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Heiraten im Friemersheimer Lehrerhaus
Stephan Sadowski

Duisburg, 12. Januar 2026 - Für den schönsten Tag des Lebens wählen viele Duisburger Paare immer mehr die standesamtliche Trauung an sogenannten Ambiente-Orten. Dazu gehört das Friemersheimer Lehrerhaus, das seit 1997 diese exklusive Heirat anbietet.

Inzwischen sind es 1572 Paare, die sich an diesem heimeligen Ort ewige Treue versprochen haben, notariell beurkundet durch einen Standesbeamten, der von der Stadt Duisburg gesandt wird.
„Ich war bestimmt bei 800 dieser standesamtlichen Trauungen zugegen“, erzählt Günter Pfeiffer, Vorsitzender des Vereins Freundeskreis lebendige Grafschaft, „habe bei den Vorbereitungen, wie Stühle stellen und schmücken des Trauzimmers, mitgeholfen.“

Der historische Friemersheimer Verein betreibt seit 1983 dieses alte Lehrerhaus als schnuckeliges Heimatmuseum, das den Besucher in eine andere Welt, in der die Zeit still zu stehen scheint, eintauchen lässt. „Das Haus wurde um 1806, also zur Hochzeit des Biedermeiers, gebaut“, verrät Günter Pfeiffer. Und genau in dieser bürgerlichen Epoche ist es stehen geblieben.

Das historische Lehrerhaus im alten Friemersheimer Dorfkern wurde 1806 gebaut, es diente ursprünglich dem Dorflehrer als Unterkunft und Unterrichtsstätte. 1975 nach der kommunalen Neuordnung wurde im Rat der Stadt über einen Abriss des Hauses beraten. Seit 1983 betreibt der historische Verein Freundeskreis lebendige Grafschaft das Anwesen als Heimatmuseum und 1986 wurde es unter Denkmalschutz gestellt. Seit 1997 sind standesamtliche Trauungen dort möglich, bis heute genau 1572. Heiraten ist an jedem Freitag, aber auch am ersten Samstag im Monat möglich.

Der Trauungsraum ist quasi das Lehrerzimmer. „Hier drin lebte der Dorfschullehrer, aber er unterrichtete auch in dem Raum“, weiß Pfeiffer. An der linken Wand des Zimmers, das etwa 45 Quadratmeter groß ist, hängt ein Ölgemälde des letzten Friemersheimer Bürgermeisters, Emil Heynen, der jede dieser fast 1600 Eheschließungen wohlwollend beäugt hat. Davor steht eine alte Singer-Nähmaschine, Baujahr ca. 1850, die noch mit den Füßen betrieben werden kann, auf der anderen Seite hängen Gemälde von der gegenüberliegenden Dorfkirche. „Wir verändern quasi nichts an dem Ambiente des Raumes, gemäß der Anzahl der Trauungsgäste passen wir lediglich die Stühle an“, so Pfeiffer. Diese sind aus Eiche, genauso wie die restlichen Möbel im Trauungsraum. „Die Freunde des Jubelpaares verzieren die Stühle dann oft mit weißen, edlen Bändchen. Oder legen Taschentücher, für die Freudentränen, darauf aus“, erzählt der leutselige Vorsitzende mit einem Lächeln.
 
Er erklärt den Ablauf einer standesamtlichen Heirat im alten Lehrerhaus: „Die Gäste haben für den Termin genau 1,5 Stunden Zeit, darin sind das Trauungszeremoniell, sowie Sektempfang enthalten“, so Pfeiffer. Das Trauungszeremoniell sei nach 15 Minuten etwa beendet. „Für die Heirat im Sommer stellen wir draußen Stehtische und Bänke bereit, die Getränke bringen die Gäste selbst mit. Sie haben dann auch die Möglichkeit zu einem Foto-Shooting, mit der Dorfkirche und dem alten Friemersheimer Dorfkern als Hintergrund. Danach fahren sie meist in eine Restauration zum gemeinsamen Feiern.“ Die frisch Vermählten haben oft für ihren „schönsten Tag des Lebens“ exklusive Fahrzeuge gebucht. „Bestimmt zehn mal habe ich erlebt, wie die Brautleute mit Pferd und Kutsche vorgefahren sind. Beliebt sind auch Stretch-Limousinen oder hochpolierte Oldtimer“, berichtet der 86-jährige Vereinsvorsteher.
 
Erst kürzlich hat Leonie, die Enkelin des stadtbekannten Ahnenforschers Klaus Sefzig, hier geheiratet.
Das alte Lehrerhaus ist schließlich seit Jahren die ehrenamtliche Arbeitsstätte ihres 91-jährigen Großvaters, der hier mit seinen Ahnenforscher-Kollegen tiefgründige Einblicke in die alten lokalen Kirchenbücher nahm, um damit Familienstammbäume zu rekonstruieren. „Ich habe meinem Opa hier manches Mal schon als Kind über die Schulter geschaut bei seiner Forschung, für mich ist es einfach ein schnuckeliger Ort zum Heiraten“, erzählt Leonie. Auch Elisabeth van der Koelen hat hier geheiratet und sagt: „Es war sehr berührend in dem historischen Gebäude, der Natur nah mitten im Herzen Friemersheims, unsere Liebe feiern zu können.“
Und Wibke Schäfer fand es sehr originell an einem Lehrerpult zu heiraten. „Das war schon urig, aber das Pult war ja mit edler Decke und Läufer feierlich wie ein Tisch hergerichtet und als solches nicht zu erkennen.“
 
Den Peak der geschlossenen Ehen erreichte man in den Jahren 2003, 2006 und 2009 mit je 110 standesamtlichen Trauungen. Nach 2012 folgte ein rigider Einbruch, denn die Stadt Duisburg verdoppelte die Gebühren für die standesamtliche Heirat im Lehrerhaus von 153 auf 306 Euro. Momentan nimmt die Stadt 120 Euro für die Trauung, und nochmal 100 Euro gehen an den Verein.