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„Tote Hose“ bei Hosen Kruse in Rheinhausen
Nach 74 Jahren ist "Schicht im Schlitz"
Stephan Sadowski

Duisburg, 5. Mai 2026 - Vor vier Jahren feierte Lars Kruse noch das 70-jährige Jubiläum mit seinem Inhaber geführtem Geschäft. Doch jetzt herrscht „Tote Hose“ bei Hosen Kruse – ja, es ist quasi „Schicht im Schlitz“.
„Das Liquidationsverfahren ist eröffnet, der Räumungsverkauf läuft ab jetzt bis Ende Juni“, sagt der Geschäftsinhaber des letzten Rheinhauser Modegeschäfts für Männer, das bereits existierte, als es mit Mackedanz, Monsieur, Corbey und Deiters hochwertige Konkurrenz in diesem Segment gab.

Jetzt winken Rabatte von 30, 50 oder bis zu 70 Prozent den Kunden.
Getreu dem Motto „Alles muss raus“ leeren sich die einst prall gefüllten Wandregale und Kleiderständer.
Doch wie kam es dazu? Die Gründe lassen sich an einer Hand abzählen: „Zuerst bestand das Problem, dass der Internethandel vieles abgeräumt hat. Dann kam noch Corona mit seinen Lockdowns und damit verbundenen Geschäftsschließungen dazu, das hat uns schon schwer getroffen“, erinnert sich der 30-jährige Inhaber.
Irgendwie habe man sich durch die Krise „hindurchgewuselt“, so Kruse.

Das Geschäft Hosen Kruse wurde 1952 von Hermann Kruse gegründet. Es ist das letzte Inhaber geführte Modegeschäft für Männer in Rheinhausen, es besteht bereits in dritter Generation mit Lars Kruse als letztem Geschäftsführer. Der Räumungsverkauf beginnt jetzt und dauert bis zum 30. Juni. Rabatte von 30 bis zu 70 Prozent sind erhältlich auf alle geführten Markenwaren.

„Was uns endgültig das Genick gebrochen hat, ist die Baustelle unmittelbar vor der Haustür“, erklärt Lars Kruse. Schon seit mehr als einem Jahr werden auf dem Endstück der Krefelder Straße, kurz vor der Bücken-Kreuzung also quasi unweit vom Eingang des Ladens, Bauarbeiten betrieben, so dass die Straße bis heute in unterschiedlichen Abschnitten gesperrt blieb. „Wir haben mehrfach bei der Stadt angefragt, wann die Arbeiten denn mal zu Ende sind, aber da kam nicht viel. Lediglich ein Schild mit der Aufschrift „Zufahrt Hosen Kruse frei“ haben sie uns in der Einfahrt von der Bücken-Kreuzung angeboten.“
Somit sei die Laufkundschaft ausgeblieben, schon „eine gefühlte Ewigkeit“ würden die normalerweise durchfahrenden Autos und Busse über die nahliegende, schmale Ulmenstraße umgeleitet, was zu täglichem Verkehrschaos dort führt. 
 
Sicherlich war es eine schwere Entscheidung für den jungen Geschäftsinhaber. Er habe auch lange mit seinen Eltern, Volker und Barbara Kruse, die das Geschäft bis vor ein paar Jahren geleitet und ihm später übergeben hatten, gesprochen.

„Wir haben aber keine andere Lösung mehr gesehen“, konstatiert Lars Kruse sichtlich betroffen. Denn schließlich hatte sein Großvater Hermann Kruse das Modegeschäft Hosen Kruse 1952 gegründet. „Er hat hier an der Krefelder Straße in einem Laden, der wie ein langer Schlauch aussah und halb so groß war wie das jetzige Geschäft - seine Waren verkauft“, sagt Lars Kruse. Später eröffneten seine Eltern zwei Fillialen an der Krefelder Straße gegenüber dem Markt in Hochemmerich und auf der Friedrich-Alfred-Straße am Ende der Rheinhauser Fußgängerzone. „Die Filialen mussten wir aber Anfang der 2000er-Jahre schließen, und wir vergrößerten hier die Geschäftsräume an der Krefelder Straße“.
 
Auch das Kerngeschäft verlagerte sich, es war nicht mehr die Mode für die männlichen Durchschnittsgrößen, die sie führten. Vielmehr spezialisierte sich Hosen Kruse auf Übergrößen bei Hosen, Hemden, Anzügen und Jacken.

„Wir hatten Größen bis zu 12 XL im Angebot“, erinnert sich Lars Kruse. Da sie nun solche Nischen bedienten, sei auch viel Kundschaft von außerhalb der Stadt zu ihnen gekommen. Und: „Wir konnten viele Kunden über das Internet außerhalb Deutschlands gewinnen, in ganz Europa waren wir gut vernetzt."

Der Service am Kunden war den Betreibern immer wichtig: Und irgendwie hat das Geschäft noch immer den Charme der 80er-Jahre.
Die Stammkundschaft konnte sich immer auf eine fachgerechte Beratung durch den Inhaber und seine letzte verbliebene Mitarbeiterin verlassen. „Wir haben über all die Jahre einen Blick für die Konfektionsgrößen unserer Kunden entwickelt, und können so ziemlich genau sagen, welche Maße denen passen.“

Bleibt nur die Frage, was aus dem Inhaber wird? „Ich werde mir einen Job im Einzelhandel suchen, habe  ja Kaufmann gelernt“, so Kruse.