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Duisburg, 12. Januar 2026 - Für den schönsten Tag des Lebens
wählen viele Duisburger Paare immer mehr die standesamtliche
Trauung an sogenannten Ambiente-Orten. Dazu gehört das
Friemersheimer Lehrerhaus, das seit 1997 diese exklusive
Heirat anbietet.
Inzwischen sind es 1572 Paare, die
sich an diesem heimeligen Ort ewige Treue versprochen haben,
notariell beurkundet durch einen Standesbeamten, der von der
Stadt Duisburg gesandt wird. „Ich war bestimmt bei 800
dieser standesamtlichen Trauungen zugegen“, erzählt Günter
Pfeiffer, Vorsitzender des Vereins Freundeskreis lebendige
Grafschaft, „habe bei den Vorbereitungen, wie Stühle stellen
und schmücken des Trauzimmers, mitgeholfen.“
Der
historische Friemersheimer Verein betreibt seit 1983 dieses
alte Lehrerhaus als schnuckeliges Heimatmuseum, das den
Besucher in eine andere Welt, in der die Zeit still zu
stehen scheint, eintauchen lässt. „Das Haus wurde um 1806,
also zur Hochzeit des Biedermeiers, gebaut“, verrät Günter
Pfeiffer. Und genau in dieser bürgerlichen Epoche ist es
stehen geblieben.
Das historische Lehrerhaus im
alten Friemersheimer Dorfkern wurde 1806 gebaut, es diente
ursprünglich dem Dorflehrer als Unterkunft und
Unterrichtsstätte. 1975 nach der kommunalen Neuordnung wurde
im Rat der Stadt über einen Abriss des Hauses beraten. Seit
1983 betreibt der historische Verein Freundeskreis lebendige
Grafschaft das Anwesen als Heimatmuseum und 1986 wurde es
unter Denkmalschutz gestellt. Seit 1997 sind standesamtliche
Trauungen dort möglich, bis heute genau 1572. Heiraten ist
an jedem Freitag, aber auch am ersten Samstag im Monat
möglich.
Der Trauungsraum ist quasi das
Lehrerzimmer. „Hier drin lebte der Dorfschullehrer, aber er
unterrichtete auch in dem Raum“, weiß Pfeiffer. An der
linken Wand des Zimmers, das etwa 45 Quadratmeter groß ist,
hängt ein Ölgemälde des letzten Friemersheimer
Bürgermeisters, Emil Heynen, der jede dieser fast 1600
Eheschließungen wohlwollend beäugt hat. Davor steht eine
alte Singer-Nähmaschine, Baujahr ca. 1850, die noch mit den
Füßen betrieben werden kann, auf der anderen Seite hängen
Gemälde von der gegenüberliegenden Dorfkirche. „Wir
verändern quasi nichts an dem Ambiente des Raumes, gemäß der
Anzahl der Trauungsgäste passen wir lediglich die Stühle
an“, so Pfeiffer. Diese sind aus Eiche, genauso wie die
restlichen Möbel im Trauungsraum. „Die Freunde des
Jubelpaares verzieren die Stühle dann oft mit weißen, edlen
Bändchen. Oder legen Taschentücher, für die Freudentränen,
darauf aus“, erzählt der leutselige Vorsitzende mit einem
Lächeln. Er erklärt den Ablauf einer
standesamtlichen Heirat im alten Lehrerhaus: „Die Gäste
haben für den Termin genau 1,5 Stunden Zeit, darin sind das
Trauungszeremoniell, sowie Sektempfang enthalten“, so
Pfeiffer. Das Trauungszeremoniell sei nach 15 Minuten etwa
beendet. „Für die Heirat im Sommer stellen wir draußen
Stehtische und Bänke bereit, die Getränke bringen die Gäste
selbst mit. Sie haben dann auch die Möglichkeit zu einem
Foto-Shooting, mit der Dorfkirche und dem alten
Friemersheimer Dorfkern als Hintergrund. Danach fahren sie
meist in eine Restauration zum gemeinsamen Feiern.“ Die
frisch Vermählten haben oft für ihren „schönsten Tag des
Lebens“ exklusive Fahrzeuge gebucht. „Bestimmt zehn mal habe
ich erlebt, wie die Brautleute mit Pferd und Kutsche
vorgefahren sind. Beliebt sind auch Stretch-Limousinen oder
hochpolierte Oldtimer“, berichtet der 86-jährige
Vereinsvorsteher. Erst kürzlich hat Leonie, die
Enkelin des stadtbekannten Ahnenforschers Klaus Sefzig, hier
geheiratet. Das alte Lehrerhaus ist schließlich seit
Jahren die ehrenamtliche Arbeitsstätte ihres 91-jährigen
Großvaters, der hier mit seinen Ahnenforscher-Kollegen
tiefgründige Einblicke in die alten lokalen Kirchenbücher
nahm, um damit Familienstammbäume zu rekonstruieren. „Ich
habe meinem Opa hier manches Mal schon als Kind über die
Schulter geschaut bei seiner Forschung, für mich ist es
einfach ein schnuckeliger Ort zum Heiraten“, erzählt Leonie.
Auch Elisabeth van der Koelen hat hier geheiratet und sagt:
„Es war sehr berührend in dem historischen Gebäude, der
Natur nah mitten im Herzen Friemersheims, unsere Liebe
feiern zu können.“ Und Wibke Schäfer fand es sehr
originell an einem Lehrerpult zu heiraten. „Das war schon
urig, aber das Pult war ja mit edler Decke und Läufer
feierlich wie ein Tisch hergerichtet und als solches nicht
zu erkennen.“ Den Peak der geschlossenen Ehen
erreichte man in den Jahren 2003, 2006 und 2009 mit je 110
standesamtlichen Trauungen. Nach 2012 folgte ein rigider
Einbruch, denn die Stadt Duisburg verdoppelte die Gebühren
für die standesamtliche Heirat im Lehrerhaus von 153 auf 306
Euro. Momentan nimmt die Stadt 120 Euro für die Trauung, und
nochmal 100 Euro gehen an den Verein.
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