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Duisburg, 9. Juni 2026 - Derbes Deutschpunk-Image kombiniert
mit längst vergessenem, vielleicht schon überdauertem
Ruhrpottcharme, quasi Tegtmeier 4.0, nur eben viel vulgärer:
dafür steht die Duisburger Formation "Eisenpimmel", die sich
1994 gründete. Vielleicht ist es nur der Name, der die
Musiker in der Punk-Szene ins Gespräch bringt, vielleicht
steckt aber auch mehr dahinter. Jedenfalls spielten
Eisenpimmel am Wochenende als Headliner auf dem Rage-against-Racism-Festival
an der Friemersheimer Mühle vor etwa 2000 Metalfans. Wir
versuchten, das Phänomen einzuordnen und sprachen mit dem
Veranstalter, den Musikern und Zuschauern. Festivalleiter
Levent Tomicki jedenfalls ist voller Freude auch mal eine
richtige Punkband im Line-Up zu haben.

„Wir mixen ja hier die Stile gerade in puncto Gitarrenmusik
und haben da schon einiges im Programm gehabt. Gerade
bei Eisenpimmel, war es besonders der Wunsch der vielen
Freiwilligen, die dieses Festival möglich machen, die Band
einmal zu buchen. Das haben wir nach über 20 Jahren jetzt
endlich mal geschafft – und hoffen auf éine große Party.“

Die Band Eisenpimmel spielte in folgender Formation beim
Rage-against-Racism-Festival in Duisburg-Friemersheim, wobei
die Akteure nur unter Künstlernamen geführt werden: Bärbel
Rotzky: Gesang - Siggi Katlewski: Gesang - Wolle Pannek:
Gitarre - Ey: Gitarre in Vertretung für Mütze - Karl Arsch:
Bass - Bobo: Schlagzeug Bobo, der Schlagzeuger
der Band, sieht eine Verbindung unter den Gitarrenmusikern
auf dem Festival: "Warum sollte das ein Problem sein, als
Punker hier zu spielen? Metaller und Punks sind doch von
Natur aus united." Auf die Frage, ob die oft nicht
jugendfreien Texte, die teilweise derbe Anspielungen auf
Sexualpraktiken in Titeln wie "Komma lecker unten bei mich
bei" enthalten, in Zeiten von MeToo noch akzeptabel sind,
antwortet Bobo: "MeToo gab es für uns schon immer, ist also
keine neuzeitliche Erfindung aus den 2000ern. Und wenn
jemand unsere Texte anstößig findet, soll er oder sie sie
vielleicht mal lesen." Doch wann geht die Band mal wieder
auf Clubtour, wie sie es früher tat? "So was machen wir
nicht mehr, wir sind ja dauernd unterwegs, wir spielen
eigentlich nur noch Festivals, Stadien und Open-Airs."

Als die Musiker von Eisenpimmel auf die Bühne springen, ist
es quasi so, als ließe sich die gesamte Familie Flodder aus
den 80er-Jahren ausgelassen gehen zu punkiger Musik – das
Bild, das die Gruppe abgibt, ähnelt dabei der
70er-Jahre-Fernseh-Klamauk-Satire „Klimbim“ . Mit noch
vollem Pilsbecher springt die Sängerin Bärbel Rotzky, die
sich eine ausgefranste bunte Federboa um den Hals hängt, auf
die Bühne und ihr Mitstreiter am Mikro, Siggi Katlewski
folgt. "Wir sind keine Satireband, wir sind `ne
Politband, wir haben mitgekriegt, dass Kohl nich' mehr
Kanzler ist", erklärt Katlewski der Menge. Die beiden
Frontleute wirbeln über die Bretter und verschütten das gute
Gerstenbräu dabei. Gitarrentechnisch bleibt der Sound im
überschaubaren Drei-bis-Vier-Akkorde-Schrammelpunk-Segment
hängen, mal schimmert ein versiertes Reggae-Riff durch.
Dennoch: Die Begeisterung geht über auf das Publikum bei
Titeln wie "Füße hoch-Fernsehen an-Arschlecken" oder
"Frauen, die Bier trinken", und das Konzert wird eine große
Karaokeparty. Beim Song "Fotzenbimmelbahn" bildet sich
nach dem Regen eine lange Polonaise durch das Publikum, bei
der die Menge lauthals mit grölt. Doch irgendwie bleibt die
Frage hängen, ob die Liedtexte nicht als frauenfeindlich
verstanden werden können.

Andrea S. (Name der Red. bekannt) wird es allmählich zu
viel, sie will das Event verlassen: "Man kann mich humorlos
nennen, aber Frauen sind zu oft Opfer von unter dem
Deckmantel der Ironie präsentierten Dingen. Mag sein, dass
das lustig gemeint ist, aber wenn man das singt, muss man
als Band davon ausgehen, dass die Ironie auch jedermann
versteht und das wage ich zu bezweifeln", sagt Besucherin
Andrea. Selbst habe sie schon einige Übergriffe von Männern
in ausgelassener Stimmung erlebt. "Außerdem finde ich das
Ruhrpott-Malocher-Image, was die Band abgibt, längst
überholt."
Barbara Giorri aus Friemersheim ist jedes
Jahr beim Festival und sagt: "Für mich ist das ok, was die
singen, ist ja bloß Satire!" Janos Romualdo Krusenbaum,
selbst Musiker bei „Blossom Cult“ aus Essen, ordnet den
Auftritt so ein: "Das ist ja auch Katharsis für die Leute,
ich mag, dass die Band so ungezwungen in ihren Texten ist.
Die Leute wollen nicht alles immer nur kritisch überdenken."
Derweil die Party ihren Lauf nimmt, gut gemachte
Cover von AC/DC-Hits wie „Whole Lotta Rosie“ folgen.
Musik-Fachmann Dirk „Conny“ Koniecpolski sagt dazu: "Bei
Eisenpimmel kann man gut Ruhrdeutsch für Anfänger lernen.
Ich hätte dennoch gern Crypta aus Brasilien als Headliner
für den Samstag gehabt oder Darkness aus Essen, die waren
die besten auf diesem Festival!"

Wie sehen Eisenpimmel ihre musikalische Entwicklung in den
mehr als 30 Jahren? Bobo: "Wir sehen sie nicht, wir hören
sie."
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