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Mainz/Duisburg, 8. September 2026 - Die
heute veröffentlichten Ergebnisse der internationalen
PISA-Studie bestätigen erneut die kritische Entwicklung der
Bildung in Deutschland: Die Lesekompetenz von Schülerinnen
und Schüler verschlechtert sich weiter – der Rückgang gilt
auch für Mathematik und Naturwissenschaften. Rund ein
Drittel der Jugendlichen hat erhebliche Schwierigkeiten,
Texte zu verstehen und Informationen zu verknüpfen oder
einzuordnen. Damit fehlt ihnen die zentrale Grundlage, um in
allen anderen Fächern bestehen zu können. Angesichts dieser
Entwicklung fordert die Stiftung Lesen frühkindliche
Leseförderung deutlich zu stärken. Denn die Voraussetzungen
für gute Lesekompetenz entstehen lange vor dem PISA-Alter
von 15 Jahren.

PISA-Studie ist die weltweit größte
Bildungsvergleichsstudie Die PISA-Studie ist die
weltweit größte Bildungsvergleichsstudie und untersucht die
Kompetenzen von 15-jährigen Schülerinnen und Schüler unter
anderem in den Bereichen Lesen, Mathematik und
Naturwissenschaften.
Die aktuellen Ergebnisse
zeigen: Rund ein Drittel der Jugendlichen in Deutschland
verfügt lediglich über sehr eingeschränkte Lesekompetenzen.
Damit liegt Deutschland zwar knapp im
OECD-Durchschnitt, aber die mit Deutschland
vergleichbaren Staaten schneiden deutlich besser ab. Dazu
hat sich der Zusammenhang von Leistung der Jugendlichen und
der sozioökonomischen Herkunft der Familie noch einmal
verstärkt.
„Die katastrophalen Ergebnisse sind alles
andere als eine Überraschung – überraschend wäre, wenn
endlich politische Konsequenzen folgen würden“, betont Dr.
Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen. „Wir
müssen uns klar machen: Hinter dem Drittel stehen echte
junge Menschen, die voraussichtlich ihr ganzes Leben lang
mit den Folgen fehlender Lesekompetenz kämpfen werden – beim
Lernen für alle anderen Fächer in der Schule, in ihrem
Alltag, wenn sie eine Ausbildungsstelle suchen oder wenn sie
auf Social Media mit Falschnachrichten konfrontiert werden.
Wir sind es Kindern, Jugendlichen und unserer Gesellschaft
schuldig, dass endlich etwas passiert. Wir brauchen mehr
frühkindliche Leseförderung in den Familien, Sprachförderung
und Vorleseaktionen in allen Kitas, Sprachstandserhebungen
aus denen sich verbindliche Maßnahmen ableiten, mehr
Lesezeit in der Grundschule und deutliche Investitionen für
Familien, Kitas und Schulen.“
Stiftung Lesen
fordert: Lesekompetenz von Anfang an in den Familien stärken
Die schlechten PISA-Ergebnisse kommen nicht überraschend.
Bildungsstudien zeigen seit Jahren eine sinkende
Lesekompetenz von Kindern und Jugendlichen. Dass die
Ursachen dafür weit vor dem PISA-Alter liegen, verdeutlicht
die IGLU-Studie: Rund jedes vierte Kind verlässt die
Grundschule, ohne ausreichend gut lesen zu können.
Diese Defizite sind später nur schwer auszugleichen und
setzen sich häufig in der weiteren Schullaufbahn fort.
„Die aktuellen PISA-Ergebnisse werden sich nicht
verbessern, wenn wir nur Bildungsinstitutionen betrachten“,
mahnt Dr. Jörg F. Maas. „Wer Kinder stärken will, muss sie
früh erreichen – lange vor der Einschulung. Wir brauchen vor
allem Anreize und Förderungen für Eltern, ihren Kindern
täglich vorzulesen. 10 Minuten Vorlesen am Tag muss zum
normalen Alltag gehören, wie tägliches Zähneputzen und das
müssen Eltern wissen. Deswegen müssen wir Investitionen in
frühkindliche Sprach- und Leseförderung endlich als
notwendige Grundversorgung verstehen. Stattdessen stehen
derzeit Programme wie ,Lesestart 1–2–3‘ vor dem Aus, die
Familien und Kinder früh und niedrigschwellig über Kinder-
und Jugendärzte/-innen und Büchereien mit Buchgeschenken und
Informationen in mehreren Sprachen erreichen. Das ist
geradezu absurd.“
PISA 2025: So schneiden
Jugendliche im Lesen ab Im Lesen erreichen die
15-Jährigen in Deutschland 465 Punkte. Damit liegen die
Leistungen zwar weiterhin auf dem OECD-Durchschnittsniveau,
gleichzeitig zeigt sich jedoch ein besorgniserregender
Trend: Der Anteil der Schüler/-innen, die die Kompetenzstufe
II nicht erreichen, ist in den vergangenen zehn Jahren
kontinuierlich gestiegen und hat sich gegenüber 2015
verdoppelt. Seit 2015 ist auch der Anteil besonders
kompetenzstarker Schüler/-innen rückläufig. So sank der
Anteil in Deutschland auf den Kompetenzstufen V und VI von
12 Prozent (2015) auf sieben Prozent (2025). Die Ergebnisse
zur Lesekompetenz zeigen damit insgesamt eine schlechte
Entwicklung an beiden Enden der Kompetenzverteilung.
Tipps für Eltern Eine gute Lesekompetenz braucht vor
allem eins: Übung. Das gilt für die Grundlagen in der
Grundschule genauso wie für die weiterführenden Klassen.
Üben macht aber vor allem dann wenig Freude, wenn die
Fähigkeit noch nicht gut ausgeprägt ist. Wenn Kinder nicht
lesen möchten, fällt gern der Satz „Jetzt kommt das Handy
weg. Setz dich hin und lies etwas“. Das ist gut gemeint,
verknüpft das Lesen aber als eine Tätigkeit, zu der das Kind
gezwungen wird. Statt als Strafe, sollte das Lesen als
Freizeitalternative angesehen werden. Es gilt daher, Lesen
immer wieder als Alternative anzubieten und die passenden
Voraussetzungen zu schaffen. Dazu gehört eine ruhige
Leseumgebung mit gutem Licht. Gibt es keinen passenden Platz
in der Wohnung, lohnt sich der Besuch einer Bücherei. Hier
gibt es oft gemütliche Leseecken, in der ungestört gelesen
werden kann. Die Bücherei oder der Handel helfen zudem
dabei, das richtige Medium zu finden. Gerade für Kinder und
Jugendliche, die sich mit dem Lesen noch schwertun, können
Bücher abschreckend sein. Zeitschriften, Comics, Mangas oder
Buchcomics haben kürzere Textabschnitte und können
Einstiegshürden verringern. Wichtig: Unbedingt Kinder
und Jugendliche (mit-) bestimmen lassen, was sie lesen
wollen. Lesetipps gibt es auf der Website der Stiftung
Lesen.
Mit Vorbildern gegen die Lesekrise
Was Kinder und Jugendliche erleben, prägt, was sie später
selbst tun. Sie lernen über Beobachtung und Nachahmung,
welches Verhalten angemessen ist oder für welche Tätigkeiten
Platz im Alltag eingeräumt wird. Das gilt insbesondere fürs
Vorlesen und Lesen. Der Vorlesemonitor von der Stiftung
Lesen, DIE ZEIT und Deutsche Bahn Stiftung zeigt: Eltern,
denen als Kind vorgelesen wurde, lesen ihren eigenen Kindern
später häufiger vor. Auch Erwachsene lesen mehr, wenn ihnen
vorgelesen wurde. Damit wirkt Vorlesen über Generationen und
macht Vorlese-Vorbilder zu einem nachhaltigen Schlüssel für
die Leseförderung. Denn Vorlesen legt die Grundlage fürs
Lesenlernen. Vorbilder bringen Kinder mit Geschichten in
Kontakt und zeigen gleichzeitig: (Vor-)Lesen ist ein
wichtiger Bestandteil im Leben und macht Spaß. Nicht nur
Eltern können Vorbilder sein, sondern jede und jeder
Einzelne. Deswegen ruft die Stiftung Lesen zusammen mit
Thalia und prominenter Unterstützung von Bülent Ceylan,
Bernhard Hoëcker, Clarissa Corrêa da Silva, Jeff Kinney,
Jess Schöne, Judith Rakers, Peter Maffay und Hendrikje
Balsmeyer, Saliha Ozcan (bekannt als Sally) und Sherif
Rizkallah mit der Kampagne „Ich lese vor – du auch?“ zum
Vorlesen auf.
Über die Stiftung Lesen Lesen ist
die zentrale Voraussetzung für Bildung, beruflichen Erfolg,
Integration und eine zukunftsfähige gesellschaftliche
Entwicklung. Damit alle Kinder in Deutschland lesen können,
engagiert sich die Stiftung Lesen gemeinsam mit Bundes- und
Landesministerien, mit Unternehmen, Stiftungen, Verbänden
und wissenschaftlichen Einrichtungen in bundesweiten
Programmen und Kampagnen. Die Stiftung Lesen steht seit
ihrer Gründung unter der Schirmherrschaft des
Bundespräsidenten und wird von zahlreichen prominenten
Lesebotschafterinnen und Lesebotschafter unterstützt.
www.stiftunglesen.de
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