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Die Schöne und das Biest in Rheinhausen
Stephan 'Der Kult-Attaché' Sadowski

Duisburg, 25. April 2019 - Wenn das zottelige „Biest“ aussieht wie der liebenswerte Affe Chubaka aus den Star-Wars-Filmen, war es selbst für Science Fiction-Liebhaber ein lohnenswerter Ausflug in die Musical-Welt. Bei der Inszenierung des Musicals „Die Schöne und das Biest“ durch die Theatertruppe Liberi entwickelte sich dieses menschliche Zottelwesen immer mehr zum Sympathieträger für die etwa 650 Zuschauer in der Rheinhausen-Halle – weil es im Grunde ein gutes Herz hat und nur mit einem bösartigen Fluch belegt wurde.

Während die Inszenierung des Musicals am Broadway in New York um ein vielfaches opulenter erscheint, kommt die abgespeckte Liberi-Produktion irgendwie sympathisch rüber. Sechs Darsteller reichen aus um die Hauptpersonen, inklusive der Familie von Belle und der  schusseligen Schlossbewohner darzustellen. Es ist der Stoff des ursprünglich französischen Volksmärchen von Belle (Anastasia Ivanova), die in die Fänge des „Biest“ gerät, weil ihr Vater im Schlossgarten des verwunschenen Wesens eine Rose stiehlt. „Ein Leben für ein Leben“, Belles Vater (Okan Sen) müsste eigentlich die Losung erfüllen und auf ewig in dem verfluchten Schloss des Biests büßen. Stattdessen springt Belle in die Bresche – die Rose sei ja schließlich für sie gewesen und sie geht in die Knechtschaft. Ein neon-leuchtender Spiegel allerdings macht sie stutzig, der ihr etwas von „Eingesperrtsein“ und „Verzweiflung“ erzählt – und sie vermutet, dass es die innere Stimme des verwunschenen Wesens sein könnte.  Überhaupt ist die Inszenierung nach Regisseur und Autor Helge Fedder sehr modern, die Songs sind teilweise poppige Ohrwürmer „Wir sind ein Stern“, bleiben aber genauso fade als Pausenfüller in Erinnerung bei „Stück für Stück“.

Wenn man den grauhaarigen älteren Herrn so sieht, wie er in seiner Künstlerwohnung „Dat Atelljee“ seine selbst produzierten niederrheinischen Kalender stapelt, ahnt man nicht, welche Pionierleistung Alex Kempkens in seinem Leben vollbracht hat. Geboren wurde er 1942 in Linz, aufgewachsen ist der Fotokünstler im malerischen Unkel am Rhein. Oft saß er als kleiner Junge vor dem Haus und schaute in die „Drachenfelsstraße“ mit Fachwerkhäusern um 1820 gebaut – das Siebengebirge im Hintergrund. „Dort entwickelte ich meine eigene Weitwinkelperspektive auf eine Architektur, die komplett während des Zweiten Weltkrieges verschont geblieben ist.“ Die Perspektive eben, mit der er sich später in den 70er-Jahren einen Namen in der Architekturfotografie machte. Künstlerische Freiheit ist dem Autodidakten, der mit 14 Jahren seine erste „Voigtländer“-Kamera geschenkt bekam und später ein Volontariat als Fotojournalist bei den „Düsseldorfer Nachrichten“ machte, von jeher wichtig.

Genauso wie Reisen. Während des Prager Frühlings wurde sein Interesse für „Freiheit“ wohl unbewusst vertieft, als Alex Kempkens in die Wirren der 1.Mai-Demonstration geriet und Fotos von spazierenden Soldaten machte, die mit Saxophon und Klarinette bewaffnet waren und dabei den Blues spielten. Bilder, die später in renommierten Zeitungen abgedruckt wurden gingen. Als Konfliktfotograf reiste er 1968 nach Biafra, um eine Reportage über den grausamen Nigerianischen Bürgerkrieg zu machen, die  später auch im „Spiegel“ abgedruckt wurde. Inzwischen im Jahr 1972 war er in München als dpa-Fotograf unterwegs, machte aber auch Bilder für Boulevardblätter – und den Playboy. Sein Interesse an Architektur vertiefte er vielfältig in Auftragsarbeiten und in einer Bildserie über Münchener Architektur. „Ich habe  bei meinen Fotos meistens viel Freiheit genossen, entweder ich machte, was der Architekt wollte, oder ich habe das gemacht, was mir im Sinn war“, lächelt Kempkens. Anders als die Baumeister wollte er nicht nur das bloße Gebäude mit seinen Fenstern und Türen fotografieren – er stellte es in seinen Fotos als Gesamtkonzept in den Stadtraum und schuf damit eher eine künstlerische Betrachtung des Baus mit Fluchtlinien. Damals war er mit einer Großformatkamera, einer Sinar P unterwegs. „Mit Stativ und Equipment waren das manchmal 50 Kilo, die ich mit einer kleinen Karre durch die Gegend zog“, erinnert sich Kempkens.

Dann startete er mit der Endoskopie-Fotografie, das war 1976 seine erste Pionier-Arbeit. Kempkens entwickelte eine eigene Sichtweise  auf den geplanten Neubau des Bundestages in Modellfotos oder auf eine Pusteblume – sozusagen von innen heraus. 1982 kam dann aber der internationale Durchbruch. Für 70.000 D-Mark hatte sich Kempkens eine „work station“ mit Monitor, Videokamera und Tastatur beschafft, um am sogenannten „image processing“ zu arbeiten, also digitale Bilder mit Computerrasterung zu herzustellen. „Vorher war Digitalfotografie nur anerkannt in den Naturwissenschaften, wie Medizin oder Physik, dem Kunstmarkt blieb sie bis dahin verborgen“, weiß Kempkens. Neue Möglichkeiten bestanden für ihn. „Ich konnte einzelne Teile von Bildern nun collagieren“, erinnert sich der Tüftler. So sind bedeutende Werke der Digitalfotografie entstanden, die man bis heute in seiner Sammlung im „Dat Atelljee“ betrachten kann, nämlich die „Nofretete digital“, die aber freundlicher „Hello You“ von ihm betitelt wurde. „Die Sprechblase darin war plötzlich Namensgeber des Werks“, erinnert sich der 76-Jährige. Seit 2015 stellt er zusammen mit den Fotografen seines Kreativ-Teams niederrheinische Kalender her. „Ich bin Einkäufer, Fotograf, Produzent und Verkäufer zugleich“, beschreibt Kempkens. Auch für 2019 liegen schon die Kalender für Rheinhausen und Rumeln-Kaldenhausen parat, die bereits u. a. in der Rheinhauser „Bücherinsel“ zu erwerben sind. Mit Fotos der für ihn eigenen Weitwinkelperspektive auf Architektur oder Natur …