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Zwischen Revier und Niederrhein: warum der Immobilienmarkt in der Nachbarschaft boomt
Ein Gespräch mit Otto’s Immobilien

Maria Kock

Duisburg, 4. Februar 2026 - Wer in diesen Tagen durch Duisburg und die angrenzenden Viertel fährt, bemerkt schnell: Die Region ist in Bewegung. Während die Suche nach bezahlbarem und gleichzeitig attraktivem Wohnraum innerhalb der Stadtgrenzen oft zur Herausforderung wird, rückt die Nachbarschaft am Niederrhein immer stärker in den Fokus. Die Grenzen zwischen dem klassischen Revier und den grüneren Vororten verschwimmen zusehends, was den Immobilienmarkt vor neue Fragen stellt.

Für viele Duisburger ist der Schritt über die Stadtgrenze hinaus längst keine Flucht mehr, sondern eine bewusste Entscheidung für mehr Lebensqualität. Doch wie sicher ist die Investition in Stein und Mörtel aktuell wirklich? Und welche Trends prägen das Leben und Wohnen in unserer direkten Nachbarschaft?

Um Licht in den Dschungel aus Zinsentwicklungen, Marktwerten und Standortfaktoren zu bringen, hat die Redaktion der BZ Duisburg bei einem Experten nachgefragt, der die Region wie seine Westentasche kennt. Im Gespräch mit dem Team von Otto’s Immobilien klären wir, warum der lokale Markt trotz globaler Turbulenzen stabil bleibt und worauf es beim Immobilienkauf in der heutigen Zeit wirklich ankommt.


Die aktuelle Dynamik am regionalen Markt
BZ Duisburg: Die Immobilienpreise in Duisburg und dem nahen Umland haben in den letzten Jahren eine spürbare Achterbahnfahrt hinter sich. Wie bewerten Sie die aktuelle Attraktivität unserer Region im Vergleich zu den teuren Metropolen an der Rheinschiene, und welche Verschiebungen beobachten Sie derzeit bei der Nachfrage?
Otto’s Immobilien: Ich stelle fest, dass Menschen in ihrem oft hektischen Alltag verstärkt nach Ruhe suchen. Diese findet man häufiger in den Städten im direkten Umland der großen Metropolen. Grundsätzlich beobachte ich eine Verschiebung der Investitionen in die Speckgürtel der rheinischen Zentren, da es in den Metropolen selbst immer schwieriger wird, noch eine annehmbare Rendite zu erzielen. Für Familien ist Wohneigentum – und teilweise sogar die Anmietung – dort wirtschaftlich kaum noch tragbar. Daher wird verstärkt in den umliegenden Städten mit guter Infrastruktur gesucht.
Standortvorteile und die Suche im Umland
BZ Duisburg:
Viele Duisburger weiten ihren Suchradius bei der Immobiliensuche immer stärker in Richtung Niederrhein aus. Was macht den speziellen Reiz dieses Marktes aus, und wo sehen Sie momentan das größte Potenzial für junge Familien?
Otto’s Immobilien:
Aufgrund der Altersstruktur in vielen Vororten kommen aktuell vermehrt Immobilien mit Sanierungsrückstau zu attraktiven Preisen auf den Markt. Diese bieten zum Beispiel in Stadtteilen wie Fischeln, Bockum oder Oppum großes Potenzial. Der Reiz liegt in der hervorragenden Anbindung: Ob per Autobahn, Bahn oder sogar mit dem Fahrrad – die Wege nach Düsseldorf, Köln, Mönchengladbach oder bis nach Venlo sind kurz. Hier lässt sich die Balance zwischen Urbanität und Ruhe ideal realisieren.
Marktkenntnis und professionelle Bewertung
BZ Duisburg:
Wer heute eine Immobilie verkaufen möchte, steht vor einem veränderten Marktumfeld. Worauf sollten Eigentümer achten, wenn sie einen Experten für Immobilien aus Krefeld oder der Region zurate ziehen, um eine wirklich marktgerechte Bewertung zu erhalten?
Otto’s Immobilien:
Ein Experte sollte lokal verwurzelt sein – jemand, der 50 Kilometer entfernt ansässig ist, kennt die Feinheiten des Viertels oft nicht. Die Wertermittlung sollte zwingend mit einer professionellen Software erfolgen, die auf reale Daten des Gutachterausschusses zugreift. Nur dort werden die tatsächlichen Verkaufsdaten gesammelt, wodurch alle wertbildenden Faktoren berücksichtigt werden.
Wichtig ist: Der Angebotspreis darf nicht überzogen sein. Ein zu hoher Startpreis führt am Ende ironischerweise oft zu Verkaufspreisen unter Marktwert, da das Objekt am Markt „verbrennt“. Zudem ist Verkaufen Vertrauenssache. Wenn das Bauchgefühl nicht stimmt, hilft auch die beste Bewertung des Maklers nichts. Technisch sollte der Partner auf der Höhe der Zeit sein: 360-Grad-Rundgänge, Profi-Fotograf und Sichtbarkeit auf allen großen Portalen sind heute Standard. Ein einfaches Schaufenster reicht für einen fairen Marktpreis längst nicht mehr aus.
Die Herausforderung der energetischen Sanierung
BZ Duisburg:
Nachhaltigkeit und das Gebäudeenergiegesetz verunsichern viele Interessenten. Welche konkreten Auswirkungen haben die gesetzlichen Anforderungen aktuell auf die Kaufentscheidungen und den Verkaufspreis älterer Immobilien?
Otto’s Immobilien:
Viele Kunden scheuen das Risiko, eine Immobilie selbst energetisch auf den neuesten Stand zu bringen. Das liegt an der großen Verunsicherung bezüglich Handwerkerkapazitäten, Materialpreisen, Finanzierbarkeit und der politischen Ungewissheit. Diese Faktoren lassen Käufer bei schlechten Energieklassen zögern. Der energetische Zustand beeinflusst den Verkaufspreis heute massiv – auch, weil Banken für sanierungsbedürftige Objekte in der Regel höhere Zinsen verlangen oder strengere Eigenkapitalanforderungen stellen.
Ein Ausblick auf die kommenden Jahre
BZ Duisburg:
Wagen wir zum Abschluss einen Blick in die nahe Zukunft: Wohin wird sich der Markt zwischen Ruhrgebiet und Niederrhein in den nächsten zwei bis drei Jahren entwickeln?
Otto’s Immobilien:
Es gilt das Motto: „Was ich hab, das hab ich!“ Ein Eigenheim bietet Sicherheit vor Mieterhöhungen, Eigenbedarfskündigungen und Inflation. Aber Besitz bringt auch Verantwortung mit sich: Reparaturen, Modernisierungen und Kredite kosten Zeit, Geld und Nerven.
In den nächsten Jahren werden wesentlich mehr Immobilien auf den Markt kommen, da die Generation der Babyboomer ihre Objekte nun „versilbert“ und Erben oft nicht die Kapazitäten haben, sich intensiv um die Verwaltung oder Sanierung zu kümmern. Während Regulierungen weiter zunehmen, wird der Druck auf den Mietmarkt in manchen Lagen etwas nachlassen. Verkäufer müssen sich bei Sanierungsstau auf deutliche Preisabschläge einstellen. Für Käufer hingegen ergeben sich Chancen: Dank interessanter KfW-Förderprogramme und einer besseren Verhandlungsposition wird der Einstieg in das Wohneigentum wieder greifbarer.