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'Macbeth reloaded' - Shakespeare der anderen Art
Von Klaus Thiel-Klenner über McDonald bis McGyver
Stephan Sadowski

Duisburg, 20. November 2014 - Es riecht stark nach Maggikraut am Set: schließlich haben die Hexen schon gut eine Flasche des Suppengewürzes beim Probenlauf in den Pflanzkübel hineingekippt. Gedreht wird die zweite Prophezeiung aus Shakespeares wohl blutrünstigstem Drama „MacBeth“, allerdings „reloaded“, hier von der Duisburger Shakespeare Company unter Leitung von Klaus Thiel-Klenner.

Letztendlich landet die gesamte Maggi-Pulle samt einer Gummihand, die noch von Halloween im Rheinhauser Forum übrig geblieben ist, in dem großen „Hexenkessel“ - und die Hexen tanzen beschwörend um den Topf.

„Wir wollen mit einem gewissen Spaß-Faktor Shakespeare dem Publikum nahe bringen, dabei doch so nah wie möglich am Original bleiben“, sagt Klaus Thiel-Klenner, der auch das Drehbuch bearbeitet hat. Eben auch, weil der größte britische Dichter damit verständlicher wird.  Ein anderes Klientel für Shakespeare gewinnen, lautet die Devise des Regisseurs - denn Shakespeare ist aktueller denn je.

Soweit, Sonett

Textlich hat er das Theaterstück aufgepeppt, in eine Komödie überführt: da spielen dann irgendwann McDonald,  MacLeod oder MacGyver - neben MacDuff, einem wirklichen Charakter aus dem Stück. „Das Besondere ist, dass ich die Zuschauer über den Film ganz nah ans Geschehen führen kann“, sagt er. Die Hexen sind immer mittendrin, tauchen mal als Ärzte im Lazarett oder als Soldaten in einer Schlacht auf, ziehen dafür einen Kittel oder eine Army-Jacke über: „Sie begleiten das ganze Drama und schauen zu, was sie mit ihrer Prophezeiung angerichtet haben“, kommentiert Klaus Thiel-Klenner. Die Weissagung, die dazu führt, dass MacBeth König Duncan töten wird, um selbst Herrscher über Schottland zu werden. Schließlich soll es blutrünstig werden, genug Theaterblut hat die Truppe in der Requisite.



Die Aufnahmen macht José Hidalgo. Der 30-jährige Filmemacher hat schon so manchen Kurzfilm produziert. Mit vier HD-Kameras nimmt er jede Szene auf. „Ich führe meist mit einer Totalen in den Ort des Geschehens ein, wechsele dann auf die Perspektive von links, dann von rechts“, sagt der Filmprofi. „Alle Kameras sind auf die Akteure fokussiert, so kann ich später die besten Einstellungen zusammenschneiden“. Und action - mit einer Handkamera steigt er selbst grazil in diesen Hexentanz ein, filmt quasi dem schleichenden Schauspieler über die Schulter, wie die Kräuter  in den „Kessel“ plumpsen.

Die ganze Welt ist eine Bühne

Eine lockere Atmosphäre herrscht in den vielen Drehpausen am Set: Hexen-Darsteller Michael Kaufmann wird von seinen Mit-Hexen Evelin Bühler und Monika Kaufmann wegen seines Vollbartes hochgenommen, den nun mal auch ein Kopftuch nicht kaschieren kann. In dem Rock sieht er ziemlich lustig aus. Doch sobald das nächste „action“ von der Regie kommt, sind die Darsteller voll konzentriert, strahlen die Besessenheit aus, wie sie von Shakespeare und dem Regisseur gewünscht ist, und starren mit irrem Blick in die Kameras: „Dopple, dopple Plag und Mühe, Feuer brenne, Kessel glüühe!“, tönen sie textsicher.

Die eigentlichen Hauptdarsteller MacBeth und Lady MacBeth haben heute drehfrei: Andreas Brack und Kirsten Rusche nehmen es gelassen. Brack ist über das Improvisationstheater bei der Duisburger Shakespeare Company gelandet, Rusche hat schon bei der Theaterproduktion „Shakespeare – Reloaded“ vor vier Jahren in tragenden Rollen mitgespielt.
„Es macht auch  mal Spaß, den anderen beim Dreh zuzuschauen“, sagt die „Lady MacBeth“, die mit ihren funkelnden und stechenden Augen ihren Partner zum Mord anstacheln wird und in den Wahnsinn treiben wird.


Eigentlich hatte Klaus Thiel-Klenner (rechts), hier mit Filmemacher José Hidalgo, nur die Idee ein paar Textproben für seine Schauspieler zu machen: bald ist der Film „Macbeth – Reloaded“ fertig – und die Hexensuppe angerichtet...

Die Duisburger Shakespeare Company ist aus einem VHS-Theater-Kurs unter Leitung von Klaus Thiel-Klenner entstanden und zählt fast 20 Akteure. Eine frühere Produktion war das Theaterstück „Shakespeare -Reloaded“, das eine witzige Hommage an den britischen Autor ist. Die Truppe verfilmt momentan in der Halle des Bergheimer Forums das Theaterstück „Macbeth“ - eine mögliche Bühnenaufführung ist geplant ...