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Redaktion Harald Jeschke

11. Dezember 1946 in New York: Kinderhilfswerk Unicef wird ins Leben gerufen! Am 24. Juli 1957 wurde in Duisburg aus Dankbarkeit und der Einsicht, dass auch in vielen anderen Teilen der Welt Kinder in großer Not leben, die Arbeitsgruppe Duisburg ins Leben gerufen.

„Eine Frage von Leben und Tod“ 

UNICEF: Immer mehr schwer mangelernährte Kinder brauchen Hilfe. Doch die Kosten für lebensrettende Erdnusspaste steigen um 16 Prozent.

New York/Köln/Duisburg, 17. Mai 2022 - Die Zahl der Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung stieg bereits vor dem Krieg in der Ukraine. Jetzt droht die Welt noch tiefer in eine Ernährungskrise zu fallen, warnt UNICEF.  Der aktuelle UNICEF-Bericht “Schwere akute Mangelernährung: Eine tödliche Gefahr für Kinder“ (“Severe wasting: An overlooked child survival emergency”) warnt, dass sowohl die Zahl der betroffenen Kinder als auch die Kosten für therapeutische Zusatznahrung, die für ihre Behandlung benötigt werden, steigen.

© UNICEF/UN0602381/Ralaivita

In dieser Situation gefährden auch noch Mittelkürzungen von Regierungen lebenswichtige Hilfe für die bedrohten Kinder. "Bereits vor dem Krieg in der Ukraine hatten viele Familien aufgrund von Konflikten, Klimaschocks und den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie Schwierigkeiten, ihre Kinder zu ernähren", erklärte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell. Sie hatte sich zuletzt ein Bild von der dramatischen Lage am Horn von Afrika gemacht. "Die Welt wird mit Blick auf den Kampf gegen die Kindersterblichkeit und das Leid schwer mangelernährter Kinder immer mehr zu einem unkontrollierbaren Risiko.“ 

Bereits heute erhalten mindestens 10 Millionen Kinder weltweit – zwei von drei betroffenen Mädchen und Jungen – nicht die lebensrettende Behandlung mit therapeutischer Zusatznahrung, die sie für ihr Überleben benötigen. UNICEF warnt, dass das Zusammenwirken mehrerer Schocks die weltweite Ernährungssicherheit von Familien und Kindern bedroht. Dazu gehören die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine, die schwierige wirtschaftliche Erholung nach der Covid-19-Pandemie sowie anhaltende klimabedingte Dürreperioden in manchen Ländern. 

Die Kosten für lebensrettende therapeutische Zusatznahrung werden laut Prognosen in den kommenden sechs Monaten um bis zu 16 Prozent steigen, da die Preise wichtiger Zutaten in die Höhe schießen. Hierdurch könnte weiteren 600.000 Kindern pro Jahr der Zugang zu lebensrettender Behandlung verwehrt bleiben. Auch die Transport- und Lieferkosten werden voraussichtlich hoch bleiben. "Für Millionen von Kindern pro Jahr bedeutet die lebensrettende Erdnusspaste einen Unterschied zwischen Leben und Tod. Eine sechzehnprozentige Preiserhöhung mag im Kontext der globalen Lebensmittelmärkte überschaubar klingen.

Doch am Ende der Lieferkette steht die Verzweiflung eines mangelernährten Kindes ", sagte Catherine Russell. Wenn ein Kind im Verhältnis zu seiner Größe zu dünn ist und ein geschwächtes Immunsystem hat, spricht man von schwerer akuter Mangelernährung. Dies ist die unmittelbarste, sichtbarste und lebensbedrohlichste Form der Mangelernährung. Weltweit sind rund 13,6 Millionen Kinder unter fünf Jahren davon betroffen. Einer von fünf Todesfällen von Kindern in dieser Altersgruppe kann darauf zurückgeführt werden. 

Die Gesamtzahl der betroffenen Kinder ist nach wie vor am höchsten in Südasien. Rund eines von 22 Kindern ist dort betroffen, doppelt so viele Mädchen und Jungen wie in Afrika südlich der Sahara. Doch auch in anderen Regionen sind die Fallzahlen mancherorts so hoch wie noch nie. In Afghanistan beispielsweise werden in diesem Jahr voraussichtlich 1,1 Millionen Kinder an schwerer akuter Mangelernährung leiden, fast doppelt so viele wie im Jahr 2018. Die Dürre am Horn von Afrika bedeutet, dass die Zahl der betroffenen Kinder in der Region von 1,7 Millionen auf zwei Millionen ansteigen könnte.

In der Sahelregion droht ein Anstieg um 26 Prozent im Vergleich zu 2018.  Laut dem Bericht haben die Fallzahlen selbst in relativ stabilen Ländern wie Uganda seit 2016 um rund 40 Prozent oder mehr zugenommen. Zu den Ursachen gehören wachsende Armut sowie die unsichere Ernährungssituation vieler Familien, die dazu führt, dass sich die Qualität und die Menge der Nahrung für Kinder und Schwangere verschlechtert hat. Auch klimabedingte Schocks wie schwere Dürren und fehlender Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen tragen hierzu bei.

Der Bericht hebt hervor, dass die Ausgaben zur Prävention und Bekämpfung von schwerer Mangelernährung sehr niedrig sind und in den kommenden Jahren weiter gekürzt werden könnten. Im pessimistischsten Szenario werden sie bis 2028 nicht wieder das Niveau von vor der Pandemie erreichen. Die Ausgaben für solche Programme im Rahmen der weltweiten Entwicklungshilfe machen lediglich 2,8 Prozent der Gesamtausgaben für den Gesundheitssektor und 0,2 Prozent der gesamten Ausgaben für die internationale Zusammenarbeit aus. 

UNICEF ruft deshalb dazu auf:
- Die Regierungen sollten die weltweite öffentliche Entwicklungshilfe im Kampf gegen schwere Mangelernährung um mindestens 59 Prozent im Vergleich zu 2019 erhöhen, um jedes Kind in 23 Risikoländern zu erreichen.

-  Länder sollten die Behandlung schwerer Mangelernährung in ihre Finanzierungspläne für Gesundheits- und langfristige Entwicklungsprogramme aufnehmen, um alle betroffenen Kinder zu erreichen, nicht nur diejenigen in humanitären Krisensituationen. 

- Die von Geberländern zur Bewältigung der aktuellen Hungerkrise bereitgestellten Mittel sollten spezifische finanzielle Zusagen für therapeutische Spezialnahrung und andere Maßnahmen enthalten, um schwer akut mangelernährter Kinder zu retten. 

- Geber und zivilgesellschaftliche Organisationen müssen der flexiblen und langfristigen Finanzierung von Programmen zur Bekämpfung schwerer Mangelernährung mehr Priorität einräumen.

Tötungen von Kindern, leere Klassenzimmer, zerstörte Schulen: Das Schuljahr in der Ukraine endet tragisch

17 Prozent der von UNICEF unterstützten „Safe Schools“ in der Ostukraine beschädigt oder zerstört
Kiew/New York/Köln/Duisburg, 4. Mai 2022 - Mindestens jede sechste von UNICEF unterstützte Schule in der Ostukraine wurde seit Beginn des Krieges beschädigt oder zerstört, darunter auch die Schule 36 - die einzige „safe school" in Mariupol. Die Angriffe auf Schulen verdeutlichen die dramatischen Auswirkungen des Krieges auf das Leben und die Zukunft der Kinder.  

Allein in der vergangenen Woche wurden zwei Schulen durch Angriffe getroffen. Die beschädigten oder zerstörten Schulen – 15 von 89 – sind Teil des „Safe Schools“-Programms, das gemeinsam mit dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft in Reaktion auf Angriffe auf Kindergärten und Schulen im Donbas etabliert wurde, wo seit 2014 ein schwelender bewaffneter Konflikt herrscht.   

Seit dem Kriegsausbruch im Februar wurden Berichten zufolge Hunderte von Schulen in der Ukraine durch schwere Artillerie, Luftangriffe und andere explosive Waffen in Wohngebieten getroffen, während andere als Informationszentren, Schutzräume, Logistikzentren oder für militärische Zwecke genutzt werden. "Der Beginn des Schuljahres in der Ukraine war für die Kinder nach den pandemiebedingten Unterbrechungen ein Moment der Hoffnung", sagte Murat Sahin, Leiter von UNICEF in der Ukraine.

"Stattdessen wurden Hunderte von Kindern getötet und das Schuljahr endet wegen des Krieges und der Zerstörung von Bildungseinrichtungen mit geschlossenen Klassenzimmern." Für Kinder in Krisensituationen sind Schulen essentiell – sie sind ein sicherer Ort, an dem Kinder eine gewisse Normalität und Halt in schwierigsten Zeiten erfahren und sie stellen sicher, dass Kinder nicht ein Leben lang den Preis für verpasste Bildungschancen zahlen müssen. Bildung kann auch lebensrettend sein – sie verschafft Kindern Zugang zu Informationen über die Risiken tödlicher Sprengkörper und vermittelt ihnen und ihren Eltern den Kontakt zu wichtigen medizinischen und psychosozialen Diensten.

"Zugang zu Bildung kann für Millionen von Kindern den Unterschied zwischen Hoffnung und Verzweiflung ausmachen", sagte Sahin. "Dies ist entscheidend für ihre Zukunft und die der ganzen Ukraine."
Gemeinsam mit seinen Partnern setzt UNICEF alles daran, so vielen Kindern wie möglich sichere und angemessene Lernmöglichkeiten zu bieten:

- Die vom Ministerium für Bildung und Wissenschaft mit Unterstützung von UNICEF entwickelte "All Ukrainian Online Education Platform" erreicht über 80.000 Schüler*innen der 5. bis 11. Klasse, die innerhalb der Ukraine auf der Flucht sind.

- In Dutzenden von U-Bahn-Stationen in Charkiw, wo zahlreiche Kinder Zuflucht gesucht haben, haben von UNICEF unterstützte freiwillige Helfer*innen Kinderbereiche eingerichtet, wo Lehrkräfte und Psycholog*innen regelmäßig mit den Kindern zusammenkommen-Die digitale Kindergartenplattform 'Numo', die von UNICEF und dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft unterstützt wird, erhält regelmäßig Hunderttausende von Aufrufen.

- Eine von UNICEF und dem Katastrophenschutz der Ukraine entwickelte digitale Kampagne zur Aufklärung über die Gefahren von Blindgängern (EORE) hat online bereits acht Millionen User erreicht.

- Rund 250.000 Kinder wurden von UNICEF in Notunterkünften, U-Bahn-Stationen und an anderen Orten, an denen Kinder Zuflucht suchen, mit Lernmaterialen versorgt.  

- UNICEF unterstützt die Regierungen und Gemeinden in den Nachbarländern dabei, geflüchtete Kinder in die nationalen Schulsysteme einzugliedern und ihnen alternative Bildungswege anzubieten, einschließlich digitaler Lernangebote. "Trotz des Horrors des Krieges wurde unglaubliche Arbeit geleistet, um sicherzustellen, dass Kinder weiter lernen können", sagte Sahin.

"Letztendlich müssen die Kämpfe jedoch aufhören, damit die Klassenzimmer wiederaufgebaut und die Schulen wieder zu sicheren Orten werden können, an denen das Lernen Spaß macht." Kinder und Schulen müssen im Einklang mit dem humanitären Völkerrecht jederzeit geschützt werden. Die Konfliktparteien müssen jegliche Maßnahmen ergreifen, um den Einsatz von Explosivwaffen in Wohngebieten sowie die militärische Nutzung von Bildungseinrichtungen zu vermeiden.

© UNICEF 2022 UNICEF GWA Orlando Bloom visits Ukrainian refugees in Moldova - 2022

 

Statement von Murat Sahin, Leiter von UNICEF in der Ukraine, zum Angriff auf den Bahnhof in Kramatorsk

Ukraine Lwiw/Köln, 8. April 2022 - „Wir verurteilen den heutigen Anschlag auf den Bahnhof in Kramatorsk in der Ukraine aufs Schärfste. Noch wissen wir nicht, wie viele Kinder bei dem Anschlag getötet und verletzt wurden, aber wir befürchten das Schlimmste. Der Bahnhof von Kramatorsk ist Drehkreuz für Tausende von Familien, die aus der Region Donezk, die besonders stark durch den Krieg betroffen ist, in sicherere Gebiete der Ukraine fliehen. Noch heute hat UNICEF medizinische Ausrüstung und Hilfsgüter in Kramatorsk entladen.


Unicef-Foto vom 9. April unter einer zerstörten Brücke in Irpin


In der vergangenen Woche hat UNICEF rund 50 Tonnen lebensrettende Hilfsgüter wie Medikamente, Wasser und Hygienesets nach Kramatorsk geliefert, um auf die sich rapide verschlechternde humanitäre Lage im Osten des Landes zu reagieren. Das UNICEF-Team war gerade dabei, lebensrettende Hilfsgüter an das regionale Gesundheitsamt zu liefern, das sich einen Kilometer vom Bahnhof entfernt befand, als der Anschlag verübt wurde. Die Zivilbevölkerung, insbesondere Kinder, müssen geschützt werden. Das Töten von Kindern muss sofort aufhören.“

 

30 Jahre Kinderrechte in Deutschland – UNICEF zieht Bilanz

Politik in Deutschland muss das Wohl von Kindern endlich in den Mittelpunkt stellen

Köln/Duisburg, 04. April 2022 - Vor 30 Jahren – am 5. April 1992 – ist in Deutschland die UN-Konvention über die Rechte des Kindes in Kraft getreten. Seitdem wurden zwar entscheidende Fortschritte für Kinder erreicht, für zu viele Kinder bleiben aber zahlreiche Kinderrechte weiter außer Reichweite – so UNICEF Deutschland. Schwerwiegend wirken sich insbesondere Kinderarmut, ungleiche Bildungschancen und die Erfahrung von Gewalt auf die Lebenssituation und das Wohlbefinden von Kindern aus. Defizite bei der Verwirklichung der Kinderrechte bestehen in Deutschland zudem bei der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen.

© UNICEF/UNI331931/Bänsch

Die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz ist bis heute nicht gelungen. „Ohne jeden Zweifel hat die Kinderrechtskonvention eine positive Schubkraft ausgelöst, viel wurde in den vergangenen 30 Jahren für Kinder erreicht. Die Anstrengungen haben aber nicht ausgereicht. Denn bis heute werden zahlreiche Kinderrechte in unserem Land nicht für jedes Kind verwirklicht“, sagt Georg Graf Waldersee, Vorstandsvorsitzender von UNICEF Deutschland.


„Angesichts der Krisen, die wir erleben, dürfen die Interessen der Kinder nicht noch weiter aus dem Blick geraten. Deshalb muss die Politik das Wohl von Kindern endlich in den Mittelpunkt stellen. Im Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung wichtige Ansätze formuliert, um das Leben von Kindern und Jugendlichen in Deutschland zu verbessern, dazu zählt nicht zuletzt die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz. Diese politischen Vorhaben müssen nun schnell und umfassend umgesetzt werden. Dabei muss die Bundesregierung auch ihrer globalen Verantwortung für die Verwirklichung der Kinderrechte nachkommen.“ 

Fortschritte und Lücken bei der Umsetzung der Kinderrechte in Deutschland Durch die Kinderrechte haben sich das Verständnis für Kinder und der Blick auf die Kindheit als entscheidende Phase im Leben eines jeden Menschen in Deutschland geschärft. Wichtige gesetzliche Reformen, mehr Investitionen und die Arbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen haben das Aufwachsen junger Menschen verbessert. Dennoch stehen in Deutschland weiterhin viele Kinder vor großen Herausforderungen. 

 
Strukturelle Umsetzung der Kinderrechte: In Deutschland fehlen nach wie vor Strukturen, um die Kinderrechte und die Perspektive von Kindern und Jugendlichen in Politik und Verwaltung zu verankern. Nötig wären dazu umfassendere Daten zur Situation von Kindern, die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz, zusätzliche Kinderbeauftragte sowie Beschwerdestellen für Kinder und eine systematische Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. 

Kinderarmut: 2019 wuchsen in Deutschland 1,48 Millionen Kinder unter 16 Jahren in relativer Armut auf. Dies entspricht einer Armutsgefährdungsquote nach Sozialleistungen von 12 Prozent. Dies bedeutet zwar einen leichten Rückgang um 2,6 Prozentpunkte im Vergleich zu 2014, trotzdem bleibt die Zahl der Kinder, die von relativer Kinderarmut betroffen sind, hoch. Bestimmte Gruppen wie die Kinder von alleinerziehenden Elternteilen und geflüchtete und migrierte Kinder haben weiterhin ein stark erhöhtes Armutsgefährdungsrisiko. Die Covid-19-Pandemie droht dieses Problem zu verschärfen.  
Gewalt gegen Kinder: Das im Jahr 2000 in Kraft getretene Gesetz zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung hat dazu beigetragen, die körperliche und psychische Gewalt gegen Kinder zurückzudrängen. Doch trotz dieser positiven Entwicklung zeigt eine aktuelle Studie der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie Ulm, UNICEF Deutschland und des Deutschen Kinderschutzbundes, dass jede*r Zweite noch immer der Auffassung ist, dass ein Klaps auf den Hintern noch keinem Kind geschadet habe. Jede*r Sechste hält es sogar für angebracht, ein Kind zu ohrfeigen. Zudem leiden weiterhin viele Kinder in Deutschland unter sexueller Gewalt. 


Bildung: Zu den wichtigsten Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte gehören der im Kinder- und Jugendhilfegesetz festgehaltene Anspruch von Kindern auf den Besuch einer Tageseinrichtung sowie der Ausbau der Ganztagsbetreuung. Die Covid-19-Pandemie hat allerdings aufgezeigt, dass die personelle, technische und finanzielle Ausstattung von Schulen nach wie vor unzureichend ist – insbesondere im Bereich der Digitalisierung. Weiterhin besteht die Herausforderung, dass der Bildungserfolg von Kindern häufig von ihrer sozialen Herkunft abhängt. Dies betrifft insbesondere geflüchtete und migrierte Kinder. 

Beteiligung: Viele Schulen, Städte und Gemeinden haben zwar bereits Kinderparlamente eingerichtet. Trotzdem werden Kinder und Jugendliche nicht überall und vor allem oft nicht systematisch beteiligt. Die Covid-19-Pandemie hat gezeigt, dass Kinder und junge Menschen bei wichtigen gesellschaftlichen und politischen Prozessen mehr gehört werden müssen.

Politik muss sich stärker am Wohl von Kindern orientieren
Anlässlich des 30. Jahrestags der Kinderrechte in Deutschland appelliert UNICEF an die Politik in Bund, Ländern und Kommunen, sich in den nächsten Jahren klar und noch stärker als bislang am Wohl von Kindern und an der Verwirklichung ihrer Rechte zu orientieren. Aus Sicht von UNICEF Deutschland muss unter anderem sichergestellt werden, dass: die Kinderrechte im Grundgesetz umfassend festgeschrieben werden.  Kinderarmut und soziale Ausgrenzung nachhaltig bekämpft werden.


Dazu gehören die Einführung einer Kindergrundsicherung und die Umsetzung der sogenannten EU-Kindergarantie, mit der die am meisten benachteiligten Kinder unterstützt werden sollen. die Bundesländer weiter stark in den Ausbau der Kitas und Schulen sowie der Ganztagsbetreuung investieren und dabei auf qualitativ hochwertige Bildungsangebote insbesondere für benachteiligte Kinder setzen. Erforderlich sind vor allem umfassende Mittel für mehr Personal und dessen Qualifizierung. Gewalt gegen Kinder niemals hingenommen und insbesondere das Bewusstsein für psychische Gewalt und ihre gravierenden Folgen geschärft wird.


Dazu sind nachhaltige Aufklärungskampagnen und gezielte Prävention notwendig. Kinder und Jugendliche als Expert*innen für ihre eigene Situation und ihre Belange anerkannt werden. Sie sollten umfassend und nachhaltig zu allen Angelegenheiten gehört werden, die sie betreffen. Deutschland seiner globalen Verantwortung nachkommt und weltweit einen wesentlichen Beitrag zur Verwirklichung der Kinderrechte leistet. Service für Redaktionen: Deutschland und die UN-Kinderrechtskonvention 1990 unterzeichnete die Bundesrepublik Deutschland als einer der ersten Staaten der Welt die Konvention über die Rechte des Kindes.


Am 5. April 1992 trat die UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland in Kraft.
2010 nahm die damalige Bundesregierung die bei der Unterzeichnung erklärten Vorbehalte zurück. Seitdem ist das Übereinkommen uneingeschränkt gültig. Mit der Ratifizierung der UN-Kinderrechtskonvention hat sich Deutschland auch verpflichtet, über die Fortschritte bei der Umsetzung der Kinderrechte regelmäßig Bericht zu erstatten. Der fünfte und sechste Staatenbericht Deutschlands werden im Herbst 2022 vom Kinderrechtsausschuss der Vereinten Nationen in Genf behandelt. 

 

„Kinder in Afghanistan brauchen weiter dringend Hilfe“
UNICEF Deutschland zur internationalen Geberkonferenz am 31. März

Duisburg, 31. März 2022 - Anlässlich der heute virtuell stattfindenden Geberkonferenz für Afghanistan ruft UNICEF Deutschland die internationale Gemeinschaft dazu auf, ihre Hilfe für die Kinder im Land fortzusetzen und auszuweiten. In den vergangenen Monaten hat sich die humanitäre Lage der Kinder weiter dramatisch verschärft. Rund 13 Millionen Kinder benötigen dringend humanitäre Hilfe. Jedes zweite Kind leidet an akuter Mangelernährung: mehr als eine Million Mädchen und Jungen sind so schwer mangelernährt, dass ihr Leben in Gefahr ist.

Immer mehr Kinder erkranken an Masern Millionen Kinder, insbesondere Mädchen, laufen Gefahr, langfristig nicht zur Schule gehen zu können. Fast die gesamte Bevölkerung lebt in Armut. „Wir stehen an einem kritischen Punkt für Kinder in Afghanistan,“ sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. „Wir dürfen sie jetzt nicht allein lassen, sondern müssen alles dafür tun, um Leben zu retten und ihnen eine Perspektive für die Zukunft zu geben. Die lebenswichtige Grundversorgung der Mädchen und Jungen muss dringend aufrechterhalten werden.“

Die anhaltende Wirtschaftskrise, Armut, Hunger, die Covid-19 Pandemie und eine schwere Dürre wirken sich auf alle Lebensbereiche der Kinder aus. Dadurch steigt das Risiko, dass immer mehr Kinder arbeiten müssen oder verheiratet werden. 


UNICEF benötigt in diesem Jahr zwei Milliarden US-Dollar, um die dringendste humanitäre Hilfe in Afghanistan zu leisten. Allein im vergangenen Monat hat UNICEF unter anderem 31.000 schwer mangelernährte Kinder behandelt, rund 67.000 Kinder mit Masernimpfungen erreicht, für sauberes Trinkwasser gesorgt und die grundlegende Gesundheitsversorgung unterstützt. UNICEF sorgt dafür, dass Kinder in Gemeindeschulen lernen können, verteilt Lehr- und Schulmaterial und unterstützt die Ausbildung des Lehrpersonals, insbesondere von Lehrerinnen. Die Bundesregierung, die unter anderem die internationale Geberkonferenz mit ausrichtet, gehört zu den wichtigsten Unterstützern der UNICEF-Hilfe in Afghanistan.

 

Golf Benefizturnier zur Unterstützung der Ukraine Flüchtlinge  

Duisburg, 23. März 2022 - Am Samstag, 2. April startet ab 10 Uhr im Golfrevier, Ardesstraße 82 in Duisburg-Röttgersbach, ein Benefizturnier zur Unterstützung der Flüchtlinge aus der Ukraine. Neben dem Golfturnier, gibt es ein attraktives Rahmenprogramm, mit großer Tombola, DJ, Kuchen- und Grillstand, vegetarische Speisen, Hüpfburg, XL Golf-Dartscheibe, verschiedene Verkaufsstände mit hand-made Produkten und einem Karikaturisten.  
Für Nicht-Golfer gibt darüber hinaus die Möglichkeit den Golfsport kennen zu lernen. Die Einnahmen gehen zu 100% an Unicef Hilfe für Flüchtlingskinder.

„Zutiefst dankbar für die große Unterstützung durch die deutsche Bundesregierung“

Neue UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell zu Gesprächen in Deutschland

Berlin/Duisburg, den 18. März 2022 - Die Lage von Kindern und Jugendlichen in Afghanistan, der Ukraine sowie notwendige Investitionen in die Resilienz der ärmsten Familien standen im Mittelpunkt der Gespräche der neuen UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell bei ihrem ersten Besuch in Deutschland. Bei ihrem Aufenthalt in Berlin führte sie unter anderem offizielle Gespräche mit Wolfgang Schmidt, Chef des Bundeskanzleramtes, Svenja Schulze, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, sowie Annalena Baerbock, Bundesministerin des Auswärtigen. Darüber hinaus sprach sie mit dem Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie dem Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe im deutschen Bundestag. Bei den Treffen ging es auch um die weitere Zusammenarbeit zwischen dem UN-Kinderhilfswerk und der deutschen Bundesregierung. 

© UNICEF/UN0605706/Debebe / UN Photo

Catherine Russell betonte zum Ende ihres Besuchs: „Konflikte wie wir sie in der Ukraine, im Jemen, in Afghanistan und Syrien erleben, Krisen im Zusammenhang mit dem Klimawandel und die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie bedrohen das Leben und die Zukunft von Millionen von Kindern. In vielen Ländern sind heute hart erkämpfte Fortschritte gefährdet – etwa beim Kampf gegen die Kindersterblichkeit, beim Impfschutz, bei der Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung sowie bei der Bildung. Ich bin zutiefst dankbar für die große Unterstützung der Bundesregierung, um das Leben der am stärksten gefährdeten Kinder zu verbessern.“


Im Jahr 2021 hat die Bundesregierung für die internationale Programmarbeit von UNICEF rund 723,25 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Damit war Deutschland weltweit eine der wichtigsten Stützen der UNICEF-Arbeit und nach den USA der zweitgrößte Geber. Der Großteil der Mittel wurde vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bereitgestellt. Ein Schwerpunkt ist die Stärkung der Grundversorgung und der Widerstandskraft der ärmsten Kinder und Familien in fragilen Kontexten im Nahen Osten, in Regionen Afrikas sowie der Kampf gegen die Covid-19-Pamdemie. Darüber hinaus unterstützt das Auswärtige Amt die UNICEF-Hilfe für Kinder in humanitären Notlagen und sogenannten vergessenen Krisen. 

Catherine Russell: „Armut, Instabilität und Krieg fordern den größten Tribut von Kindern. Insbesondere Mädchen und Frauen brauchen Schutz und Unterstützung, wie wir gerade in der Ukraine sehen. Bei allen meinen Gesprächen mit der Bundesregierung herrschte die Überzeugung vor, dass wir rasch gemeinsame humane Antworten hierauf geben müssen und können. Aber wir müssen nicht nur auf Notfälle und Krisen reagieren. Wir müssen auch nachhaltig in Systeme  investieren, die Resilienz aufbauen und nachhaltige Entwicklung unterstützen. Ich freue mich über das Bekenntnis der Bundesregierung, mit UNICEF gemeinsam die Rechte aller Kinder zu schützen."

Catherine Russell trat am 1. Februar 2022 ihr Amt an. Sie ist die vierte Frau an der Spitze in der 75-jährigen Geschichte des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen. Ihre ersten Reisen in UNICEF-Programme führten sie nach Pakistan, Afghanistan sowie nach Rumänien an die Grenze zur Ukraine.

 

- 11 Jahre Krieg in Syrien: Kinder leider weiter unter Gewalt und Traumata
- UNICEF:Sseit 2011 rund 13.000 Kinder getötet oder verletzt

Damaskus/Köln/Duisburg, 15. März 2022 - Elf Jahre nach Beginn des Krieges in Syrien wird das Leben der Kinder weiterhin durch Gewalt, Vertreibung, traumatische Erlebnisse und fehlenden Zugang zu Bildung und anderen grundlegenden Dienstleistungen beeinträchtigt. Trotz des Rückgangs der Kämpfe sind Kinder in Syrien tagtäglich weiterhin großen Gefahren für Leib und Leben ausgesetzt. So wurden allein gestern Berichten zufolge drei Kinder durch nicht explodierte Sprengkörper in Aleppo getötet.

© UNICEF/UN0603129/Belal

Im vergangenen Jahr wurden fast 900 Kinder in Syrien gewaltsam getötet oder verletzt – diese Zahlen beziehen sich nur auf Fälle, die von den Vereinten Nationen überprüft und verifiziert werden konnten.  „In elf Jahren Syrienkrieg wurden rund 13.000 Mädchen und Jungen getötet oder verletzt – das sind durchschnittlich drei Kinder jeden Tag. Wir dürfen und wir werden die Not der syrischen Kinder angesichts der vielen anderen Krisen nicht vergessen und ihnen weiter zur Seite stehen. UNICEF bleibt ein verlässlicher Partner von allen Kindern in Konflikt- und Krisenländern – überall auf der Welt“, sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. 

Landminen, explosive Kriegsmunitionsrückstände und nicht explodierte Sprengkörper waren 2021 die Hauptursachen für die Todesfälle oder schweren Verletzungen von Kindern. Viele Mädchen und Jungen tragen hierdurch lebenslange Behinderungen davon. Schätzungsweise jede dritte Ortschaft in Syrien ist durch explosive Rückstände kontaminiert. Zu den körperlichen Wunden kommen psychische Verletzungen.

Im vergangenen Jahr zeigte ein Drittel der Kinder in Syrien Anzeichen von psychischen Problemen wie Angst, Traurigkeit, Müdigkeit oder Schlafstörungen. „Seit Beginn des Krieges im Jahre 2011 sind in Syrien fast fünf Millionen Kinder geboren worden. Sie kennen nichts Anderes als Krieg und Konflikt. In vielen Teilen Syriens leben sie weiterhin in Angst vor Gewalt, vor Landminen und explosiven Überresten des Krieges“, sagte der Leiter von UNICEF Syrien, Bo Viktor Nylund. 

Situation der syrischen Kinder im Überblick:
- Seit 2011 wurden mindestens 6.850 Kinder getötet und 6.010 weitere schwer verletzt. 
- Über 7.000 Minderjährige wurden seit 2011 als Kindersoldat*innen rekrutiert und eingesetzt. 
- Die Vereinten Nationen haben seit 2011 über 770 Angriffe auf Bildungseinrichtungen oder –personal sowie 700 Fälle verifiziert, in denen Gesundheitseinrichtungen angegriffen oder für militärische Zwecke missbraucht wurden. 
- Durch den Konflikt, eine Wirtschaftskrise sowie die Covid-Pandemie leben mittlerweile 90 Prozent der Menschen in Syrien in Armut. 
- Mehr als 6,5 Millionen Kinder in Syrien brauchen humanitäre Hilfe – ein Anstieg um sieben Prozent im vergangenen Jahr. 
- Mehr als drei Millionen syrische Kinder gehen nicht zur Schule.
-  Fast 2,8 Millionen Mädchen und Jungen sind in die Nachbarländer geflohen. In ganz Syrien und in den Nachbarländern leisten UNICEF und seine Partner weiter Hilfe, um Kinder zu schützen und ihnen zu helfen, die Auswirkungen des Konflikts zu bewältigen.

Im vergangenen Jahr hat UNICEF in Syrien 11,3 Millionen Menschen, darunter 7,3 Millionen Kinder, mit humanitärer Hilfe erreicht. Unter anderem haben UNICEF und Partner über 220.000 Mädchen und Jungen mit psychosozialer Hilfe in Kinderzentren und durch mobile Teams unterstützt. 874.000 Kinder und 176.000 Eltern wurden über die Gefahren von Landminen und Blindgängern aufgeklärt. 

Das Programm für Kinder mit Behinderungen kam im vergangenen Jahr 11.639 Mädchen und Jungen zugute. UNICEF unterstützt Schulen, die integratives Lernen fördern und hilft bedürftigen Familien durch regelmäßige kleine Bargeldbeträge und Betreuung durch persönliche Fallmanager*innen im Rahmen eines integrierten Sozialschutzprogramms.

„Wir haben noch einen langen Weg vor uns, um mehr Kindern mit Behinderungen und anderen vom Krieg betroffenen Kindern zu helfen, damit sie ihr volles Potenzial ausschöpfen und vor Schaden geschützt, gesund und gebildet aufwachsen können“, sagte der UNICEF-Vertreter Bo Nylund.

 

- UNICEF: Schutz und Hilfe für Kinder aus der Ukraine – jetzt!
- Kinder dürfen dieser Brutalität nicht einen Tag ausgesetzt sein.

Köln/Duisburg, 10. März 2022 - UNICEF Deutschland dankt den Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern für ihre große Solidarität mit den Kindern und Familien aus der Ukraine. Die großzügigen Spenden ermöglichen, in dieser dramatischen Situation rasch und flexibel lebenswichtige humanitäre Hilfe zu leisten. UNICEF und seine Partner sind in der Ukraine rund um die Uhr im Einsatz, um auf den rapide steigenden Bedarf an humanitärer Hilfe zu reagieren und trotz der Kämpfe eine Versorgungskette auszubauen.

© UNICEF/UN0599229/Moldovan

An den Grenzübergängen zu den Nachbarländern werden sogenannte „Blue Dots“-Anlaufstellen für Kinder und Frauen eingerichtet, unter anderem in Rumänien, Polen und der Republik Moldau. „Was den Kindern in der Ukraine widerfährt, ist unerträglich. In nur zwei Wochen mussten über eine Million Kinder wegen der Angriffe ihr Zuhause verlassen, um sich mit ihren Müttern oder Großmüttern in den Nachbarländern in Sicherheit zu bringen.

Kinder dürfen dieser Brutalität nicht einen Tag ausgesetzt sein. Wo immer es möglich ist, unterstützt UNICEF in der Ukraine Städte und Gemeinden, Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten und zivilgesellschaftliche Organisationen, um die Grundversorgung der Kinder sicherzustellen,“ sagt Georg Graf Waldersee, Vorsitzender UNICEF Deutschland. Die Lage der Kinder in Ukraine verschlechtert sich mit jedem Tag. In weniger als zwei Wochen sind mindestens 37 Kinder getötet und 50 verletzt worden. Die tatsächlichen Opferzahlen werden viel höher sein, konnten aber bisher nicht überprüft werden. In Kiew sind diese Woche kranke Kinder gestorben, da es nicht möglich war, sie in ein Krankenhaus zu bringen. 

„Von unseren Kollegen in der Ukraine erhalten wir erschütternde Berichte. Frauen müssen in den Kellern von Krankenhäusern entbinden, ohne verlässliche Stromversorgung und ohne Heizung, während draußen gekämpft wird. So sollte kein Kind auf die Welt kommen“, sagte Georg Graf Waldersee. Immer häufiger stehen Wohnhäuser, Schulen, Waisenhäuser und Krankenhäuser unter Beschuss. Berichte über einen Angriff auf eine Geburtsklinik in Mariupol unterstreichen den schrecklichen Tribut, den dieser Krieg von den Kindern und Familien fordert.

Bis zum 7. März wurden 211 Schulen beziehungsweise Bildungseinrichtungen getroffen. Lebensmittel, Medikamente und andere notwendige Dinge wie Windeln werden immer knapper. Hunderttausende Menschen sind ohne Wasser und Strom. 

So hilft UNICEF in der Ukraine UNICEF arbeitet seit vielen Jahren in der Ukraine und auf beiden Seiten der früheren sogenannten Kontaktlinie in der Ostukraine. In der aktuellen Situation wird die humanitäre Hilfe ausgeweitet. Derzeit sind 135 UNICEF-Kolleg*innen im Einsatz. Sie leisten in den Städten und Gemeinden lebensrettende Hilfe auf Basis der humanitären Grundprinzipien von Neutralität, Unparteilichkeit, Menschlichkeit und Unabhängigkeit.


- In dieser Woche hat UNICEF lebenswichtige medizinische Güter an fünf Geburtskliniken in Kiew und der Region Kiew geliefert. Fünf LKW-Ladungen mit medizinischem Gerät werden dort derzeit an 20 Krankenhäuser verteilt.
- Im Osten des Landes verteilt UNICEF Trinkwasser und hilft bedürftigen Familien mit Dingen des alltäglichen Bedarfs wie Hygieneartikeln oder Reinigungsmitteln. UNICEF unterstützt die Behörden dabei, Schäden an der Wasserversorgung zu reparieren.
- Die Schulen im Land sind alle geschlossen, doch UNICEF setzt sich für mobilen Unterricht ein, um den Kindern Orientierung und ein Stück Normalität zu geben. Für geflüchtete Kinder innerhalb der Ukraine stellt UNICEF den Einrichtungen Spiel- und Lernmaterial bereit.
- UNICEF unterstützt Schutzmaßnahmen für Kinder, die evakuiert werden. Ein Chat Bot informiert, was zu tun ist, wenn unbegleitete Kinder aufgefunden werden oder was Eltern tun können, wenn sie ihr Kind aus den Augen verloren haben.
- UNICEF hilft auch, die Evakuierung von Kindern aus Heimen zu überwachen.

- Von UNICEF unterstützte mobile Teams leisten psychosoziale Hilfe für traumatisierte Kinder. Diese mobilen Kinderschutzteams helfen Kindern, die von Gewalt oder Missbrauch betroffen sind oder von ihren Familien getrennt wurden. Die Telefonhotline einer Partnerorganisation leistet psychologische Erste Hilfe.
- An den Grenzen und in den Nachbarländern Polen, Rumänien, Belarus, Ungarn, Slowakei und Republik Moldau richtet UNICEF gemeinsam mit Partnern Anlaufstellen für Frauen und Kinder ein. Hier erhalten sie Unterstützung und wichtige Informationen.

 

Ukraine: Unbegleitete und von ihren Familien getrennte Kinder auf der Flucht schützen

Gemeinsames Statement von UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell und UN-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi

© UNICEF/UN0599555/Moldovan

New York/Köln/Duisburg, 07. März 2022 - "In der vergangenen Woche sind mehr als eine Million Menschen auf der Suche nach Sicherheit und Schutz aus der Ukraine geflohen – darunter hunderttausende Kinder. Viele dieser Kinder sind allein auf der Flucht oder wurden von ihren Eltern oder Familienangehörigen getrennt. Kinder ohne elterliche Fürsorge sind einem erhöhten Risiko von Gewalt, Missbrauch und Ausbeutung ausgesetzt. Wenn sie Landesgrenzen überqueren, vervielfältigt sich dieses Risiko. In Notsituationen steigt zudem das Risiko, dass Kinder Opfer von Menschenhandel werden.
UNICEF und UNHCR fordern alle Nachbar- und betroffenen Länder auf, unbegleitete und von ihren Familien getrennte Kinder, die aus der Ukraine fliehen, sofort zu identifizieren und zu registrieren, sobald sie ihr Hoheitsgebiet betreten haben. Staaten sollten unmittelbar nach Überquerung der Grenzen sichere Orte für Kinder und Familien zur Verfügung stellen und diese mit ihren bestehenden nationalen Kinderschutzsystemen verknüpfen.

Die aktuelle Notsituation erfordert zudem, dass die Kapazitäten von Notbetreuungsangeboten mit dafür berechtigtem Personal sowie andere wichtige Dienste zum Schutz von Kindern ausgeweitet werden, wie der Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt sowie der Zusammenführung mit ihren Familien.  

Für Kinder, die die Grenzen allein überquert haben bietet die vorübergehende Unterbringung in einer Pflegefamilie oder eine andere gemeindenahe Betreuung im Rahmen der öffentlichen sozialen Schutzsysteme notwendigen Schutz. Von Adoptionen sollte während oder unmittelbar nach Krisen und Katastrophen abgesehen werden. Es sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um Kinder wieder mit ihren Familien zusammenzuführen, wo dies im besten Interesse des Kindes ist. Fast 100.000 Kinder in der Ukraine leben in Heimen und Internaten - die Hälfte von ihnen sind Kinder mit Behinderungen.

Viele dieser Kinder haben Verwandte oder Erziehungsberechtigte. Wir haben Berichte über Einrichtungen erhalten, die versuchen, Kinder in Nachbar- oder anderen Ländern in Sicherheit zu bringen. Wir erkennen an, dass humanitäre Evakuierungen unter bestimmten Umständen lebensrettend sein können, und begrüßen Bemühungen, Kinder in Sicherheit zu bringen, doch ist es von entscheidender Bedeutung, dass besondere Maßnahmen im besten Interesse der Kinder ergriffen werden und dass die Zustimmung ihrer Eltern oder der für sie verantwortlichen Personen eingeholt wird.

Unter keinen Umständen dürfen Familien bei Umverteilungsmaßnahmen oder Evakuierungen getrennt werden. Diejenigen, die rechtlich für Kinder in ukrainischen Einrichtungen verantwortlich sind, müssen sicherstellen, dass Evakuierungen im Einklang mit den Anweisungen der nationalen Behörden durchgeführt werden. Sie müssen den zuständigen Behörden in der Ukraine und in den Nachbarländern unmittelbar nach dem Überschreiten der Grenze gemeldet werden, und soweit möglich, sollten die Kinder mit ihren Ausweispapieren und Personalakten evakuiert werden.

UNHCR und UNICEF sind dankbar für die Solidarität und die Bereitschaft der Staaten, unbegleitete und von ihren Familien getrennte Kinder durch zukünftige Relocation-Programme zu unterstützen. Gleichzeitig muss daran erinnert werden, dass unbegleitete und von ihren Eltern getrennte Kinder besonders schutzbedürftig sind und dass ihre unmittelbaren Bedürfnisse und ihre Sicherheit dort, wo sie sich befinden, kurzfristig Vorrang haben müssen, während mittel- bis langfristige Lösungen im besten Interesse des Kindes gefunden werden. UNHCR und UNICEF arbeiten zusammen, um die nationalen Behörden beim Schutz der Kinder zu unterstützen und sicherzustellen, dass ihre Sicherheit und ihr Schutz im Mittelpunkt aller Maßnahmen stehen."

 

UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine M. Russel zur aktuellen Situation der Kinder in der Ukraine

New York/Köln/Duisburg, 24. Februar 2022 - „UNICEF ist zutiefst besorgt, dass die sich verschärfenden Feindseligkeiten in der Ukraine das Überleben und das Wohlergehen der 7,5 Millionen Kinder des Landes unmittelbar bedrohen. Der schwere Beschuss von Gebieten entlang der sogenannten Kontaktlinie hat in den vergangenen Tagen bereits dazu geführt, dass die Wasserinfrastruktur sowie Bildungseinrichtungen beschädigt wurden.

Wenn die Kampfhandlungen nicht aufhören, könnten Zehntausende Familien aus ihrem Zuhause vertrieben werden. Dies würde die humanitäre Lage dramatisch verschärfen. UNICEF weitet die lebensrettende Hilfe für Kinder in der Ostukraine weiter aus. UNICEF bringt mit Lastwagen Trinkwasser, stellt Medikamente und medizinische Ausrüstung, Hygieneprodukte und Schulmaterialien zur Verfügung und arbeitet mit den Gemeinden zusammen, damit Kinder schnell humanitäre Hilfe bekommen.

Mobile Teams, die von UNICEF unterstützt werden, leisten psychosoziale Hilfe für Kinder, die von der anhaltenden Unsicherheit traumatisiert sind. Die vergangenen acht Jahre des Konflikts haben den Kindern auf beiden Seiten der Kontaktlinie schweren und dauerhaften Schaden zugefügt. Sie brauchen dringend Frieden, und zwar jetzt.

UNICEF schließt sich der Aufforderung des UN-Generalsekretärs zu einem sofortigen Waffenstillstand an und fordert alle Akteure auf, ihren internationalen Verpflichtungen zum Schutz der Kinder nachzukommen und dafür zu sorgen, dass humanitäre Organisationen Kinder in Not sicher und schnell erreichen können. Darüber hinaus ruft UNICEF zum Schutz der grundlegenden zivilen Infrastruktur aus, auf die Kinder angewiesen sind - einschließlich der Wasser- und Abwassersysteme, Gesundheitseinrichtungen und Schulen."

 

Trotz Verbot: Zehntausende Jungen und Mädchen als Kindersoldaten und -soldatinnen missbraucht
Red Hand Day am 12. Februar/ 20 Jahre Verbot des Einsatzes von Kindersoldat*innen

Köln, den 11. Februar 2022 - Auch 20 Jahre nach dem Verbot des Einsatzes von Minderjährigen als Soldat*innen werden nach Einschätzung von UNICEF in Konfliktländern weiterhin zehntausende Mädchen und Jungen rekrutiert und eingesetzt. Anlässlich des morgigen Welttags gegen den Einsatz von Kindersoldaten und -soldatinnen („Red Hand Day“) ruft UNICEF Regierungen dazu auf, diese schwere Kinderrechtsverletzung zu stoppen und Programme zur Unterstützung der betroffenen Kinder und Jugendlichen zu stärken.

© UNICEF/UN0149463/Sokhin

Vor 20 Jahren, am 12. Februar 2002, trat das „Fakultativprotokoll zu dem Übereinkommen über die Rechte des Kindes, betreffend die Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten“ in Kraft. Bis heute haben 172 Staaten diese völkerrechtliche Vereinbarung ratifiziert, darunter Deutschland im Jahr 2004. 

 „Kinder dürfen niemals zu Soldatinnen und Soldaten gemacht werden. Konfliktparteien müssen sie immer schützen“, sagt Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. „Angesichts des erschreckenden Ausmaßes schwerer Kinderrechtsverletzungen im Krieg und des andauernden Missbrauchs von Mädchen und Jungen als Soldatinnen und Soldaten ist die Umsetzung des Protokolls dringender denn je.“ Das Fakultativprotokoll, das der UN-Kinderrechtskonvention angefügt wurde, ist ein wichtiges politisches Instrument, um die Rekrutierung und den Einsatz Minderjähriger zurückzudrängen sowie Mädchen und Jungen zu demobilisieren und wieder einzugliedern.

Es schreibt vor, dass Mädchen und Jungen unter 18 Jahren weder gegen ihren Willen rekrutiert werden noch an Kampfeinsätzen teilnehmen dürfen. Dennoch werden in vielen Konfliktländern weiterhin Minderjährige zum Kämpfen, aber auch für Botengänge, als Wachleute, zum Kochen oder für sonstige Hilfsarbeiten eingesetzt. Kinder werden auch als menschliche Schutzschilde oder für Anschläge missbraucht, zu sexuellen Diensten gezwungen oder mit Kämpfern zwangsverheiratet.  Unbekannte Zahl an Kindersoldat*innen Da die Rekrutierung verheimlicht wird oder oft in schwer zugänglichen Kriegsgebieten erfolgt, ist die genaue Zahl der betroffenen Kinder nicht bekannt.

UNICEF geht davon aus, dass es weltweit zehntausende Mädchen und Jungen sind.  Seit der Einführung des sogenannten „Monitoring and Reporting Mechanism“ haben die Vereinten Nationen in den vergangenen 16 Jahren rund 93.000 Fälle von Kindern verifiziert, die von bewaffneten Gruppen zum Kämpfen oder für unterstützende Rollen missbraucht wurden. Im aktuellen jährlichen UN-Bericht (bezogen auf 2020) sind in 8.521 Fällen die Rekrutierung oder der Einsatz von Kindersoldat*innen dokumentiert, die Mehrzahl Jungen (85 Prozent).

Die meisten verifizierten Fälle ereigneten sich 2020 in Somalia, Syrien, Myanmar, der Demokratischen Republik Kongo, der Zentralafrikanischen Republik, Mali, Afghanistan, Jemen, Kolumbien und Südsudan. Das sind jedoch nur die wenigen Fälle, die überprüft werden konnten – die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich sehr viel höher. Trotz der besorgniserregenden aktuellen Berichte gibt es aber auch Fortschritte. So konnten laut dem aktuellen UN-Jahresbericht im Jahr 2020 durch Vermittlung der Vereinten Nationen 12.643 Kinder aus bewaffneten Gruppen befreit werden.

Mit Unterstützung von UNICEF kamen seit 2000 mindestens 170.000 Kindersoldaten und Kindersoldatinnen frei.  Ursachen und Folgen  Kinder und Jugendliche sind leichter zu manipulieren, gehorsam und für bewaffnete Gruppierungen oft die preiswertere Alternative zu erwachsenen Soldat*innen. Teilweise werden Kinder entführt und mit Gewalt dazu gezwungen zu kämpfen. Aber auch extreme Armut, fehlende Bildung und damit verbunden mangelnde Perspektiven können Kinder dazu bringen, sich von bewaffneten Gruppen rekrutieren zu lassen. Sie sind häufig Opfer von Gewalt und werden gleichzeitig selbst gezwungen, Gewalt auszuüben.

Nach ihrem Einsatz sind die Mädchen und Jungen oft traumatisiert, leiden an Alpträumen und psychischen Störungen. Viele Kindersoldatinnen und Kindersoldaten haben jahrelang große Brutalität erlebt, aber nie eine Schule besucht. Sie in die Gesellschaft und in ein ziviles Leben zurückzuführen, ist ein langwieriger Prozess. So hilft UNICEF UNICEF leistet humanitäre Hilfe in praktisch allen Krisenländern der Erde und versucht, der Rekrutierung von Kindern vorzubeugen.

In Zusammenarbeit mit dem Sekretariat der Sonderbeauftragten für Kinder und bewaffnete Konflikte und anderen UN-Organisationen ist UNICEF für die Dokumentation von schweren Kinderrechtsverletzungen in Konfliktländern wie die Rekrutierung und der Einsatz von Kindern verantwortlich und versucht, auf Regierungen und bewaffnete Gruppen einzuwirken.
 
Darüber hinaus unterstützt UNICEF Programme, um den Mädchen und Jungen die Rückkehr in ein ziviles Leben zu ermöglichen. Dazu gehören medizinische und psychologische Hilfe, Schul- und Ausbildungsprogramme, die Unterbringung in Transitzentren oder Pflegefamilien sowie Hilfe bei der Wiedereingliederung in die Familie und Gemeinschaft. 

Forderungen von UNICEF:
UNICEF fordert alle Regierungen auf, ihre Verpflichtungen aus der UN-Kinderrechtskonvention und dem Fakultativprotokoll wirksam umzusetzen. 

- UNICEF fordert alle Regierungen und bewaffneten Gruppen auf, Kindersoldat*innen zu demobilisieren und für den Schutz von Zivilisten, insbesondere Kindern, zu sorgen sowie gesellschaftlichen Zusammenhalt und Friedensaufbau zu fördern.
- Rehabilitationsprogramme sowie Lern- und Weiterbildungsmöglichkeiten müssen ausgeweitet werden. Darüber hinaus braucht es flächendeckende Reintegrationsprogramme, die dazu beitragen, die Rückkehr ehemaliger Kindersoldat*innen in die Gesellschaft zu erleichtern. - Menschenrechtsverletzungen müssen nachverfolgt und bestraft werden. Hierfür ist eine Stärkung des „Monitoring and Reporting Mechanism“ notwendig.


 
UNICEF-Motto zum Weltkindertag 2022: „Gemeinsam für Kinderrechte“

Weltkindertag 2021: UNICEF Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk setzten mit einer gemeinsamen Aktion vor dem Reichstag zusammen mit Jugendlichen ein Zeichen für Kinderrechte.

© Photoatelier ISO25

Berlin/Köln/Duisburg, 25. Januar 2022 - Das Motto des diesjährigen Weltkindertags am 20. September lautet „Gemeinsam für Kinderrechte“. Das Deutsche Kinderhilfswerk und UNICEF Deutschland rufen mit diesem Motto sowohl Bund, Länder und Kommunen als auch die gesamte Gesellschaft auf, die Rechte von Kindern konsequenter in den Blick zu nehmen. Aus Sicht der Kinderrechtsorganisationen muss das gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen geschehen. Nur so kann es gelingen, die in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschriebenen Kinderrechte umzusetzen und damit ein kinderfreundlicheres Land zu schaffen. 


UNICEF Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk sehen mit Sorge, dass Kinder gerade während der Covid-19-Pandemie kaum gehört und ihre Belange häufig übergangen wurden und werden. Die Bedürfnisse von Kindern müssen im Alltag berücksichtigt werden und Kinder müssen bei Angelegenheiten, die sie selbst betreffen, mitbestimmen können. Der von Bundesfamilienministerin Anne Spiegel angekündigte Nationale Aktionsplan zur Kinder- und Jugendbeteiligung sollte schnell auf den Weg gebracht werden. Aber auch die ausdrückliche Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz ist ein wesentlicher Baustein für Kinderrechte, der nun endlich wirksam werden muss.

Das Deutsche Kinderhilfswerk und UNICEF Deutschland setzen auf eine neue Initiative der Bundesregierung zum Beginn dieser Legislaturperiode. Bund und Länder sind hier gemeinsam in der Verantwortung, im Interesse von Kindern und Jugendlichen eine längst überfällige verfassungsrechtliche Absicherung der Kinderrechte zu ermöglichen. „Die Corona-Krise zeigt uns mehr als jemals zuvor, dass die UN-Kinderrechtskonvention endlich vollständig umgesetzt werden muss.

Eingebunden werden müssen unterschiedliche politische Ressorts, denn Kinderrechte betreffen neben der Kinder- und Jugendpolitik etwa auch die Stadtentwicklungs- oder Gesundheitspolitik. Nur so kann es gelingen, ein kinderfreundliches Deutschland zu schaffen und die richtigen Weichen für das Aufwachsen der jungen Menschen und künftigen Generationen in unserem Land zu stellen“, betont Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes.

„Für eine kinderfreundliche Gesellschaft muss neben der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen vor allem die Bekämpfung der Kinderarmut strukturell und umfassend über eine Gesamtstrategie angegangen werden. Und auch der Schutz von Kindern vor Gewalt gehört verstärkt in den Blickpunkt.“


„Fast 30 Jahre nach Inkrafttreten der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland müssen sich politische Entscheidungsträger auf allen Ebenen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen in unserem Land noch stärker für die Verwirklichung der Kinderrechte engagieren“, sagt Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. „Dazu gehört auch, dass die Kinderrechte endlich explizit im Grundgesetz verankert werden. Damit dies gelingt, ist ein breiter politischer Konsens nötig. Wir ermutigen die politischen Akteure, rasch das Gespräch zu suchen, um den Schritt in dieser Legislaturperiode mit einem wirkungsvollen Vorschlag endlich zu tun.“

Zum Weltkindertag am 20. September 2022 werden bundesweit zahlreiche Initiativen mit lokalen Demonstrationen, Festen und anderen Veranstaltungen auf die Situation der Kinder aufmerksam machen.
 


UNICEF: Welle schwerer Kinderrechtsverletzungen in Konflikten 

Weniger als die Hälfte der Konfliktparteien weltweit haben sich zum Schutz von Kindern verpflichtet

30. Dezember 2021 - Im zu Ende gehenden Jahr gab es laut UNICEF in seit langem andauernden und in neuen Konflikten eine Welle schwerer Kinderrechtsverletzungen. Von Afghanistan bis Jemen, von Syrien bis Nord-Äthiopien haben Tausende von Kindern einen verheerenden Preis für anhaltende bewaffnete Auseinandersetzungen und Gewalt zwischen verschiedenen Gruppen gezahlt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter humanitärer Organisationen waren und sind ständigen Gefahren ausgesetzt.

© UNICEF/UN0309065/Kokic Afghanistan: Abdul Hamid (9) in seinem mit Einschüssen übersäten Klassenzimmer

Erst in der vergangenen Woche waren Berichten zufolge vier Kinder unter den Opfern, als im Bundesstaat Kayah im Osten Myanmars mindestens 35 Menschen getötet wurden, darunter zwei Mitarbeiter von Save the Children. "Jahr für Jahr zeigen Konfliktparteien eine erschreckende Gleichgültigkeit gegenüber den Rechten und dem Wohlergehen von Kindern", sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore.

"Kinder leiden, und Kinder sterben aufgrund dieser Gefühllosigkeit. Es muss alles getan werden, um sie zu schützen." Für 2021 liegen noch nicht alle Daten vor. Aber allein in 2020 hatten die Vereinten Nationen 26.425 schwere Verstöße gegen Kinder offiziell dokumentiert. In den ersten drei Monaten dieses Jahres ging die Zahl der verifizierten schweren Verstöße zwar leicht zurück, doch die Fälle von Entführung und sexualisierter Gewalt stiegen im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres in alarmierendem Maß an - um mehr als 50 bzw. 10 Prozent.

Die meisten Entführungen gab es in Somalia, gefolgt von der Demokratischen Republik Kongo (DRK) und den Ländern des Tschadseebeckens (Tschad, Nigeria, Kamerun und Niger). Die meisten bestätigten Fälle von sexualisierter Gewalt gab es in der Demokratischen Republik Kongo, Somalia und der Zentralafrikanischen Republik. Seit 2005 dokumentieren die Vereinten Nationen im Rahmen eines systematischen Überwachungs- und Berichtsmechanismus schwere Kinderrechtsverletzungen in Konfliktgebieten.

Seither wurden 266.000 Fälle von schweren Verstößen gegen Kinderrechte in mehr als 30 Konfliktsituationen in Afrika, Asien, dem Nahen Osten und Lateinamerika offiziell verifiziert. Die tatsächlichen Zahlen dürften weit höher liegen. In Afghanistan ist die Zahl der bestätigten minderjährigen Opfer von Gewalt seit 2005 mit mehr als 28.500 am höchsten - das sind 27 Prozent aller verifizierten Fälle weltweit. In der Region Naher Osten und Nordafrika ist die Zahl der nachgewiesenen Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser seit 2005 am höchsten:
Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden 22 solcher Angriffe verifiziert. Im Jemen wurden seit der Eskalation der Kämpfe im März 2015 laut UNICEF 10.000 Kinder getötet oder verstümmelt. Das entspricht vier getöteten oder verstümmelten Kindern pro Tag. Jenseits der Schlagzeilen haben die Vereinten Nationen schwere Verletzungen der Kinderrechte in Ländern wie Burkina Faso, Kamerun, Kolumbien, Libyen, Mosambik und den Philippinen festgestellt.

Trotz jahrzehntelanger Gespräche mit allen Konfliktparteien und denjenigen, die Einfluss auf sie haben, sowie verbesserter Überwachungs-, Berichts- und Reaktionsmechanismen, tragen Kinder bis heute die Hauptlast von Kriegen. Jeden Tag erleiden Mädchen und Jungen in Konfliktgebieten unaussprechliche Schrecken, die kein Mensch je erleben sollte. Der Einsatz von Sprengkörpern stellt insbesondere in dicht besiedelten Gebieten eine anhaltende und wachsende Bedrohung für Kinder und ihre Familien dar. Im Jahr 2020 waren Sprengkörper, Blindgänger und Munitionsrückstände für fast 50 Prozent aller minderjährigen Opfer verantwortlich.

Mehr als 3.900 Kinder wurden hierdurch getötet oder verstümmelt. Bombenangriffe und Explosivkörper sind eine tödliche Gefahr für Kinder – und sie führen dazu, dass lebenswichtige Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Schulen nicht arbeiten können. In vielen Fällen werden Kinder zum Opfer gleich mehrerer schwerer Verletzungen ihrer Rechte. Im Jahr 2020 führten beispielsweise 37 Prozent der von den Vereinten Nationen verifizierten Entführungen zu einer Rekrutierung der Kinder für den Krieg.

In Somalia, der Demokratischen Republik Kongo und der Zentralafrikanischen Republik waren es sogar mehr als 50 Prozent der Fälle. UNICEF ruft alle Konfliktparteien dazu auf, formale Aktionspläne zum Schutz von Kindern in Kriegsgebieten zu entwickeln und umzusetzen. Dieser Aufruf richtet sich insbesondere an die 61 Parteien, die in den Anhängen des Jahresberichts 2021 zu Kindern und bewaffneten Konflikten des UN-Generalsekretärs aufgeführt sind.

Dazu gehören Maßnahmen, um schwere Verstöße gegen die Kinderrechte zu verhindern, Kinder aus bewaffneten Streitkräften und Gruppen zu befreien und sie vor sexualisierter Gewalt zu schützen. Jegliche Angriffe auf Krankenhäuser und Schulen müssen aufhören. Seit 2005 wurden nur 37 solcher Pläne von Konfliktparteien unterzeichnet - eine schockierend niedrige Zahl, wenn man bedenkt, was für die Kinder auf dem Spiel steht. "Letztlich werden Kinder im Krieg nur dann sicher sein, wenn die Konfliktparteien konkrete Maßnahmen ergreifen, um sie zu schützen, und keine schweren Verstöße mehr begehen", so Fore. „Zum Jahresende 2021 appelliere ich an alle Konfliktparteien, Angriffe gegen Kinder zu stoppen, ihre Rechte zu schützen und nach friedlichen politischen Lösungen zu suchen.“

Not in Afghanistan: „Wenn wir jetzt nicht rasch handeln, werden viele Kinder den Frühling nicht erleben“  

Wintereinbruch und Unterbrechung lebenswichtiger Ernährungs- und Gesundheitsdienste bedrohen Gesundheit von Kindern / Kinder am Hindukusch leiden an Lungenentzündung, Masern und akuten Durchfallerkrankungen   

Kabul/Köln/Duisburg, den 22. Dezember 2021 - Kinder in Afghanistan sind aufgrund der tödlichen Kombination aus Mangelernährung, einer noch nie dagewesenen Hungerkrise, Dürre, sinkenden Temperaturen, Wassermangel sowie der Unterbrechung lebenswichtiger Gesundheits- und Ernährungsdienste zunehmend anfällig für lebensbedrohliche Krankheiten.  Vor dem Hintergrund der sich zunehmend verschlechternden humanitären Lage gefährden Krankheitsausbrüche das Leben der Kinder in Afghanistan. Seit Beginn des Jahres wurden bereits mehr als 66.000 Masernfälle gemeldet und vier Infektionsfälle mit dem Polio-Wildvirus Typ 1 (WPV-1) bestätigt. Gleichzeitig breiten sich Dengue-Fieber, akute Durchfallerkrankungen und Malaria weiter aus.

© UNICEF/UN0562566/Romenzi

Durch das harte Winterwetter, das in vielen Gebieten Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt erreicht, steigt das Risiko von Lungenentzündungen und akuten Atemwegserkrankungen. Gleichzeitig haben die Menschen Mühe, ihr Zuhause zu heizen und ihre Kinder warm zu halten. Kinder, die in höher gelegenen Regionen leben, sind besonders gefährdet und benötigen dringend lebensrettende Winterhilfe, einschließlich wärmender Winterkleidung, Decken und Brennstoff zum Heizen. Schätzungsweise 25-30 Prozent der Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren sind auf Infektionen der Atemwege zurückzuführen, 90 Prozent davon auf Lungenentzündungen.


„Wir nähern uns einem kritischen Punkt für Kinder in Afghanistan, denn der Winter bringt eine Vielzahl von Gefahren für ihre Gesundheit mit sich", sagte Abdul Kadir Musse, UNICEF-Leiter in Afghanistan. "Wir dürfen keine Zeit verlieren. Wenn wir jetzt nicht rasch handeln – und sicherstellen, dass uns die Mittel zur Verfügung stehen, um zusätzliche finanzielle Hilfen und Wintervorräte bereitzustellen – werden viele Kinder den Frühling nicht erleben."

Mehr als 24 Millionen Menschen am Hindukusch sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, die Hälfte davon Kinder. Anfang Dezember hat UNICEF seinen Nothilfeaufruf für Afghanistan veröffentlicht – den bisher größten Aufruf für ein einzelnes Land. UNICEF benötigt im kommenden Jahr zwei Milliarden US-Dollar, um den drohenden Zusammenbruch grundlegender und lebenswichtiger Dienste für Kinder und Familien abzuwenden. 

Im vergangenen Monat hat UNICEF unter anderem:
- die Gehälter von mehr als 10.000 Gesundheitsfachkräften in über 1.000 Gesundheitseinrichtungen bezahlt und mehr als 1.000 Gesundheitseinrichtungen mit medizinischen Hilfsgütern und Heizmaterialien unterstützt;
- die grundlegende Gesundheitsversorgung unterstützt, einschließlich Impfungen, auch durch den Einsatz von mobilen Gesundheits- und Ernährungsteams; 
- rund 105.000 Kinder zwischen sechs Monaten und fünf Jahren mit Masernimpfungen erreicht;  eine Impfkampagne gegen Polio für 8,5 Millionen Kinder unterstützt – davon zwei Millionen Kinder in bisher unzugänglichen Gebieten; 
- 37.000 Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung behandelt; 
- 22.000 Menschen mit Trinkwasser erreicht und Bargeldbeiträge sowie Winterkleidung in die ärmsten und am stärksten vom Winter betroffenen Provinzen gebracht. 

UNICEF geht davon aus, dass im kommenden Jahr eins von zwei Kindern unter fünf Jahren von akuter Mangelernährung betroffen sein werden. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen wird auch im nächsten Jahr weiter auf der Basis der humanitären Grundprinzipien lebensrettende Hilfe für Kinder leisten, dazu beitragen, grundlegende Dienste aufrechtzuerhalten und gleichzeitig hart erkämpfte Fortschritte verteidigen, einschließlich der Rechte von Frauen und Mädchen.  

UNICEF zählt auf die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft, Ausnahmen von Sanktionen zu erleichtern, damit Kinder in Afghanistan rechtzeitig mit Hilfsgütern und lebenswichtigen Diensten erreicht werden können.  

„UNICEF-Foto des Jahres 2021“: Im Auge des Sturms
Das Siegerbild: Vom Untergang einer Hoffnung


© Supratim Bhattacharjee, Indien

Köln/Berlin/Duisburg, den 21. Dezember 2021 - Das UNICEF-Foto des Jahres 2021 hält die Ohnmacht und zugleich die Entschlossenheit eines Mädchens angesichts tosender Naturgewalt fest: Ein verheerender Zyklon im Golf von Bengalen hatte den Teeausschank ihrer Familie hinweggefegt. Das eindringliche Siegerbild des indischen Fotografen Supratim Bhattacharjee aus den indischen Sundarbans zeigt den Überlebenskampf von Kindern angesichts fortschreitender Umweltzerstörung und des Klimawandels.

Die Reportage des indischen Fotografen Sourav
Das über einen Lehrer, der während des Corona-Lockdowns ein ganzes Dorf in ein Freiluftklassenzimmer verwandelt hat, erhält den zweiten Preis. Der irakische Fotograf Younes Mohammad wird für seine Serie über Kinder kriegsverletzter Väter mit dem dritten Preis ausgezeichnet. 

„Der Blick des Mädchens auf dem UNICEF-Foto des Jahres 2021 kann niemanden unberührt lassen“, sagte UNICEF-Schirmherrin Elke Büdenbender. „Mit ihrer Ruhe und ihrer Tapferkeit mitten in einer völlig verzweifelten Situation lässt sie uns spüren, was Umweltzerstörung und Klimawandel für Kinder und Jugendliche bedeuten. Das Siegerbild fordert uns auf, über die Konsequenzen unserer Lebensweise nachzudenken und sie zu verändern.“

„Das Jahr 2021 war für viele Mädchen und Jungen wie die Fortsetzung eines düsteren Katastrophenfilms“, sagt Peter-Matthias Gaede, stellvertretender Vorsitzender von UNICEF Deutschland. „Klimakrise, Corona-Pandemie, Kriege und Katastrophen brauen sich zu einem ‚perfect storm‘ zusammen, der Kinder aus armen Familien mit voller Wucht trifft. Wir müssen ihre Widerstandskraft stärken, damit sie dieser Bedrohung standhalten.“


„Covid-19 hat die Arbeit von Fotoreporterinnen und -reportern auf der ganzen Welt erneut stark eingeschränkt. Trotzdem haben vor allem einheimische Fotografen mit der Kamera bewegende Bilder und Reportagen eingefangen“, sagt Prof. Klaus Honnef, Vorsitzender der Jury. „Die UNICEF-Foto-des Jahres-Jury hat zwölf herausragende Foto-Geschichten ausgewählt, die die kleinen Freuden genauso wie die Härten des Aufwachsens heute in den Mittelpunkt stellen.“

Das Siegerbild: Vom Untergang einer Hoffnung
Ein tropischer Wirbelsturm hat die Wassermassen im Ganges-Delta aufgewühlt, hat den kleinen Tee-Shop der jungen Pallavi und ihrer fünfköpfigen Familie auf der Insel Namkhana fortgerissen. Und damit ihre gesamte Existenz. Der indische Fotograf Supratim Bhattacharjee traf das Mädchen 2020 einen Tag nach der Katastrophe vor den Trümmern ihrer Existenz. Dass ganze Dörfer weggespült werden, Inseln allmählich versinken, der Weg zur Schule durchs kniehohe Wasser führt, gehört zur leidvollen Erfahrung der Menschen in den Sundarbans, einer Küstenregion Indiens und Bangladeschs.

Die fortschreitende Zerstörung der Mangrovenwälder, der Anstieg des Meeresspiegels und die Versalzung ehemaliger Süßwassergebiete nehmen den Familien ihre Lebensgrundlage. Allein in Asien und Afrika wachsen nach UNICEF-Schätzung 530 Millionen Kinder in Überschwemmungs-Regionen auf.

Der zweite Preis: Ein kleiner großer Sieg über die Pandemie
Die Klassenräume verschlossen, Online-Unterricht nicht möglich, weil es kein Internet gibt, oder Handys und Laptops für die Eltern zu teuer sind. Für Millionen Mädchen und Jungen auf der Welt hat Corona bedeutet, dass sie oft über Monate hinweg keinen Unterricht hatten. Dank der Initiative des indischen Lehrers Deep Narayan Nayak, der die Schule in seinem Dorf kurzerhand ins Freie verlegt und die Wände der Häuser in Schultafeln verwandelt hat, konnten die Mädchen und Jungen weiterlernen.


Der indische Fotograf Sourav
Das hat Szenen aus dem Alltag dieser ungewöhnlich kreativen und liebenswerten Dorfschule eingefangen. Auf dem Höhepunkt der Lockdowns konnten laut UNICEF 1,6 Milliarden Kinder nicht zur Schule gehen. Der dritte Preis: Leben mit der Verletzung Wenn der Vater keine Beine mehr hat, wenn ihm die Arme abgerissen worden sind – was bedeutet das für seine Kinder?

Die kurdischen Mädchen und Jungen im Irak, die der Fotograf Younes Mohammad porträtiert hat, sind teils noch Babys. Für ein Kriegstrauma noch zu jung, für alle Zukunft aber begleitet durch die Geschichte ihrer Väter, die gegen die Terror-Truppen des „Islamischen Staats“ gekämpft haben, Opfer von Minen, Scharfschützen oder Gefechten geworden sind. Mohammad hat die große Kraft der Kinder festgehalten, mit dem Schicksal ihrer Familien umzugehen, die Behinderungen ihrer Väter anzunehmen, zu lieben und zu lächeln. 


Neun weitere Reportagen hob die Jury mit ehrenvollen Erwähnungen hervor: 
Ali Haj Suleiman, Syrien, Reportage: Auf den Müllhalden des Krieges (Syrien)
Emily Garthwaite, Großbritannien, Reportage: Unterwegs in der Tradition (Iran)
Emeke Obanor, Nigeria, Reportage: Das Glück, lernen zu dürfen (Nigeria)
Feli & Pepita von Ehrenfeld, Deutschland, Reportage: Lockdown-Gedanken (Deutschland, Schweiz, Singapur)
Gordon Welters, Deutschland, Reportage: Zwei Herzen für Clara (Deutschland)
Jörg Volland, Deutschland, Reportage: Für immer verbunden (Deutschland)  
Matilde Simas, USA, Reportage: Das Haus, das den Kindern Beine schenkt (Philippinen, Äthiopien, Haiti)
Natalya Saprunova, Russland/Frankreich, Reportage: Uliana, die aus der Kälte kommt (Russland)
Toby Binder, Deutschland: Reportage: Arm sein in Duisburg (Deutschland) 

Verglichen etwa mit Niger, Burkina Faso, Haiti gibt es kein Elend in Deutschland. Gemessen am Abstand zum Durchschnittseinkommen und zu den hier etablierten Lebenshaltungskosten gibt es Armut auch in diesem reichen Land aber sehr wohl. Ein UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland weist für 2019 aus, dass annähernd 1,5 Millionen Kinder unter 16 Jahren von Armut betroffen waren. Und das Risiko, zu ihnen zu gehören, hat sich durch die Corona-Pandemie nicht verkleinert.
Duisburg-Hochfeld
ist ein Ort, an dem zu sehen ist, was das bedeutet. Die teilweise Schließung der Schulen hat die „Bildungsferne“ und gesellschaftliche Desintegration vieler Jugendlicher hier noch verschärft. Sie besitzen einen deutschen Pass, fühlen sich aber nirgendwo zuhause, nicht als „wirkliche Deutsche“. Sie leben ohne eine gute Perspektive. Rockergangs, arabische und osteuropäische Clans bieten sich als Alternative an. Druck empfinden die Jugendlichen hier von allen Seiten.

Toby Binder (© Toby Binder) hat sie, die oft zu zehnt in Zwei-Zimmer-Wohnungen leben müssen, fotografiert: ihr Portrait: Toby BinderGelangweiltsein zwischen geschlossenen Läden und verlassenen Fabriken, ihr Herumhängen auf den Straßen, ihre Muskelspiele, ihre Aggressivität schon im Alter von acht oder neun Jahren. Armut in Deutschland sieht anders aus als im Niger oder in Haiti. Aber sie ist da.

Toby Binder, 1977 in Esslingen geboren, hat an der Stuttgarter Akademie für Kunst und Design studiert. Sowohl das Alltagsleben wie Nachkriegs- und Krisensituationen sind sein Thema. Binder hat Reportagen in vielen Ländern Afrikas, Asien, Lateinamerikas und Europas erarbeitet. Seine Reportagen und Porträts wurden unter anderem im Stern, in der ZEIT, im Guardian, in Le Monde, NZZ und Washington Post veröffentlicht. Zu Binders Auszeichnungen zählen der Sony World Photo Award und der Henri-Nannen-Preis.

Eine Ausstellung mit allen prämierten Arbeiten ist bis Ende Januar im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin zu sehen. Anschließend werden die Fotoreportagen vom Freundeskreis Willy-Brandt-Haus e.V. ausgestellt und sind ab dem 17. Februar 2022 für die allgemeine Öffentlichkeit im Willy-Brandt-Haus in Berlin zugänglich. UNICEF-Foto des Jahres Zum 22. Mal zeichnet UNICEF Deutschland mit dem internationalen Wettbewerb „UNICEF-Foto des Jahres“ Bilder und Reportagen professioneller Fotojournalistinnen und -journalisten aus, die die Persönlichkeit und die Lebensumstände von Kindern auf herausragende Weise dokumentieren. Voraussetzung für die Teilnahme ist die Nominierung durch eine*n international renommierte*n Fotografie-Expert*in. Über die Preisvergabe für das „UNICEF-Foto des Jahres“ entschied eine unabhängige Jury. Mehr Informationen unter: www.unicef.de/foto


Köln/Duisburg, den 09. Dezember 2021 - Mit dem „UNICEF-Foto des Jahres“ werden einmal im Jahr herausragende Bilder und Reportagen internationaler Fotojournalistinnen und -journalisten ausgezeichnet. Das diesjährige Siegerbild zeigt die dramatischen Folgen von Umweltzerstörung und Klimawandel für Kinder und ihre Familien. 

Renommierte Fotograf*innen aus der ganzen Welt haben über 1.000 Bilder eingereicht. Sie dokumentieren das Leben von Kindern in Armut und in Krisenländern, erzählen vom Aufwachsen während der Corona-Pandemie und zeigen die enorme Widerstandskraft der Kinder, die sie Schicksalsschlägen entgegensetzen. Eindringlich schildern die Reportagen die vielfältigen Facetten des Aufwachsens in einer unruhigen Zeit. Eine unabhängige Jury von Fotoexperten unter der Leitung von Prof. Klaus Honnef wählte das Siegerfoto, den zweiten und dritten Preis sowie neun ehrenvolle Erwähnungen aus.

© UNICEF/Soliz

Alle Bildreportagen werden am: Dienstag, den 21. Dezember, um 11:00 Uhr auf
www.unicef.de/foto veröffentlicht. Zeitgleich wird die Ausstellung mit allen Siegerbildern im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin eröffnet.  Für zugangsberechtigte Journalisten ist sie dort bis Ende Januar zu sehen. Anschließend werden die Fotoreportagen vom Freundeskreis Willy-Brandt-Haus e.V. ausgestellt. Sie sind ab dem 17. Februar 2022 für die allgemeine Öffentlichkeit im Willy-Brandt-Haus in Berlin zugänglich.

Corona-Pandemie ist größte Krise für Kinder seit Gründung von UNICEF 

Rund 100 Millionen Kinder zusätzlich in Armut / Pandemie macht Fortschritte für Kinder in fast allen Lebensbereichen zunichte, warnt UNICEF anlässlich seines 75. Geburtstags 

New York/Köln/Duisburg, den 09. Dezember 2021 - Die Covid-19-Pandemie stellt die schlimmste Krise für Kinder seit der Gründung von UNICEF vor 75 Jahren dar, warnt das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. In dem heute weltweit veröffentlichten Bericht “Ein verlorenes Jahrzehnt vermeiden” zeigt UNICEF, dass in Folge der Pandemie in Jahrzehnten errungene Fortschritte für Kinder in Gefahr sind: beim Kampf gegen Armut und Ungleichheit sowie bei der Verbesserung der körperlichen und mentalen Gesundheit, der Bildung, der Ernährung und beim Schutz von Kindern. Die Rechte von Kindern sind laut UNICEF in einem nie dagewesenen Maß bedroht.

© UNICEF/UNI347498/Urdaneta



„Seit seiner Gründung hat UNICEF dazu beigetragen, Kindern auf der ganzen Welt ein gesünderes und sichereres Aufwachsen zu ermöglichen, mit großen Fortschritten für Millionen von ihnen", sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore.
"Diese Errungenschaften sind in Gefahr. Die Covid-19-Pandemie ist die größte Bedrohung für Fortschritte für Kinder in unserem 75-jährigen Bestehen. Während die Zahl der Kinder, die hungern, nicht zur Schule gehen, missbraucht werden, in Armut leben oder zwangsverheiratet werden, steigt, sinkt die Zahl der Kinder, die Zugang zu medizinischer Versorgung, Impfstoffen, ausreichender Nahrung und wichtigen Dienstleistungen haben. In einem Moment, in dem wir nach vorne schauen sollten, machen wir Rückschritte.“

„75 Jahre nach der Gründung von UNICEF stehen wir an einem Scheideweg”, sagte Georg Graf Waldersee, Vorsitzender von UNICEF Deutschland. “Wir müssen uns entscheiden: Hält die Weltgemeinschaft zusammen und baut auf den in Jahrzehnten erzielten Fortschritten für Kinder und Jugendliche auf? Oder lassen wir es zu, dass gerade die ärmsten und am meisten benachteiligten Kinder noch mehr zurückfallen?“ 

Laut UNICEF sind wegen der Pandemie bislang schätzungsweise 100 Millionen Kinder zusätzlich in mehrdimensionale Armut geraten – das entspricht einem Anstieg von zehn Prozent seit 2019. UNICEF warnt, dass es lange dauern wird, die Rückschläge auszugleichen – selbst unter besten Bedingungen wird es sieben bis acht Jahre dauern, um das Niveau vor Covid-19 zu erreichen. 

Bereits damals hatten etwa eine Milliarde Kinder keinen ausreichenden Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung, Unterkünften, Ernährung, sanitären Einrichtungen oder sauberem Wasser. Wegen der ungleichmäßigen Erholung der Weltwirtschaft steigt diese Zahl weiter an und verschärft die Kluft zwischen Kindern aus armen und wohlhabenden Familien. Die am stärksten benachteiligten und marginalisierten Kinder leiden am meisten darunter. 


Der UNICEF-Report dokumentiert negative Trends in zentralen Lebensbereichen 
- Auf dem Höhepunkt der nationalen und lokalen Lockdowns während der Corona-Pandemie konnten 1,6 Milliarden Kinder nicht zur Schule gehen.

- Weltweit fiel im ersten Jahr der globalen Krise fast 80 Prozent des Präsenzunterrichts aus; 

- mehr als 13 Prozent der Jugendlichen zwischen 10 und 19 Jahren leiden weltweit an psychischen Erkrankungen. Bis Oktober 2020 wurden wegen der Pandemie in 93 Prozent der Länder grundlegende psychische Gesundheitsdienste unterbrochen oder fielen dauerhaft aus;

- allein in 2020 haben 23 Millionen Mädchen keine Regelimpfungen gegen gefährliche Infektionskrankheiten erhalten – ein Anstieg um vier Millionen gegenüber dem Vorjahr;

- die Zahl der arbeitenden Kinder ist auf 160 Millionen gestiegen - ein Anstieg um 8,4 Millionen in den vergangenen vier Jahren.

- Bis Ende 2022 besteht die Gefahr, dass weitere neun Millionen Kinder in die Kinderarbeit geraten, weil sie zum Lebensuntererhalt ihrer Familien beitragen müssen;

- bis 2030 könnten zusätzlich zehn Millionen Mädchen früh verheiratet werden;

- auf dem Höhepunkt der Pandemie lebten 1,8 Milliarden Mädchen und Jungen in den 104 Ländern, in denen grundlegende Angebote zur Gewaltprävention sowie beim Kinderschutz unterbrochen wurden;

- 50 Millionen Kinder leiden schon heute an Auszehrung, der schwersten Form akuter Mangelernährung.

-  2022 könnten weitere neun Millionen hinzukommen, weil Kinder keine ausgewogene Nahrung bekommen und Ernährungsprogramme eingeschränkt werden.


Der Report warnt zusätzlich vor extremen Gefahren für Kinder und ihre Rechte durch Kriege, Konflikte und den Klimawandel: Schätzungsweise 426 Millionen Mädchen und Jungen – fast jedes fünfte Kind – wachsen in Konfliktregionen auf. Diese Konflikte verschärfen sich und fordern immer mehr Opfer unter der Zivilbevölkerung, darunter besonders viele Kinder. Insbesondere Frauen und Mädchen leiden in Konflikten unter sexualisierter Gewalt. Rund achtzig Prozent aller humanitären Notlagen sind auf Konflikte zurückzuführen. Und eine Milliarde Kinder – fast die Hälfte aller Kinder weltweit – leben in Ländern, die durch die Auswirkungen des Klimawandels "extrem gefährdet" sind.


Vor diesem Hintergrund ruft UNICEF zum Gegensteuern auf.
- Nötig sind gerade jetzt: Investitionen in die soziale Sicherung, in menschliche Entwicklung sowie in Maßnahmen für eine inklusive und widerstandsfähige Erholung nach der Pandemie;

- entschlossene Maßnahmen, um die Pandemie zu stoppen und den Rückschritten bei der Ernährung und der Gesundheit von Kindern entgegen zu wirken;

- die Sicherstellung von qualitativ guter Bildung, Schutz und guter psychischer Gesundheit für jedes Kind; Maßnahmen zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit, um Krisensituationen besser vorzubeugen, auf sie zu reagieren und Kinder vor ihnen zu schützen.

Dafür braucht es neue Ansätze, um Hungersnöte zu beenden, Kindern vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen sowie neue Finanzierungsmodelle im Fall von Katastrophen.