
Die eng mit der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung verbundene Kulturstiftung Ruhr versteht sich daher als Initiatorin wie als Trägerin künstlerischer und kultureller Aktivitäten von Rang, in erster Linie international bedeutender kunst- und kulturgeschichtlicher Ausstellungen. Ihr Sitz ist ?Villa Hügel, das einstige Wohnhaus der Familie Krupp, seit 1953 auf Initiative des letzten Firmeninhabers Alfried Krupp bis heute eines der kulturellen Zentren des Landes.
Zu weiteren Schwerpunkten der Stiftung gehören unter anderem die systematische Aufarbeitung der Industriegeschichte des Reviers, deren Zeugnisse nach dem Kriege rasch verlorenzugehen drohten. Das mittlerweile abgeschlossene ?Fotographische Dokumentationsarchiv zur Geschichte der Industrialisierung an der Ruhr beispielsweise ist mit rund 480.000 Fotos, Diapositiven und Negativen eines der größten Spezialarchive seiner Art überhaupt und befindet sich mittlerweile im Ruhrlandmuseum der Stadt Essen.

Viel ist es nicht, was ich mir im Internet über die Villa Hügel zusammengesucht habe. Es reicht aber aus, wie mir ein Besuch in der Villa zeigt. Es ist Mitte Oktober 2006, als ich mich auf den Weg nach Essen mache. Verkehrstechnisch ist die Villa sehr gut angebunden, so daß auch auswärtige Besucher wie ich sehr gut anreisen können.
Doch oh wehe! Von dem eigentlichen Wohn- und Repräsentationshaus ist im Grunde nichts mehr übriggeblieben. Gerade einmal im Erdgeschoß läßt sich etwas von dem alten Pomp erahnen. Auf der Parkseite bekommt man als Besucher einige kleinere Repräsentationsräume zu sehen. Daneben macht aber der Eingangsbereich (Garderobe, Toiletten, Kasse, Museumsshop) den augenfälligeren Teil des Erdgeschosses aus.
Das obere Geschoß ist ebenfalls für Besucher zugänglich. ?
Betriebe
Ohne Moos nix los berichtet der Volksmund. Doch wie sieht es in den Betrieben aus?
Was hat Essen eigentlich zu bieten? 210,36 Quadratkilometer, über 592.000 Einwohner, 3.227 Straßen, 1.595 Kilometer Straßennetz, sieben Straßenbahnlinien, drei U Bahnlinien und 48 Buslinien. Und sonst? Städtische Höhepunkte auf allen Linien beispielsweise die Alte Synagoge, die neue Messehalle von Bellini, das Museum Folkwang und, und, und. Die Essener Verkehrsbetrieb möchten ihre Kunden zu deren Zielen bringen.
Essen ist Wirtschaftsstandort. Zehn der 100 größten deutschen Unternehmen allesamt international tätig sind hier beheimatet; darüber hinaus gibt es zahlreiche Hauptverwaltungen. 75% aller Beschäftigten in Essen sind im Wirtschaftsbereich tätig.
Der hohe Dom zu Essen gibt Aufschluss über mehr als 1.000 Jahre Geschichte, Kirche und Kunst. Zahlreiche Kunstwerke von Weltrang, vornehmlich aus der Zeit von 980 bis 1060, beherbergt der Essener Domschatz. Beispielsweise die älteste bekannte Marienfigur der Welt: die ?Goldene Madonna. Das 70 Zentimeter große Bildnis ist aus Lindenholz geschnitzt und mit Goldblech überzogen. Um 990 gab sie die Essener Äbtissin Mathilde II, eine Enkelin Kaiser Ottos des Großen, in Auftrag.
Heute steht Essens Schatz in der nördlichen Seitenkapelle der Essener Domkirche. Ebenfalls in Essens ?Schatzkiste ist der imposante siebenarmige Leuchter, ebenfalls ein Auftragswerk von Mathilde II; das Passionsdiptychon, eine Elfenbeintafel aus dem 11. Jahrhundert; die Kinderkrone Ottos III aus dem Jahre 983; ein Buchdeckel aus Eichenholz, Goldblech, Edelsteinen, Perlen und Elfenbein aus dem 11. Jahrhundert und das Otto Mathilden Kreuz, ein Prozessionskreuz von 980.
Am 1. Dezember 1906 legt Margarethe Krupp den Grundstein zur Margarethenhöhe. 50 Hektar Land im Essener Süden und eine Million Mark stellte die Witwe Friedrich Alfred Krupps für den Siedlungsbau zur Verfügung. Am 11. August 1908 wird schließlich der hessische Architekt Georg Metzdendorf beauftragt, aus der Margarethenhöhe eine Siedlung im Stil einer englischen Gartenstadt zu machen. Metzendorf ist damals 34 Jahre alt und damit jung genug, um sich 21 Jahre lang dem Bau der Siedlung, einer Lebensaufgabe zu widmen.
Bereits im Jahre 1911 beziehen die ersten Familien ihre Wohnungen. Die Presse ist voll des Lobes: ?ein Stück Frieden im Großstadtlärm, ?ein Märchen in der modernen Unrast ist da zu lesen. Heute steht die Margarethenhöhe unter Denkmalschutz.
In Essen ist jeder dritte Tag ein Messetag. Mit mehr als 11.000 Ausstellern und bis zu zwei Millionen Besuchern im Jahr zählt die Messe Essen zu den Top Ten in Deutschland. 19 Hallen bieten 110.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Der neue Westflügel der Messe Essen, das imposante Bauwerke des Mailänder Architekten Mario Bellini, umfaßt zusätzlich 20.000 Quadratmeter, eine Galeria und ein weiteres Kongreß Center. Das Besondere an der neuen rund 240 Meter langen, 69 Meter breiten und 16 Meter hohen Messehalle ist eine freischwebende Deckenkonstruktion.
Es war im Dezember 1986: Der Schacht XII der Zeche Zollverein wird geschlossen. Die Bürger von Essen vor allem der angrenzenden Stadtteile Katernberg, Stoppenberg und Schonnebeck wohnen dem Ende der Montanindustrie bei. Und dann im Dezember 2001: das ?world heritage committee nimmt die Zeche Zollverein in die Weltkulturerbeliste der UNESCO auf.
Als Wahrzeichen des Wandels und Markenzeichen des Ruhrgebiets lockt die Zeche jährlich eine halbe Million Besucher in den Essener Norden. Denn Zollverein ist nicht einfach stillgelegt. Die Zeche entwickelte sich in einen Kulturstandort. So finden auf Zollverein regelmäßig Konzerte, Ausstellungen und andere kulturelle Veranstaltungen statt. Die Stiftung Zollverein, 1999 gegründet, trug maßgeblich zum erfolgreich vollzogenen Strukturwandel bei. Sie machte Zollverein zur Heimat von bedeutenden Essener Unternehmen und Institutionen. So ist das Design Zentrum NRW im Schacht XII, das Choreographische Zentrum NRW in Schacht 1/2/8 zu Hause. Dies sind zwar nur zwei Beispiele; sie sollen an dieser Stelle aber reichen.
Die Villa Hügel, 1873 fertiggestellt und einst Wohnsitz und Repräsentationsort der Industriellenfamilie Krupp über drei Generationen hinweg, beherbergt heute die Kulturstiftung Ruhr. Im einstigen Hauptwohngebäude finden seit 1953 große überregionale Kunstausstellungen statt.
400.000 Besucher zählte bereits die erste Ausstellung Kunstwerke aus Kirchen-, Museums- und Privatbesitz, Essener Münsterschatz. Es folgen über 30 weitere Ausstellungen. Viele davon erregten internationale Aufmerksamkeit beispielsweise ?Götter Pharaonen mit 485.000 Besuchern oder ?Breughel Brueghel mit 187.000 Besuchern. Heute zählt die Villa Hügel zu den wenigen Häusern in ganz NRW, die sich den alten Meistern annehmen.
Als am 25. September 1988 das Aalto Theater mit Wagners ?Meistersingern eröffnet wurden, waren nicht nur Essens Opernfreunde hingerissen. Hingerissen waren auch die Freunde der Architektur. Bis ins kleinste Detail hatte der finnische Architekt Alvar Aalto das Theater konzipiert. Vom Entwurf bis seiner Realisierung sollten allerdings 30 Jahre vergehen. Die Eröffnung des Aalto Theaters durfte der Finne allerdings nicht mehr erleben. Er war zu diesem Zeitpunkt bereits seit zwölf Jahren tot.
1913 wurde das Zentrum der jüdischen Gemeinde, die Neue Synagoge, erbaut. In der Reichsprogromnacht wurde sie in Brand gesetzt. Erst im Jahre 1959 kaufte die Stadt Essen die Ruine und machte daraus das ?Haus Industrieform. Einem weiteren Brand im Jahre 1979 folgte die Restauration und die Einweihung der Alten Synagoge als Gedenkstätte und Dokumentationsforum. In Begegnungen, Diskussionen und kulturellen Veranstaltungen sollen jüdische Geschichte, Gegenwart und Kultur lebendig gehalten werden. Darüber hinaus werden zwei Dauerausstellungen gezeigt: ?Stationen jüdischen Lebens. Von der Emanzipation bis zur Gegenwart und ?Verfolgung und Widerstand in Essen 1933 1945. Im Mittelpunkt der ersten Ausstellung steht die Perspektive jüdischen Handelns, Denkens und Fühlens, verdeutlicht durch Fotografien und autobiographische Dokumente von Juden, die seinerzeit in Essen lebten. Die zweite Dauerausstellung setzt sich aus acht thematisch gegliederten Bereichen zusammen und mit der NS Zeit auseinander: von der Krise der Weimarer Republik über NS Terror und Kriegsvorbereitung bis hin zur Befreiung und zum Wiederaufbau.
Im Jahre 1922 fusionierten das private Museum Folkwang in Hagen (1901 von dem Sammler und Mäzen Karl Ernst Osthaus gegründet) mit dem Essener Kunstmuseum (1906 gegründet). ?Stützpunkt kulturellen Lebens im Ruhrgebiet wollte das Museum Folkwang sein. 1929 wurde der Neubau eröffnet. Bereits in den 1930er Jahren genoß das Museum internationale Reputation, die die Kunstpolitik des Dritten Reiches allerdings schnell zunichte machte. Der berüchtigten Aktion ?Entartete Kunst fielen über 1.400 Kunstwerke zum Opfer darunter auch der gesamte Bestand des 20. Jahrhunderts.
Erst im Jahre 1960 wurde der Neubau an alter Stelle wieder eröffnet. Verlorene Kunstwerke wurden soweit nicht zerstört nach 1945 wieder zurückgekauft und soweit möglich ersetzt. Die Fortführung der Sammlung machte 1983 einen Erweiterungsbau erforderlich. Neben der Gemäldesammlung besticht seitdem auch die graphische und fotografische Sammlung mit eigenständigen Abteilungen. Heute hat das Museum Folkwang längst seinen hervorragenden Weltruf zurückgewonnen.
Im goldenen Herbst, am 18. Oktober 1928, wurde die Essener Lichtburg, Deutschlands modernstes Filmtheater, eröffnet. 1943 fiel sie Bombenangriffen zum Opfer. Der Zuschauerraum brannte völlig aus. Die äußere Hülle blieb nahezu vollständig erhalten. Im Stil der Nachkriegszeit wieder aufgebaut, avancierte die Lichtburg zum elegantesten Filmtheater Deutschlands. In den 1950er Jahren erlebte es seine erfolgreichste Zeit als Premierenkino. Deutsche Leinwandstars wie Hildegard Knef und Zarah Leander waren dort zu Gast. Auch Hollywoodgrößen wie Gary Cooper und Buster Keaton reisten dort zur Premiere an. Darüber hinaus fanden in der Lichtburg zahlreiche Theatergastspiele, Kabarettveranstaltungen und Jazzkonzerte statt. Louis Armstrong und Benny Goodman waren beispielsweise in der Lichtburg zu Gast. Heute steht die schöne Lichtburg mit ihren 1.302 Plätzen im Herzen der Stadt unter Denkmalschutz.
Soweit zu den touristischen Attraktionen der Stadt Essen. Doch wie sieht denn die Leistung der EVAG, den Essener Verkehrsbetrieben aus? Wie befördern sie die Menschen vor Ort zu deren Zielen?
Wie schon im Vorjahr konnte auch 2002 ein deutlicher Anstieg der Fahrgastzahlen verzeichnet werden. ?Gegenüber 2001 stieg die Zahl der Fahrgäste von 102,8 Millionen auf 109,0 Millionen an. Dieser weitere Anstieg ist durch die in den letzten Jahren vollzogene Verbesserung des Leistungsangebots, die Modernisierung des Fahrzeugparks und die Inbetriebnahme einer U Bahnlinie als Ersatz für eine Buslinie begründet. Die Einführung des SchokoTikets für Schüler im Jahre 2002 führte außerdem zu einem deutlichen Anstieg der Fahrgastzahlen. Allerdings wechselten viele Kunden von teureren Ticketarten zu diesem günstigen Angebot, berichtet die EVAG.
Die Verkehrserträge aus dem Verbundverkehr stiegen im Vergleich zum Vorjahr von 60,4 Millionen Euro auf 60,8 Millionen Euro an. Dieser Anstieg vollzog sich unterproportional zur Entwicklung der Fahrgastzahlen, weil mit der Einführung des SchokoTickets eine Verlagerung von den anderen Tickets zu dieser günstigen neuen Variante einsetzte.
Der Zahl der im Jahresdurchschnitt im Unternehmen beschäftigten Mitarbeiter verminderte sich gegenüber dem Vorjahr von 1.991 auf 1.969. Zum Jahresende waren noch 1.953 Mitarbeiter beschäftigt.
Im Geschäftsjahr 2002 wurden insgesamt drei US Lease Transaktionen abgeschlossen, die zu Einnahmen von 60,7 Millionen Euro führten. Zwei davon betragen 34 Niederflurstraßenbahnen bzw. neun Dockland Straßenbahnwagen und entsprachen den Transaktionen, die in der Vergangenheit bereits mehrfach von verschiedenen Nahverkehrsunternehmen praktiziert worden sind eine weitere US Lease Transaktion, die gemeinsam mit der Stadt Essen durchgeführt wurde, betraf die gesamte Schieneninfrastruktur. Cross Border Geschäfte mit Schieneninfrastruktur konnten vor 2002 noch nicht realisiert werden. ?Wegen der erzielten außerordentlichen Erträge ist das Jahresergebnis nur bedingt mit dem Vorjahr zu vergleichen, so die EVAG. ?Die Ausgaben überstiegen die Einnahmen um 2,036 Millionen Euro. Dieser Betrag wird aufgrund des mit der Essener Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH (EVV), Essen, abgeschlossenen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages übernommen. Das Ergebnis ist somit im Saldo ausgeglichen.
Doch nun zu einer anderen Branche, nämlich der Konsumgüterindustrie. Hier ist WMF ein führendes Unternehmen.
Die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbesserten sich im Jahre 2002 nicht. Zwar gewann die US Konjunktur gegenüber dem schwachen Vorjahr etwas an Schwung. Insgesamt verlieh sie der Weltwirtschaft aber keine entscheidenden Impulse. So konnte sich Japan nicht aus der bestehenden Rezession lösen. Im Euro Raum wuchs die Wirtschaft deutlich langsamer als ein Jahr zuvor.
Die deutsche Wirtschaft gehörte einmal mehr zu den Ländern mit dem geringsten Wachstum. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg real nur noch um 0,2% nach einem Plus von 0,6% im Jahre 2001. Dabei entwickelten sich die Ausrüstungsinvestitionen mit einem deutlichen Minus besonders ungünstig. Bei den Bauinvestitionen hielt der Abwärtstrend an. Lediglich die Exporte wiesen ein vergleichsweise hohes Wachstum auf, das allerdings geringer als im Jahre 2001 ausfiel.
Diese negativen Faktoren schlugen beim Handel voll zu Buche. Der Jahresumsatz des klassischen Einzelhandels verringerte sich folglich um 3,5%. Die Bereiche, in denen die WMF tätig ist, wiesen teilweise sogar noch höhere Rückgänge auf. Weiter angespannt hat sich die Situation im deutschen Gastgewerbe, das insgesamt einen Umsatzrückgang um real rund 7,0% hinnehmen mußte.
Für die Konsumgüterbranche war das Jahr 2002 eines der schwierigsten in den letzten 50 Jahren. In diesem Umfeld steigerte sich der Umsatz des WMF Konzerns im Geschäftsjahr 2002 um 1 Prozent auf 578,1 Millionen Euro. In diesen Zahlen ist auch der Umsatz der neu erworbenen Firma W. F. Kaiser & CO. GmbH enthalte, deren Konsolidierung zum 1.9.2002 erfolgt ist.
Im Gegensatz zu dem branchenbedingten Rückgang im Inland konnte die WMF im Ausland kräftig zulegen. Der Anteil des Auslands am gesamten Geschäftsvolumen erhöhte sich folglich von 34,2% auf 38,1%. Der Umsatz der WMF AG ging um 5% auf 379,9 Millionen Euro zurück. Während des Geschäftsvolumens im Inland deutlich sank, konnten die Exporte spürbar erhöht werden.
Nachdem bereits im Jahre 2001 mit McDonalds Deutschland der Eintritt in den schnell wachsenden Markt der Fastfood Gastronomie geschafft worden war, konnten in 2002 mit Pizza Hut Deutschland und der Restaurantkette Denny`s in Japan weitere bedeutende neue Schlüsselkunden gewonnen werden. In den Zügen der europäischen Verkehrsbetriebe werden WMF Kaffeemaschinen vermehrt eingesetzt. Profitiert hat die WMF weiterhin von den Absatzmöglichkeiten bei kleinen Stehcafès und Bäckereien.
Die Zahl der Mitarbeiter erhöhte sich im Konzern zum Jahresende 2002 auf 5.469 Beschäftigte. In diesem Anstieg um 47 Mitarbeiter ist die Übernahme von Kaiser Backformen enthalten. In der AG wurden 3.722 Mitarbeiter beschäftigt, 132 weniger als Ende 2001.
Doch welche Tochtergesellschaften hat der WMF Konzern.
Alfi Zitzmann AG als Anbieter qualitativ hochwertiger Isoliergeräte und lifestyle ausgerichteter Geschenkartikel konnte sich dem rückläufigen Trend im deutschen Einzelhandel nicht entziehen. Bei alfi führte die Konsumzurückhaltung im Inland im Geschäftsjahr 2002 zu einem Umsatzrückgang von 16% auf rund 25 Millionen Euro. Das Ergebnis war trotz durchgeführter Kostenanpassung ebenfalls rückläufig.
Die Firma Gebrüder Hepp GmbH realisiert als international renommierter Partner der gehobenen Gastronomie und Hotellerie rund 70& des Umsatzes im Ausland. Sie war daher sowohl von der Investitionszurückhaltung in den USA als auch von der anhaltenden Schwäche im inländischen Hotel- und Gastgewerbe betroffen. Hepp konnte daher in 2002 nicht an das Wachstum der vergangenen Jahre anknüpfen, sondern erreichte nur einen um 7% unter dem Vorjahr liegenden Umsatz in Höhe von 21,7 Millionen Euro. Das Ergebnis konnte auf Grund der in 2001 durchgeführten Maßnahmen zur Optimierung der Fertigung und Logistik auf Vorjahreshöhe gehalten werden.
Die Fertigung hochwertiger rostfreier Besteckteile der Tochtergesellschaft WMF Flatware in Singapur wurde auf Grund des anhaltenden Preisdrucks auf dem Weltmarkt im Geschäftsjahr 2002 eingestellt und in das eigene Werk nach He Shan in China verlagert. Nach Stillegung der Fertigung fungiert WMF Flatware als Vertriebsgesellschaft mit Schwerpunkt Tisch und Küche. Neben Singapur werden angrenzende Länder wie Malaysia und Indonesien beliefert. Die Vertriebsgesellschaft WMF Flatware konnte das Geschäftsvolumen weiter ausbauen und den Umsatz um 5% weiter steigern.
Neuer WMF Fertigungsstandort in Asien ist nach der Ende 2002 abgeschlossenen Verlagerung der bisherigen Singapur Fertigung in WMF Manufacturing in He Shan, China. Der Produktionsanlauf am neuen Standort erfolgte nach einem Grundstückserwerb und dem Bau der erforderlichen Fertigungsgebäude und sozialen Einrichtungen Mitte 2001. Ausstoßmenge und Qualitäten entwickelten sich seither so, wie es das Unternehmen erwartete, so daß die reibungslose Fortführung der Herstellung hochwertiger rostfreier Besteckteile auch im neuen Werk der WMF in China sichergestellt ist.
Die Geschäftsentwicklung für vollelektronische Systeme der Schankanlagentechnik der WMF Hogatron in der Schweiz (Worb) mußte auf Grund der allgemeinen konjunkturbedingten Investitionszurückhaltung der Gastronomiebetriebe im Jahre 2002 einen Umsatzrückgang von 20% hinnehmen.
Das von der Auerhahn Bestecke GmbH nach der Restrukturierung eingeschlagene Konzept, sich auf designorientierte Bestecke mit guten Preis- / Leistungsverhältnis zu konzentrieren, war bei weiter rückläufigem Gesamtmarkt auch in Geschäftsjahr 2002 erfolgreich. Der Umsatz konnte gegen den allgemeinen Trend um 4% gesteigert werden.
Das im Gastrogroßhandel tätige Unternehmen Boehringer Gastro Profi GmbH war im Geschäftsjahr 2002 durch die anhaltende Schwäche im inländischen Hotel- und Gastgewerbe belastet. Die sich hieraus ergebende Investitionszurückhaltung der Kunden führte dazu, daß der Umsatz mit rund 16 Millionen Euro um 4% unter dem Vorjahresergebnis lag. Zur Effizienzsteigerung wurden die Lager- und Einkaufsaktivitäten bei Boehringer gebündelt.
Die seit der Übernahme durch die WMF durchgeführte Neuausrichtung der Silit Werke GmbH & Co. KG zeigte nach Unternehmensangaben auch im Geschäftsjahr positive Wirkung. Die mit erheblichen Vorleistungen verbundene Entwicklung neuer, attraktiver Sortimente wurde vom Markt gut aufgenommen. In dem durch generelle Kaufzurückhaltung der Verbraucher und starkem Wettbewerb gekennzeichneten Markt für Kochgeschirre ist es Silit, einschließlich er Vertriebsgesellschaft in Frankreich, gelungen, den Umsatz um 8% auf rund 31 Millionen Euro zu steigern und ein positives Ergebnis zu erwirtschaften. Das Wachstum wurde sowohl im Export als auch im schwierigen Inlandsmarkt realisiert.
Die WMF AG hat zur Erweiterung ihrer Produktpalette im 2. Halbjahr 2002 den Hersteller von Backformen W. F. Kaiser & Co. GmbH, Diez / Lahn, übernommen, Kaiser entwickelt und produziert Backformen aus beschichtetem Metall und zählt zu den führenden Anbietern in Deutschland. Kaiser vertreibt in Deutschland schwerpunktmäßig über Selbstbedienungskäufer und den Facheinzelhandel. Die Firma verfügt darüber hinaus über eigene Vertriebsgesellschaften in den USA, Italien und Polen. Die Kaiser Gruppe wird nach der Übernahme durch die WMF weiter selbständig unter dem etablierten Markennahmen vom bisherigen Management geführt. Kaiser erreichte 2002 einen Umsatz von 32 Millionen Euro und beschäftigte rund 200 Mitarbeiter.
Die nächste Branche, die nun betrachtet werden soll, ist die Baubranche. Hier ist die Allbau AG, quasi ein Tochterunternehmen der Stadt Essen, aktiv.
?Seit Jahren machte sich der Allbau zur Maxime, wo immer möglich der Stadtflucht durch attraktive Wohnungsangebote zur Miete und im Eigentum entgegenzuwirken. Ansatzpunkte für konkretes Handeln sind die jeweiligen Stadtteile, sind darin die einzelnen Wohnungen, die für die verschiedensten Bedarfsgruppen attraktiv gemacht werden müssen bzw. deren Attraktivität wiederhergestellt werden soll, berichtet das Unternehmen.
Daraus ergibt sich für das Unternehmen, daß nicht nur in Steine, sondern auch in Menschen investiert wird. Mietwohnungsbau, Bauträgerschaft, Mieterprivatisierung, Immobiliendienstleistungen für Dritte, die Entwicklung neuer Projekte gaben dem Allbau nicht nur weitere Standbeine. Das Unternehmen ist damit auch an der Stadtentwicklung Essens beteiligt, die ihren Weg von der Aufwertung der einzelnen Wohnung über die damit verbundene Erneuerung der jeweiligen Stadtteile bis zur Infrastrukturverbesserungen der gesamten Stadt nimmt.
Attraktive und bezahlbare Wohnungsangebote für die unterschiedlichsten Nachfragegruppen sowohl im Miet- als auch im Eigentumsbereich halten nicht nur die Menschen in ihrer Stadt und führen sogar zu Wanderungsgewinnen. Sie sorgen gleichermaßen für eine Erhaltung eines attraktiven Stadtbildes. Gleichzeitig wird die Stadtteilidentität gestärkt und der ?richtige soziale Mix sorgt für eine stabile soziale Basis.
Das Ruhrgebiet ist geprägt von schlichten Wohnungen aus der Wiederaufbauzeit nach dem Krieg. Im stark zerstörten Essen mußten kurzfristig den Bewohnern neue Wohnungen zur Verfügung gestellt werden. Diese Wohnungen, mit 2 3 Räumen auf 45 Quadratmeter bis 55 Quadratmeter, entsprechen nicht mehr der aktuellen Nachfrage. Der Allbau geht verstärkt dazu über, Wohnungen zusammenzulegen.
Die Stadt Essen hat in den letzten 40 Jahren einen Bevölkerungsrückgang von fast 19% verkraften müssen. Bis 2015 sind weitere 6%, bis 2030 sogar 15% an Einwohnerverlusten prognostiziert. Der Wohnungsmarkt in Essen ist beeinflußt von diesem Bevölkerungsrückgang, der deutliche Qualitätsansprüche an die Wohnungen stellt. Der Mietwohnungsmarkt zeigt nach wie vor eine deutliche Nachfrage an modernen 3- und 4-Raum-Wohnungen, während in den Bestandswohnungen ein Überangebot an Kleinstwohnungen besteht. Demzufolge können auch 2-Raum-Neubauwohnungen nicht immer direkt vermieten werden.
In den Bereichen Neubau, Mitwohnungsbau und Bauträgerschaft versucht der Allbau vorrangig, qualitativ hochwertigen und dennoch günstigen Wohnraum besonders für junge Familien zur Verfügung zu stellen.
?Aber nicht nur für den Eigenheimbau, sondern genauso für den Mitwohnungsbau steht die Wohnungswirtschaft vor der Verpflichtung, die Bestandswohnungen auf die steigenden Qualitätsanforderungen der Nachfrage anzupassen, so das Unternehmen.
Allbau bewirtschaftete 2002 insgesamt 18.662. ?Mit Blick auf die Rahmenbedingungen des derzeitigen Mietermarktes ist die Leerstandsquote mit 2,6% moderat. Die häufigsten Gründe für Leerstände sind, daß sich um Kleinstwohnungen oder solche mit fehlenden Qualitätsstandards handelt (beispielsweise fehlende Zentralheizung oder Balkone).
?Seit drei Jahren fügte der Allbau seinem Bestreben, gute Wohnungen in einem guten Umfeld zu schaffen, noch ein weiteres Ziel hinzu. Das Unternehmen betreibt aktive `Soziales ManagementŽ. Tätigkeitsfeld sind Wohnanlagen, in denen Familien und überdurchschnittlich viele junge Mieter wohnen, aber auch dort, wo Nachbarschaften international geworden sind und die Lebensgewohnheiten des jeweils anderen noch fremd sind, berichtet Allbau.
`Soziales ManagementŽ, betreut von einer Diplom Sozialarbeiterin, sorgt auch für die Kooperation mit sozialen Diensten, stellt Kontakte zu Politik und Verwaltung her und hilft mit, ein öffentliches Interesse für betreffende Viertel oder die Wohnanlage zu schaffen. Finanzielle Zuschüsse aus Politik und Wirtschaft krönen nicht selten die Bemühungen von Nachbarschaften zur Verbesserung des Umfeldes.
?Nachweislich sinken für den Allbau die Ausgaben für die Beseitigung von Schäden durch Bemalung der Hauswände, an Spielgeräten und die Reinigung der Grünanlagen. Denn da, wo es gelingt, daß Mieter und Vermieter gemeinsam die Vorzüge ihres Viertels nach außen darstellen, möchte man gerne Zuhause sein, so Allbau.
Vor dem Hintergrund gestiegener Ansprüche an die Wohnqualität und des zeitgleich entstandenen Mietermarktes ist die Bestandserhaltung die wesentliche Basis für eine erfolgreiche Bewirtschaftung. Zugleich werden die Kosten durch rechtzeitige Investitionen in den Bestand insgesamt minimiert, wie das Unternehmen berichtet. Für die Instandhaltung wurden im Geschäftsjahr 2002 19.663.000 Euro, für die Modernisierung 11.953.000 Euro gezahlt. Damit ist der Allbau auch in diesem Geschäftsjahr ein wichtiger Partner des Essener Handwerks gewesen, das den größten Teil der Aufträge erhielt.
In 2002 erhielten 46 Häuser mit insgesamt 310 Wohnungen gedämmte Gebäudehüllen, einschließlich Dämmung der Kellerdecken und des Daches bzw. der letzten Decke sowie, wo erforderlich, neue Fenster.
Parallel wurden in 2002 weitere 211 Gasthermen ausgetauscht. Bis zum Zielvorgabejahr 2006 sollen es insgesamt 3.053 Thermen sein. Dort, wo zusätzlich die Gebäudehülle gedämmt wurde, wird der Gasverbrauch dauerhaft gedrosselt. Die Wohnungen erreichen Energieeinsparungen von 30% und mehr. Dies kommt nicht nur den Mietern zugute, sondern auch der Umwelt.
Die Wohnungsprivatisierung erfolgt unter erschwerten Bedingungen, wie allbau berichtet. Die Verunsicherung in der Bevölkerung über die schwankenden Konjunkturprognosen mit den daraus resultierenden unklaren persönlichen Zukunftsaussichten führen zu einer deutlichen Kaufzurückhaltung. Selbst die günstigen Finanzierungsbedingungen auf dem Kapitalmarkt vermögen nicht die erwarteten Kaufanreize bieten. Das Angebot an Gebrauchtimmobilien in Essen ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Dies ist auch eine Folge der Ausweitung der Privatisierung von Wohnungen durch weitere Gesellschaften in Essen.
Die Gesellschaft hat sich nach eigener Einschätzung als Immobiliendienstleister für den Konzern Stadt Essen und soziale Träger etabliert. Für die Stadtwerke Essen AG bewirtschaftet die Allbau Managementgesellschaft mbH die Büroimmobilien, die Betriebshöfe und die Gebäude im Essener Hafen. Die Tätigkeiten umfassen alle technischen Gewerke, von der reinen Instandhaltung bis zum Umbau. Die Bewirtschaftung der Allbau Managementgesellschaft mbH umfaßt inzwischen nicht nur Wohnungen, sondern auch Altenwohnungen, Einzelhandelsflächen, Büros und Spezialimmobilien wie zum Beispiel das Wetteramt in Essen. Zu den weiteren Kunden zählen die Allbau AG, die Altstadt Baugesellschaft mbH & Co. KG und das Diakoniewerk e.V.
1999 übertrug der Allbau seine Geschäftsaktivitäten im Bereich der immobilienwirtschaftlichen Dienstleistungen sowie das Personal auf die Allbau Managementgesellschaft mbH (AMG) übertragen. Am 31.12.2002 betrug der Personalbestand der AMG 139 Mitarbeiter. Dieser setzt sich zusammen aus 126 Angestellten, sieben Lehrlingen und sechs gewerblichen Arbeitnehmern.
Zum Ende noch ein paar statistische Daten. Eigene Mietwohnungen: 18.662. Eigene Gewerbeobjekte: 129. Mieten (durchschnittlich kalt je Quadratmeter in Euro): 4,46 Euro. Jahresüberschuß: 11,038 Millionen Euro. Bilanzgewinn: 5,519 Millionen Euro. Eigenkapital: 62,378 Millionen Euro.
In einem ähnlichen Sektor, nämlich der Heiztechnik, ist die Buderus Heiztechnik GmbH, ein Tochterunternehmen der Buderus AG, aktiv.
Die effiziente und möglichst umweltfreundliche Nutzung von Energie wird nach Einschätzung des Unternehmens aufgrund begrenzter fossiler Ressourcen und klimatischer Veränderungen zu einem der wichtigsten Themen des Jahrhunderts werden. Auf Basis langjähriger Erfahrungen entwickelte das Unternehmen ein umfangreiches Sortiment von modernen Solarprodukten. Abgerundet mit Systemlösungen für Pellet- und Festbrennstoffheizkessel trägt Buderus mit seinem kompletten Produktprogramm zur Nutzung regenerativer Energien diesem Anspruch Rechnung.
Angesichts der am 1. Februar 2002 in Kraft getretenen Energieeinsparverordnung (EnEV) wird die Solartechnik längerfristig ein Überdurchschnittliches Wachstum verzeichnen. Bei Niedrigenergiehäusern, die nach der EnEV im Neubau zum Standard erklärt werden, können bis zu 35% des Energiebedarfs für die Trinkwassererwärmung und Heizungsunterstützung durch die Sonne gedeckt werden. Das Herzstück einer Solaranlage zur kombinierten Trinkwassererwärmung und Heizungsunterstützung stellt der sogenannte Kombispeicher dar. Allerdings ist die alleinige Beheizung eines Gebäudes mit Sonnenenergie selbst bei Niedrigenergiehäusern nicht möglich. Für den Fall, daß die Beheizung eines Gebäudes ausschließlich mit regenerativen Energien erfolgen soll, erfordert dies die Einbindung nachwachsender Rohstoffe wie Holz. Entsprechend geeignete, in der Bedienung komfortable und energetisch effizient arbeitende Wärmeerzeuger, sind an dieser Stelle gefragt.
Eine starke Marke ist ein wertvolles Kapital für den Erfolg am Markt. Sie sichert nicht nur einen hohen Bekanntheitsgrad, sondern vermittelt Vertrauen und Sympathie. ?Neben der technischen Kompetenz und der Innovationskraft von Buderus sind auch diese Aspekte prägend für die Wertschätzung unserer Produkte und Leistungen bei Partnern und Kunden.
Eine profilierte Marke ist allerdings kein statischer Erfolgsgarant für ein Unternehmen. Sie lebt, braucht Pflege und muß immer wieder neu mit Inhalten aufgeladen werden. ?Das Vertrauen, unter der Marke Buderus innovative hochwertige Technik zu erhalten, ist ein wesentlicher Gesichtspunkt. Die Marke muß aber auch von den relevanten Zielgruppen wahrgenommen und ihre Botschaft muß verstanden werden. Erst aus dem Zusammenspiel aller Kräfte entwickeln sich kaufentscheidende Impulse im Markt, berichtet das Unternehmen. ?Zu den vielfältigen Initiativen des Marketings bei Buderus zählt auch das Engagement im Sport. Mit dem werblichen Auftritt im Sport nur auf die zu erreichende Markenbekanntheit zu setzen, greift jedoch zu kurz. Eine glaubwürdige Markenführung orientiert sich an klaren strategischen Grundlinien.
Die konjunkturelle Schwäche des Vorjahres setzte sich in Westeuropa auch im Geschäftsjahr 2002 weiter fort, so daß die im Frühjahr allgemein noch in der Wirtschaft gehegten Erwartungen eines bevorstehenden Aufschwungs nicht bestätig wurden. Bedingt durch den überdurchschnittlich schwachen Konjunkturverlauf in Deutschland wurde nur ein minimales reales Wirtschaftswachstum erzielt, während der Vergleichswert für Westeuropa bei 0,75% lag.
Der inländische Heizungsmarkt wurde in 2002 von der schlechten konjunkturellen Entwicklung dominiert. Insbesondere war es die Konsumzurückhaltung, die sich negativ auf der Ersatz- und Modernisierungsgeschäft auswirkte und damit maßgeblich das Inlandsgeschäft 2002 prägte. Hinzu kam, daß die Bauleistung in Deutschland sowohl im Wohnungs- und Wirtschaftsbau als auch im öffentlichen Hochbau erneut rückläufig war. Auch die Nachfrage nach Heizungsmaterial, die von der Beseitigung der Flutschäden ausging, war nur von kurzfristigem Charakter. Der zweistellige Nachfragerückgang bei Solarerzeugnissen und Festbrennstoffkesseln ist auf die Kürzungen öffentlicher Fördermittel zurückzuführen. So verringerten sich im Geschäftsjahr 2002 die Aufträge zur Förderung von Solaranlagen im Vergleich zum Vorjahr um etwa 40%.
Der Umsatz des Großhandels mit Zentralheizungsmaterial lag deutlich unter dem Wert des Jahres 2001. Die diesbezüglichen Umsatzeinbußen erstreckten sich mit Ausnahme der Brennwertheizkessel und Heizungswärmepumpen über alle Produktgruppen. Vor diesem Hintergrund hat der Konsolidierungs- und Wettbewerbsdruck in der deutschen Heizungsbranche weiter zugenommen.
Insbesondere durch die negative konjunkturelle Entwicklung des inländischen Heizungsmarktes bedingt verzeichnete der Konzernbereich Heizungsprodukte im Geschäftsjahr 2002 gegenüber dem Vorjahr einen Umsatzrückgang um 2,4% auf 1,207 Milliarden Euro. Während sich der Auslandsumsatz erneut auf dem Wachstumsweg befand und um 17,7 Millionen Euro oder 4,4% auf 416,6 Millionen anschwoll, mußte im Inland gegenüber dem Geschäftsjahr 2001 ein Rückgang um 5,6% auf 790,2 Millionen Euro hingenommen werden. Der Auslandsanteil am Gesamtumsatz stieg von 32,3% im Vorjahr auf 34,5% im Berichtsjahr an.
Das Dienstleistungsangebot der Niederlassungen und Service Center beinhaltet außer der Logistikfunktion, der individuellen Beratung und der Vermittlung von Finanzierungsangeboten auch ein umfassendes Informations- und Schulungsangebot. So schulte Buderus alleine in den inländischen Niederlassungen 2002 etwa 19.000 Kunden. Im Ausland ist die Buderus Heiztechnik GmbH in 13 europäischen Ländern sowie in den USA und China mit eigenen Vertriebs- und Service Gesellschaften vertreten.
Der Gewinn belief sich im Jahre 2002 auf 115 Millionen Euro. Die Mitarbeiterzahl im Inland verringerte sich auf 4.527 (Vorjahr 4.566). Diese Rückführung ist im Wesentlichen auf erreichte Produktivitätsverbesserungen und die Anpassung der Personalkapazitäten an das schwierige konjunkturelle Umfeld im Geschäftsjahr 2002 zurückzuführen. Der Gesamtaufwand für Personal im Konzernbereich Heizungsprodukte belief sich im Geschäftsjahr 2002 auf 269,1 Millionen Euro. Auf Löhne und Gehälter entfielen davon 81,1% = 218,3 Millionen Euro. Für soziale Leistungen betrug der Gesamtaufwand 50,8 Millionen Euro = 18,9%. Davon wurden 11,8% = 6 Millionen für die betriebliche Altersversorgung aufgewendet.
Der Pelikan. Dies ist nicht nur der Namen für einen Vogel. Dies ist auch der Name einer Firma, die Qualitätswaren für den Bürobereich produziert.
?Auch im Jahre 2002 konzentrierte sich die Gruppe der Pelikan Holding AG darauf, ihre Strukturen zu verbessern und die Prozesse zu optimieren, um langfristig das Betriebsergebnis zu erhöhen. Die Projekte zur Kostensenkung durch Produktivitätssteigerungen hatten weiterhin hohe Priorität. Die fortlaufende Einführung solcher Maßnahmen erhöht die künftige Wettbewerbsfähigkeit der Gruppe, trotz der allgemein ungünstigen Wirtschaftslage und der negativen Ereignisse wie dem Irak.
Im Vergleich zum Vorjahr ging der Konzernumsatz um 3,5% zurück. Die einzelnen Projektgruppen entwickelten sich dabei unterschiedlich. Während im Bereich der Schreibgeräte eine Umsatzsteigerung von 5% gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen war, wurde diese sehr positive Entwicklung durch Umsatzrückgänge in den anderen Bereichen neutralisiert. Die Zunahme bei den Schreibgeräten ist nicht zuletzt auch auf die gesteigerten Bemühungen im Bereich der Forschung und Entwicklung zurückzuführen. Hervorzuheben sind die Entwicklungen im Bereich der hochwertigen Schreibgeräte, vor allem die ?Limited-? und ?Special Editions sowie ein breit abgestütztes Konzept für die Schreibgeräte aus dem Bereich ?Schule/Freizeit. Die Pelikan Gruppe ist sich der Bedeutung der Forschungs- und Entwicklungstätigkeit in einem stetig wachsenden Wettbewerbsmarkt bewußt. Konsequenterweise wurden in 2002 die Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf 2,7 Millionen Schweizer Franken erhöht, berichtet Loo Hooi Keat, vorsitzender des Verwaltungsrates.
Im Jahre 2002 erwartete man trotz der ebenfalls erkennbaren Risiken eine schrittweise Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die weltweiten wirtschaftlichen Aktivitäten im Jahr erwiesen sich stärker als erwartet mit Ausnahme von Westeuropa. Der Papier, Büro und Schreibwaren Markt ist im Jahre 2002 nach eigenen Schätzungen in Deutschland um etwa 5% zurückgegangen. Die Markteinflüsse auf den Umsatz der Gruppe der Pelikan Holding AG waren unterschiedlich: leicht tiefere Umsätze in Europa, aber nachhaltige Umsätze in den meisten übrigen Regionen. Die Pelikan Gruppe verzeichnete insgesamt einen leichten Umsatzrückgang von 3,5% gegenüber dem Vorjahr. In 2002 wurden Vertriebskooperationen mit Faber Castell in der Schweiz und in Österreich wirksam.
Die QUADRIGA plus GmbH wurde im Jahre 2000 in Hannover zusammen mit drei anderen bekannten Partnern gegründet, um die modernen Vertriebskanäle zu beliefern. Am 9. August 2002 entschieden die vier Vertriebspartner von ?Quadriga plus, die Gesellschaft aus wirtschaftlichen Gründen zu schließen. Die früheren Kunden von ?QUADRIGA plus werden nun von den beteiligten Gesellschaften direkt beliefert.
Der bestehende Markenrechtsvertrag mit Henkel wurde in der Gesamtlaufzeit auf den 31. März 2004 beschränkt. Im Gegenzug verpflichtete sich Pelikan im Falle der Markteinführung von Klebestiften und / oder Rollerprodukten diese vom 1. April 2004 bis 1. April 2009, ausschließlich von Henkel zu beziehen.
Unverändert ist Pelikan Holding Sdn. Bhd. mit Sitz in Malaysia Mehrheitsaktionärin der Pelikan Holding AG. Per 31.12.2002 hielt sie 64,9% der Pelikan Aktien.
Der Umsatz verteilt sich jeweils zu rund einem Drittel auf ?Schreibgeräte, ?Schule / Freizeit und auf die Produktgruppen ?Büro allgemein, ?Hardcopy und ?Übrige.
In der Produktgruppe sind ?Schul- und Jugendschreibgeräte, ?Hochwertige Schreibgeräte, ?Büroschreibgeräte und ?Übriges (Tinte, Tintenkiller usw.) enthalten. Der Umsatz mit den ?Schreibgeräten konnte 2002 um 4,6&% gesteigert werden.
In der Produktgruppe ?Schule / Freizeit beträgt der Umsatzrückgang 7,6%. Im ?Büro allgemein sind auch die in den Ländern Deutschland, Österreich und Schweiz vertriebenen Henkel Produkte enthalten. In dieser Produktgruppe resultierte ein Umsatzrückgang von 10,5%. Der Bereich Hardcopy liegt mit 8 Millionen Schweizer Franken unter demjenigen des Vorjahres von 11,2 Millionen Schweizer Franken. Das Zinsergebnis zeigt einen Nettogewinn von 100.000 Schweizer Franken (Vorjahr 400.000 Schweizer Franken). Das Ergebnis aus den nicht konsolidierten Beteiligungen weist einen Gewinn von 700.000 Schweizer Franken (Vorjahr Verlust von 100.000 Schweizer Franken) aus.
Der Personalbestand reduzierte sich im Jahre 2002 um 41 Personen auf 789 Personen.

Am 26. April 1979 beschloss der Rat der Stadt Essen, die Stadtwerke AG (SWE AG) und die Essener Verkehrs AG (EVAG) unter einer Holding zusammenzufassen. Heute sind gleich vier Essener Unternehmen unter dem Dach der Essener Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH (EVV) vereint. Neben der SWE AG und der EVAG gehören auch die ALLBAU und die EVAG Betriebsgesellschaft (EVBG) zur Familie.
Die Stadtwerke Essen AG versorgt Essen mit Erdgas und Trinkwasser. Sie unterhält einen Hafenbetrieb am Rhein Herne Kanal. Als Serviceunternehmen setzt die SWE AG aber auch auf Beratung: beispielsweise in Sachen Energie beim Hausbau oder der Modernisierung, einerlei ob für private oder gewerbliche Kunden.
Rund 1.800 Kilometer lang ist das System von Wassertransportleitungen, das die Essener rund um die Uhr mit Trinkwasser versorgt. 13 Wasserbehälteranlagen Hoch- und Erdbehälter sichern die Wasserversorgung und decken die Spitzenverbrauchsmengen. Alle zusammen haben ein Fassungsvermögen von etwa 54.000 Kubikmeter. Das entspricht 350.000 gefüllten Badewannen.
Die Essener Verkehrs AG kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Am 11. Februar 1895 wurde sie als ?Süddeutsche Eisenbahn Gesellschaft mit Sitz in Darmstadt gegründet. Und rund 60 Jahre später am 29. September 1954 in EVAG umbenannt. Gerade einmal 100 Jahre alt, wurde das Verkehrsunternehmen umstrukturiert, modernisiert und auf den Wettbewerb vorbereitet. Heute widmet sich die EVAG dem Verkehrsmanagement und überläßt das Fahrgeschäft ihrer ?kleinen Schwester, der EVAG Beteiligungsgesellschaft.
136 Straßenbahnwagen und 220 Omnibusse, drei U-Bahn-, 7 Straßenbahn- und 47 Buslinien und 3 Betriebshöfe gehören eigentlich der EVAG, werden aber der EVBG zur Verfügung gestellt.
Personennahverkehr ist das Kerngeschäft der EVBG. Über 1.000 Fahrer befördern Menschen in Essen von A nach B möglichst pünktlich und sicher, eben möglichst ganz nach Plan. Aber auch außer der Reihe lassen sich die Busse der EVBG anmieten.
Mit 18.677 Mietwohnungen ist der ALLBAU einer der größten Wohnungsanbieter in Essen. Seit den 1920er Jahren hat der ALLBAU die städtebauliche Entwicklung in Essen und damit die Wohnungssituation der Essener Bürger mitbestimmt. Letztere stehen hier im Mittelpunkt. Sei es beim Reparaturservice, beim Wohnungstausch oder bei der Beratung durch die Kundenteams.
Die Geschäftstätigkeit des EVV Konzerns umfaßte 2002 den öffentlichen Personennahverkehr im Essener Stadtgebiet (einschließlich der Personenschiffart auf dem Baldeneysee und der Ruhr), die Versorgung der Essener Bevölkerung mit Wasser und Gas, den Betrieb des Essener Stadthafens sowie die Betriebsführung des städtischen Abwasserkanals. Außerdem ist der Konzern in der Telekommunikation und der Wohnungsbewirtschaftung tätig. Das operative Geschäft wird im wesentlichen durch die Tochtergesellschaften Stadtwerke Essen AG, Entwässerung Essen GmbH (EEG), Essener Verkehrs AG, EVAG Betriebsgesellschaft mbH, ALLBAU AG und ALLBAU Managementgesellschaft mbH, die Weiße Flotte Baldeney GmbH und durch das Beteiligungsunternehmen TROPOLYS GmbH betrieben.
Der Gasabsatz lag 2002, hauptsächlich bedingt durch die im Jahresdurchschnitt höheren Temperaturen, deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Es war ein Mengenrückgang von 106,9 Mio. KW oder 3,1% zu verzeichnen. Mit 861 neuen Anschlüssen wurde aber 2002 wiederum ein Neukundenzuwachs verzeichnet. Der Wasserabsatz nahm 2002 um 0,6% ab. Bei rückläufiger Einwohnerzahl setzte sich der langfristige Trend sinkender Verbrauchsmengen fort. Die Beförderungsleistung im Nahverkehr stieg 2002 auf dem bisherigen hohen Niveau nochmals deutlich an.
Der EVV Konzern erwirtschaftete 2002 einen Jahresüberschuss von 72,3 Millionen Euro (Vorjahr: Fehlbetrag von 39,7 Millionen Euro). Den Hauptanteil am Ergebnis hatte die EVV, die durch die Umgliederung ihres Aktienbestandes erhebliche Buchgewinne erzielte, die zu einem Jahresüberschuss von 69 Millionen Euro führten.
Einen positiven Beitrag zum Ergebnis konnte die EVAG beisteuern, die durch den Abschluss von drei US-Leasing-Transaktionen einmalige Erträge von 60 Millionen Euro erwirtschaftete und ihren Jahresfehlbetrag damit auf 2 Millionen Euro senken konnte. Es ist davon auszugehen, daß die Stadt Essen auch in Zukunft die erforderliche Liquidität für den EVV Konzern bereitstellen wird. Die notwendigen Gelder dazu sind bis 2006 in die mittelfristigen Finanzpläne des städtischen Haushalts eingestellt, berichtet der Konzern.

Das Ruhrlandmuseum Essen hat seinen Standort an der Goethestraße verlassen. Das alte Museumsgebäude wird bis Ende 2007 abgerissen. An gleicher Stelle soll 2010 ein Neubau für das Museum Folkwang eröffnet werden. Aus dem alten Ruhrlandmuseum wird das neue Museum Ruhr auf dem Weltkulturerbe Zollverein. Die Eröffnung ist für Ende 2008 geplant.
Das Mineralien - Museum in Essen - Kupferdreh wartet mit neu gestalteten Ausstellungsräumen auf. Das neue Konzept in präsentiert in Themenräumen Highlights aus der naturwissenschaftlichen Sammlung, ergänzt um Exponate aus der Archäologie. Die neuen Präsentationen `Mammut, Mensch und Feuerstein', `Die Knochenhammer', `Tiere der Urzeit', `Wunderkammer Natur', `Kohle - das schwarze Gold' und `Der Klang der Steine' eröffnen vielfältige Einblicke in die Welt der Steine und Materialien sowie in die Geschichte der Erde und ihrer Bewohner. Im Mineralien - Museum ist der Eintritt frei."
Spärlich sind die Informationen, die das Museum über sich selbst vermittelt. Auf der Kupferdreher Straße 141 - 143 in Essen untergebracht und die Bushaltestelle "Poststraße" direkt vor der Haustüre zeigt es überwiegend Mineralien. Zum einen gibt es hell erleuchtete Vitrinen; leider fehlen hier die Fachinformationen, die erzählen, was der Besucher gerade sieht.
Wesentlich interessanter sind da schon die Mitmachräume. Hier kann der (jugendliche? jung gebliebene?) Besucher erfahren, ob und wie man mit Steinen und anderen Materialien Musik machen kann. Dieses Museum hat den Mief vieler Heimatmuseum hinter sich gelassen. Es ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

Synagoge

"Die Dauerausstellung `Stationen jüdischen Lebens. Von der Emanzipation bis zur Gegenwart' befasst sich mit der Geschichte jüdischen Lebens in Deutschland und in Essen von der rechtlichen Gleichstellung im 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart.
Sie beleuchtet das Leben einer Minderheit zwischen Anpassung und Bewahrung ihrer Identität, zeigt die sozialen und kulturellen Unterschiede im religiösen Alltagsleben der deutschen Juden.
Die Ausstellung beginnt mit einer kurzen Einführung in das häusliche und synagogale religiöse Leben. Nach einem Hinweis auf jüdisches Leben im Mittelalter werden die ersten Ansätze einer rechtlichen Gleichstellung von Juden thematisiert. Die nächste Ausstellungsnische gilt dem jüdischen Leben im Kaiserreich und der Weimarer Republik. Wie war das Verhältnis zwischen den `Ostjuden' und den deutschen Juden? Wie reagierten Juden auf den wachsenden Antisemitismus? In welchen Bereichen waren Juden tätig? Dies sind einige der Fragen, die hier behandelt werden.
Daran schließt sich eine weitere Nische zum jüdischen Gemeindeleben jener Zeit an, die einige Einblicke in die Vielfalt jüdischer Vereine, Organisationen und innerjüdischer Diskussionen gewährt. Unter dem Titel `Entrechtung und Selbstbehauptung' wird auf die Verfolgungsmaßnahmen des NS - Staates und die jüdischen Versuche hingewiesen, unter schwierigsten Bedingungen ein Leben in Würde und Selbstbehauptung aufrecht zu erhalten. Es folgen Hinweise auf die Bemühungen um Auswanderung, den Zionismus und auf erste Erfahrung der ins Land Israel Geflüchteten. Der 9. November 1938, der Tag, an dem in Deutschland Synagogen, jüdische Einrichtungen und Privathäuser zerstört wurden, bildet einen weiteren Schwerpunkt. Hier kann man den Erlebnisbericht einer jungen Essener Rabbinertochter hören und die Gedenkblätter zum Leben ermordeter Essener Juden lesen. Eine Metallschiene markiert dann das vorläufige Ende des deutschen Judentums; gleichwohl entstand schon bald nach 1945 neues jüdisches Leben in Deutschland.

Am 25. September 1913 wurde das Gebäude an der Steeler Straße als damals `Neue Synagoge' der Essener jüdischen Gemeinde eingeweiht. Die Gemeinde und der Architekt Edmund Körner setzten neue Maßstäbe für den Synagogenbau in Deutschland. Die Synagoge verband Modernität und Tradition und zeugte so von der Zukunftsgewißheit ihrer Besitzer.
Wie fast alle Synagogen in Deutschland wurde diese in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 geschändet. Der Innenraum brannte aus, im Äußeren blieb sie jedoch weitgehend erhalten.
Nach 1945 stand sie lange Zeit als mahnende Ruine im Zentrum der Stadt Essen. Die jüdische Nachkriegsgemeinde, deren Mitglieder mehrheitlich keine früheren Essener Juden waren, entschied sich für den Neubau einer kleineren Synagoge. So erwarb die Stadt Essen das Gebäude 1959 und richtete in ihm das `Haus Industrieform', eine Ausstellungsstätte für Industriedesign, ein. Hierzu wurde der Innenraum in eine damals übliche nüchterne Zweckform gebracht, das Innere des Hauses `entkernt', der Torahschrein abgerissen, noch vorhandene Mosaike und Ornamente überstrichen und die Kuppen mit einer tief hängenden Decke unsichtbar gemacht.
Bedingt durch einen Kurzschluß brannten Teile der Ausstellung 1979 aus. Der Rat der Stadt Essen beschloß daraufhin, dem Gebäude einen neuen Inhalt zu geben. Am 9. November 1980 wurde die Alte Synagoge als Gedenkstätte sowie politisch - historisches Dokumentationsforum eingerichtet. Zunächst wurde allerdings die architektonische Innengestalt gegenüber dem `Haus Industrieform' kaum verändert. Auch seine einstige jüdische Bedeutung blieb unbeachtet.
Eine Rekonstruktion im Innern zwischen 1986 und 1988 ließ den vormaligen Charakter des Synagogenbaus in seinen Konturen wieder nachvollziehbar werden. Die Kuppel wurde freigelegt, die Frauenempore erneut eingezogen und die bis dahin verdeckten Fenster wieder sichtbar. Zugleich sollten aber auch die unwiederbringlichen Verlust architektonisch markiert werden. An die Stelle der Mosaike und Einlegearbeiten im Innenraum sind deshalb weiße, leere Kreise getreten.

Ein wenig schwierig ist dieses Gebäude schon zu beschreiben. Was nicht etwa an seiner Geschichte oder an seiner Nutzung liegt, sondern an seiner Architektur. Aber ich werde es mal versuchen - aber bitte nicht böse sein, wenn es nicht ganz perfekt ist.
Die Alte Synagoge liegt in der Essener Innenstadt, ganz in der Nähe von Rathaus und altkatholischer Kirche, ist also verkehrstechnisch gut zu erreichen.
Durch ein kleines Foyer, in dem Informationsschriften ausliegen und sich eine Garderobe befindet, betritt der Besucher den eigentlichen Ausstellungssaal. Er ist ein großer, sehr hoher und runder Kuppelsaal. Stein (und Marmor?) ist das einzig sichtbare Baumaterial. Gegenüber dem Eingang: Was liegt da eigentlich, wenn man die Halle durchquert? Mehrere Treppen führen zu einer pompös gestalteten Wand, deren Sinn sich für den normalen Besucher nicht erschließt. Keine Hörstation, keine Videoinstallation, keine Schautafel verdeutlicht den architektonischen und / oder liturgischen Sinn der Wand.
Vier Kronleuchter und diverse Lampen hängen von der Kuppel in die Mitte des Raumes. Das nächste Gestaltungsmerkmal: die Empore, die sich an den Außenwänden entlangschlängelt. Sie wird heute zu Ausstellungszwecken genutzt. Die Ausstellung besteht altmodischerweise überwiegend aus Schautafeln. Historische Gegenstände gibt es kaum. Erwähnenswert sind noch die Fenster. Gelb und ein helles Grau sind ihre bevorzugten Farben. Unterhalb der Empore sind es normale, schlichte, rechteckige Fenster mit der kurzen Seite oben. Oberhalb der Empore sind die Fenster vergleichsweise riesig, in Rundbögen untergebracht und auf schlichte Weise künstlerisch gestaltet.
Ich setze mich in eine der Stuhlreihen in der Mitte des Erdgeschosses. Schön ruhig ist es hier. Ich bin der einzige Besucher an diesem Samstagvormittag; Straßenlärm dringt nicht herein. Die Öffnungszeiten dieser Gedenkstäte: dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos. Allein schon wegen der Architektur lohnt sich der Besuch.
 

Dom zu Essen  - Von Andreas Rüdig
Es ist der Ostersamstag 2008, als ich im Essener Münster eintreffe. Das Wetter ist kühl und bewölkt, aber trocken. Die Mormonen haben einen Stand vor dem Gotteshaus errichtet; ein Ostermarkt findet in der Einkaufsstraße statt.
Ob die Anbetungskirche auch zum Essener Dom gehört? Keine Ahnung. Von außen wirkt es wie ein zusammengehöriges Bauwerk. Also trete ich ein. Recht klein (und vor allem ungeheizt) ist dieser Gottesraum. Rote Säulen, weiße Wände, weiße Fenster und braunes Mobiliar gibt es hier zu sehen. Mobiliar? Nun ja, ich weiß nicht so genau, ob diese Ausdruck bei Kirchens üblich ist. Diverse Sitzbänke für die Gläubigen gibt es, eine dunkelbraune Kanzel mit Deckel - und dann den Altarraum. Zwei vergoldete dunkelbare Bänke für die Priester gibt es hier, einen steinernen Altar mit weißem Antependium, Kreuz und 2 weißen Kerzen, 4 Hängelampen, eine relativ kleine Orgel, die an der Wand hängt, ein schlichtes Lesepult und ein verziertes Lesepult aus Bronze. Je 2 lange, schmale Kerzen und Blumenschmuck auf jeder Seite zieren eine gekreuzigte Jesusfigur. Alles in allem wirkt dieser Raum angenehm schlicht.
" Das Gelände des Domes war bereits vor der Gründung des Stiftes besiedelt. Der Hildesheimer Bischof Altfrid (Amtszeit 847�874) soll auf seinem Gut Asnide ein Frauenstift gegründet haben. Ein direkter Nachweis dieses Gutes ist bisher nicht gelungen. Pfostenlöcher, merowingerzeitliche Scherben und Bestattungen nahe der Münsterkirche lassen jedoch den Schluss zu, das bereits vor Gründung des Stiftes eine Besiedelung des Platzes bestand.

Die erste Kirche

Die heutige Essener Domkirche ist der dritte Kirchenbau an dieser Stelle. Grundmauern der Vorgängerkirchen wurden 1952 von Walter Zimmermann ausgegraben. Die erste Kirche an dieser Stelle wurde von den Gründern des Essener Stifts, dem Hildesheimer Bischof Altfrid und Gerswid, der ersten überlieferten Äbtissin, zwischen 845 und 870 errichtet. Der Bau, der bereits die Breite von Mittel- und Seitenschiffen seiner Nachfolgerbauten vorgab, war eine dreischiffige Basilika in west-östlicher Ausrichtung. Westlich vor dem Langhaus befand sich eine kleine, fast quadratische Vorhalle. Die Arme des Querhauses schlossen sich an einen rechteckigen Mittelraum an, sie hatten die Höhe des Mittelschiffes. Nur von den Querhausarmen aus waren Räume in den östlichen Enden der Seitenschiffen zugänglich. Ob diese Räume, wie Zimmermann anhand der Ausgrabungsbefunde annahm, die Höhe des Seitenschiffes hatten oder, wie Lange in einer neueren Rekonstruktion annimmt, die Höhe der Seitenchöre, ist strittig. Östlich der Vierung befand sich der halbrund geschlossene Chor, an den sich seitlich rechteckige Räume anlehnten, die vom Querhaus aus zugänglich waren.

Diese erste Kirche wurde 946 durch einen Brand beschädigt, der in den Kölner Annalen als Astnide cremabatur (?Essen brannte nieder�) verzeichnet ist.

Die frühottonische Stiftskirche

Aus den Jahren 960�964 sind mehrere Weiheinschriften für Teile der neuen Kirche überliefert, aus denen geschlossen wird, dass der Brand von 946 die Kirche nur beschädigt hatte. Für Langhaus und Chor sind keine Inschriften überliefert, diese wurden wohl vom karolingischen Bau übernommen, die einzelnen Bauabschnitte sind strittig, einige Teile können bereits vor dem Brand begonnen worden oder fertig gewesen sein. Notwendigen Erneuerungen zu einem Ausbau der Kirchenanlage zu benützen war nicht ungewöhnlich. Die neuen Teile, die vermutlich von den Äbtissinnen Agana und Hathwig in Auftrag gegeben wurden, waren eine Außenkrypta, ein Westwerk sowie ein dem Westwerk vorgelagertes Atrium mit einer Kapelle des Heiligen Johannes des Täufers. Dieser Kirchenbau kann aus den Grabungsbefunden rekonstruiert werden, hatte in dieser Form allerdings nicht lange Bestand, da bereits unter der kunstsinnigen Äbtissin Mathilde, die von 973 bis 1011 amtierte, vielleicht aber auch erst unter der von 1039 bis 1058 regierenden Äbtissin Theophanu, ein Neubau errichtet wurde. Möglich ist auch, dass ein von Mathilde begonnener Neubau durch Theophanu vollendet wurde. Von dem ottonischen Neubau sind heute noch bedeutende Bestandteile erhalten.

Der ottonische Neubau

Die Ausdehnung des ottonischen Neubaus war durch die beiden Vorgängerbauten vorgegeben. Der größte Teil der Fundamente wurde wieder verwendet, nur dort, wo die Belastungen gewachsen waren oder die Raumaufteilung stark abwich, wurden neue gesetzt.

Auch der Neubau bestand aus einem dreischiffigen Langhaus mit Querhaus und einem anschließenden Chorraum, der von Nebenchören begleitet wurde. In den Chorraum war nun eine Krypta hineingebaut worden. Der Chor schloss innen mit einer halbrunden Apsis ab, die nach außen von fünf Seiten eines Zehnecks ummantelt war. An den Chor lehnte sich eine zweistöckige Außenkrypta an, deren Westmauern sich an die östlichen Mauern der Nebenchöre anschlossen. Türen neben den Altarnischen gewährten direkten Zugang zur Krypta. Die Nebenchöre besaßen Emporen, die sowohl zu den Querhausarmen als auch zum Hauptchor hin geöffnet waren. Die Außenwand der Querhausstirnseiten war nunmehr zweigeschossig, wobei das Obergeschoss durch drei Nischen mit Fenstern gegliedert war. Im Erdgeschoss befanden sich Nischen, diese Nischengliederung setzte sich in den Mauern des Seitenschiffes fort. Über diesen Nischen zog sich entlang der Wände ein Laufgang, der in das Emporengeschoss des neuen Westbaus führte. Das Zwischenjoch zwischen Westbau und Langhaus wurde beibehalten. Die Gliederung der Mittelschiffswände ist nicht bekannt, Rekonstruktionen anhand anderen Kirchen, insbesondere der Stiftskirche von Susteren, die in vielem vom Essener ottonischen Neubau inspiriert scheint, nehmen einen Wechsel von Pfeilern und Säulen an. Auf der Wandzone zwischen diesen Arkaden und den Fenstern oberhalb des Anschlusses der Seitenschiffdächer befanden sich vermutlich Wandmalereien, da Reste von Malereien im Westbau gefunden wurden. Außen hatten die Obergaden des Mittelschiffs eine Gliederung aus Pilastern und Volutenkapitellen, wahrscheinlich in zwölf Feldern.

Der Westbau

Die Vermutung, dass der unbekannte Baumeister der Essener Stiftskirche einer der besten Architekten seiner Zeit war, gründet sich besonders auf den Westbau, der noch heute das Bild der Kirche bestimmt. Wie bei der Vorgängerkirche ist der Westbau nur wenig breiter als die Flucht der Seitenschiffmauern. Von Außen besteht der Westbau aus einem fast quadratischen Mittelturm, der von einem achteckigen Glockengeschoss mit Zeltdach bekrönt war. In die Westwand des Baus waren zwei achtseitige Treppentürme eingelassen, die unterhalb des Glockengeschosses des Mittelturms endeten. Das oberste Geschoss der Treppentürme war rund. Glockengeschoss des Mittelturms und die Obergeschosse der Treppentürme waren mit Pilastern versehen. An die Nord und Südseite des Mittelturmes lehnten sich zweigeschossige Seitenräume an, deren Obergeschoss von Pilastern gegliedert war. Im Erdgeschoss dieser Nebenräume führten in Nischen gesetzte Portale in die Kirche, der Mitteleingang des Vorgängerbaus in den Westbau wurde aufgegeben und durch ein großes rundbogiges Fenster ersetzt. Der Westbau verlor damit die Funktion einen Triumpheingang in die Kirche zu schaffen. Stattdessen bildete der gedrungene Baukörper ein optisches Gegengewicht zu dem breit angelegten Ostbau.

Innen war der Westbau reich und kompliziert gegliedert. In den Mittelraum ist ein Westchor in der Form eines halbierten Sechsecks eingebaut, der von einem Umgang umschlossen wird. In der Mitte befand sich in der Westwand eine flache Nische, seitlich befanden sich in flachen Nischen die Zugänge zu den Treppentürmen. Der Westbau öffnet sich gegen das Zwischenjoch in einem großen, von Pfeilern getragenen Bogen. Vor diesem Bogen stand im Westchor ein dem Hl. Petrus geweihter Altar. Im Aufbau folgen die Wände dem Vorbild des Westchores der Aachener Pfalzkapelle, an den auch die Verwendung des Oktogons für das Glockengeschoss erinnert. Im Erdgeschoss setzen drei unterteilte Bogen auf sechseckigen Pfeilern auf. Die Bogenöffnungen des Obergeschosses sind zweireihig mit Säulenstellungen gefüllt, die Säulen tragen antikisierende Kapitelle.

Von Außen gesehen war der Westbau damit eine Dreiturmanlage, die innen einen Westchor umhüllte, der ein halbierter Zentralbau war. Ein vergleichbares Bauwerk ist nicht bekannt.

Der Westbau war reich ausgemalt, wobei die Bemalung in der Halbkuppel zum Langhaus das jüngste Gericht zeigte. Die Malerei nahm auf die Erscheinung Jesu Bezug, daraus wird geschlossen, dass die Auftraggeberin der Ausmalung die Äbtissin Theophanu (dieser griechischer Name bedeutet Gotteserscheinung) war.

Die Krypta

Durch den Einbau der Krypta wurde der Boden des Hauptchores über das Niveau der Böden von Lang- und Querhaus erhoben. Die Seitenchöre blieben auf einer Höhe mit Lang- und Querhaus. Die Krypta bestand aus der dreischiffigen Krypta der Agana, die durch den über ihr gebauten neuen Ostchor der Theophanu nun zur Innenkrypta wurde, und einer um diese gelegte fünfschiffige Außenkrypta. Der Zugang zur Innenkrypta erfolgte von den Ostseiten der Nebenchöre aus, durch die man zunächst in die Außenkrypta gelangte. Die Außenkrypta hatte quadratische und längsrechteckige Joche, die im Wechsel angelegt waren und durch feingegliederte quadratische Pfeiler getrennt wurden. Die drei mittleren Ostjoche waren besonders hervorgehoben. Während die Ostwände in den beiden seitlichen Jochen einfache halbrunde Nischen zeigten, war an das mittlere Joch ein kleiner, mit drei halbrunden Nischen versehener Chor angesetzt. An den mittleren Wandpfeilern der Außenkrypta sind Sandsteinplatten erhalten, denen sich als Weihedatum der Krypta der 9. September 1051 und die in den Kryptenaltären erhaltenen Reliquien entnehmen lassen.

Spätere Anbauten

Kurze Zeit nach der Fertigstellung der ottonischen Kirche, vermutlich unter der Nachfolgerin der Äbtissin Theophanu, wurde das Atrium erneuert. Das Atrium wurde 1471 bei der Erneuerung und Vergrößerung der dem Münster westlich vorgelagerten Kirche St. Johann Baptist, die als Tauf- und Pfarrkirche der Stiftsuntertanen diente, verkleinert, präsentiert sich jedoch ansonsten in seiner vermutlich 1060�1080 entstandenen Form.

Die nächste Erweiterung der Kirchenanlage war ein Anbau an das südliche Querhaus im 12. Jahrhundert. Dieser sehr massive Anbau enthielt im Obergeschoss das sectarium, in dem die Urkunden und Akten des Stifts aufbewahrt wurden, und diente vermutlich auch als Schatzkammer. Die Vorhalle des Anbaus diente wahrscheinlich den Zwecken des kirchlichen Gerichts.

Die gotische Hallenkirche

1275 brannte die ottonische Stiftskirche nieder, wobei der Westbau und die Krypta erhalten blieben. Beim Aufbau, der in die Amtszeit der Äbtissinnen Bertha von Arnsberg und Beatrix von Holte fiel, verbanden die Baumeister altes mit den neuen Bauformen der Gotik. Die Form der Hallenkirche wurde in bewusstem Kontrast zum Kölner Dom gewählt, da sich das Stift Essen den Machtansprüchen der Kölner Erzbischöfe erwehren musste und die Bauherrinnen mit der Bauform ihre Einheit und Unabhängigkeit ausdrücken wollten. Am Neubau haben nacheinander zwei Baumeister gewirkt, von denen der erste, ein Meister Martin, im Jahr 1305 aufgrund von Differenzen mit der Äbtissin Beatrix von Holte auf sein Amt verzichtete. Meister Martin, der, wie aus Details seiner Ornamentik gedeutet wird, Kirchenbauten aus Burgund und der Champagne kannte wie auch die Formensprache der Kölner und Trierer Dombauhütten, zeichnete für die Gesamtkonzeption verantwortlich. Diese sah zunächst einen Langchor ähnlich der St.-Vituskirche in Mönchengladbach vor. Noch unter der Bauleitung von Meister Martin wurde dieses Konzept aufgegeben und ein von der 1235 begonnenen Marburger Elisabethkirche inspirierter Hallenchor gebaut, mit dem die Außenkrypta überbaut wurde. Diese Übertragung der Form des Langhauses auf den Chor war erstmalig in Deutschland. Der Nachfolger Meister Martins ist namentlich nicht bekannt. Seine Formensprache ist eher bodenständig-westfälisch, er übernahm jedoch die Baukonzeption seines Vorgängers und führte diese zu Ende.

Die ursprünglich flacheren Dächer des Oktogons und der Treppentürme wurden durch spitzere Hauben ersetzt, die Treppentürme außerdem noch ein Stockwerk erhöht. Über der Vierung besaß die gotische Stiftskirche noch einen Vierungsturm. Auch der Kreuzgang wurde erneuert. Der gesamte Neubau wurde an einem 8. Juli neu geweiht, wahrscheinlich 1316. Der 8. Juli ist der heute noch begangene Weihetag der Münsterkirche.

Spätere Veränderungen

Im 18. Jahrhundert erfolgte eine Barockisierung der Stiftskirche. Der alte Vierungsturm wurde durch einen schlankeren Dachreiter ersetzt. Die Fenster der Südseite des Domes wurden verbreitert und verloren ihr gotisches Maßwerk. Die spitzen Hauben des Westbaus wurden durch barocke Zwiebelhauben ersetzt, zudem erhielt das Glockengeschoss eine Uhr. Im Inneren wurde ein Großteil der alten Innenausstattung entfernt und ersetzt, so dass sich nur wenige originale Teile der gotischen Ausstattung erhalten haben, die sich nicht mehr in Zusammenhänge bringen lassen.

Um 1880 folgte man in Essen der modischen Begeisterung, die Gotik als urdeutschen Baustil anzusehen, und machte die Änderungen des Barocks soweit rückgängig, wie es möglich war. Der Westbau erhielt sein vorheriges Aussehen zurück, wobei der Essener Architekt und Kunsthistoriker Georg Humann verhindern konnte, dass dieser gotisiert wurde. Außerdem entfernte man die barocke Innenausstattung, von der heute nur noch zwei Heiligenfiguren im Eingang der Domschatzkammer erhalten sind. Daneben erhielt die Kirche ihre heutige Dachgestaltung und einen neugotischen Dachreiter auf der Vierung.

Kriegszerstörung und Wiederaufbau

In der Nacht vom 5. auf den 6. März 1943 flog die Royal Air Force mit 442 Flugzeugen einen Angriff auf die durch die Kruppwerke für die Kriegswirtschaft des Nationalsozialismus wichtige Stadt Essen, bei dem in weniger als einer Stunde 137.000 Brandbomben und 1100 Sprengbomben über der Innenstadt abgeworfen wurden. Die Münsterkirche brannte aus und erlitt schwerste Schäden, lediglich die ältesten Teile des Baus, der Westbau und die Krypta, wurden geringer beschädigt. Der Entschluss zum Wiederaufbau wurde nach der Befreiung durch die alliierten Truppen bereits in einer der ersten Sitzungen des von diesen eingesetzten Stadtrats unter dem kommunistischen Oberbürgermeister Heinz Renner einstimmig gefasst. Noch im selben Jahr begann man mit Sicherungsarbeiten der Trümmer. Die Kriegszerstörungen ermöglichten auch die umfangreichen archäologischen Ausgrabungen in der Kirche durch Walter Zimmermann; diese erbrachten zahlreiche Erkenntnisse über die Vorgängerbauten der heutigen Kirche wie auch über die Bestattungen in der Kirche. Der Wiederaufbau wurde 1951 begonnen und geschah zügig: Bereits 1952 waren der Westbau und das Langhaus wieder benutzbar, bis 1958 war auch der Rest der Kirche wieder aufgebaut, wobei man auch die Nordseite des Kreuzganges wieder schloss, die man im 19. Jahrhundert abgebrochen hatte. Der neugotische Dachreiter aus dem Vorjahrhundert wurde durch einen schlankeren und statisch günstigeren Dachreiter ersetzt. wodurch die Kirche ihre heutige äußere Gestalt erhielt. Die vollständig wiedererrichtete Kirche wurde dann 1958 Bischofssitz.

Jüngste Ergänzungen

Die Stiftskirche war nie über die Größe der ottonischen Kirche hinaus gewachsen. Erst die Einrichtung des Ruhrbistums machte eine neue Erweiterung notwendig. Franz Kardinal Hengsbach, der erste Ruhrbischof, hatte bereits zu Lebzeiten erklärt, dass er von seinem Vorrecht, in seiner Bischofskirche bestattet zu werden, Gebrauch machen wolle, aber nicht neben dem Hl. Altfrid in der ottonischen Krypta. Um diesen Wunsch zu erfüllen, wurde 1981�1983 unter dem Atrium eine Westkrypta angelegt, deren Eingang innerhalb des alten Westbaus liegt. In dieser mit modernen Betongussrelief von Emil Wachter geschmückten Adveniat-Krypta, deren Name daran erinnert, dass Kardinal Hengsbach Mitbegründer des bischöflichen Hilfswerkes Adveniat war, wurden die bei der Ausschachtung gefundenen Gebeine der im Mittelalter im Atrium bestatteten Kanoniker und 1991 auch Kardinal Hengsbach bestattet.

Die südliche Seitenschiffskapelle ist seit dem 10. Oktober 2004 der Erinnerung und Verehrung des 2001 selig gesprochenen Nikolaus Groß gewidmet und neu gestaltet.

Abmessungen

Die gesamte Kirchenanlage einschließlich der vorgelagerten Kirche St. Johann ist 90 m lang, die Breite beträgt zwischen 24 m und 31 m beim Querhaus mit Ansatz der Domschatzkammer. Die Höhen betragen:
Höhen                     Innen                  Außen
Langhaus           13 m (Gewölbe)  17 m
Chor (m. Krypta) 15 m (Gewölbe)        20 m
Westwerk     35 m
Vierungsturm   28 m
Turm St. Johann 50 m

Der Rauminhalt des Münsters beträgt grob geschätzt 45.000 m³, die Mauerwerksmasse etwa 10.000 m³. Das Bauwerk wiegt geschätzt 25.000 t.

Ausstattung

Aufgrund der Barockisierung im 18. Jahrhundert, der Regotisierung des 19. Jahrhunderts und den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs sind von der früheren Ausstattung der Münsterkirche nur wenige, aber dafür um so bedeutendere Reste erhalten. Der Innenraum wirkt vergleichsweise schlicht und vor allem durch seine Architektur, deren Detailschönheit von vielen Besuchern übersehen wird, da der Glanz der beiden bedeutendsten mittelalterlicher Kunstwerke des Domes sie überstrahlt.

Domschatz

Das Münster besitzt einen Domschatz, der der Öffentlichkeit zugänglich ist. In der nördlichen Seitenschiffskapelle befindet sich seit 1959 der größte Schatz der Kirche, die Goldene Madonna, die älteste vollplastische Marienfigur der Welt und die Schutzpatronin des Ruhrbistums. Die 74 cm hohe Figur aus Pappelholz, das mit Goldblech beschlagen ist, stammt aus der Zeit der Äbtissin Mathilde und stellt Maria als Himmelskönigin, die die Macht über den Erdkreis für ihren Sohn hält, dar. Die Figur, die ursprünglich bei Prozessionen mitgeführt wurde, gelangte vermutlich aufgrund Mathildes Verwandtschaft zum ottonischen Königshaus nach Essen. Die über tausend Jahre alte Figur wurde 2004 umfassend restauriert.

Im Zentrum des Westbaus steht heute der monumentale Siebenarmige Leuchter, den die Äbtissin Mathilde zwischen 973 und 1011 anfertigen ließ. Der Leuchter, 2,26 m hoch und 1,88 m breit, ist aus 46 aus Bronze gegossenen Einzelteilen zusammengesetzt. Der Leuchter symbolisiert die Gesamtheit von Dreifaltigkeit und der Erde mit ihren vier Himmelsrichtungen und Christus als das Licht der Welt, das im jüngsten Gericht die Gläubigen heimgeleitet (Off 7).

Im Domschatz sind zudem die Kinderkrone Ottos III. seiner Aachener Krönung, die vier ottonischen Vortragekreuze, das lange als Richtschwert der Märtyrer Cosmas und Damian verehrte ottonische Schwert sowie das Theophanu-Evangeliar bemerkenswert.

Idasäule

Das älteste erhaltene Ausstattungsstück der Münsterkirche ist die Kreuzsäule im Chorraum, die heute ein modernes Kreuz trägt. Bis ins 15. Jahrhundert trug sie ein mit vergoldetem Kupferblech überzogenes Kreuz, von dem sich noch heute die Stifterplatte und möglicherweise weitere Reste im Domschatz befinden. Die Inschrift ISTAM CRUCEM (I)DA ABBATISSA FIERI IUSSIT (?Dieses Kreuz ließ die Äbtissin Ida anfertigen�) lässt die 971 verstorbene Essener Äbtissin Ida als Auftraggeberin erkennen, diskutiert wird jedoch auch die Schwester der Essener Äbtissin Theophanu, Ida, Äbtissin von St. Maria im Kapitol zu Köln. Die Säule selbst ist wahrscheinlich eine antike Spolie, wie aufgrund des kannelierten Untersatzes mit attischer Basis angenommen wird. Das Kapitell ist der Antike nachempfunden, allerdings besonders reich verziert. In der Gestaltung ist es den Kapitellen der Westempore, der Krypta, sowie denen in der Ludgeridenkrypta der Werdener Abteikirche und der Luciuskirche in Werden verwandt.

Altfrids-Grabmal

In der Ostkrypta befindet sich das gotische Hochgrab des Hildesheimer Bischofs und Gründers von Essen Altfrid aus Kalksandstein, das auf die Zeit um 1300 datiert wird und vermutlich unter der Äbtissin Beatrix von Holte entstand. Begründet wird die Datierung mit auffallenden Ähnlichkeiten der Tumba mit Kölner Heiligengräbern, insbesondere dem Grab der Hl. Irmgard im Kölner Dom.

Weitere Kunstwerke

Das heilige Grab im südlichen Seitenschiff stammt aus der Spätgotik. Die Epoche des Barock ist im Essener Münster durch zwei Epitaphe vertreten. Der Ältere der 1614 verstorbenen Äbtissin Elisabeth von Bergh enthält noch deutliche Renaissanceelemente. Diese in Antwerpen aus schwarzem Marmor gefertigte Platte befindet sich an der Nordwand des östlichen Seitenschiffjochs und zeigt die Äbtissin in ihrer Amtskleidung, umgeben von den Wappen ihrer Vorfahren. Der zweite Epitaph, der der Äbtissin Johanna von Baexen, stammt von 1677 und befindet sich an der südlichen Außenmauer.

Aufgrund der Kriegszerstörungen hat die Münsterkirche keine alten Fenster des Mittelalters. Das Essener Domkapitel hat beim Wiederaufbau jedoch bedeutende moderne Künstler beauftragt, neue Fenster für die Kirche zu entwerfen und moderne Sakralkunstwerke zu fertigen, die sich in die alte Bausubstanz harmonisch einfügen. Das Michaelsfenster und die Fenster der Emporengeschosse des Westbaus sind von Heinrich Campendonk gestaltet, die Chorfenster von Ludwig Gies, die des Langhauses von Wilhelm Buschulte und die Fenster der Krypta von Alfred Manessier. Das Altarfries ist ein Werk des Bildhauers Elmar Hillebrand und seines Schülers Ronald Hughes. Die Bronzetüren von Atrium und Kirche wie auch der Kreuzwegfries im Langhaus sind Werke des österreichischen Künstlers Toni Schneider-Manzell.

Orgel

Das Münster verfügt seit 2004 über eine neue Orgel, die von der renommierten Orgelbauwerkstatt Rieger aus Schwarzach (Vorarlberg) erbaut wurde, die auf den Orgelbauer Franz Rieger zurückgeht. Die Orgel, die auch für Orgelkonzerte benutzt wird, verfügt über 4 Manuale, 95 Pfeifenreihen, 69 Register und 5.102 Pfeifen.

Geläut

Sowohl in der Glockenstube des Westwerks als auch im Dachreiter über der Vierung befinden sich Glocken. Das Geläut des Münsters wird durch das Geläut der vorgelagerten Johanneskirche klanglich ergänzt, wobei die 1787 gegossenen Glocken dieser Kirche (as1 c2 es2) allerdings nicht klanglich auf die teilweise älteren Glocken der Münsterkirche abgestimmt sind, was ein leicht unharmonisches Gesamtbild ergibt.

Die Glocken des Westwerks

Im Westwerk befinden sich drei große Glocken. Die älteste, fis1 gestimmte Glocke, stammt bereits aus dem 14. Jahrhundert. Sie trägt die Inschrift DELIGNO CLAMANTEM DUM SONO SIGNO (Mein Klang bezeichnet den Ruf Christi vom Kreuz.). Bei ihr handelt es sich um eine frühe gotische Dreiklangglocke. Die zweite ältere Glocke ist e1 gestimmt und mit 1650 kg und einem Durchmesser von 1,40 m die größte des Geläuts. Sie trägt eine längere Inschrift, die als Jahr des Gusses 1546 nennt. Gegossen wurde die Glocke direkt in Essen auf dem heutigen Burgplatz. Die dritte Glocke im Westwerk ist ais1 gestimmt und inschriftslos, der Form nach jedoch ebenfalls in das 14. Jahrhundert einzuordnen.

Die Glocken des Dachreiters

Der Dachreiter enthält ein Geläut von drei Glocken, von denen zwei, die ais2 und die cis3 Glocken 1955 von der Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock aus Gescher gegossen wurden, die auf dieselbe Gießereitradition wie die Gießerei zurückgeht, die 1787 die Glocken von St. Johann Baptist gegossen hatte. Diese beiden Glocken tragen die Inschriften Ave Maria Trösterin 1955 und Ave Maria Königin 1955. Die dritte Glocke im Dachreiter trägt die Inschrift WEI GOT WEL DEINEN DEI BIDDE VOR DE KRESTEN SEELEN AN 1522 (Wer Gott dienen will, der bete für der Christen Seelen A(nno) D(omini) 1522). Diese Glocke hat einen Durchmesser von 47,7 cm und wiegt etwa 80 kg, sie ist auf gis2 gestimmt.

Nutzungsgeschichte

Vom Anfang bis 1803

Das Essener Münster war seit der Gründung des ersten Kirchenbaus bis 1803 die Stiftskirche des Stifts Essen und Mittelpunkt des Stiftslebens. Die Kirche war weder Pfarr- noch Bischofskirche, sondern diente hauptsächlich den Angehörigen des Damenstifts. Ihre Stellung war daher einer Klosterkirche vergleichbar, auch wenn das Damenstift Essen nicht der benediktinischen Klosterregel folgte, sondern den Institutio sanctimonialium, der 816 von der Aachener Reichssynode festgelegten kanonikalen Lebensform für Frauenkommunitäten, in einer noch weltlicheren Ausprägung. Im Münster fanden die Stundengebete und Messen der Stiftsgemeinschaft statt, sowie die Fürbitten für die verstorbenen Stiftsangehörigen, die adeligen Förderer des Stiftes und deren Vorfahren im Rahmen des organisierten Totengedenkens (Memoria).

Die Anzahl der aus dem Adel stammenden Stiftsdamen, denen die Kirche diente, schwankte über die Jahrhunderte zwischen etwa 70 während der Blütezeit unter der Äbtissin Mathilde im 10. Jahrhundert und drei im 16. Jahrhundert. Lediglich an hohen Feiertagen war die Kirche für die Stiftsabhängigen und später für die Bevölkerung der Stadt Essen zugänglich, deren Gottesdienst ansonsten die der Münsterkirche vorgelagerte Kirche St. Johann Baptist, die sich aus der ottonischen Taufkapelle entwickelt hatte, oder die St.-Gertrudiskirche (heute Marktkirche) auf dem Marktplatz diente.

Die Reformation hatte auf die Münsterkirche keinen Einfluss. Die Bürger der Stadt Essen, mit dem Stift ohnehin im Dauerstreit, ob die Stadt freie Reichsstadt oder stiftsabhängig war, schlossen sich zwar überwiegend der Reformation an, die Stiftsdamen und Kanoniker und damit die Kirchgebäude des Stiftes blieben jedoch katholisch. Die protestantischen Bürger der Stadt übernahmen die nicht im Stiftsgelände gelegene St.-Gertrudiskirche, die heutige Marktkirche, die katholisch verbliebenen Bürger nutzten weiter die im Stiftsbereich gelegene Kirche St. Johann Baptist als Pfarrkirche und die Stiftsdamen ihre Stiftskirche.

Von 1803 bis heute

1803 wurde das Stift vom Königreich Preußen säkularisiert. Die Münsterkirche mit ihrem gesamten Inventar wurde allerdings sofort von der Pfarrgemeinde St. Johann Baptist übernommen. Die nächsten 150 Jahre war die Kirche Pfarrkirche. Der Name Münsterkirche, der sich eingebürgert hatte, blieb, auch wenn kein Stift mehr bestand. Als Pfarrkirche diente sie der katholischen Innenstadt-Gemeinde der Stadt Essen, die gerade im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts an Köpfen erheblich zunahm.

Nachdem es bereits in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts erste Bestrebungen gegeben hatte, ein Bistum im Ruhrgebiet zu errichten, wurde 1958 aus Teilen der Bistümer Münster, Paderborn und Köln ein neues Bistum errichtet, zu dessen Bischofskirche die Essener Münsterkirche erhoben wurde. Am 1. Januar 1958 wurde der erste Essener Bischof Franz Hengsbach in einem Festgottesdienst durch den Apostolischen Nuntius Aloysius Muench in sein Amt eingeführt. Seitdem ist das Essener Münster der religiöse Mittelpunkt des Bistums. Den Höhepunkt seiner über tausendjährigen Geschichte stellte schließlich 1987 der Besuch des Papstes Johannes Paul II. dar.

Domkapitel

Das Essener Domkapitel umfasst elf residierende und nichtresidierende Domkapitulare. Gemäß dem Konkordatsrecht von 1929 kommt ihm neben seinen üblichen Aufgaben (Sorge um die liturgischen Feiern in der Hohen Domkirche, Wahl eines Diözesanadministrators, Beratung und Unterstützung des Bischofs bei der Leitung der Diözese, Verwaltung des Domschatzes) auch das Recht der Bischofswahl zu.

Dompropst ist seit 2005 der Essener Stadtdechant Prälat Otmar Vieth als Nachfolger von Günter Berghaus, der dem Domkapitel elf Jahre lang vorstand (1993�2004) und in den Ruhestand trat," beschreibt das Internet den Dom, seine Geschichte und seine Ausstattung.
Ein wenig düster wirkt der eigentliche Dom ja schon an diesem Samstagvormittag. Und das liegt nicht nur an der fehlenden Beleuchtung. Das Gebäude ist nur mäßig beheizt. Vom Chorraum einmal abgesehen entwickelt die Kirche nicht die Pracht, die viele andere katholische Kirchen bieten. Ich werde hier auf eine ausführlich Beschreibung verzichen; die bot ja schon der Wikipedia-Text.
Die Adveniat-Krypta ist an diesem Tag (noch?) verschlossen. Das Grab von Kardinal Hengsbach kann ich also nicht bewundern. Ob die Alfried-Krypta einen Besuch wert ist? Ja, ich denke schon.
Die Kirche ist nun wirklich kein Ort, der zum Verweilen einlädt. Es fehlt die heimelige, freundliche Atmosphäre, die Freundlichkeit, die dem Besucher sagt: "Du bist hier willkommen." Die Räumlichkeiten wirken ehe so, als seien sie auf Massenandrang und Massenabfertigung angelegt.
Wer möchte, kann an diesem Samstag zwar die Beichte ablegen. Das persönliche Wort, dasd aufmunternde Gespräch sind hier aber nicht möglich. Ich kenne Kirche anders. Sowohl in Düsseldorf als auch in Möchengladbach lerne ich Kirchen kennen, in der ich mich bei einer Tasse Kaffee mit wildfremden Menschen angeregt unterhalten konnte. Dies sind die kleinen Erlebnisse des Alltags, in dem sich dem zufälligen Besucher das Herz öffnet.
 
Christengemeinschaft
Es ist ein trüber und regnerischer Sonntagvormittag, als ich mich auf den Weg nach Essen mache. Die Christengemeinschaft, jene anthroposophisch angehauchte christliche Sonderlehre, ist mein Ziel. Ihr Kirchengebäude liegt auf der Moorenstraße 41. In welchem Stadtteil das liegt? Ich habe keine Ahnung; ich habe nicht nachgesehen.
Am Anfang war das Wort; so steht es im Johannesevangelium. Am Anfang ist eine relativ große Eingangshalle; so könnte man meine Ankunft in der Kirche beschreiben. Relativ groß ist diese Eingangshalle sogar, mit einem kleinen Büchertisch und einem anderen Tisch, auf dem eine Dame gerade emsig Tassen und Teller mit Keksen für das gesellige Beisammensein nach dem Gottesdienst, der hier Menschenweihehandlung heißt, drapiert. Vom Eingang aus auf der rechten Seite liegt die großzügige Gaderobe; links geht es in Gottesdienstraum.
Ein Harmonium gibt es in diesem schlichten Raum, insgesamt vierzehn Kirchenbänke, die Platz für 5 - 6 Leute bieten, und den Altarraum. Ist der Gottesdienstraum sonst weiß gestrichen, heißt die Farbe am Altarraum violett. Ein Lesepult steht dort und ein Altartisch, auf dem sich 7 Kerzen und ein aufgeschlagenes Buch mit dem Gottesdienstablauf befinden. Links und rechts vom Altartisch ist Blumenschmuck zu sehen. Vor dem Altartisch: ein Tischchen mit violetter Decke und zwei Kelchen. Ein Tisch mit aufgeschlagener Bibel befindet sich übrigens genau gegenüber am anderen Ende des Raumes. Über dem Altartisch hängt ein Bild von Johannes Rath.
Der Gottesdienst ist ein ritualisiertes und formalisiertes Abspulen des Kultus; eine Beteiligung der Gemeinde (heute rund 30 Gemeindeglieder) ist nicht vorgesehen. Lediglich die Elemente Bibellesung (heute: Lukas 15), Predigt, ein verändertes Vaterunser, Gesang + Musik (zweimal darf die Gemeinde mitsingen) sowie das Abendmahl (auch dieses stark abgewandelt) können dem unbefangenen Beobachter aus anderen christlichen Kirchen bekannt vorkommen. "Ein Sohn lebt treu sorgend im Haushalt des Vaters und hilft, dessen Reichtum zu mehren. Der zweite Sohn lebt anfangs fern von seinem Vater, verpraßt sogar dessen Reichtum und findest erst in der Not zu seinem Vater zurück. Doch der Vater liebt beide Söhne und nimmt daher auch den zweiten Sohn wieder bei sich auf. Ein `Aus den Augen aus dem Sinn' gibt es bei Gott nicht. Er liebt alle seine Kinder," höre ich in der Predigt.
Ganz in Weiß und Violett sind die 4 Priester, die den Gottesdienst gestalten, gekleidet; 2 tragen sogar schwarze Kopfbedeckungen.
Die Christengemeinschaft wurde 1922 in Dornach in der Schweiz gegründet. Noch im selben Jahr feierte Hermann Groh die erste "Menschenweihehandlung" in Essen. In Ermangelung eines eigenen Hauses fanden die Gottesdienste in angemieteten Räumlichkeiten statt. Carl Stegmann und Alfred Schreiber übernahmen 1927 die Gemeindearbeit. 1930 gründeten sie die "Freie Arbeiterschule" mit Schulungskursen für Arbeiter und interessierte Gäste; 1933 mußte die Schule aber wieder schließen. Die erste Menschenweihehandlung in eigenen Räumlichkeiten auf der Juliusstraße fand im Oktober 1937 statt. Kriegsbedingt und ausgelöst durch ein Verbot durch die Gestapo kam die Gemeindearbeit in den Folgejahren fast völlig zum Erliegen. Nach Kriegsende durfte die Christengemeinschaft ihre Arbeit wieder aufnehmen. Dies geschah zunächst in Mülheim, da ein Gemeindeglied dort ein Haus zur Verfügung stellen konnte. Auf der Essener Moorenstraße ist die Gemeinde seit 1950 angesiedelt. Das Gebäude in seiner heutigen Form wurde 1950 gebaut.
Natürlich ließe sich noch viel mehr zur Christengemeinschaft als christlichem Sonderweg erzählen. Wer an einer Einführung interessiert ist, sei an die Internetenzyklopädie Wikipedia verwiesen. Unter dem Stichwort "Die Christengemeinschaft" gibt es dort eine kurze, aber ausreichende Einführung in die Kirche (Stand: August 2008).

Der Grugapark
Der Grugapark ist mit 70 Hektar einer der größten Parks Deutschlands. Er liegt in Essen südlich der Innenstadt zwischen den Stadtteilen Rüttenscheid, Holsterhausen und Margarethenhöhe. Zum Gruga-Komplex gehören außerdem noch die Grugahalle, das Grugabad sowie einst das Grugastadion.

Geschichte und Ursprung

Das Areal des Parkes trug vorher den Namen Stenshofgelände. Der Stenshofturm, in dessen unmittelbarer Nähe sich heute der Bienenstand befindet, zeugt als einziges Gebäude von der etwa tausendjährigen Geschichte des Rüttenscheider Bauerntums im Stadtteil. Unweit hiervon, auf heutigem Parkgelände, stand Anfang des 20. Jahrhunderts die Edmund-Lührmann-Stiftung. Dabei handelte es sich um eine 1905 errichtete Nervenheilanstalt, die im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört wurde. Das Stiftungsvermögen ging dann in der neurologischen Abteilung der Städtischen Krankenanstalten (heute Uni-Klinikum) auf. Heute erinnert an die ehemalige Stiftung die Lührmannstraße, die den heutigen Grugapark durchquert.

Der Ursprung des Parks liegt bei den nahezu bankrotten, gemeinnützigen Messe-Betreibern der 1920er Jahre, die mit einem Park die Attraktivität der Messe erhöhen wollten. Denn hinter den Ausstellungshallen befand sich bis dahin Brachland. Das große Gelände zwischen den Stadtteilen Rüttenscheid und Holsterhausen wurde dann rund um den schon Pfingsten 1927 eröffneten Botanischen Garten von der Stadt gekauft, um dort eine große Gartenschau zu installieren.

Die Umwandlung der Brachflächen in einen Park zwischen 1927 und 1929 wurde mit Hilfe der ?produktiven Erwerbslosenfürsorge� finanziert. Die Essener Alleen mussten eine große Anzahl junger Bäume an den neuen Park abtreten. Der ursprünglich geplante Eröffnungstermin musste um gut einen Monat verschoben werden, da einerseits durch harten Frost im Winter 1928/1929 und andererseits durch Streiks der Notstandsarbeiter sich die Arbeiten verzögerten. Schließlich fand die Eröffnung der nun GRUGA (Große Ruhrländische Gartenbau-Ausstellung) genannten Ausstellung am 29. Juni 1929 statt. Sie endete am 13. Oktober 1929 und wurde von rund 2 Millionen Menschen besucht. Die aufwändige Gartenarchitektur war dabei eine bis dahin noch nicht gekannte Attraktion. Bis zu diesem Jahr errichtete man den von Paul Portten entworfenen und heute unter Denkmalschutz stehenden Grugaturm.

Ostern 1930 wurde der dann bereits vorhandene Park mit dem Botanischen Garten als erste Gartenausstellung Deutschlands zum Volkspark gemacht.

Nachdem das Areal von 25 auf 27 Hektar erweitert wurde, hinzu kamen der Keramik- und der Blumenhof, fand von April bis Oktober 1938 die Reichsaustellung des deutschen Gartenbaus statt. Diese musste die Stadt Essen in Zusammenarbeit mit dem Reichsnährstand veranstalten. Mit einer dampfgetriebenen Liliputbahn (der Fa. Brangsch, Leipzig), einem Streichelzoo, zehn Lokalen mit jeweils eigener Kapelle und diversen Veranstaltungen lockte diese Reichsgartenschau rund 3 Millionen Besucher an. Anstelle der heutigen Orangerie befanden sich die Wasserterassen, die am Abend mit Lichtspielen Besucher in die Terrassengaststätte mit eigener Kapelle lockten.

Eine große Anzahl von Bombentreffern im Zweiten Weltkrieg zerstörte die gesamte Gruga in allen Teilen. Nach dem Kriege wurde das Gelände bis zur Währungsreform 1948 als Gemüse-Anbaufläche für die benachbarten Städtischen Krankenanstalten genutzt. Nachdem im Frühjahr 1949 der Eingangsbereich und der Blumenhof wieder aufgebaut waren und erneut Besucher anlockten, zählte man ein Jahr später trotz fehlender Attraktionen bereits wieder rund 1,5 Millionen Gäste. Daraus folgte 1951 der Beschluss der Stadt Essen, den Grugapark wieder aufzubauen.
Bereits von Mai bis Oktober 1952 konnte eine 2. Große Ruhrländische Gartenbau-Ausstellung eröffnet werden, an der rund 3 Millionen Menschen ihr Interesse zeigten.. Auch diese zweite Ausstellung sollte den Essener Bürgern danach wieder einen neuen Volkspark bescheren. Jedoch fiel sie mangels Zeit und Finanzen und aufgrund einer neuen Auffassung von Natur und Garten anders aus. Die zerstörte geradlinige Gartenarchitektur der Vorkriegszeit war einer großzügigen hügeligen Landschaft mit viel Rasen und Ausblicken gewichen.

Vom 29. April bis 17. Oktober 1965 fand in Essen die Bundesgartenschau statt, die 5,3 Millionen Besuchern anzog. Voraus gingen seit 1962 enorme Bautätigkeiten der Stadt, denn die Ansprüche an einen Volkspark waren andere als zuvor. Und das bedeutete, dass Erhohlungs- und Freizeitmöglichkeiten insbesondere für Familien mit Kindern zusätzlich zur beschaulichen Gartenausstellung geschaffen werden mussten. Dazu waren unter anderem 600 Kleingärten zwischen Lührmann- und Norbertraße verlegt worden. Anstelle des bewaldeten Tales zwischen dem eigentlichen Grugapark und Botanischem Garten trat die Anlage des Margarethensees, der nach Margarethe Krupp benannt wurde. Die kreisrunde Dahlienarena wird zum Tal hin geöffnet und der Benachbarte Musikpavillon errichtet. So erhielt der Park im Groben seine noch heutige Gestalt.
Der Grugapark dient heute als Park zur Naherholung. Mit vielen Attraktionen kommen besonders Familien auf ihre Kosten. Er gilt gleichermaßen als Spiel- und Sportstätte sowie als Ruheoase in der Stadt. Im Park finden auch Modellbauer Areale für ihr Hobby: so auf einer LKW-Anlage in der Westecke, wo Modell-Trucks des Maßstabs 1:16 gefahren werden. Im Sommer finden im Park verschiedene Veranstaltungen statt, darunter Open-Air-Konzerte, Parkfeste mit Feuerwerk und Kinderfeste.

Die exakten Umrisse des Grugaparks haben sich durch die Messeerweiterungen verändert. Er umfasst knapp 70 Hektar und hat sich Richtung Holsterhausen und Rüttenscheid mit neuen Eingangsbereichen geöffnet. Ein etwas in den Park hinein versetzter neuer Haupteingang wurde 2006 eröffnet. 2008 folgte zusätzlich ein neuer Park-Eingang bei den Mustergärten.
Am 1. Juli 2005 wurde von der McDonald�s Kinderhilfe auf dem Gruga-Gelände, in Angrenzung an das Universitätsklinikum Essen, das Ronald-McDonald-Haus von Schirmherr Henry Maske eröffnet. Es ist eines von bisher 15 McDonald-Häusern, wurde von Friedensreich Hundertwasser entworfen und dient den Familien schwer kranker Kinder als gemeinsame Unterkunft. Das Haus hat elf Apartments sowie dazu Aufenthaltsraum, Esszimmer, Spielzimmer, Hobbyraum, Fernsehraum, Gemeinschaftsküche, Waschküche und Garten," stellt die Internetplattform Wikipedia ein Ausflugszeil in Essen vor. Ob sich ein Ausflug wirklich lohn, weiß ich nicht. Ich bin schon lange nicht mehr in der Gruga gewesen. Mit ein bißchen Pech muß man sogar Eintritt zahlen, wie beim Westfalenpark in Dortmund...