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Hilmi Sözer ist 'Hüsnü'
Stephan 'Der Kulturattache' Sadowski

 Hilmi Sözer auch in „Hamlet, die Zschäpe und ich“ von René Linke am 14. November, im Kommatheater, Schwarzenberger Straße, um 20 Uhr
Duisburg, 03. November 2015 - Eine Ratgeberkolumne mit einer fiktiven Person zu machen, ist über die Zeitschrift Bravo spätestens seit „Fragen an Dr. Sommer“  salonfähig geworden. Aber sich real von einem türkischen langhaarigen Schnurrbartträger, der aussieht wie ein Sexfilmdarsteller der 70er-Jahre, dabei gänzlich ohne Brusthaartoupet auskommt, beraten zu lassen, ist eine aberwitzige Idee der Schweizer Kolumnistin und Buchautorin Güzin Kar.

Sie hat auf der Facebook des Schweizer Rundfunks  in „Kolumne Jetzt“ die eigentliche Kunstfigur „Hüsnü“ geschaffen, der jetzt dort real Fragen zum alltäglichen Leben beantwortet.  In dem witzigen Schauspieler Hilmi Sözer wird dieser liebenswert nonchalante „Hüsnü“ leibhaftig.

„Ich finde, er lässt mir sehr viele Möglichkeiten ihn mit der Sprache zum Leben zu erwecken“, sagt Hilmi Sözer, der selbst in der Türkei geboren wurde, seit dem fünften Lebensjahr in Deutschland lebt. Und wie er es macht – es war eine Ohrenweide für die etwa 30 Zuhörer im Café des Kommatheaters, als er mit Güzin Kar abwechselnd Passagen aus ihrem Buch „Hüsnü hilf!“ liest. Eine aberwitzige Form von Türksprech, manche sagen Tiefdeutsch, entwickelt er da voller Charme, tiefem Bass und einer wunderschönen Selbstironie, die er über die eigenwilligen Grammatikfehler in seinem Ausdruck hinbekommt.

Und wenn er sagt: „Ich bin Feminist – alle Frauen ist gut!“, dann glaubt man ihm, dass er maximal einen Tee mit ihnen in einem Café trinkt und ansonsten ein unaufdringlicher Ratgeber in allen Lebenslagen bleibt.

Erzählt wird die unterschwellige Liebesgeschichte der Ich-Erzählerin, wie sie ihren „Hüsnü“ in einer Bücherhandlung kennenlernt, als sie gerade ein Buch „Alles was bleibt – ein Ratgeber für Frauen über 40“ kaufen will.
Er fällt ihr ins Wort: „Tscholdigung, was brauchen eine Frau wie Sie eine solche Buch?“ Sätze, die das Leben der Ich-Erzählerin verändern, und charmant gewinnt Hüsnü das Herz der Frau, - auch der anderen im Publikum. Dafür lässt er selbst den Ratgeber „Was brauche ich Grammatik – wenn ich Charme habe“ links liegen, und es entspinnt sich eine Real-Satire, in der natürlich aufgrund des Migrationshintergrunds der beiden Lesenden auch Thilo Sarazin sein Fett abbekommt. Allerdings karikieren beide wunderschön die Schweizerischen Bestrebungen nach einem Einreiseverbot für Ausländer, denn wenn Güzin Kar liest, schimmern immer wieder Fragmente von feinstem Schwyzerdeutsch durch. Beide begegnen sich auf dieser witzigen platonischen Ebene als „Laien des Lebens“, die in die Ratgeberfalle getapst sind, und kommen zu der Erkenntnis, dass „das Alter die einzig wahre Form der Demokratie“ sei.

Eine feine Lesung mit dem „Sofortglück für alle“-Effekt, in der eine Kunstfigur sich bis ins Reale vergegenwärtigte dank auch einer großen Schauspielleistung von Hilmi Sözer. Der 45-Jährige beantwortet selbst die Briefe oder e-mails über diese „Kolumne Jetzt“-Seite beim facebook-Auftritt des Schweizer Rundfunks: „Ich bekomme da immer zwei bis drei Briefe pro Monat.“ Vielleicht jetzt noch mehr von Rat suchenden Gästen dieser Lesung....

Demnächst: Hilmi Sözer spielt in dem Theaterstück „Hamlet, die Zschäpe und ich“ von René Linke am 14. November, im Kommatheater, Schwarzenberger Straße, um 20 Uhr.