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Redaktion Harald Jeschke

11. Dezember 1946 in New York: Kinderhilfswerk Unicef wird ins Leben gerufen! Am 24. Juli 1957 wurde in Duisburg aus Dankbarkeit und der Einsicht, dass auch in vielen anderen Teilen der Welt Kinder in großer Not leben, die Arbeitsgruppe Duisburg ins Leben gerufen.

UNICEF und Deutsches Kinderhilfswerk: Kinder jetzt stärken 

 „Gemeinsam für Kinderrechte“

© UNICEF/Zimmermann

Berlin/Duisburg, 20. September 2022 - Zum heutigen Weltkindertag rufen das Deutsche Kinderhilfswerk und UNICEF Deutschland Politik und Gesellschaft dazu auf, zu ihrer Verantwortung zu stehen und sich zusammen mit Kindern und Jugendlichen für die Verwirklichung der Kinderrechte einzusetzen. Die zahlreichen aktuellen Krisen und Konflikte hätten besonders schwerwiegende Auswirkungen auf das Leben und die Zukunft junger Menschen, so die beiden Kinderrechtsorganisationen.

Erforderlich seien jetzt die gezielte Stärkung von Kindern und Jugendlichen, mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten sowie die Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz. Bei einer Veranstaltung vor dem Berliner Reichstag appellierten die Organisationen zusammen mit Bundesfamilienministerin Lisa Paus und engagierten Kindern und Jugendlichen mit einem großen Banner und Plakaten an alle Verantwortlichen, die Umsetzung der Kinderrechte weiter gemeinsam voranzutreiben. 


Lisa Paus, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: „Die Interessen der Kinder brauchen mehr Aufmerksamkeit. Wann immer es um Kinder geht, muss ihr Wohl im Mittelpunkt stehen. Ihre Interessen gegenüber dem Staat sollen bei allen Entscheidungen, die sie betreffen, gestärkt werden: bei Behörden- und Gerichtsentscheidungen bis hin zum Bundesverfassungsgericht. Deswegen ist es unser Ziel, die Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern. Kinder, die in Armut aufwachsen, haben deutlich schlechtere Chancen auf eine gesunde Entwicklung, auf gute Bildung und auf soziale Teilhabe. Kinder von armen Eltern sind später viel häufiger selbst arm als Kinder aus besser gestellten Familien. Das ist ungerecht. Deshalb setze ich mich gegen Kinderarmut ein - beispielsweise mit dem Nationalen Aktionsplan ‚Neue Chancen für Kinder in Deutschland‘, mit einer besseren Vereinbarkeit von Familien und Beruf und mit der Kindergrundsicherung.“


Georg Graf Waldersee, Vorstandsvorsitzender UNICEF Deutschland:
„Angesichts multipler Krisen gilt es zu unserer Verantwortung zu stehen, uns entschlossen für Kinder und ihre Rechte einzusetzen und unseren Blick ganz gezielt auf die Interessen und das Wohl von Mädchen und Jungen in Deutschland zu richten. Immer mehr Kinder und junge Menschen fordern ihre Rechte ein und möchten mit eigenen Ideen ihre Zukunft gestalten. Stellen wir sicher, dass wir ihnen zuhören, sie unterstützen und ihrem Anspruch auf Partizipation entsprechen! Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ist eine große Chance. Sie wird uns alle und unsere Gesellschaft insgesamt weiterbringen. Die Probleme unserer Zeit können wir nur gemeinsam angehen und lösen.“


Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes:
„Wir müssen bei der Verwirklichung der Kinderrechte in Deutschland endlich entschiedener vorwärtskommen. Beispielsweise durch Kinderrechte im Grundgesetz. Aber auch die Bundesländer und die Kommunen sind gefragt, hier braucht es ein gemeinsames Agieren aller föderaler Ebenen. Die Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz fordert übrigens auch die große Mehrheit der Menschen: Laut repräsentativer Umfrage für den Kinderreport des Deutschen Kinderhilfswerkes in diesem Jahr halten 94 Prozent der Kinder und Jugendlichen die Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz für sinnvoll, um die Interessen der jungen Generation zukünftig besser zu berücksichtigen, bei den Erwachsenen sind es immerhin 84 Prozent. Die Zeit ist also reif!“


Bundesweite Aktionen zum Weltkindertag
Unter dem Motto „Gemeinsam für Kinderrechte“ finden heute erstmals nach zwei Jahren pandemiebedingter Einschränkungen wieder bundesweit in vielen Städten und Gemeinden Demonstrationen, Feste und andere Veranstaltungen für Kinder und Familien statt. Zahlreiche Vereine und Initiativen möchten so auf die Lage von Kindern und Jugendlichen aufmerksam machen. Zum Weltkindertag stellt UNICEF Deutschland die Perspektive von Kindern und Jugendlichen in den Mittelpunkt.


Bei der kreativen Mit-Mach-Aktion „Kinder erobern die Straßen“ bringen junge Menschen mit bunten Kreidebildern auf Straßen, auf Bürgersteigen und in Garageneinfahrten ihre Anliegen zum Ausdruck. Eltern, Nachbar*innen und Passant*innen können die Zeichnungen der Kinder fotografieren und unter dem Aktions-Hashtag #wiestarkwäredasdenn in den sozialen Medien posten.


Auch bei der Social-Media-Aktion „#GenZukunft – Make some Noise“ stehen die Forderungen der jungen Generation nach einer lebenswerten Zukunft, Chancengerechtigkeit und Klimaschutz im Zentrum. Unterstützt werden beide Aktionen von zahlreichen prominenten Fürsprecher*innen, wie Fußballprofi Julian Draxler sowie der Band Glasperlenspiel. Das Deutsche Kinderhilfswerk feiert den Weltkindertag mit einem großen „Kinderrechte-Spezial“ für Kinder in ganz Deutschland. Und das für einen ganzen Monat: Auf der Kinderinternetseite
www.kindersache.de/weltkindertag können Kinder und Jugendliche seit Anfang September in vielen interessanten Artikeln und anschaulichen Videos Neues über ihre Rechte lernen oder ihr Wissen vertiefen, zum Beispiel bei einem neuen Kinderrechte-Fotoquiz oder mit der Videoreihe „Kinder fragen - Expert*innen antworten“. Zudem können die Nutzer*innen tolle Teilhabe-Projekte von anderen Kindern und Jugendlichen kennenlernen und sich im Friedensraum #GemeinsamFürFrieden austauschen, sich inspirieren lassen und eigene Friedensaktionen vorstellen.

UNICEF: Viele Hausaufgaben für Deutschland in Sachen Kinderrechte

Deutsche Regierung nimmt heute und morgen vor UN-Ausschuss in Genf Stellung zur Umsetzung der Kinderrechte in Deutschland

Ein Mädchen hält in einer nordrhein-westfälischen Kinderrechte-Schule die UN-Kinderrechtskonvention hoch. ©UNICEF/UN0647672/Bänsch


Berlin/Köln/Duisburg, 05. September 2022 – Zur heute in Genf beginnenden Anhörung Deutschlands vor dem UN-Kinderrechtsausschuss mahnt UNICEF Deutschland, dass Kinder und Jugendliche noch stärker ins Zentrum der Politik gerückt werden müssen.  „Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich, wie kinderfreundlich Deutschland wirklich ist: Die langen Schul- und Kita-Schließungen während der Corona-Pandemie führten eindringlich vor Augen, dass die Interessen von Kindern und Jugendlichen häufig zurückgestellt werden“, sagte Dr. Sebastian Sedlmayr, Abteilungsleiter Advocacy und Politik bei UNICEF Deutschland, der am UN-Kinderrechtsausschuss in Genf als Beobachter teilnimmt.

„Es gibt viele einzelne gute Ansätze, um die Situation von Kindern und Jugendlichen in Deutschland zu verbessern. Die junge Generation bräuchte aber gerade angesichts der anstehenden sozialen und ökonomischen Probleme eine viel stärkere Rückendeckung von der Politik.“ 

Die heute beginnende Anhörung vor dem Kinderrechtsausschuss der Vereinten Nationen in Genf ist das erste Mal seit 2014, dass Deutschland im Rahmen des sogenannten Staatendialogs vor den Kinderrechtsexpert*innen der UNO Stellung nimmt. Diese stellen kritische Nachfragen zum 2019 von der Bundesregierung vorgelegten Staatenbericht und zu den schriftlichen Antworten der Regierung auf Fragen des Ausschusses („List of Issues“). Dazu gehören zum Beispiel Fragen zu Armut und Teilhabechancen, Gewaltschutz, Bildung, die Lage geflüchteter Kinder und den Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche. Verschiedene zivilgesellschaftliche Organisationen haben Alternativberichte veröffentlicht.   

Kinderrechte in Deutschland: Viel erreicht und noch mehr vorgenommen
Nach Einschätzung von UNICEF gab es seit der letzten Anhörung vor acht Jahren eine Reihe von politischen Maßnahmen in Deutschland, um den Kinderrechten mehr Nachdruck zu verleihen. Zum Beispiel hat die Bundesregierung 2015 eine Monitoringstelle für Kinderrechte am Deutschen Institut für Menschenrechte eingerichtet, die die Umsetzung beobachtet und Empfehlungen gibt. Wichtig ist, dass diese Monitoringstelle ausgebaut und verstetigt wird.


Weitere wichtige Schritte waren das Kinder-und Jugendstärkungsgesetz von 2021, das unter anderem mehr Partizipation und Inklusion in der Kinder-und Jugendhilfe bewirkt, sowie die Reform des Kinder- und Jugendmedienschutzes mit der Änderung des Jugendschutzgesetzes 2021. Auf Landesebene haben inzwischen fast alle Bundesländer die Kinderrechte in ihren Landesverfassungen verankert. Außerdem haben Brandenburg, Sachsen und Hessen seit 2014 Kinderbeauftragte eingerichtet und Nordrhein-Westfalen plant eine solche Stelle.


Auch auf kommunaler Ebene hat sich in den vergangenen Jahren viel bewegt, zum Beispiel haben sich zahlreiche Städte und Gemeinden der Initiative Kinderfreundliche Kommunen von UNICEF und Deutschem Kinderhilfswerk angeschlossen.  „Die neue Bundesregierung hat sich für Kinder, Jugendliche und Familien viel vorgenommen. Wir ermutigen Bund, Länder und Kommunen, die Umsetzung der Kinderrechte weiter gemeinsam voranzutreiben. Die Empfehlungen des UN-Kinderrechtsausschusses geben dazu hilfreiche Impulse. In der Corona Pandemie und jetzt unter den wirtschaftlichen Problemen haben die Kinder besonders zu leiden, die bereits vorher benachteiligt waren. Sie müssen jetzt besonders gestärkt werden“, so Dr. Sebastian Sedlmayr.   

Der UN-Kinderrechtsausschuss wird nach den Beratungen im Genf voraussichtlich Ende September Empfehlungen („concluding observations“) für die Umsetzung der Kinderrechte durch die deutsche Politik abgeben.


Forderungen von UNICEF Deutschland
Aus Sicht von UNICEF Deutschland sind folgende politischen Maßnahmen dringend erforderlich:
- Die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz
- eine bessere Datenlage zur Situation von Kindern und Jugendlichen
- eine übergreifende Kinderrechtsstrategie die systematische Beteiligung von Kindern und Jugendliche in politischen Entscheidungsverfahren
- eine wirkungsvolle Bekämpfung der Kinderarmut
- die Sicherung der Teilhabe und Bildungschancen für alle Kinder, auch für geflüchtete.

Deutschland hat die UN-Kinderrechtskonvention vor genau 30 Jahren ratifiziert und sich damit verpflichtet, sie umzusetzen und über Fortschritte und Vorhaben regelmäßig zu berichten.

 

Beginn eines unsicheren Schuljahres für vier Millionen Schulkinder in der Ukraine

Kiew/New York/Köln/Duisburg, 01. September 2022 – Der Beginn des neuen Schuljahres für die vier Millionen ukrainischen Schulkinder wird durch den anhaltenden Krieg schwer belastet, erklärte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell während ihres Besuchs in der Ukraine. "Das neue Schuljahr sollte eine Zeit der Freude sein, wenn die Kinder wieder in die Klassenzimmer zurückkehren und ihren Freunden und Lehrer*innen von ihrem Sommer erzählen", sagte Russel.


"Doch die vier Millionen Kinder in der Ukraine sind eher voller Angst und Sorge. Sie kehren in Schulen zurück, von denen viele während des Krieges beschädigt wurden. Sie berichten von Zerstörung und wissen nicht, ob ihre Lehrer*innen und Freunde da sein werden. Viele Eltern zögern, ihre Kinder in die Schule zu schicken, weil sie nicht wissen, ob sie dort sicher sein werden.“

© UNICEF/UN0696677/Kulakovskiy

Tausende von Schulen sind beschädigt oder zerstört worden. Weniger als 60 Prozent der Schulen wurden von der Regierung als sicher genug eingestuft, um wieder zu öffnen. Am ersten Tag des ukrainischen Schuljahres besuchte Russell eine wiederaufgebaute Grundschule, die zu Beginn des Krieges beschädigt wurde. Wegen der begrenzten Kapazität des Schutzbunkers können nur 300 Schüler gleichzeitig unterrichtet werden. Dies entspricht lediglich 14 Prozent der Vorkriegskapazität.  


UNICEF unterstützt die Regierung, damit die Kinder in der Ukraine wieder lernen können. Rund 760.000 Kinder haben dadurch seit Kriegsbeginn an formalen oder informellen Bildungsangeboten teilgenommen. Mehr als 1,7 Millionen Kinder und Betreuende haben psychosoziale Hilfe erhalten. "Die Schulen in der Ukraine suchen verzweifelt nach Mitteln und Wegen, um Schutzräume anstatt Spielplätze zu einzurichten. Die Kinder werden über nicht explodierte Sprengkörper unterrichtet, statt über Sicherheit im Straßenverkehr ", fügte Russell hinzu. "Dies ist die harte Realität für ukrainische Schulkinder, Eltern und das Lehrpersonal."


Zu den Bemühungen, die Kinder wieder zum Lernen zu bringen, gehören die Instandsetzung von Schulen, die Bereitstellung von Laptops, Tablets und Lernmaterialien. Kinder und das Lehrpersonal werden angeleitet, wie man sich in Zeiten des Krieges sicher verhält. "Die Bildung der Kinder in der Ukraine ist schwer beeinträchtigt. Nach mehr als zwei Jahren Pandemie und nach sechs Monaten Krieg ist ihre körperliche und mentale Gesundheit enorm belastet. Es muss mehr getan werden, um sie in dieser Situation zu unterstützen", sagte Russell.


Während die Schulkinder in der Ukraine ständig mit Bedrohungen für ihr Leben und ihr Wohlergehen konfrontiert sind, stehen auch geflüchtete Kinder vor Herausforderungen. Am 31. Juli 2022 waren schätzungsweise 650.000 ukrainische Flüchtlingskinder, die in 12 Aufnahmeländern leben, immer noch nicht in deren regulärem Schulbetrieb integriert. UNICEF arbeitet mit den Regierungen und Partnern zusammen, um sicherzustellen, dass geflüchtete Kinder aus der Ukraine entweder in Schulen eingeschrieben sind oder Zugang zum Online-Lernen haben.


"Solange es keinen Frieden gibt, wird sich das Leben der Kinder und ihrer Familien in der Ukraine mit dem nahenden Winter noch schwieriger gestalten", sagte Russell. "Eisige Temperaturen und heftige Schneefälle sind nur noch wenige Monate entfernt. Deshalb arbeitet UNICEF mit der Regierung und Partnern zusammen, um Hilfsgüter für den Winter bereitzustellen, darunter warme Kleidung, Schuhe, Generatoren, Heizungen und Holzpellets."

 

 GEOLINO LIVE feiert mit UNICEF die Kinderrechte

Familienfestival gibt Comeback in Berliner Wuhlheide

© UNICEF/GEOlino

 Berlin/Duisburg, 25. August 2022 - Am Sonntag, den 28. August, laden GEOLINO, RTL Audio Center Berlin und die Deutsche Bahn nach zweijähriger Corona-Pause wieder zum Open-Air-Festival „GEOLINO LIVE“ ein und feiern gemeinsam mit UNICEF die Kinderrechte. In der Berliner Wuhlheide werden dazu rund 10.000 Kinder und ihre Eltern erwartet, um gemeinsam zur Musik von namhaften Künstler*innen zu feiern.

 Mit dabei sind auch die UNICEF-Paten Glasperlenspiel sowie UNICEF-Unterstützer DIKKA. Moderiert wird das Open Air von Tobias Krell, auch bekannt als „Checker Tobi“. GEOLINO LIVE steht auch in diesem Jahr ganz im Zeichen der Kinderrechte. Unter dem Motto „Gute Musik für eine bessere Welt“ stehen dabei Spaß und Unterhaltung im Mittelpunkt. Neben attraktiven Konzerten erwartet die Festivalbesucher*innen ein buntes Rahmenprogramm mit spielerischen Aktivitäten rund um das Aufwachsen von Kindern und ihre Rechte. Zudem wird ein Aktionsstand mit kindgerechtem Infomaterial sowie eine animierende Postkarten-Aktion die Kinder mit ihren Rechten vertraut machen und ihr Engagement fördern. 


„Es ist toll, dass nach zwei Jahren Pandemie durch das Festival endlich wieder so viele Kinder und Familien zusammenkommen werden und miteinander feiern können“, erklärt Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. „Das GEOLINO-Festival wird wieder viel positive Energie rund ums das Thema Kinderrechte freisetzen. Kinder und Jugendliche wollen, sollen und müssen zukünftig mehr mitreden – für sich und unsere Zukunft!“

Glasperlenspiel, DIKKA & Co. sorgen für gute Musik  Bei GEOLINO LIVE 2022 erwarten die Kinder und Familien Konzerte von Top-Künstler*innen. Neben herrH, Donikkl und Lina, treten die UNICEF-Paten Glasperlenspiel sowie UNICEF-Unterstützer DIKKA auf. Darüber hinaus hat das buntgemischte Bühnenprogramm mit Tobias Krell alias „Checker Tobi“ noch einiges mehr zu bieten. Auf der Bühne berichten auch Jugendliche des UNICEF-JugendBeirats in einem Live-Talk über die Bedeutung der Kinderrechte und ihrem persönlichen Engagement. 

„Wir freuen uns, dass wir GEOLINO LIVE endlich wieder in großer Runde in der Parkbühne Wuhlheide feiern können“, erklärt Mina Manoussi, Vice President Kids bei Gruner + Jahr, RTL Deutschland. „Wir wollen den anwesenden Familien erneut einen unvergesslichen Tag bieten und die Kinder darin bestärken, für ihre Rechte einzustehen.“
Das Familienkonzert findet am 28. August in der Berliner Wuhlheide statt und beginnt um 15 Uhr, Einlass ist bereits ab 13 Uhr. Ein Restposten an Tickets ist auf dieser Seite noch verfügbar.

UNICEF zum Start der Weltwasserwoche:
Verheerende Dürre in Teilen Afrikas bedroht Millionen Kinder

UNICEF: Kinder in der Ukraine leiden unter Stress und Angst  
Kampagne „Zurück zum Lernen – gemeinsam“

New York/ Nairobi/ Dakar/ Köln/Duisburg, 23. August 2022 - In Äthiopien, Kenia, Somalia ist die Zahl der Menschen, die keinen verlässlichen Zugang zu sauberem Wasser haben, in nur fünf Monaten von 9,5 Millionen auf 16,2 Millionen gestiegen. Auch in der Sahelzone sind extrem viele Kinder durch Wassermangel gefährdet. Wenn nicht rechtzeitig Hilfe geleistet wird, droht vielen Kindern der Tod, warnt UNICEF anlässlich der heute beginnenden Weltwasserwoche.


Denn schwere Mangelernährung und die Gefahr von durch Wasser übertragene Krankheiten bilden einen Teufelskreis. Mehr als 2,8 Millionen Kinder in beiden Regionen leiden bereits an schwerer akuter Mangelernährung. Sie haben ein bis zu 11-mal höheres Risiko, an Krankheiten zu sterben, die über das Wasser übertragen werden, als gut ernährte Kinder. 

"Die Kindersterblichkeit steigt dramatisch, wenn ein hohes Maß an schwerer akuter Mangelernährung bei Kindern mit tödlichen Krankheitsausbrüchen wie Cholera oder Durchfall zusammenfällt. Wenn sauberes Wasser entweder gar nicht oder nicht verlässlich zur Verfügung steht, vervielfachen sich die Risiken für Kinder exponentiell", erklärte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell.


"Millionen Kinder am Horn von Afrika und in der Sahelzone sind nur einen Schritt von einer Katastrophe entfernt." In den Sahelländern Burkina Faso, Tschad, Mali, Niger und Nigeria sind Dürre, Konflikte und Instabilität die Hauptursachen für die unsichere Wasserversorgung. 40 Millionen Kinder sind dort in hohem bis extrem hohem Maße durch Wassermangel gefährdet. Nach den neuesten Daten der Weltgesundheitsorganisation sterben in der Sahelzone bereits mehr Kinder an den Folgen unsicherer Wasser- und Sanitärversorgung als in jedem anderen Teil der Welt.  


Die meisten Menschen am Horn von Afrika sind auf Wasser angewiesen, das von Verkäufern auf Lastwagen oder Eselskarren geliefert wird. In den am stärksten von der Dürre betroffenen Gebieten ist Wasser für viele Familien nicht mehr bezahlbar. In Kenia wurden in 23 Bezirken im Vergleich zum Vorjahr erhebliche Preiserhöhungen verzeichnet. Am stärksten stiegen die Preise für sauberes Wasser in Mandera (400 Prozent) und in Garissa (260 Prozent). 

  In Äthiopien hat sich der Wasserpreis verglichen mit Oktober 2021 in der Region Oromia verdoppelt und in Somali um 50 Prozent erhöht.  

In Somalia stiegen in 2022 die durchschnittlichen Wasserpreise in Süd-Mudug um 85 Prozent und in Buurhakaba und Ceel Berde um 55 bzw. 75 Prozent. In Somalia wurden in fast allen von der Dürre betroffenen Distrikten Fälle von Cholera oder wässerigem Durchfall registriert – allein zwischen Januar und Juni 2022 8.200 Fälle. Das sind mehr als doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Fast zwei Drittel der Betroffenen sind Kinder unter fünf Jahren.  Allein zwischen Juni 2021 und Juni 2022 haben UNICEF und seine Partner in den am stärksten von der Dürre betroffenen Regionen Äthiopiens –  Afar, Somali, SNNP und Oromia – mehr als 1,2 Millionen Fälle von Durchfallerkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren behandelt. 

 In Kenia sind über 90 Prozent der offenen Wasserquellen – wie Teiche und offene Brunnen – in den von der Dürre betroffenen Gebieten entweder erschöpft oder ausgetrocknet. In der gesamten Sahelzone ist die Verfügbarkeit von Wasser in den letzten 20 Jahren aufgrund des Klimawandels und komplexer Faktoren wie Konflikte um mehr als 40 Prozent zurückgegangen. Erst im vergangenen Jahr gab es in West- und Zentralafrika den schlimmsten Choleraausbruch der letzten sechs Jahre, mit 5.610 registrierten Fällen und 170 Todesopfern. 

© UNICEF/UN0639244/Sewunet


UNICEF leistet am Horn von Afrika und in der Sahelzone lebensrettende Hilfe für Kinder und ihre Familien, die in großer Not sind. Dazu gehören die Verbesserung des Zugangs zu Wasser-, Sanitär- und Hygienediensten, die den Auswirkungen des Klimawandels standhalten, die Erschließung verlässlicher Grundwasserquellen und die Entwicklung von solarbetriebenen Wassersystemen sowie die Erkennung und Behandlung von mangelernährten Kindern und  die Ausweitung von Präventionsmaßnahmen.


UNICEF benötigt dringend weitere finanzielle Mittel, um Kindern und Familien am Horn von Afrika und in der Sahelzone den Zugang zu sicherem Wasser, Sanitäreinrichtungen und Hygiene zu ermöglichen und um langfristig die Widerstandskraft der Familien gegen die Dürre in Folge des Klimawandels zu stärken. 

"Stellen Sie sich vor, Sie müssten sich entscheiden, ob Sie entweder Brot oder Wasser für ein hungriges, durstiges und krankes Kind kaufen wollen, oder ob Sie Ihr Kind entweder an extremem Durst leiden sehen oder es verunreinigtes Wasser trinken lassen wollen, das tödliche Krankheiten verursachen kann", sagte Russell.

"Die Familien in den von der Dürre betroffenen Regionen werden vor unmögliche Entscheidungen gestellt. Die einzige Möglichkeit, diese Krise zu stoppen, besteht darin, dass Regierungen, Geber und die internationale Gemeinschaft die finanziellen Mittel aufstocken, um den dringendsten Bedarf der Kinder zu decken, und langfristige, flexible Unterstützung bereitstellen.“

UNICEF: Kinder in der Ukraine leiden unter Stress und Angst  
Kampagne „Zurück zum Lernen – gemeinsam“

© UNICEF/UN0687107/

Sechs Monate nach Beginn des Kriegs in der Ukraine sind nach Schätzungen von UNICEF allein innerhalb des Landes rund drei Millionen Kinder dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen. Fast 1.000 Mädchen und Jungen wurden nach UN-Angaben getötet oder verletzt. Auch die psychischen Belastungen sind für die Kinder gewaltig. Seit 180 Tagen leben die ukrainischen Mädchen und Jungen in großer Unsicherheit und sind großen Risiken von Gewalt, Ausbeutung und Missbrauch ausgesetzt.


Schulen, Krankenhäuser und lebenswichtige zivile Infrastruktur wie die Wasserversorgung sind vielfach zerstört oder beschädigt. Viele Kinder haben erlebt, wie Freunde oder Angehörige getötet oder verletzt wurden. Praktisch alle Kinder und Jugendlichen in der Ukraine brauchen dringend Unterstützung, um mit Stress, Angst, Trauer und Hoffnungslosigkeit umzugehen. Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen wie die von UNICEF eingerichteten „Spilno“-Zentren sind ein Weg, ein Stück Normalität für die Mädchen und Jungen zurückzubringen.

Zwei Wochen vor Beginn des neuen ukrainischen Schuljahres hat UNICEF jetzt gemeinsam mit dem ukrainischen Ministerium für Bildung und Wissenschaft eine Kampagne gestartet, um den Kindern trotz der durch den Krieg verursachten Einschränkungen und Herausforderungen Lernmöglichkeiten zu geben.

Die Kampagne „Zurück zum Lernen – gemeinsam“ (Back to Learning Together“) zielt darauf ab, das Recht eines jeden Kindes auf Bildung zu schützen, auch in Zeiten des Konflikts. Das Programm nutzt drei Wege, um Kindern Lernmöglichkeiten zu bieten - im Klassenzimmer, sofern die Sicherheit gegeben ist - aus der Distanz durch Online-Methoden und durch Interaktion mit anderen Kindern auf Gemeindeebene. Die erste Phase wird das Schuljahr 2022/ 2023 unterstützen, das am 1. September beginnen soll.


 „Die Wiederaufnahme des Unterrichts im nächsten Monat wird den Kindern in der Ukraine nicht nur die Möglichkeit geben, ihre Ausbildung fortzusetzen, sondern auch ein wichtiges Gefühl der Normalität in diesen turbulenten Zeiten vermitteln", sagte der Leiter von UNICEF Ukraine, Murat Sahin. Insgesamt 1.000 Schulen im ganzen Land sollen mit Schulmaterial für 450.000 Kinder versorgt werden. Die Schulen erhalten außerdem Decken, Taschenlampen, Erste-Hilfe-Kästen und Hygienesets.


Zur Unterstützung des Online-Lernens wird UNICEF gemeinsam mit Partnern Materialien bereitstellen, die Pädagogen und Pädagoginnen beim Fernunterricht helfen. Ergänzt wird dies durch Webinare und Online-Tools zur psychosozialen Unterstützung von Lehrer*innen, Kindern und Eltern. Mehr als 5.000 Laptops wurden den Lehrkräften in den betroffenen Regionen bereits im Sommer zur Verfügung gestellt, um weiteres Online-Lernen zu ermöglichen. UNICEF mobilisiert auch freiwillige Helferinnen und Helfer in 200 Gemeinden und schult jugendliche Freiwillige, um ihre Altersgenossen zu unterstützen.

 UNICEF: „Das Versprechen, Schulen offen zu halten, muss eingehalten werden.“

Berlin/Köln/Duisburg, 19. August - Zum Schulstart nach den Sommerferien in August und September appelliert UNICEF Deutschland an Bund, Länder und Kommunen, die Schulen, Kitas und weitere Einrichtungen für Kinder trotz vermutlich im Herbst erneut steigender Covid-19-Zahlen tatsächlich offen zu halten.


Deutschland muss nach Einschätzung von UNICEF dringend eine langfristige Strategie entwickeln, um die negativen Auswirkungen der Pandemie und künftiger Krisensituationen für Kinder und Jugendliche zu minimieren, so UNICEF Deutschland heute. Dabei sollen auch die Anstrengungen zum Schutz und zur Förderung der psychischen Gesundheit von Heranwachsenden gestärkt werden. 


„Für viele Schülerinnen und Schüler beginnt jetzt das vierte Schuljahr unter Pandemiebedingungen, viele jüngere Kinder kennen bisher nur einen Schulalltag im Ausnahmezustand. Bund und Länder haben zwar versichert, Schulen und Kitas offen zu halten, doch es kommt jetzt darauf an, rechtzeitig alles dafür zu tun, dieses Versprechen auch einhalten zu können,“ so Georg Graf Waldersee, Vorsitzender von UNICEF Deutschland. Es müsse vorausschauend in die bauliche, digitale und personelle Ausstattung der Einrichtungen investiert werden.


Seit März 2020 wurden Kitas und Schulen in Deutschland zumindest teilweise 38 Wochen geschlossen – länger als beispielsweise in Frankreich (12 Wochen) oder Spanien (15). Das Aussetzen des Präsenzunterrichts, aber auch lange Phasen häuslicher Quarantäne bedeuteten erhebliche Belastungen für die Familien. Untersuchungen belegen, dass sie bei Kindern Empfindungen wie Angst und Einsamkeit verstärkt haben – vielfach mit negativen Auswirkungen auf ihr Sozial- oder Schlafverhalten sowie ihr psychisches Wohlbefinden. Aber auch die während der Pandemie zunehmend hohe psychische Belastung vieler Eltern und familiäre Spannungen beeinträchtigen die Entwicklung von Kindern. 


Die Schließungen von Schulen und Kitas müssen deshalb aus Sicht von UNICEF in Deutschland wie weltweit vermieden und die psychischen Folgen der Pandemie und weiterer Krisen dringend stärker adressiert werden. Darüber hinaus sollte die Bundesregierung mit den Bundesländern eine langfristige Strategie entwickeln und umsetzen, um die Rechte von Kindern und Jugendlichen robuster abzusichern.

„In mehr als zwei Jahren Pandemie wurden die Interessen und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen zu wenig gehört und immer wieder hintangestellt. Dies zeigt, dass die Rechte von Kindern in Deutschland dringend stärker ins Zentrum der Politik gerückt werden müssen. Die Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz ist dafür der erste wichtige Schritt“, so Georg Graf Waldersee. 
 

 Schule für jedes Kind – Nowitzki und Hummels für UNICEF 
 Deutsche Sportgrößen im Einsatz für bessere Bildungschancen von Kindern

Köln/Duisburg, 17. August 2022 - Der NBA-Champion Dirk Nowitzki und Fußball-Weltmeister Mats Hummels setzen sich in einem aktuellen UNICEF-Spot für eine gute Schule für jedes Kind ein. Durch eine wachsende Armut und weltweite Schulschließungen während der Corona-Pandemie hat sich die globale Bildungsmisere verschärft.

Vor dem Schulstart nach den Sommerferien machen sich die beiden Väter und langjährigen UNICEF-Botschafter deshalb für die Bildungsinitiative „Let us learn“ des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen stark.  „Für jedes Kind weltweit ist der Zugang zu Bildung enorm wichtig“, erklärte Mats Hummels am Rande des Drehs zum aktuellen UNICEF-Spot: „Bildung eröffnet individuelle Zukunftschancen und dadurch große Möglichkeiten für die Gesellschaft im Ganzen.“

© UNICEF/Stefan Freund



Die beiden Väter Dirk Nowitzki und Mats Hummels möchten mit dem Spot darauf aufmerksam machen, dass viele Mädchen und Jungen weltweit keinen Zugang zu Bildung haben und den Einsatz für bessere Bildungschancen für die ärmsten Kinder unterstützen.  Mit der Bildungsinitiative „Let Us Learn“ eröffnet UNICEF besonders benachteiligten Kindern in Afghanistan, Bangladesch, Liberia, Madagaskar und Nepal den Zugang zu guter Grundbildung. Die „Let Us Learn“ Projekte verfolgen innovative Ansätze und stärken auch Kinder mit Behinderung und ihre Familien. 


Fairplay fürs Leben 
Seit sie selbst Väter sind, liegen Nowitzki und Hummels das Thema Bildung besonders am Herzen. „Seitdem ich ein Kind habe setze ich mich viel mehr mit diesem Thema auseinander und bekomme natürlich auch viel mehr mit, auch von anderen Kindern“, sagt Mats Hummels. Dirk Nowitzki sieht das ähnlich. „Man nimmt durch das eigene Vatersein einfach mehr wahr, wie es den Kindern geht“, sagt Nowitzki: „Ich mache mir Sorgen, was mit den Kindern auf der ganzen Welt zukünftig passiert.“ 


Die beiden UNICEF-Botschafter wären keine Vollblutathleten, wenn sie nicht auch Parallelen zum Sport sehen würden. „Sport und Bildung haben unheimlich viele Gemeinsamkeiten: Fairplay, das Ziel zusammen etwas schaffen zu wollen, fürs Leben zu lernen, einen Teamgeist zu entwickeln“, sagt Dirk Nowitzki. Dass der Ursprung dieser Verbindung bereits in der Schulpause liegen kann, erinnert Mats Hummels nur zu gut: „Ich bin in den Pausen mit einem versteckten Ball in die Turnhalle gegangen, um dort im Eins-gegen-eins aus der Distanz auf die Tore zu schießen. Wir sind danach natürlich immer völlig verschwitzt zur nächsten Stunde angetreten.“ 


Durch die in vielen Ländern sehr langen Schulschließungen während der Pandemie haben Kinder nicht nur Lernstoff, sondern auch solche sozialen Erfahrungen verpasst. Auf dem Höhepunkt der nationalen und lokalen Lockdowns waren sogar 1,6 Milliarden Kinder weltweit nicht in der Schule. Das waren 90 Prozent aller Schulkinder. Vor allem Kinder aus armen Verhältnissen und in Konflikt- und Krisenregionen, die keine digitalen Geräte und keinen Internetzugang haben, waren von Bildungsangeboten abgeschnitten. Zudem stieg das Risiko, dass Eltern ihre Kinder zur Arbeit schicken oder sie zu früh verheiraten. Dabei ist eine gute Schulbildung der Schlüssel, um einen Beruf zu erlernen und langfristig der Armut zu entkommen. 


Über Dirk Nowitzki:  Dirk Nowitzki ist seit 2013 als UNICEF-Botschafter aktiv. Die Karriere des NBA-Champions, die er 2019 offiziell beendete, führte ihn bis zum Sieg bei den amerikanischen NBA-Finals 2011 mit den Dallas Mavericks. Als erster Europäer erhielt er sowohl den NBA MVP (Most Valuable Player) Award 2007 als wertvollster Spieler der Liga sowie den NBA Finals MVP Award 2011. Zudem wurde er 2005 als FIBA EuroBasket MVP ausgezeichnet. Auch mit der deutschen Basketball-Nationalmannschaft feierte er große Erfolge und wurde 2011 zum Sportler des Jahres in Deutschland gewählt. 

 Über Mats Hummels:  Mats Hummels unterstützt UNICEF als Botschafter und Schirmherr diverser Projekte seit 2016. Im Jahr 2017 reiste er für UNICEF nach Malawi, um sich vor Ort ein Bild von der Arbeit machen zu können. Der 33-Jährige ist aktiver Fußballprofi beim Bundesligisten Borussia Dortmund. Seit 2010 ist er Spieler der deutschen Fußballnationalmannschaft, mit der er 2014 Fußballweltmeister wurde.



 Afghanistan: Verheerende Folgen, weil Mädchen weiterführende Bildung verwehrt wird

Kabul/Köln/Duisburg, 14. August 2022 - Laut einer neuen Analyse von UNICEF kostet es Afghanistan 2,5 Prozent seines jährlichen Bruttoinlandsprodukts, wenn Mädchen keine weiterführende Schule besuchen. In den vergangenen zwölf Monaten verlor die afghanische Wirtschaft hierdurch mindestens 500 Millionen US-Dollar. Wenn die derzeit drei Millionen Mädchen im entsprechenden Alter ihre Sekundarschulbildung abschließen und am Arbeitsmarkt teilnehmen könnten, würden Mädchen und Frauen mindestens 5,4 Milliarden US-Dollar zur afghanischen Wirtschaft beitragen.

© UNICEF/UN0683670/Hubbard

Diese Schätzung von UNICEF berücksichtigt nicht die nicht-finanziellen Folgen, wenn den Mädchen der Zugang zu Bildung verwehrt wird. Dazu gehören unter anderem der Mangel an Lehrerinnen, Ärztinnen und Krankenschwestern, die sinkende Teilnahme von Mädchen am Grundschulunterricht sowie steigende Gesundheitskosten – zum Beispiel durch Schwangerschaften bei Jugendlichen. Die Schätzungen berücksichtigen auch nicht den allgemeinen Beitrag von Schulunterricht etwa für das Bildungsniveau insgesamt, eine geringere Zahl von Kinderehen und eine niedrigere Kindersterblichkeit.


"Die Entscheidung vom 23. März, Mädchen nicht mehr zur Sekundarschule zuzulassen, war schockierend und zutiefst enttäuschend. Sie verletzt nicht nur das Grundrecht der Mädchen auf Bildung, sondern setzt sie auch erhöhter Angst und einem größeren Risiko von Ausbeutung und Missbrauch aus, einschließlich Kinderhandel sowie Früh- und Zwangsverheiratung", sagte der UNICEF-Repräsentant für Afghanistan, Dr. Mohamed Ayoya. "Unsere neue Analyse zeigt jetzt zudem deutlich die verheerenden Auswirkungen dieser Entscheidung auf die Wirtschaftskraft des Landes."

 „365 Tage nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan muss der Jahrestag den Blick auf die große Not der Afghaninnen und Afghanen lenken. Die internationale Gemeinschaft darf die 20 Millionen afghanischen Kinder nicht im Stich lassen. Der Preis für Nichtstun wäre unermesslich,“ erklärte Christian Schneider, Geschäftsführer UNICEF Deutschland. „Die internationale Gemeinschaft hat die Verantwortung, jede Möglichkeit zu nutzen, um die jungen Afghaninnen und Afghanen in diesem so kritischen Moment zu unterstützen.“ 

Entscheidender Moment für eine ganze Generation von Kindern in Afghanistan
Schon vor der Machtübernahme der Taliban am 15. August letzten Jahres gingen in Afghanistan über 4,2 Millionen Kinder nicht zur Schule, 60 Prozent davon waren Mädchen.

Die potenziellen Einkommensverluste durch fehlende Schulbildung sind sowohl für Jungen als auch für Mädchen gravierend. Für Mädchen sind sie jedoch besonders hoch. Denn es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem Bildungsniveau und der Tatsache, dass Mädchen ihre Heirat und die Geburt der Kinder hinauszögern, sich am Erwerbsleben beteiligen, Entscheidungen über ihre eigene Zukunft treffen und später selbst mehr in die Gesundheit und Bildung ihrer eigenen Kinder investieren.

Die Analyse zeigt, dass Afghanistan nicht in der Lage sein wird, das während des Übergangs verlorene Bruttoinlandsprodukt (BIP) wiederzugewinnen und seine Potenziale auszuschöpfen, wenn das Recht der Mädchen auf Zugang zu einer Sekundarschulbildung und deren Abschluss nicht erfüllt wird. "UNICEF möchte, dass jedes Mädchen und jeder Junge in Afghanistan zur Schule geht und lernt", sagte Dr. Ayoya. "Wir werden nicht aufhören, uns dafür einzusetzen, bis dieses Ziel erreicht ist. Bildung ist nicht nur ein Recht für jedes Kind, sondern auch die Grundlage für zukünftiges Wachstum in Afghanistan."  

Durch den fehlenden Zugang von Mädchen zu weiterführenden Schulen hat UNICEF auch Schwierigkeiten, heranwachsende Mädchen mit lebenswichtigen Diensten zu erreichen. Dazu zählen zum Beispiel die Vorbeugung von Anämie sowie die Unterstützung bei der Menstruationshygiene, die UNICEF früher in den Schulen angeboten hat. Auch die Mangelernährung von Kindern nimmt zu. Im Juni 2021 wurden in Afghanistan 30.000 Kinder wegen schwerer akuter Mangelernährung behandelt; im Juni 2022 waren es 57.000 Kinder - ein Anstieg von 90 Prozent.

Viele Kinder sind gezwungen, zu arbeiten, um ihre Familien zu unterstützen, anstatt zur Schule zu gehen, wo sie am sichersten wären. In den letzten 12 Monaten haben mit Unterstützung von UNICEF die Gesundheits- und Ernährungsdienste in Schulen über 270.000 heranwachsende Mädchen mit Eisen- und Folsäurepräparaten erreicht. Wenn heranwachsende Mädchen also ihre Ausbildung nicht fortsetzen können, gefährdet dies auch ihre Gesundheit.


"Afghanistan ist eine der komplexesten, multidimensionalen Krisen für Kinder weltweit", so UNICEF-Leiter Mohammad Ayoya in Kabul. "Dies ist ein entscheidender Moment für eine ganze Generation von Kindern in Afghanistan. Die Rechte von Mädchen werden angegriffen, ihre Kindheit ist von Entbehrungen gezeichnet. Aus diesem Grund verstärkt UNICEF trotz der schwierigen Rahmenbedingungen den Einsatz und erreicht mehr Kinder als je zuvor. Wir möchten den Menschen in Afghanistan sagen: Ohne ihr Vertrauen und ihre Unterstützung könnten wir nicht tun, was wir tun. Wir danken auch unseren Spender*innen und Partner*innen für ihre Großzügigkeit und bitten sie dringend, ihre lebensrettende Unterstützung für Kinder fortzusetzen - vor allem, wenn der Winter vor der Tür steht."


 UNICEF-Appell vor dem G7-Gipfel: Jede Minute ein weiteres Kind schwer mangelernährt

Laut UNICEF sind dringend zusätzliche finanzielle Mittel notwendig, um acht Millionen Kinder zu versorgen, deren Leben durch schwere akute Mangelernährung bedroht ist.

© UNICEF/UN0640824/Dejongh

New York/Köln/Duisburg, 23. Juni 2022 - Fast acht Millionen Kinder unter fünf Jahren in 15 Krisenländern sind vom Tod durch schwere akute Mangelernährung bedroht, wenn sie nicht sofort therapeutische Nahrung und medizinische Hilfe erhalten. UNICEF warnt im Vorfeld des G7-Gipfels, dass die Zahl der gefährdeten Kinder von Minute zu Minute steigt.  

Seit Anfang des Jahres hat die sich weltweit zuspitzende Ernährungskrise dazu geführt, dass in 15 besonders gefährdeten Ländern zusätzlich 260.000 Kinder an schwerer akuter Mangelernährung leiden. Darunter sind unter anderem die Staaten am Horn von Afrika und der zentralen Sahelzone. Jede Minute kämpft damit ein weiteres Kind um sein Überleben. Bereits im vergangenen Monat hatte UNICEF davor gewarnt, dass weltweit der Anstieg schwerer Mangelernährung in den zurückliegenden Jahren zu einem unkontrollierbaren Risiko geworden ist.


„Die Voraussetzungen für die extremste Form der Mangelernährung bei Kindern sind da.  Wir erleben gerade, wie ein Pulverfass Feuer fängt“, sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell, die am Freitag in Berlin an der internationalen Konferenz der Bundesregierung für globale Ernährungssicherheit in Berlin teilnimmt. „Nahrungsmittelhilfe ist wichtig, aber wir können hungernde Kinder nicht mit Säcken voller Weizen retten. Wir müssen diese Kinder jetzt therapeutisch behandeln, bevor es zu spät ist.“ „Es bedarf jetzt einer globalen politischen und finanziellen Kraftanstrengung, um Leben zu retten“, erklärte Georg Graf Waldersee, Vorsitzender von UNICEF Deutschland.

„Um zukünftig derartige Krisen zu verhindern, reicht es nicht aus, allein deren Symptome zu behandeln. Die G7 müssen zugleich vorausschauend handeln und Ernährungssysteme sowie die gesundheitliche Versorgung von Kindern weltweit nachhaltig sichern und stärken.“

Steigende Lebensmittelpreise aufgrund des Kriegs in der Ukraine, anhaltende Dürreperioden aufgrund des Klimawandels in einigen Ländern, zum Teil in Verbindung mit Konflikten, und die anhaltenden wirtschaftlichen Auswirkungen von Covid-19 verschärfen die Nahrungsmittel- und Ernährungsunsicherheit bei Kindern weltweit. Sie haben ein katastrophales Ausmaß schwerer Unterernährung bei Kindern unter fünf Jahren zur Folge. Als Reaktion darauf weitet UNICEF seine Arbeit in den 15 am stärksten betroffenen Ländern aus.

Afghanistan, Burkina Faso, Tschad, die Demokratische Republik Kongo, Äthiopien, Haiti, Kenia, Madagaskar, Mali, Niger, Nigeria, Somalia, Südsudan, Sudan und Jemen sind Teil eines Notfallplans, mit dem eine drastische Zunahme der Kindersterblichkeit verhindert und die langfristigen Schäden durch schwere akute Mangelernährung vermindert werden sollen. Wenn ein Kind im Verhältnis zu seiner Größe zu dünn ist, spricht man von schwerer akuter Mangelernährung.

Dies ist die unmittelbarste, sichtbarste und lebensbedrohlichste Form der Mangelernährung. Ein geschwächtes Immunsystem führt zudem dazu, dass das Risiko, dass ein schwer akut mangelernährtes Kind stirbt, elfmal so hoch ist wie bei einem gesunden Kind.

UNICEF schätzt, dass in den 15 Ländern mindestens 40 Millionen Kinder nicht das Mindestmaß an abwechslungsreicher Nahrung erhalten, welches sie für ihr Wachstum und ihre Entwicklung in der frühen Kindheit benötigen. Darüber hinaus sind 21 Millionen Kinder von schwerer Nahrungsmittelunsicherheit betroffen, d. h. sie haben keinen Zugang zu ausreichender Nahrung, um ihren Mindestbedarf zu decken, so dass für sie ein hohes Risiko für schwere akute Mangelernährung besteht. 

Zudem ist der Preis für gebrauchsfertige therapeutische Zusatznahrung zur Behandlung von schwerer akuter Mangelernährung in den vergangenen Wochen um 16 Prozent gestiegen, da die Kosten für die Rohstoffe stark zugenommen haben. Hierdurch wird weiteren 600.000 Kindern pro Jahr der Zugang zu einer lebensrettenden Behandlung verwehrt bleiben. Im Vorfeld des G7-Gipfels weist UNICEF darauf hin, dass ein Maßnahmen- und Finanzpaket nötig ist, das Gesundheitssysteme in den betroffenen Ländern und UN- und zivilgesellschaftliche Organisationen über etablierte Mechanismen in die Lage versetzt, jetzt schnell und wirkungsvoll zu handeln.

UNICEF benötigt beispielsweise 1,2 Milliarden US-Dollar, um 

- ein Grundpaket von Ernährungsdiensten und zur Ernährungsversorgung bereitzustellen und damit den Tod von Millionen von Kindern in den 15 am stärksten belasteten Ländern zu verhindern. Dazu gehören präventive Programme zur Unterstützung der Ernährung bei Schwangeren und Kleinkindern, Früherkennungs- und Behandlungsprogramme für Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung sowie die Beschaffung und Verteilung von gebrauchsfertiger therapeutischer Nahrung. 

- die Prävention und Behandlung von schwerer akuter Mangelernährung in allen globalen Plänen zur Bewältigung der Ernährungskrise vorrangig zu berücksichtigen. Die Mittel müssen sowohl präventive Ernährungsmaßnahmen als auch therapeutische Nahrungsmittel zur Deckung des unmittelbaren Bedarfs von Kindern mit schwerer akuter Mangelernährung umfassen.

„Es ist schwer zu beschreiben, was es für ein Kind bedeutet, 'stark ausgezehrt' zu sein, aber wenn man ein Kind trifft, das an dieser tödlichsten Form der Mangelernährung leidet, versteht man es – und man vergisst es nie“, sagte Russell. „Wir dürfen keine Zeit verlieren. Wer darauf wartet, dass eine Hungersnot ausgerufen wird, wartet darauf, dass Kinder sterben."

Hilfe für bedrohte Kinder dringender denn je

UNICEF Deutschland / Geschäftsbericht 2021

© UNICEF/UN0644298/Fazel

Köln/Duisburg, 14. Juni 2022 - Mehr diplomatische und finanzielle Anstrengungen sind nötig, damit sich die aktuellen globalen Krisen nicht noch mehr gegenseitig hochschaukeln, erklärte UNICEF Deutschland anlässlich seiner heutigen Mitgliederversammlung in Berlin. Das Zusammenspiel aus den weltweiten Auswirkungen von Covid-19, Klimawandel und Umweltzerstörung sowie der großen Zahl lang andauernder Konflikte haben sich zu einer multiplen Krise zusammengebraut, die Kinder besonders bedroht. In vielen Ländern verschärft der Ukraine-Krieg die Not der Mädchen und Jungen zusätzlich.

„Der Krieg in der Ukraine verursacht nicht nur entsetzliches Leid im Land selbst. Seine schwerwiegenden Folgen bedrohen zugleich die Zukunft von Kindern weit weg vom Kriegsgeschehen. Für viele von ihnen geht es um das Überleben. Wir appellieren daher an die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten, auf ihrem bevorstehenden Gipfel auf Schloss Elmau sicherzustellen, dass die Hilfe für die bedrohten und benachteiligten Kinder auch in anderen Teilen der Welt nicht unter den Radar fällt“, erklärte Georg Graf Waldersee, Vorsitzender von UNICEF Deutschland.

Die Unterbrechung der weltweiten Lieferketten in Folge des Krieges in der Ukraine hat die ohnehin schon hohen Preise für Weizen und andere Nahrungsmittel weiter ansteigen lassen. Am Horn von Afrika, in Afghanistan und vielen weiteren Ländern leiden immer mehr Kinder an lebensbedrohlicher Mangelernährung. Allein in Somalia sind schätzungsweise 386.000 Kinder von schwerer akuter Mangelernährung bedroht – es droht eine Hungersnot. In Afghanistan kämpfen mehr als eine Million Kinder um ihr Überleben. Gleichzeitig schießen die Preise wichtiger Zutaten lebensrettender Zusatznahrung für betroffene Kinder in die Höhe.

 „Es bedarf jetzt einer globalen politischen und finanziellen Kraftanstrengung, um Leben zu retten und zukünftig derartige Krisen zu vermeiden“, sagte Waldersee. „Aus Ernährungskrisen dürfen keine Hungerkatastrophen werden.“ UNICEF Deutschland fordert die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten dazu auf, in künftigen Notsituationen frühzeitig zu handeln und gleichzeitig in langfristige Maßnahmen zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit zu investieren – insbesondere in den Bereichen Klimaanpassung, Stärkung von Gesundheitsdiensten und Bildung. 

Große Spendenbereitschaft in Deutschland
Das Deutsche Komitee für UNICEF hat im Jahr 2021 Einnahmen in Höhe von 162,55 Millionen Euro erzielt. Die Einnahmen in 2021 liegen damit deutlich über dem Ergebnis des Vorjahres. Das Deutsche Komitee war auch im vergangenen Jahr eine der bedeutendsten Stützen der weltweiten Arbeit des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen. Zu dem Ergebnis haben rund 550.000 aktive Spender*innen in Deutschland beigetragen. Besonders wichtig sind die regelmäßigen Beiträge aus mehr als 305.000 UNICEF-Patenschaften. Diese Spendenbeiträge ermöglichen es UNICEF, Projekte langfristig zu planen und Kinder in Notsituationen wirksam und flexibel zu unterstützen.

„Wir danken allen Menschen in Deutschland für ihre Hilfsbereitschaft, mit der sie die weltweite UNICEF-Hilfe für Kinder großzügig unterstützen. Die außergewöhnliche Solidarität mit benachteiligten Kindern in aller Welt war angesichts der Pandemiesituation und der Hochwasserkatastrophe im eigenen Land alles andere als selbstverständlich. Sie zeigt, dass die Hilfsbereitschaft und der Einsatz für Kinder die Menschen in Deutschland einen – das macht Mut“, sagte Waldersee.

Insgesamt konnte das deutsche Komitee für UNICEF in 2021 für die weltweiten UNICEF-Programme 130,50 Millionen Euro bereitstellen. 3,42 Millionen Euro wurden für die satzungsgemäße Programm- und Kinderrechtsarbeit in Deutschland eingesetzt. Die Kosten für Verwaltung sowie Öffentlichkeitsarbeit und Werbung in Deutschland betrugen – gemäß der Kriterien des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen – 14,42 Prozent.

Dank der Spenden aus Deutschland hat UNICEF im vergangenen Jahr zum Beispiel in Indien große Mengen Schutzkleidung sowie Sauerstoffgeräte im Kampf gegen die Corona-Pandemie beschafft. In Krisengebieten wie Afghanistan, Äthiopien, Syrien und Südsudan konnte UNICEF lebensrettende Hilfe auf den Weg bringen und Kinder mit dem Nötigsten versorgen. Ein weiterer Schwerpunkt waren Bildungsprogramme für Kinder, wie in Bangladesch, Liberia, Madagaskar, Malawi und Nepal. 

Der ehrenamtliche Vorstand von UNICEF Deutschland
In der Mitgliederversammlung von UNICEF Deutschland wählte das ehrenamtlich arbeitende Gremium heute zwei neue Mitglieder in den Vorstand: die Meeresbiologin und Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, Prof. Dr. Antje Boetius, und Dr. Christine Bortenlänger, die Geschäftsführende Vorständin des Deutschen Aktieninstituts in Frankfurt am Main. Sie folgen auf Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie und den stellvertretenden Vorsitzenden Peter-Matthias Gaede, langjähriger früherer Chefredakteur von „GEO“, die nach zwei Mandatslaufzeiten satzungsgemäß ausgeschieden sind.

Weitere Mitglieder des UNICEF-Vorstands sind derzeit: der ehrenamtliche Vorsitzende des Deutschen Komitees für UNICEF, Georg Graf Waldersee; der Unternehmer und Schatzmeister des Deutschen Komitees für UNICEF Dr. Jochen Gutbrod; der Vorsitzende des Beirats der Stiftung Mercator Prof. Dr. Johannes Meier; die Journalistin und frühere UNICEF-Schirmherrin Daniela Schadt; die Unternehmerin Dagmar G. Wöhrl, Parlamentarische Staatssekretärin a.D.; die Beiratsvorsitzende der Würth-Gruppe, Bettina Würth; Petja Pucci, Sprecherin des Beirats der UNICEF-Arbeitsgruppen sowie Roman Sidig, Stellv. Sprecher des Beirats. 

UNICEF Deutschland trägt das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) und wurde mehrfach für vorbildliche Unternehmensführung und Transparenz ausgezeichnet. Der Geschäftsbericht und der ausführliche Finanzbericht stehen zur Einsicht und zum Download auf dieser Seite bereit.

Kinderarbeit: 160 Millionen Mädchen und Jungen arbeiten statt zur Schule zu gehen

Zusätzliche neun Millionen Kinder könnten durch die COVID-19-Pandemie in Kinderarbeit gedrängt werden

Köln/Duisburg, 10. Juni 2022 - Weltweit werden laut UNICEF 160 Millionen Mädchen und Jungen durch Kinderarbeit grundlegende Rechte vorenthalten und ihre Chance auf eine bessere Zukunft zerstört. Fast die Hälfte der betroffenen Kinder arbeitet unter gefährlichen Bedingungen. Bereits vor der Covid-Pandemie waren die Fortschritte beim Kampf gegen Kinderarbeit ins Stocken geraten. Durch die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie könnten nach Schätzungen von UNICEF und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) neun Millionen weitere Mädchen und Jungen bis Ende dieses Jahres in Kinderarbeit gedrängt werden. 

© UNICEF/UNI394756/Dejongh

„Die Zeit drängt: Das Ziel der Weltgemeinschaft, Kinderarbeit bis 2025 zu beseitigen, rückt in weite Ferne, wenn wir jetzt nicht massiv gegensteuern“, erklärte der Geschäftsführer von UNICEF Deutschland, Christian Schneider, anlässlich des Welttags gegen Kinderarbeit am 12. Juni. „Regierungen müssen Kindern Schutz und Chancen geben. Unternehmen müssen Kinder- und Menschenrechte einhalten. Wir alle können durch unser Konsumverhalten dazu beitragen, die Ausbeutung von Kindern zu verhindern.“

Mit den Nachhaltigen Entwicklungszielen (Ziel 8.7) hatte die Weltgemeinschaft vereinbart, Kinderarbeit bis zum Jahr 2025 zu beenden. Während die Zahl der arbeitenden Mädchen und Jungen zwischen in den Jahren 2000 bis 2016 deutlich (um 94 Millionen Kinder) gesunken war, gab es laut den letzten Schätzungen von ILO und UNICEF zwischen 2016 und 2020 erstmals wieder einen Anstieg (um 8,4 Millionen).  

Bei der fünften Globalen Konferenz zur Beseitigung von Kinderarbeit im Mai in Südafrika haben die Delegierten von Regierungen, Gewerkschaften, Arbeitgeberorganisationen, UN-Organisationen und zivilgesellschaftlichen Gruppen mit dem „Durban Call to Action“ das Bekenntnis zu dem Ziel, Kinderarbeit in allen Formen zu unterbinden, erneuert und eindringlich konkrete Schritte zur Umsetzung gefordert. Dazu gehört unter anderem, ambitionierter an den zugrundeliegenden Ursachen zu arbeiten und faire Arbeit und Löhne für Erwachsene und Heranwachsende oberhalb des Mindestalters sicher zu stellen, für flächendeckende soziale Schutzsysteme zu sorgen und allen Kindern Zugang zu kostenfreier, verpflichtender und qualitativ hochwertiger Bildung zu ermöglichen. 

Ein aktueller UNICEF-Bericht, der in den nächsten Tagen veröffentlicht wird und vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert wurde, unterstreicht die wichtige Rolle von Unternehmen bei der Überwindung von Kinderarbeit. Unternehmen haben durch ihr Handeln großen Einfluss – im guten wie im schlechten Sinn. Um Kinderarbeit wirksam zu bekämpfen reicht es nicht, sie in Lieferketten zu verbieten.

Vielmehr müssen Unternehmen berücksichtigen, dass ihr gesamtes Handeln Auswirkungen auf Kinder und Familien hat. Zum Beispiel treiben niedrige Löhne oder die Praxis, Preise für Rohstoffe teilweise unter die Produktionskosten zu drücken, Familien in wirtschaftliche Not. Ein niedriges Familieneinkommen wiederum führt dazu, dass Kinder häufig gezwungen sind, mitzuverdienen, damit die Familie überleben kann. Gute Arbeitsbedingungen für Eltern, ausreichende Bezahlung und Gesundheits- sowie Sicherheitsmaßnahmen in den Unternehmen tragen hingegen dazu bei, die Kinderarbeit zu verringern.

UNICEF ruft deshalb Unternehmen dazu auf, Kinderrechte einschließlich der Prävention von Kinderarbeit in ihr gesamtes unternehmerisches Handeln zu integrieren – von Arbeitsverträgen und Löhnen über Einkaufsverhalten bis hin zu familienfreundlichen Strukturen. Darüber hinaus sollten Unternehmen in Programme investieren, die zum Beispiel die Schul- und Ausbildung von Kindern fördern sowie Familien und Gemeinden stärken. Nicht zuletzt können Unternehmen eine Vorbildfunktion einnehmen, indem sie sich gegen Kinderarbeit positionieren, faire Geschäftspraktiken haben und Kinderrechte in ihrem Bereich umsetzen. Seit zehn Jahren geben die „Grunds

Am 01. Juni ist in der Ukraine internationaler Kindertag 
UNICEF: 5,2 Millionen ukrainische Kinder benötigen humanitäre Hilfe

Seit Beginn des Krieges am 24. Februar wurden mindestens 262 Kinder getötet und 415 verletzt 


© UNICEF/UN0633389/Gilbertson

New York/Köln/Duisburg, 31. Mai 2022 - Der Krieg in der Ukraine hat verheerende Auswirkungen auf das Leben der Kinder und dies in einer Geschwindigkeit und einem Ausmaß wie nie seit dem Zweiten Weltkrieg, erklärt UNICEF anlässlich des internationalen Tages des Kindes in der Ukraine und den Ländern der Region. Drei Millionen Kinder innerhalb der Ukraine und über 2,2 Millionen Kinder in den Ländern, die geflüchtete Menschen aus der Ukraine aufgenommen haben, sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Rund zwei von drei Mädchen und Jungen wurden wegen der Kämpfe aus ihrem Zuhause vertrieben. 

Laut dem UN-Hochkommissariat für Menschenrechte werden in der Ukraine jeden Tag im Durchschnitt mehr als zwei Kinder getötet und mehr als vier verletzt – überwiegend durch den Einsatz von Explosivwaffen in Wohngebieten. Auch die zivile Infrastruktur, auf die Kinder angewiesen sind, wird weiter beschädigt oder zerstört – darunter bislang mindestens 256 Gesundheitseinrichtungen und jede sechste der von UNICEF unterstützten „Safe Schools“ im Osten des Landes. Hunderte weitere Schulen im ganzen Land wurden beschädigt. Die Lage der Kinder im Osten und Süden des Landes, wo die Kämpfe sich intensivieren, wird immer verzweifelter. 


"Der 1. Juni ist in der Ukraine und den Ländern der gesamten Region der internationale Tag zum Schutz von Kindern", sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell.
"Doch anstatt diesen Tag zu feiern, nähern wir uns dem hundertsten Tag eines Krieges, der das Leben von Millionen von Kindern erschüttert. Ohne einen sofortigen Waffenstillstand und einen ausgehandelten Frieden werden die Kinder weiter leiden. Die Folgen dieses Krieges werden   gefährdete Kinder auf der ganzen Welt treffen.“ Der Krieg hat auch eine akute Kinderschutzkrise verursacht. Wenn Kinder fliehen müssen, sind sie besonders gefährdet, von ihren Familien getrennt oder Opfer von Gewalt, sexueller Ausbeutung oder Menschenhandel zu werden.

Die meisten von ihnen wurden schweren traumatischen Erlebnissen ausgesetzt. Die Mädchen und Jungen brauchen dringend Sicherheit und Stabilität sowie Zugang zu Kinderschutzmaßnahmen und psychosozialer Unterstützung – insbesondere, wenn sie unbegleitet sind oder von ihren Familien getrennt wurden. Mehr als alles andere brauchen sie jedoch Frieden. Viele Familien haben wegen dem Krieg und ihrer Flucht ihre Lebensgrundlagen verloren und es fehlt ihnen an Einkommen, um die Grundbedürfnisse der Familien decken zu können und ihre Kinder ausreichend zu unterstützen. 


 UNICEF ruft erneut zu einem sofortigen Waffenstillstand und zum Schutz von Kindern auf. Angriffe auf die zivile Infrastruktur und der Einsatz von Explosivwaffen in Wohngebieten müssen aufhören. Der uneingeschränkte und schnelle Zugang von humanitären Organisationen zu Kindern in Not muss gewährleistet sein, ganz gleich wo sie sich befinden.  

UNICEF und seine Partner leisten wichtige humanitäre Hilfe für Kinder und ihre Familien in der Ukraine und den Nachbarländern – in den Bereichen Kinderschutz, Wasser und Hygiene, Gesundheit, Ernährung und Bildung. In der Ukraine haben UNICEF und seine Partner bislang lebensrettende medizinische Hilfsgüter für rund 2,1 Millionen Menschen in den vom Krieg betroffenen Gebieten zur Verfügung gestellt. In Gebieten, in denen Wassernetzwerke beschädigt oder zerstört wurden, haben 2,1 Millionen Menschen Zugang zu sauberem Wasser erhalten. 

Mehr als 610.000 Kinder und Betreuer*innen wurden mit psychosozialer Unterstützung erreicht; Lernmaterial für fast 290.000 Kinder bereitgestellt.  Rund 300.000 besonders bedürftige Familien haben sich bisher für Bargeldhilfen über UNICEF und das Ministerium für Sozialpolitik registriert. In den Nachbarländern unterstützt UNICEF nationale, kommunale und lokale Einrichtungen, die wichtige Dienstleistungen und Schutzprogramme anbieten, insbesondere für besonders vulnerable Mädchen und Jungen.

Dazu gehört die Schulung von Grenzschutzbeamten zur Bekämpfung des Menschenhandels, die Ausweitung von Lernangeboten und die Integration von geflüchteten Kindern in Schulen, die Beschaffung von Impfstoffen und medizinischer Ausrüstung sowie die Einrichtung von Spiel- und Lernzentren, in denen Kinder Halt und etwas Normalität finden können.  So wurden zum Beispiel 25 sogenannte „Blue Dot“-Anlaufstellen eingerichtet – sichere Orte, an denen bedürftige Kinder und ihre Familien wichtige Hilfe erhalten. In Moldau erhielten rund 52.000 geflüchtete Menschen Bargeldhilfen im Rahmen eines gemeinsamen Programms von UNICEF und dem Flüchtlingshilfswerk UNHCR. 


Auf Kosten der Kinder 

Aktueller UNICEF-Report zu den Auswirkungen von Umweltrisiken auf Kinder und der globalen Verantwortung von OECD- und EU-Ländern


© UNICEF/UN0267942/Latif

Florenz/
New York/Köln/Duisburg, 24. Mai 2022 - In den reichsten Ländern der Welt – darunter Finnland, Island, die Niederlande und Norwegen – wachsen Kinder in einer vergleichsweise gesunden Umgebung auf. Gleichzeitig trägt die Mehrheit dieser Länder unverhältnismäßig zur weltweiten Umweltzerstörung bei und gefährdet damit die Gegenwart und Zukunft aller Kinder. Zu diesen Ergebnissen kommt die jüngste Report Card des UNICEF-Forschungszentrums Innocenti. 

Der Bericht „Umgebung und Umwelt von Kindern“ („Places and Spaces. Environments and children’s well-being“) zeigt: Wenn alle Menschen so viele Ressourcen verbrauchen würden wie die Bevölkerung in den untersuchten OECD- und EU-Ländern, wären 3,3 Planeten wie die Erde notwendig. Würde jeder Mensch so viele Ressourcen wie die Menschen in Kanada, Luxemburg und den Vereinigten Staaten verbrauchen, wären mindestens fünf Erden erforderlich.

Auch in Deutschland ist der Ressourcenverbrauch zu hoch: Für die Lebensweise der Deutschen würden im Weltmaßstab 2,9 Erden benötigt. Der aktuelle UNICEF-Report dokumentiert, wie gut es Ländern gelingt, eine gesunde, kindgerechte Umgebung für alle Mädchen und Jungen zu schaffen sowie für eine intakte Umwelt zu sorgen – sowohl innerhalb der Landesgrenzen als auch darüber hinaus. Dazu wurden vergleichbare Daten zur näheren und weiteren Umgebung von Kindern aus 39 Ländern der OECD und der Europäischen Union sowie Daten zum Beitrag dieser Länder zu Klimaveränderungen, zum Ressourcenverbrauch und zur Produktion von Elektroschrott ausgewertet.

Die Analyse macht deutlich, dass keines der Länder in allen untersuchten Bereichen durchgängig gute Umweltbedingungen für Kinder bietet. Spanien, Irland und Portugal stehen an der Spitze des internationalen Länderrankings. Im Vergleich bieten die drei Länder den dort lebenden Kindern eine gute Umgebung und tragen weniger zu globalen Umweltproblemen bei.

Deutschland liegt in der Rangliste zu Umweltrisiken und globaler Verantwortung im oberen Drittel auf Platz 9.  Einige der reichsten Länder der Welt – darunter Australien, Belgien, Kanada und die Vereinigten Staaten – haben gemessen an den CO2-Emissionen, der Produktion von Elektroschrott und dem Gesamtressourcenverbrauch pro Kopf schwerwiegende und weitreichende Auswirkungen auf die globale Umwelt.

Gleichzeitig liegen sie bei der Aufgabe, ihren Kindern im Land eine gesunde Umgebung zu schaffen, am Ende des internationalen Vergleichs. Im Gegensatz dazu tragen die am wenigsten wohlhabenden OECD- und EU-Länder in Lateinamerika und Europa weniger zu globalen Umweltproblemen bei. „Die Mehrheit der reichen Länder schafft es nicht, innerhalb ihrer Grenzen eine gesunde Umgebung für alle Kinder zu schaffen und trägt darüber hinaus zur Zerstörung der Lebensräume von Kindern in anderen Teilen der Welt bei“, sagt Gunilla Olsson, Direktorin des UNICEF-Forschungsinstitut Innocenti in Florenz.

„In einigen Fällen stellen wir fest, dass Staaten, die im Land eine relativ gesunde Umgebung für Kinder bieten, gleichzeitig zu den größten Produzenten von Schadstoffen gehören, die die Umwelt von Kindern in anderen Ländern zerstört.“

Fakten aus dem UNICEF-Report
Mehr als 20 Millionen Kinder in den untersuchten OECD- und EU-Ländern haben eine erhöhte Bleikonzentration in ihrem Blut. Blei ist eines der gefährlichsten Umweltgifte.
Finnland, Island und Norwegen bieten ihren Kindern zwar eine gesunde Umgebung, haben aber sehr hohe Treibhausgas-Emissionen, einen hohen Ressourcenverbrauch und produzieren viel Elektroschrott.
In Island, Lettland, Portugal und England ergaben Haushaltsbefragungen, dass jedes fünfte Kind zu Hause Feuchtigkeit und Schimmel ausgesetzt ist; in Zypern, Ungarn und der Türkei ist es mehr als jedes vierte Kind.


Viele Kinder atmen sowohl innerhalb als auch außerhalb ihrer Wohnungen giftige Luft ein. In Mexiko ist die Zahl der durch Luftverschmutzung verlorenen gesunden Lebensjahre mit 3,7 Jahren pro tausend Kinder am höchsten, während sie in Finnland und Japan mit 0,2 Jahren am niedrigsten ist. Deutschland liegt im Vergleich der betrachteten Länder im Mittelfeld. Hier verlieren Kinder durch Luftverschmutzung statistisch gesehen durchschnittlich ein halbes gesundes Lebensjahr.
 
In Belgien, der Tschechischen Republik, Israel, den Niederlanden, Polen und der Schweiz ist mehr als eins von zwölf Kindern einer hohen Pestizidbelastung ausgesetzt. Es gibt Hinweise darauf, dass sich Pestizide auf vielfältige Weise schädlich auf die Gesundheit von Kindern auswirken.


„Wir leben in vielen Bereichen auf Kosten der heutigen Kinder und zukünftiger Generationen. Die Ergebnisse des Berichts zeigen, dass auch in wohlhabenden Ländern Kinder unter Bedingungen aufwachsen, die krank machen, ihre Entwicklung beeinträchtigen und ihre Lebenschancen einschränken", so Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland.

„Die Bundesregierung sollte hier aufholen und kann beispielsweise die aktuelle G7-Präsidentschaft nutzen, um entscheidende Fortschritte beim Schutz des Klimas und der Umwelt zu bewirken – für Kinder und Jugendliche in Deutschland und weltweit.“

UNICEF fordert folgende Schritte zum Schutz und zur Verbesserung der Umwelt von Kindern:
1. Die Regierungen der untersuchten Länder müssen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene Abfälle sowie Luft- und Wasserverschmutzung reduzieren und für Kinder qualitativ hochwertige Wohnungen und eine Umgebung schaffen, in denen sie sich gut entwickeln und ihr Potential entfalten können. Dies gilt besonders für benachteiligte Kinder, die oft höheren Umweltbelastungen ausgesetzt sind.

2. Die Regierungen und politische Entscheidungsträger*innen der untersuchten Länder müssen dafür sorgen, dass die Bedürfnisse von Kindern in ihre Entscheidungsfindung einbezogen werden. Auf allen Ebenen, von den Eltern bis zu den Politiker*innen, müssen Kinder gehört und bei der Gestaltung von Maßnahmen, die sich auf künftige Generationen auswirken werden, berücksichtigt werden.


3. Die Regierungen der untersuchten Länder und Wirtschaftsunternehmen sollten sofort wirksame Maßnahmen ergreifen, um die von ihnen eingegangenen Verpflichtungen zur Verringerung der Treibhausgasemissionen bis 2050 einzuhalten. Die Anpassung an den Klimawandel sollte sowohl für Regierungen und die internationale Gemeinschaft hohe Priorität haben.


„Eine Frage von Leben und Tod“ 

UNICEF: Immer mehr schwer mangelernährte Kinder brauchen Hilfe. Doch die Kosten für lebensrettende Erdnusspaste steigen um 16 Prozent.

New York/Köln/Duisburg, 17. Mai 2022 - Die Zahl der Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung stieg bereits vor dem Krieg in der Ukraine. Jetzt droht die Welt noch tiefer in eine Ernährungskrise zu fallen, warnt UNICEF.  Der aktuelle UNICEF-Bericht “Schwere akute Mangelernährung: Eine tödliche Gefahr für Kinder“ (“Severe wasting: An overlooked child survival emergency”) warnt, dass sowohl die Zahl der betroffenen Kinder als auch die Kosten für therapeutische Zusatznahrung, die für ihre Behandlung benötigt werden, steigen.

© UNICEF/UN0602381/Ralaivita

In dieser Situation gefährden auch noch Mittelkürzungen von Regierungen lebenswichtige Hilfe für die bedrohten Kinder. "Bereits vor dem Krieg in der Ukraine hatten viele Familien aufgrund von Konflikten, Klimaschocks und den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie Schwierigkeiten, ihre Kinder zu ernähren", erklärte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell. Sie hatte sich zuletzt ein Bild von der dramatischen Lage am Horn von Afrika gemacht. "Die Welt wird mit Blick auf den Kampf gegen die Kindersterblichkeit und das Leid schwer mangelernährter Kinder immer mehr zu einem unkontrollierbaren Risiko.“ 

Bereits heute erhalten mindestens 10 Millionen Kinder weltweit – zwei von drei betroffenen Mädchen und Jungen – nicht die lebensrettende Behandlung mit therapeutischer Zusatznahrung, die sie für ihr Überleben benötigen. UNICEF warnt, dass das Zusammenwirken mehrerer Schocks die weltweite Ernährungssicherheit von Familien und Kindern bedroht. Dazu gehören die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine, die schwierige wirtschaftliche Erholung nach der Covid-19-Pandemie sowie anhaltende klimabedingte Dürreperioden in manchen Ländern. 

Die Kosten für lebensrettende therapeutische Zusatznahrung werden laut Prognosen in den kommenden sechs Monaten um bis zu 16 Prozent steigen, da die Preise wichtiger Zutaten in die Höhe schießen. Hierdurch könnte weiteren 600.000 Kindern pro Jahr der Zugang zu lebensrettender Behandlung verwehrt bleiben. Auch die Transport- und Lieferkosten werden voraussichtlich hoch bleiben. "Für Millionen von Kindern pro Jahr bedeutet die lebensrettende Erdnusspaste einen Unterschied zwischen Leben und Tod. Eine sechzehnprozentige Preiserhöhung mag im Kontext der globalen Lebensmittelmärkte überschaubar klingen.

Doch am Ende der Lieferkette steht die Verzweiflung eines mangelernährten Kindes ", sagte Catherine Russell. Wenn ein Kind im Verhältnis zu seiner Größe zu dünn ist und ein geschwächtes Immunsystem hat, spricht man von schwerer akuter Mangelernährung. Dies ist die unmittelbarste, sichtbarste und lebensbedrohlichste Form der Mangelernährung. Weltweit sind rund 13,6 Millionen Kinder unter fünf Jahren davon betroffen. Einer von fünf Todesfällen von Kindern in dieser Altersgruppe kann darauf zurückgeführt werden. 

Die Gesamtzahl der betroffenen Kinder ist nach wie vor am höchsten in Südasien. Rund eines von 22 Kindern ist dort betroffen, doppelt so viele Mädchen und Jungen wie in Afrika südlich der Sahara. Doch auch in anderen Regionen sind die Fallzahlen mancherorts so hoch wie noch nie. In Afghanistan beispielsweise werden in diesem Jahr voraussichtlich 1,1 Millionen Kinder an schwerer akuter Mangelernährung leiden, fast doppelt so viele wie im Jahr 2018. Die Dürre am Horn von Afrika bedeutet, dass die Zahl der betroffenen Kinder in der Region von 1,7 Millionen auf zwei Millionen ansteigen könnte.

In der Sahelregion droht ein Anstieg um 26 Prozent im Vergleich zu 2018.  Laut dem Bericht haben die Fallzahlen selbst in relativ stabilen Ländern wie Uganda seit 2016 um rund 40 Prozent oder mehr zugenommen. Zu den Ursachen gehören wachsende Armut sowie die unsichere Ernährungssituation vieler Familien, die dazu führt, dass sich die Qualität und die Menge der Nahrung für Kinder und Schwangere verschlechtert hat. Auch klimabedingte Schocks wie schwere Dürren und fehlender Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen tragen hierzu bei.

Der Bericht hebt hervor, dass die Ausgaben zur Prävention und Bekämpfung von schwerer Mangelernährung sehr niedrig sind und in den kommenden Jahren weiter gekürzt werden könnten. Im pessimistischsten Szenario werden sie bis 2028 nicht wieder das Niveau von vor der Pandemie erreichen. Die Ausgaben für solche Programme im Rahmen der weltweiten Entwicklungshilfe machen lediglich 2,8 Prozent der Gesamtausgaben für den Gesundheitssektor und 0,2 Prozent der gesamten Ausgaben für die internationale Zusammenarbeit aus. 

UNICEF ruft deshalb dazu auf:
- Die Regierungen sollten die weltweite öffentliche Entwicklungshilfe im Kampf gegen schwere Mangelernährung um mindestens 59 Prozent im Vergleich zu 2019 erhöhen, um jedes Kind in 23 Risikoländern zu erreichen.

-  Länder sollten die Behandlung schwerer Mangelernährung in ihre Finanzierungspläne für Gesundheits- und langfristige Entwicklungsprogramme aufnehmen, um alle betroffenen Kinder zu erreichen, nicht nur diejenigen in humanitären Krisensituationen. 

- Die von Geberländern zur Bewältigung der aktuellen Hungerkrise bereitgestellten Mittel sollten spezifische finanzielle Zusagen für therapeutische Spezialnahrung und andere Maßnahmen enthalten, um schwer akut mangelernährter Kinder zu retten. 

- Geber und zivilgesellschaftliche Organisationen müssen der flexiblen und langfristigen Finanzierung von Programmen zur Bekämpfung schwerer Mangelernährung mehr Priorität einräumen.

Tötungen von Kindern, leere Klassenzimmer, zerstörte Schulen: Das Schuljahr in der Ukraine endet tragisch

17 Prozent der von UNICEF unterstützten „Safe Schools“ in der Ostukraine beschädigt oder zerstört
Kiew/New York/Köln/Duisburg, 4. Mai 2022 - Mindestens jede sechste von UNICEF unterstützte Schule in der Ostukraine wurde seit Beginn des Krieges beschädigt oder zerstört, darunter auch die Schule 36 - die einzige „safe school" in Mariupol. Die Angriffe auf Schulen verdeutlichen die dramatischen Auswirkungen des Krieges auf das Leben und die Zukunft der Kinder.  

Allein in der vergangenen Woche wurden zwei Schulen durch Angriffe getroffen. Die beschädigten oder zerstörten Schulen – 15 von 89 – sind Teil des „Safe Schools“-Programms, das gemeinsam mit dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft in Reaktion auf Angriffe auf Kindergärten und Schulen im Donbas etabliert wurde, wo seit 2014 ein schwelender bewaffneter Konflikt herrscht.   

Seit dem Kriegsausbruch im Februar wurden Berichten zufolge Hunderte von Schulen in der Ukraine durch schwere Artillerie, Luftangriffe und andere explosive Waffen in Wohngebieten getroffen, während andere als Informationszentren, Schutzräume, Logistikzentren oder für militärische Zwecke genutzt werden. "Der Beginn des Schuljahres in der Ukraine war für die Kinder nach den pandemiebedingten Unterbrechungen ein Moment der Hoffnung", sagte Murat Sahin, Leiter von UNICEF in der Ukraine.

"Stattdessen wurden Hunderte von Kindern getötet und das Schuljahr endet wegen des Krieges und der Zerstörung von Bildungseinrichtungen mit geschlossenen Klassenzimmern." Für Kinder in Krisensituationen sind Schulen essentiell – sie sind ein sicherer Ort, an dem Kinder eine gewisse Normalität und Halt in schwierigsten Zeiten erfahren und sie stellen sicher, dass Kinder nicht ein Leben lang den Preis für verpasste Bildungschancen zahlen müssen. Bildung kann auch lebensrettend sein – sie verschafft Kindern Zugang zu Informationen über die Risiken tödlicher Sprengkörper und vermittelt ihnen und ihren Eltern den Kontakt zu wichtigen medizinischen und psychosozialen Diensten.

"Zugang zu Bildung kann für Millionen von Kindern den Unterschied zwischen Hoffnung und Verzweiflung ausmachen", sagte Sahin. "Dies ist entscheidend für ihre Zukunft und die der ganzen Ukraine."
Gemeinsam mit seinen Partnern setzt UNICEF alles daran, so vielen Kindern wie möglich sichere und angemessene Lernmöglichkeiten zu bieten:

- Die vom Ministerium für Bildung und Wissenschaft mit Unterstützung von UNICEF entwickelte "All Ukrainian Online Education Platform" erreicht über 80.000 Schüler*innen der 5. bis 11. Klasse, die innerhalb der Ukraine auf der Flucht sind.

- In Dutzenden von U-Bahn-Stationen in Charkiw, wo zahlreiche Kinder Zuflucht gesucht haben, haben von UNICEF unterstützte freiwillige Helfer*innen Kinderbereiche eingerichtet, wo Lehrkräfte und Psycholog*innen regelmäßig mit den Kindern zusammenkommen-Die digitale Kindergartenplattform 'Numo', die von UNICEF und dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft unterstützt wird, erhält regelmäßig Hunderttausende von Aufrufen.

- Eine von UNICEF und dem Katastrophenschutz der Ukraine entwickelte digitale Kampagne zur Aufklärung über die Gefahren von Blindgängern (EORE) hat online bereits acht Millionen User erreicht.

- Rund 250.000 Kinder wurden von UNICEF in Notunterkünften, U-Bahn-Stationen und an anderen Orten, an denen Kinder Zuflucht suchen, mit Lernmaterialen versorgt.  

- UNICEF unterstützt die Regierungen und Gemeinden in den Nachbarländern dabei, geflüchtete Kinder in die nationalen Schulsysteme einzugliedern und ihnen alternative Bildungswege anzubieten, einschließlich digitaler Lernangebote. "Trotz des Horrors des Krieges wurde unglaubliche Arbeit geleistet, um sicherzustellen, dass Kinder weiter lernen können", sagte Sahin.

"Letztendlich müssen die Kämpfe jedoch aufhören, damit die Klassenzimmer wiederaufgebaut und die Schulen wieder zu sicheren Orten werden können, an denen das Lernen Spaß macht." Kinder und Schulen müssen im Einklang mit dem humanitären Völkerrecht jederzeit geschützt werden. Die Konfliktparteien müssen jegliche Maßnahmen ergreifen, um den Einsatz von Explosivwaffen in Wohngebieten sowie die militärische Nutzung von Bildungseinrichtungen zu vermeiden.

© UNICEF 2022 UNICEF GWA Orlando Bloom visits Ukrainian refugees in Moldova - 2022

 

Statement von Murat Sahin, Leiter von UNICEF in der Ukraine, zum Angriff auf den Bahnhof in Kramatorsk

Ukraine Lwiw/Köln, 8. April 2022 - „Wir verurteilen den heutigen Anschlag auf den Bahnhof in Kramatorsk in der Ukraine aufs Schärfste. Noch wissen wir nicht, wie viele Kinder bei dem Anschlag getötet und verletzt wurden, aber wir befürchten das Schlimmste. Der Bahnhof von Kramatorsk ist Drehkreuz für Tausende von Familien, die aus der Region Donezk, die besonders stark durch den Krieg betroffen ist, in sicherere Gebiete der Ukraine fliehen. Noch heute hat UNICEF medizinische Ausrüstung und Hilfsgüter in Kramatorsk entladen.


Unicef-Foto vom 9. April unter einer zerstörten Brücke in Irpin


In der vergangenen Woche hat UNICEF rund 50 Tonnen lebensrettende Hilfsgüter wie Medikamente, Wasser und Hygienesets nach Kramatorsk geliefert, um auf die sich rapide verschlechternde humanitäre Lage im Osten des Landes zu reagieren. Das UNICEF-Team war gerade dabei, lebensrettende Hilfsgüter an das regionale Gesundheitsamt zu liefern, das sich einen Kilometer vom Bahnhof entfernt befand, als der Anschlag verübt wurde. Die Zivilbevölkerung, insbesondere Kinder, müssen geschützt werden. Das Töten von Kindern muss sofort aufhören.“

 

30 Jahre Kinderrechte in Deutschland – UNICEF zieht Bilanz

Politik in Deutschland muss das Wohl von Kindern endlich in den Mittelpunkt stellen

Köln/Duisburg, 04. April 2022 - Vor 30 Jahren – am 5. April 1992 – ist in Deutschland die UN-Konvention über die Rechte des Kindes in Kraft getreten. Seitdem wurden zwar entscheidende Fortschritte für Kinder erreicht, für zu viele Kinder bleiben aber zahlreiche Kinderrechte weiter außer Reichweite – so UNICEF Deutschland. Schwerwiegend wirken sich insbesondere Kinderarmut, ungleiche Bildungschancen und die Erfahrung von Gewalt auf die Lebenssituation und das Wohlbefinden von Kindern aus. Defizite bei der Verwirklichung der Kinderrechte bestehen in Deutschland zudem bei der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen.

© UNICEF/UNI331931/Bänsch

Die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz ist bis heute nicht gelungen. „Ohne jeden Zweifel hat die Kinderrechtskonvention eine positive Schubkraft ausgelöst, viel wurde in den vergangenen 30 Jahren für Kinder erreicht. Die Anstrengungen haben aber nicht ausgereicht. Denn bis heute werden zahlreiche Kinderrechte in unserem Land nicht für jedes Kind verwirklicht“, sagt Georg Graf Waldersee, Vorstandsvorsitzender von UNICEF Deutschland.


„Angesichts der Krisen, die wir erleben, dürfen die Interessen der Kinder nicht noch weiter aus dem Blick geraten. Deshalb muss die Politik das Wohl von Kindern endlich in den Mittelpunkt stellen. Im Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung wichtige Ansätze formuliert, um das Leben von Kindern und Jugendlichen in Deutschland zu verbessern, dazu zählt nicht zuletzt die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz. Diese politischen Vorhaben müssen nun schnell und umfassend umgesetzt werden. Dabei muss die Bundesregierung auch ihrer globalen Verantwortung für die Verwirklichung der Kinderrechte nachkommen.“ 

Fortschritte und Lücken bei der Umsetzung der Kinderrechte in Deutschland Durch die Kinderrechte haben sich das Verständnis für Kinder und der Blick auf die Kindheit als entscheidende Phase im Leben eines jeden Menschen in Deutschland geschärft. Wichtige gesetzliche Reformen, mehr Investitionen und die Arbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen haben das Aufwachsen junger Menschen verbessert. Dennoch stehen in Deutschland weiterhin viele Kinder vor großen Herausforderungen. 

 
Strukturelle Umsetzung der Kinderrechte: In Deutschland fehlen nach wie vor Strukturen, um die Kinderrechte und die Perspektive von Kindern und Jugendlichen in Politik und Verwaltung zu verankern. Nötig wären dazu umfassendere Daten zur Situation von Kindern, die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz, zusätzliche Kinderbeauftragte sowie Beschwerdestellen für Kinder und eine systematische Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. 

Kinderarmut: 2019 wuchsen in Deutschland 1,48 Millionen Kinder unter 16 Jahren in relativer Armut auf. Dies entspricht einer Armutsgefährdungsquote nach Sozialleistungen von 12 Prozent. Dies bedeutet zwar einen leichten Rückgang um 2,6 Prozentpunkte im Vergleich zu 2014, trotzdem bleibt die Zahl der Kinder, die von relativer Kinderarmut betroffen sind, hoch. Bestimmte Gruppen wie die Kinder von alleinerziehenden Elternteilen und geflüchtete und migrierte Kinder haben weiterhin ein stark erhöhtes Armutsgefährdungsrisiko. Die Covid-19-Pandemie droht dieses Problem zu verschärfen.  
Gewalt gegen Kinder: Das im Jahr 2000 in Kraft getretene Gesetz zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung hat dazu beigetragen, die körperliche und psychische Gewalt gegen Kinder zurückzudrängen. Doch trotz dieser positiven Entwicklung zeigt eine aktuelle Studie der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie Ulm, UNICEF Deutschland und des Deutschen Kinderschutzbundes, dass jede*r Zweite noch immer der Auffassung ist, dass ein Klaps auf den Hintern noch keinem Kind geschadet habe. Jede*r Sechste hält es sogar für angebracht, ein Kind zu ohrfeigen. Zudem leiden weiterhin viele Kinder in Deutschland unter sexueller Gewalt. 


Bildung: Zu den wichtigsten Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte gehören der im Kinder- und Jugendhilfegesetz festgehaltene Anspruch von Kindern auf den Besuch einer Tageseinrichtung sowie der Ausbau der Ganztagsbetreuung. Die Covid-19-Pandemie hat allerdings aufgezeigt, dass die personelle, technische und finanzielle Ausstattung von Schulen nach wie vor unzureichend ist – insbesondere im Bereich der Digitalisierung. Weiterhin besteht die Herausforderung, dass der Bildungserfolg von Kindern häufig von ihrer sozialen Herkunft abhängt. Dies betrifft insbesondere geflüchtete und migrierte Kinder. 

Beteiligung: Viele Schulen, Städte und Gemeinden haben zwar bereits Kinderparlamente eingerichtet. Trotzdem werden Kinder und Jugendliche nicht überall und vor allem oft nicht systematisch beteiligt. Die Covid-19-Pandemie hat gezeigt, dass Kinder und junge Menschen bei wichtigen gesellschaftlichen und politischen Prozessen mehr gehört werden müssen.

Politik muss sich stärker am Wohl von Kindern orientieren
Anlässlich des 30. Jahrestags der Kinderrechte in Deutschland appelliert UNICEF an die Politik in Bund, Ländern und Kommunen, sich in den nächsten Jahren klar und noch stärker als bislang am Wohl von Kindern und an der Verwirklichung ihrer Rechte zu orientieren. Aus Sicht von UNICEF Deutschland muss unter anderem sichergestellt werden, dass: die Kinderrechte im Grundgesetz umfassend festgeschrieben werden.  Kinderarmut und soziale Ausgrenzung nachhaltig bekämpft werden.


Dazu gehören die Einführung einer Kindergrundsicherung und die Umsetzung der sogenannten EU-Kindergarantie, mit der die am meisten benachteiligten Kinder unterstützt werden sollen. die Bundesländer weiter stark in den Ausbau der Kitas und Schulen sowie der Ganztagsbetreuung investieren und dabei auf qualitativ hochwertige Bildungsangebote insbesondere für benachteiligte Kinder setzen. Erforderlich sind vor allem umfassende Mittel für mehr Personal und dessen Qualifizierung. Gewalt gegen Kinder niemals hingenommen und insbesondere das Bewusstsein für psychische Gewalt und ihre gravierenden Folgen geschärft wird.


Dazu sind nachhaltige Aufklärungskampagnen und gezielte Prävention notwendig. Kinder und Jugendliche als Expert*innen für ihre eigene Situation und ihre Belange anerkannt werden. Sie sollten umfassend und nachhaltig zu allen Angelegenheiten gehört werden, die sie betreffen. Deutschland seiner globalen Verantwortung nachkommt und weltweit einen wesentlichen Beitrag zur Verwirklichung der Kinderrechte leistet. Service für Redaktionen: Deutschland und die UN-Kinderrechtskonvention 1990 unterzeichnete die Bundesrepublik Deutschland als einer der ersten Staaten der Welt die Konvention über die Rechte des Kindes.


Am 5. April 1992 trat die UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland in Kraft.
2010 nahm die damalige Bundesregierung die bei der Unterzeichnung erklärten Vorbehalte zurück. Seitdem ist das Übereinkommen uneingeschränkt gültig. Mit der Ratifizierung der UN-Kinderrechtskonvention hat sich Deutschland auch verpflichtet, über die Fortschritte bei der Umsetzung der Kinderrechte regelmäßig Bericht zu erstatten. Der fünfte und sechste Staatenbericht Deutschlands werden im Herbst 2022 vom Kinderrechtsausschuss der Vereinten Nationen in Genf behandelt. 

 

„Kinder in Afghanistan brauchen weiter dringend Hilfe“
UNICEF Deutschland zur internationalen Geberkonferenz am 31. März

Duisburg, 31. März 2022 - Anlässlich der heute virtuell stattfindenden Geberkonferenz für Afghanistan ruft UNICEF Deutschland die internationale Gemeinschaft dazu auf, ihre Hilfe für die Kinder im Land fortzusetzen und auszuweiten. In den vergangenen Monaten hat sich die humanitäre Lage der Kinder weiter dramatisch verschärft. Rund 13 Millionen Kinder benötigen dringend humanitäre Hilfe. Jedes zweite Kind leidet an akuter Mangelernährung: mehr als eine Million Mädchen und Jungen sind so schwer mangelernährt, dass ihr Leben in Gefahr ist.

Immer mehr Kinder erkranken an Masern Millionen Kinder, insbesondere Mädchen, laufen Gefahr, langfristig nicht zur Schule gehen zu können. Fast die gesamte Bevölkerung lebt in Armut. „Wir stehen an einem kritischen Punkt für Kinder in Afghanistan,“ sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. „Wir dürfen sie jetzt nicht allein lassen, sondern müssen alles dafür tun, um Leben zu retten und ihnen eine Perspektive für die Zukunft zu geben. Die lebenswichtige Grundversorgung der Mädchen und Jungen muss dringend aufrechterhalten werden.“

Die anhaltende Wirtschaftskrise, Armut, Hunger, die Covid-19 Pandemie und eine schwere Dürre wirken sich auf alle Lebensbereiche der Kinder aus. Dadurch steigt das Risiko, dass immer mehr Kinder arbeiten müssen oder verheiratet werden. 


UNICEF benötigt in diesem Jahr zwei Milliarden US-Dollar, um die dringendste humanitäre Hilfe in Afghanistan zu leisten. Allein im vergangenen Monat hat UNICEF unter anderem 31.000 schwer mangelernährte Kinder behandelt, rund 67.000 Kinder mit Masernimpfungen erreicht, für sauberes Trinkwasser gesorgt und die grundlegende Gesundheitsversorgung unterstützt. UNICEF sorgt dafür, dass Kinder in Gemeindeschulen lernen können, verteilt Lehr- und Schulmaterial und unterstützt die Ausbildung des Lehrpersonals, insbesondere von Lehrerinnen. Die Bundesregierung, die unter anderem die internationale Geberkonferenz mit ausrichtet, gehört zu den wichtigsten Unterstützern der UNICEF-Hilfe in Afghanistan.

 

Golf Benefizturnier zur Unterstützung der Ukraine Flüchtlinge  

Duisburg, 23. März 2022 - Am Samstag, 2. April startet ab 10 Uhr im Golfrevier, Ardesstraße 82 in Duisburg-Röttgersbach, ein Benefizturnier zur Unterstützung der Flüchtlinge aus der Ukraine. Neben dem Golfturnier, gibt es ein attraktives Rahmenprogramm, mit großer Tombola, DJ, Kuchen- und Grillstand, vegetarische Speisen, Hüpfburg, XL Golf-Dartscheibe, verschiedene Verkaufsstände mit hand-made Produkten und einem Karikaturisten.  
Für Nicht-Golfer gibt darüber hinaus die Möglichkeit den Golfsport kennen zu lernen. Die Einnahmen gehen zu 100% an Unicef Hilfe für Flüchtlingskinder.

„Zutiefst dankbar für die große Unterstützung durch die deutsche Bundesregierung“

Neue UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell zu Gesprächen in Deutschland

Berlin/Duisburg, den 18. März 2022 - Die Lage von Kindern und Jugendlichen in Afghanistan, der Ukraine sowie notwendige Investitionen in die Resilienz der ärmsten Familien standen im Mittelpunkt der Gespräche der neuen UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell bei ihrem ersten Besuch in Deutschland. Bei ihrem Aufenthalt in Berlin führte sie unter anderem offizielle Gespräche mit Wolfgang Schmidt, Chef des Bundeskanzleramtes, Svenja Schulze, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, sowie Annalena Baerbock, Bundesministerin des Auswärtigen. Darüber hinaus sprach sie mit dem Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie dem Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe im deutschen Bundestag. Bei den Treffen ging es auch um die weitere Zusammenarbeit zwischen dem UN-Kinderhilfswerk und der deutschen Bundesregierung. 

© UNICEF/UN0605706/Debebe / UN Photo

Catherine Russell betonte zum Ende ihres Besuchs: „Konflikte wie wir sie in der Ukraine, im Jemen, in Afghanistan und Syrien erleben, Krisen im Zusammenhang mit dem Klimawandel und die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie bedrohen das Leben und die Zukunft von Millionen von Kindern. In vielen Ländern sind heute hart erkämpfte Fortschritte gefährdet – etwa beim Kampf gegen die Kindersterblichkeit, beim Impfschutz, bei der Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung sowie bei der Bildung. Ich bin zutiefst dankbar für die große Unterstützung der Bundesregierung, um das Leben der am stärksten gefährdeten Kinder zu verbessern.“


Im Jahr 2021 hat die Bundesregierung für die internationale Programmarbeit von UNICEF rund 723,25 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Damit war Deutschland weltweit eine der wichtigsten Stützen der UNICEF-Arbeit und nach den USA der zweitgrößte Geber. Der Großteil der Mittel wurde vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bereitgestellt. Ein Schwerpunkt ist die Stärkung der Grundversorgung und der Widerstandskraft der ärmsten Kinder und Familien in fragilen Kontexten im Nahen Osten, in Regionen Afrikas sowie der Kampf gegen die Covid-19-Pamdemie. Darüber hinaus unterstützt das Auswärtige Amt die UNICEF-Hilfe für Kinder in humanitären Notlagen und sogenannten vergessenen Krisen. 

Catherine Russell: „Armut, Instabilität und Krieg fordern den größten Tribut von Kindern. Insbesondere Mädchen und Frauen brauchen Schutz und Unterstützung, wie wir gerade in der Ukraine sehen. Bei allen meinen Gesprächen mit der Bundesregierung herrschte die Überzeugung vor, dass wir rasch gemeinsame humane Antworten hierauf geben müssen und können. Aber wir müssen nicht nur auf Notfälle und Krisen reagieren. Wir müssen auch nachhaltig in Systeme  investieren, die Resilienz aufbauen und nachhaltige Entwicklung unterstützen. Ich freue mich über das Bekenntnis der Bundesregierung, mit UNICEF gemeinsam die Rechte aller Kinder zu schützen."

Catherine Russell trat am 1. Februar 2022 ihr Amt an. Sie ist die vierte Frau an der Spitze in der 75-jährigen Geschichte des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen. Ihre ersten Reisen in UNICEF-Programme führten sie nach Pakistan, Afghanistan sowie nach Rumänien an die Grenze zur Ukraine.

 

- 11 Jahre Krieg in Syrien: Kinder leider weiter unter Gewalt und Traumata
- UNICEF:Sseit 2011 rund 13.000 Kinder getötet oder verletzt

Damaskus/Köln/Duisburg, 15. März 2022 - Elf Jahre nach Beginn des Krieges in Syrien wird das Leben der Kinder weiterhin durch Gewalt, Vertreibung, traumatische Erlebnisse und fehlenden Zugang zu Bildung und anderen grundlegenden Dienstleistungen beeinträchtigt. Trotz des Rückgangs der Kämpfe sind Kinder in Syrien tagtäglich weiterhin großen Gefahren für Leib und Leben ausgesetzt. So wurden allein gestern Berichten zufolge drei Kinder durch nicht explodierte Sprengkörper in Aleppo getötet.

© UNICEF/UN0603129/Belal

Im vergangenen Jahr wurden fast 900 Kinder in Syrien gewaltsam getötet oder verletzt – diese Zahlen beziehen sich nur auf Fälle, die von den Vereinten Nationen überprüft und verifiziert werden konnten.  „In elf Jahren Syrienkrieg wurden rund 13.000 Mädchen und Jungen getötet oder verletzt – das sind durchschnittlich drei Kinder jeden Tag. Wir dürfen und wir werden die Not der syrischen Kinder angesichts der vielen anderen Krisen nicht vergessen und ihnen weiter zur Seite stehen. UNICEF bleibt ein verlässlicher Partner von allen Kindern in Konflikt- und Krisenländern – überall auf der Welt“, sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. 

Landminen, explosive Kriegsmunitionsrückstände und nicht explodierte Sprengkörper waren 2021 die Hauptursachen für die Todesfälle oder schweren Verletzungen von Kindern. Viele Mädchen und Jungen tragen hierdurch lebenslange Behinderungen davon. Schätzungsweise jede dritte Ortschaft in Syrien ist durch explosive Rückstände kontaminiert. Zu den körperlichen Wunden kommen psychische Verletzungen.

Im vergangenen Jahr zeigte ein Drittel der Kinder in Syrien Anzeichen von psychischen Problemen wie Angst, Traurigkeit, Müdigkeit oder Schlafstörungen. „Seit Beginn des Krieges im Jahre 2011 sind in Syrien fast fünf Millionen Kinder geboren worden. Sie kennen nichts Anderes als Krieg und Konflikt. In vielen Teilen Syriens leben sie weiterhin in Angst vor Gewalt, vor Landminen und explosiven Überresten des Krieges“, sagte der Leiter von UNICEF Syrien, Bo Viktor Nylund. 

Situation der syrischen Kinder im Überblick:
- Seit 2011 wurden mindestens 6.850 Kinder getötet und 6.010 weitere schwer verletzt. 
- Über 7.000 Minderjährige wurden seit 2011 als Kindersoldat*innen rekrutiert und eingesetzt. 
- Die Vereinten Nationen haben seit 2011 über 770 Angriffe auf Bildungseinrichtungen oder –personal sowie 700 Fälle verifiziert, in denen Gesundheitseinrichtungen angegriffen oder für militärische Zwecke missbraucht wurden. 
- Durch den Konflikt, eine Wirtschaftskrise sowie die Covid-Pandemie leben mittlerweile 90 Prozent der Menschen in Syrien in Armut. 
- Mehr als 6,5 Millionen Kinder in Syrien brauchen humanitäre Hilfe – ein Anstieg um sieben Prozent im vergangenen Jahr. 
- Mehr als drei Millionen syrische Kinder gehen nicht zur Schule.
-  Fast 2,8 Millionen Mädchen und Jungen sind in die Nachbarländer geflohen. In ganz Syrien und in den Nachbarländern leisten UNICEF und seine Partner weiter Hilfe, um Kinder zu schützen und ihnen zu helfen, die Auswirkungen des Konflikts zu bewältigen.

Im vergangenen Jahr hat UNICEF in Syrien 11,3 Millionen Menschen, darunter 7,3 Millionen Kinder, mit humanitärer Hilfe erreicht. Unter anderem haben UNICEF und Partner über 220.000 Mädchen und Jungen mit psychosozialer Hilfe in Kinderzentren und durch mobile Teams unterstützt. 874.000 Kinder und 176.000 Eltern wurden über die Gefahren von Landminen und Blindgängern aufgeklärt. 

Das Programm für Kinder mit Behinderungen kam im vergangenen Jahr 11.639 Mädchen und Jungen zugute. UNICEF unterstützt Schulen, die integratives Lernen fördern und hilft bedürftigen Familien durch regelmäßige kleine Bargeldbeträge und Betreuung durch persönliche Fallmanager*innen im Rahmen eines integrierten Sozialschutzprogramms.

„Wir haben noch einen langen Weg vor uns, um mehr Kindern mit Behinderungen und anderen vom Krieg betroffenen Kindern zu helfen, damit sie ihr volles Potenzial ausschöpfen und vor Schaden geschützt, gesund und gebildet aufwachsen können“, sagte der UNICEF-Vertreter Bo Nylund.

 

- UNICEF: Schutz und Hilfe für Kinder aus der Ukraine – jetzt!
- Kinder dürfen dieser Brutalität nicht einen Tag ausgesetzt sein.

Köln/Duisburg, 10. März 2022 - UNICEF Deutschland dankt den Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern für ihre große Solidarität mit den Kindern und Familien aus der Ukraine. Die großzügigen Spenden ermöglichen, in dieser dramatischen Situation rasch und flexibel lebenswichtige humanitäre Hilfe zu leisten. UNICEF und seine Partner sind in der Ukraine rund um die Uhr im Einsatz, um auf den rapide steigenden Bedarf an humanitärer Hilfe zu reagieren und trotz der Kämpfe eine Versorgungskette auszubauen.

© UNICEF/UN0599229/Moldovan

An den Grenzübergängen zu den Nachbarländern werden sogenannte „Blue Dots“-Anlaufstellen für Kinder und Frauen eingerichtet, unter anderem in Rumänien, Polen und der Republik Moldau. „Was den Kindern in der Ukraine widerfährt, ist unerträglich. In nur zwei Wochen mussten über eine Million Kinder wegen der Angriffe ihr Zuhause verlassen, um sich mit ihren Müttern oder Großmüttern in den Nachbarländern in Sicherheit zu bringen.

Kinder dürfen dieser Brutalität nicht einen Tag ausgesetzt sein. Wo immer es möglich ist, unterstützt UNICEF in der Ukraine Städte und Gemeinden, Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten und zivilgesellschaftliche Organisationen, um die Grundversorgung der Kinder sicherzustellen,“ sagt Georg Graf Waldersee, Vorsitzender UNICEF Deutschland. Die Lage der Kinder in Ukraine verschlechtert sich mit jedem Tag. In weniger als zwei Wochen sind mindestens 37 Kinder getötet und 50 verletzt worden. Die tatsächlichen Opferzahlen werden viel höher sein, konnten aber bisher nicht überprüft werden. In Kiew sind diese Woche kranke Kinder gestorben, da es nicht möglich war, sie in ein Krankenhaus zu bringen. 

„Von unseren Kollegen in der Ukraine erhalten wir erschütternde Berichte. Frauen müssen in den Kellern von Krankenhäusern entbinden, ohne verlässliche Stromversorgung und ohne Heizung, während draußen gekämpft wird. So sollte kein Kind auf die Welt kommen“, sagte Georg Graf Waldersee. Immer häufiger stehen Wohnhäuser, Schulen, Waisenhäuser und Krankenhäuser unter Beschuss. Berichte über einen Angriff auf eine Geburtsklinik in Mariupol unterstreichen den schrecklichen Tribut, den dieser Krieg von den Kindern und Familien fordert.

Bis zum 7. März wurden 211 Schulen beziehungsweise Bildungseinrichtungen getroffen. Lebensmittel, Medikamente und andere notwendige Dinge wie Windeln werden immer knapper. Hunderttausende Menschen sind ohne Wasser und Strom. 

So hilft UNICEF in der Ukraine UNICEF arbeitet seit vielen Jahren in der Ukraine und auf beiden Seiten der früheren sogenannten Kontaktlinie in der Ostukraine. In der aktuellen Situation wird die humanitäre Hilfe ausgeweitet. Derzeit sind 135 UNICEF-Kolleg*innen im Einsatz. Sie leisten in den Städten und Gemeinden lebensrettende Hilfe auf Basis der humanitären Grundprinzipien von Neutralität, Unparteilichkeit, Menschlichkeit und Unabhängigkeit.


- In dieser Woche hat UNICEF lebenswichtige medizinische Güter an fünf Geburtskliniken in Kiew und der Region Kiew geliefert. Fünf LKW-Ladungen mit medizinischem Gerät werden dort derzeit an 20 Krankenhäuser verteilt.
- Im Osten des Landes verteilt UNICEF Trinkwasser und hilft bedürftigen Familien mit Dingen des alltäglichen Bedarfs wie Hygieneartikeln oder Reinigungsmitteln. UNICEF unterstützt die Behörden dabei, Schäden an der Wasserversorgung zu reparieren.
- Die Schulen im Land sind alle geschlossen, doch UNICEF setzt sich für mobilen Unterricht ein, um den Kindern Orientierung und ein Stück Normalität zu geben. Für geflüchtete Kinder innerhalb der Ukraine stellt UNICEF den Einrichtungen Spiel- und Lernmaterial bereit.
- UNICEF unterstützt Schutzmaßnahmen für Kinder, die evakuiert werden. Ein Chat Bot informiert, was zu tun ist, wenn unbegleitete Kinder aufgefunden werden oder was Eltern tun können, wenn sie ihr Kind aus den Augen verloren haben.
- UNICEF hilft auch, die Evakuierung von Kindern aus Heimen zu überwachen.

- Von UNICEF unterstützte mobile Teams leisten psychosoziale Hilfe für traumatisierte Kinder. Diese mobilen Kinderschutzteams helfen Kindern, die von Gewalt oder Missbrauch betroffen sind oder von ihren Familien getrennt wurden. Die Telefonhotline einer Partnerorganisation leistet psychologische Erste Hilfe.
- An den Grenzen und in den Nachbarländern Polen, Rumänien, Belarus, Ungarn, Slowakei und Republik Moldau richtet UNICEF gemeinsam mit Partnern Anlaufstellen für Frauen und Kinder ein. Hier erhalten sie Unterstützung und wichtige Informationen.

 

Ukraine: Unbegleitete und von ihren Familien getrennte Kinder auf der Flucht schützen

Gemeinsames Statement von UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell und UN-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi

© UNICEF/UN0599555/Moldovan

New York/Köln/Duisburg, 07. März 2022 - "In der vergangenen Woche sind mehr als eine Million Menschen auf der Suche nach Sicherheit und Schutz aus der Ukraine geflohen – darunter hunderttausende Kinder. Viele dieser Kinder sind allein auf der Flucht oder wurden von ihren Eltern oder Familienangehörigen getrennt. Kinder ohne elterliche Fürsorge sind einem erhöhten Risiko von Gewalt, Missbrauch und Ausbeutung ausgesetzt. Wenn sie Landesgrenzen überqueren, vervielfältigt sich dieses Risiko. In Notsituationen steigt zudem das Risiko, dass Kinder Opfer von Menschenhandel werden.
UNICEF und UNHCR fordern alle Nachbar- und betroffenen Länder auf, unbegleitete und von ihren Familien getrennte Kinder, die aus der Ukraine fliehen, sofort zu identifizieren und zu registrieren, sobald sie ihr Hoheitsgebiet betreten haben. Staaten sollten unmittelbar nach Überquerung der Grenzen sichere Orte für Kinder und Familien zur Verfügung stellen und diese mit ihren bestehenden nationalen Kinderschutzsystemen verknüpfen.

Die aktuelle Notsituation erfordert zudem, dass die Kapazitäten von Notbetreuungsangeboten mit dafür berechtigtem Personal sowie andere wichtige Dienste zum Schutz von Kindern ausgeweitet werden, wie der Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt sowie der Zusammenführung mit ihren Familien.  

Für Kinder, die die Grenzen allein überquert haben bietet die vorübergehende Unterbringung in einer Pflegefamilie oder eine andere gemeindenahe Betreuung im Rahmen der öffentlichen sozialen Schutzsysteme notwendigen Schutz. Von Adoptionen sollte während oder unmittelbar nach Krisen und Katastrophen abgesehen werden. Es sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um Kinder wieder mit ihren Familien zusammenzuführen, wo dies im besten Interesse des Kindes ist. Fast 100.000 Kinder in der Ukraine leben in Heimen und Internaten - die Hälfte von ihnen sind Kinder mit Behinderungen.

Viele dieser Kinder haben Verwandte oder Erziehungsberechtigte. Wir haben Berichte über Einrichtungen erhalten, die versuchen, Kinder in Nachbar- oder anderen Ländern in Sicherheit zu bringen. Wir erkennen an, dass humanitäre Evakuierungen unter bestimmten Umständen lebensrettend sein können, und begrüßen Bemühungen, Kinder in Sicherheit zu bringen, doch ist es von entscheidender Bedeutung, dass besondere Maßnahmen im besten Interesse der Kinder ergriffen werden und dass die Zustimmung ihrer Eltern oder der für sie verantwortlichen Personen eingeholt wird.

Unter keinen Umständen dürfen Familien bei Umverteilungsmaßnahmen oder Evakuierungen getrennt werden. Diejenigen, die rechtlich für Kinder in ukrainischen Einrichtungen verantwortlich sind, müssen sicherstellen, dass Evakuierungen im Einklang mit den Anweisungen der nationalen Behörden durchgeführt werden. Sie müssen den zuständigen Behörden in der Ukraine und in den Nachbarländern unmittelbar nach dem Überschreiten der Grenze gemeldet werden, und soweit möglich, sollten die Kinder mit ihren Ausweispapieren und Personalakten evakuiert werden.

UNHCR und UNICEF sind dankbar für die Solidarität und die Bereitschaft der Staaten, unbegleitete und von ihren Familien getrennte Kinder durch zukünftige Relocation-Programme zu unterstützen. Gleichzeitig muss daran erinnert werden, dass unbegleitete und von ihren Eltern getrennte Kinder besonders schutzbedürftig sind und dass ihre unmittelbaren Bedürfnisse und ihre Sicherheit dort, wo sie sich befinden, kurzfristig Vorrang haben müssen, während mittel- bis langfristige Lösungen im besten Interesse des Kindes gefunden werden. UNHCR und UNICEF arbeiten zusammen, um die nationalen Behörden beim Schutz der Kinder zu unterstützen und sicherzustellen, dass ihre Sicherheit und ihr Schutz im Mittelpunkt aller Maßnahmen stehen."

 

UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine M. Russel zur aktuellen Situation der Kinder in der Ukraine

New York/Köln/Duisburg, 24. Februar 2022 - „UNICEF ist zutiefst besorgt, dass die sich verschärfenden Feindseligkeiten in der Ukraine das Überleben und das Wohlergehen der 7,5 Millionen Kinder des Landes unmittelbar bedrohen. Der schwere Beschuss von Gebieten entlang der sogenannten Kontaktlinie hat in den vergangenen Tagen bereits dazu geführt, dass die Wasserinfrastruktur sowie Bildungseinrichtungen beschädigt wurden.

Wenn die Kampfhandlungen nicht aufhören, könnten Zehntausende Familien aus ihrem Zuhause vertrieben werden. Dies würde die humanitäre Lage dramatisch verschärfen. UNICEF weitet die lebensrettende Hilfe für Kinder in der Ostukraine weiter aus. UNICEF bringt mit Lastwagen Trinkwasser, stellt Medikamente und medizinische Ausrüstung, Hygieneprodukte und Schulmaterialien zur Verfügung und arbeitet mit den Gemeinden zusammen, damit Kinder schnell humanitäre Hilfe bekommen.

Mobile Teams, die von UNICEF unterstützt werden, leisten psychosoziale Hilfe für Kinder, die von der anhaltenden Unsicherheit traumatisiert sind. Die vergangenen acht Jahre des Konflikts haben den Kindern auf beiden Seiten der Kontaktlinie schweren und dauerhaften Schaden zugefügt. Sie brauchen dringend Frieden, und zwar jetzt.

UNICEF schließt sich der Aufforderung des UN-Generalsekretärs zu einem sofortigen Waffenstillstand an und fordert alle Akteure auf, ihren internationalen Verpflichtungen zum Schutz der Kinder nachzukommen und dafür zu sorgen, dass humanitäre Organisationen Kinder in Not sicher und schnell erreichen können. Darüber hinaus ruft UNICEF zum Schutz der grundlegenden zivilen Infrastruktur aus, auf die Kinder angewiesen sind - einschließlich der Wasser- und Abwassersysteme, Gesundheitseinrichtungen und Schulen."

 

Trotz Verbot: Zehntausende Jungen und Mädchen als Kindersoldaten und -soldatinnen missbraucht
Red Hand Day am 12. Februar/ 20 Jahre Verbot des Einsatzes von Kindersoldat*innen

Köln, den 11. Februar 2022 - Auch 20 Jahre nach dem Verbot des Einsatzes von Minderjährigen als Soldat*innen werden nach Einschätzung von UNICEF in Konfliktländern weiterhin zehntausende Mädchen und Jungen rekrutiert und eingesetzt. Anlässlich des morgigen Welttags gegen den Einsatz von Kindersoldaten und -soldatinnen („Red Hand Day“) ruft UNICEF Regierungen dazu auf, diese schwere Kinderrechtsverletzung zu stoppen und Programme zur Unterstützung der betroffenen Kinder und Jugendlichen zu stärken.

© UNICEF/UN0149463/Sokhin

Vor 20 Jahren, am 12. Februar 2002, trat das „Fakultativprotokoll zu dem Übereinkommen über die Rechte des Kindes, betreffend die Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten“ in Kraft. Bis heute haben 172 Staaten diese völkerrechtliche Vereinbarung ratifiziert, darunter Deutschland im Jahr 2004. 

 „Kinder dürfen niemals zu Soldatinnen und Soldaten gemacht werden. Konfliktparteien müssen sie immer schützen“, sagt Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. „Angesichts des erschreckenden Ausmaßes schwerer Kinderrechtsverletzungen im Krieg und des andauernden Missbrauchs von Mädchen und Jungen als Soldatinnen und Soldaten ist die Umsetzung des Protokolls dringender denn je.“ Das Fakultativprotokoll, das der UN-Kinderrechtskonvention angefügt wurde, ist ein wichtiges politisches Instrument, um die Rekrutierung und den Einsatz Minderjähriger zurückzudrängen sowie Mädchen und Jungen zu demobilisieren und wieder einzugliedern.

Es schreibt vor, dass Mädchen und Jungen unter 18 Jahren weder gegen ihren Willen rekrutiert werden noch an Kampfeinsätzen teilnehmen dürfen. Dennoch werden in vielen Konfliktländern weiterhin Minderjährige zum Kämpfen, aber auch für Botengänge, als Wachleute, zum Kochen oder für sonstige Hilfsarbeiten eingesetzt. Kinder werden auch als menschliche Schutzschilde oder für Anschläge missbraucht, zu sexuellen Diensten gezwungen oder mit Kämpfern zwangsverheiratet.  Unbekannte Zahl an Kindersoldat*innen Da die Rekrutierung verheimlicht wird oder oft in schwer zugänglichen Kriegsgebieten erfolgt, ist die genaue Zahl der betroffenen Kinder nicht bekannt.

UNICEF geht davon aus, dass es weltweit zehntausende Mädchen und Jungen sind.  Seit der Einführung des sogenannten „Monitoring and Reporting Mechanism“ haben die Vereinten Nationen in den vergangenen 16 Jahren rund 93.000 Fälle von Kindern verifiziert, die von bewaffneten Gruppen zum Kämpfen oder für unterstützende Rollen missbraucht wurden. Im aktuellen jährlichen UN-Bericht (bezogen auf 2020) sind in 8.521 Fällen die Rekrutierung oder der Einsatz von Kindersoldat*innen dokumentiert, die Mehrzahl Jungen (85 Prozent).

Die meisten verifizierten Fälle ereigneten sich 2020 in Somalia, Syrien, Myanmar, der Demokratischen Republik Kongo, der Zentralafrikanischen Republik, Mali, Afghanistan, Jemen, Kolumbien und Südsudan. Das sind jedoch nur die wenigen Fälle, die überprüft werden konnten – die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich sehr viel höher. Trotz der besorgniserregenden aktuellen Berichte gibt es aber auch Fortschritte. So konnten laut dem aktuellen UN-Jahresbericht im Jahr 2020 durch Vermittlung der Vereinten Nationen 12.643 Kinder aus bewaffneten Gruppen befreit werden.

Mit Unterstützung von UNICEF kamen seit 2000 mindestens 170.000 Kindersoldaten und Kindersoldatinnen frei.  Ursachen und Folgen  Kinder und Jugendliche sind leichter zu manipulieren, gehorsam und für bewaffnete Gruppierungen oft die preiswertere Alternative zu erwachsenen Soldat*innen. Teilweise werden Kinder entführt und mit Gewalt dazu gezwungen zu kämpfen. Aber auch extreme Armut, fehlende Bildung und damit verbunden mangelnde Perspektiven können Kinder dazu bringen, sich von bewaffneten Gruppen rekrutieren zu lassen. Sie sind häufig Opfer von Gewalt und werden gleichzeitig selbst gezwungen, Gewalt auszuüben.

Nach ihrem Einsatz sind die Mädchen und Jungen oft traumatisiert, leiden an Alpträumen und psychischen Störungen. Viele Kindersoldatinnen und Kindersoldaten haben jahrelang große Brutalität erlebt, aber nie eine Schule besucht. Sie in die Gesellschaft und in ein ziviles Leben zurückzuführen, ist ein langwieriger Prozess. So hilft UNICEF UNICEF leistet humanitäre Hilfe in praktisch allen Krisenländern der Erde und versucht, der Rekrutierung von Kindern vorzubeugen.

In Zusammenarbeit mit dem Sekretariat der Sonderbeauftragten für Kinder und bewaffnete Konflikte und anderen UN-Organisationen ist UNICEF für die Dokumentation von schweren Kinderrechtsverletzungen in Konfliktländern wie die Rekrutierung und der Einsatz von Kindern verantwortlich und versucht, auf Regierungen und bewaffnete Gruppen einzuwirken.
 
Darüber hinaus unterstützt UNICEF Programme, um den Mädchen und Jungen die Rückkehr in ein ziviles Leben zu ermöglichen. Dazu gehören medizinische und psychologische Hilfe, Schul- und Ausbildungsprogramme, die Unterbringung in Transitzentren oder Pflegefamilien sowie Hilfe bei der Wiedereingliederung in die Familie und Gemeinschaft. 

Forderungen von UNICEF:
UNICEF fordert alle Regierungen auf, ihre Verpflichtungen aus der UN-Kinderrechtskonvention und dem Fakultativprotokoll wirksam umzusetzen. 

- UNICEF fordert alle Regierungen und bewaffneten Gruppen auf, Kindersoldat*innen zu demobilisieren und für den Schutz von Zivilisten, insbesondere Kindern, zu sorgen sowie gesellschaftlichen Zusammenhalt und Friedensaufbau zu fördern.
- Rehabilitationsprogramme sowie Lern- und Weiterbildungsmöglichkeiten müssen ausgeweitet werden. Darüber hinaus braucht es flächendeckende Reintegrationsprogramme, die dazu beitragen, die Rückkehr ehemaliger Kindersoldat*innen in die Gesellschaft zu erleichtern. - Menschenrechtsverletzungen müssen nachverfolgt und bestraft werden. Hierfür ist eine Stärkung des „Monitoring and Reporting Mechanism“ notwendig.


 
UNICEF-Motto zum Weltkindertag 2022: „Gemeinsam für Kinderrechte“

Weltkindertag 2021: UNICEF Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk setzten mit einer gemeinsamen Aktion vor dem Reichstag zusammen mit Jugendlichen ein Zeichen für Kinderrechte.

© Photoatelier ISO25

Berlin/Köln/Duisburg, 25. Januar 2022 - Das Motto des diesjährigen Weltkindertags am 20. September lautet „Gemeinsam für Kinderrechte“. Das Deutsche Kinderhilfswerk und UNICEF Deutschland rufen mit diesem Motto sowohl Bund, Länder und Kommunen als auch die gesamte Gesellschaft auf, die Rechte von Kindern konsequenter in den Blick zu nehmen. Aus Sicht der Kinderrechtsorganisationen muss das gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen geschehen. Nur so kann es gelingen, die in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschriebenen Kinderrechte umzusetzen und damit ein kinderfreundlicheres Land zu schaffen. 


UNICEF Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk sehen mit Sorge, dass Kinder gerade während der Covid-19-Pandemie kaum gehört und ihre Belange häufig übergangen wurden und werden. Die Bedürfnisse von Kindern müssen im Alltag berücksichtigt werden und Kinder müssen bei Angelegenheiten, die sie selbst betreffen, mitbestimmen können. Der von Bundesfamilienministerin Anne Spiegel angekündigte Nationale Aktionsplan zur Kinder- und Jugendbeteiligung sollte schnell auf den Weg gebracht werden. Aber auch die ausdrückliche Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz ist ein wesentlicher Baustein für Kinderrechte, der nun endlich wirksam werden muss.

Das Deutsche Kinderhilfswerk und UNICEF Deutschland setzen auf eine neue Initiative der Bundesregierung zum Beginn dieser Legislaturperiode. Bund und Länder sind hier gemeinsam in der Verantwortung, im Interesse von Kindern und Jugendlichen eine längst überfällige verfassungsrechtliche Absicherung der Kinderrechte zu ermöglichen. „Die Corona-Krise zeigt uns mehr als jemals zuvor, dass die UN-Kinderrechtskonvention endlich vollständig umgesetzt werden muss.

Eingebunden werden müssen unterschiedliche politische Ressorts, denn Kinderrechte betreffen neben der Kinder- und Jugendpolitik etwa auch die Stadtentwicklungs- oder Gesundheitspolitik. Nur so kann es gelingen, ein kinderfreundliches Deutschland zu schaffen und die richtigen Weichen für das Aufwachsen der jungen Menschen und künftigen Generationen in unserem Land zu stellen“, betont Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes.

„Für eine kinderfreundliche Gesellschaft muss neben der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen vor allem die Bekämpfung der Kinderarmut strukturell und umfassend über eine Gesamtstrategie angegangen werden. Und auch der Schutz von Kindern vor Gewalt gehört verstärkt in den Blickpunkt.“


„Fast 30 Jahre nach Inkrafttreten der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland müssen sich politische Entscheidungsträger auf allen Ebenen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen in unserem Land noch stärker für die Verwirklichung der Kinderrechte engagieren“, sagt Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. „Dazu gehört auch, dass die Kinderrechte endlich explizit im Grundgesetz verankert werden. Damit dies gelingt, ist ein breiter politischer Konsens nötig. Wir ermutigen die politischen Akteure, rasch das Gespräch zu suchen, um den Schritt in dieser Legislaturperiode mit einem wirkungsvollen Vorschlag endlich zu tun.“

Zum Weltkindertag am 20. September 2022 werden bundesweit zahlreiche Initiativen mit lokalen Demonstrationen, Festen und anderen Veranstaltungen auf die Situation der Kinder aufmerksam machen.
 


UNICEF: Welle schwerer Kinderrechtsverletzungen in Konflikten 

Weniger als die Hälfte der Konfliktparteien weltweit haben sich zum Schutz von Kindern verpflichtet

30. Dezember 2021 - Im zu Ende gehenden Jahr gab es laut UNICEF in seit langem andauernden und in neuen Konflikten eine Welle schwerer Kinderrechtsverletzungen. Von Afghanistan bis Jemen, von Syrien bis Nord-Äthiopien haben Tausende von Kindern einen verheerenden Preis für anhaltende bewaffnete Auseinandersetzungen und Gewalt zwischen verschiedenen Gruppen gezahlt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter humanitärer Organisationen waren und sind ständigen Gefahren ausgesetzt.

© UNICEF/UN0309065/Kokic Afghanistan: Abdul Hamid (9) in seinem mit Einschüssen übersäten Klassenzimmer

Erst in der vergangenen Woche waren Berichten zufolge vier Kinder unter den Opfern, als im Bundesstaat Kayah im Osten Myanmars mindestens 35 Menschen getötet wurden, darunter zwei Mitarbeiter von Save the Children. "Jahr für Jahr zeigen Konfliktparteien eine erschreckende Gleichgültigkeit gegenüber den Rechten und dem Wohlergehen von Kindern", sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore.

"Kinder leiden, und Kinder sterben aufgrund dieser Gefühllosigkeit. Es muss alles getan werden, um sie zu schützen." Für 2021 liegen noch nicht alle Daten vor. Aber allein in 2020 hatten die Vereinten Nationen 26.425 schwere Verstöße gegen Kinder offiziell dokumentiert. In den ersten drei Monaten dieses Jahres ging die Zahl der verifizierten schweren Verstöße zwar leicht zurück, doch die Fälle von Entführung und sexualisierter Gewalt stiegen im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres in alarmierendem Maß an - um mehr als 50 bzw. 10 Prozent.

Die meisten Entführungen gab es in Somalia, gefolgt von der Demokratischen Republik Kongo (DRK) und den Ländern des Tschadseebeckens (Tschad, Nigeria, Kamerun und Niger). Die meisten bestätigten Fälle von sexualisierter Gewalt gab es in der Demokratischen Republik Kongo, Somalia und der Zentralafrikanischen Republik. Seit 2005 dokumentieren die Vereinten Nationen im Rahmen eines systematischen Überwachungs- und Berichtsmechanismus schwere Kinderrechtsverletzungen in Konfliktgebieten.

Seither wurden 266.000 Fälle von schweren Verstößen gegen Kinderrechte in mehr als 30 Konfliktsituationen in Afrika, Asien, dem Nahen Osten und Lateinamerika offiziell verifiziert. Die tatsächlichen Zahlen dürften weit höher liegen. In Afghanistan ist die Zahl der bestätigten minderjährigen Opfer von Gewalt seit 2005 mit mehr als 28.500 am höchsten - das sind 27 Prozent aller verifizierten Fälle weltweit. In der Region Naher Osten und Nordafrika ist die Zahl der nachgewiesenen Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser seit 2005 am höchsten:
Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden 22 solcher Angriffe verifiziert. Im Jemen wurden seit der Eskalation der Kämpfe im März 2015 laut UNICEF 10.000 Kinder getötet oder verstümmelt. Das entspricht vier getöteten oder verstümmelten Kindern pro Tag. Jenseits der Schlagzeilen haben die Vereinten Nationen schwere Verletzungen der Kinderrechte in Ländern wie Burkina Faso, Kamerun, Kolumbien, Libyen, Mosambik und den Philippinen festgestellt.

Trotz jahrzehntelanger Gespräche mit allen Konfliktparteien und denjenigen, die Einfluss auf sie haben, sowie verbesserter Überwachungs-, Berichts- und Reaktionsmechanismen, tragen Kinder bis heute die Hauptlast von Kriegen. Jeden Tag erleiden Mädchen und Jungen in Konfliktgebieten unaussprechliche Schrecken, die kein Mensch je erleben sollte. Der Einsatz von Sprengkörpern stellt insbesondere in dicht besiedelten Gebieten eine anhaltende und wachsende Bedrohung für Kinder und ihre Familien dar. Im Jahr 2020 waren Sprengkörper, Blindgänger und Munitionsrückstände für fast 50 Prozent aller minderjährigen Opfer verantwortlich.

Mehr als 3.900 Kinder wurden hierdurch getötet oder verstümmelt. Bombenangriffe und Explosivkörper sind eine tödliche Gefahr für Kinder – und sie führen dazu, dass lebenswichtige Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Schulen nicht arbeiten können. In vielen Fällen werden Kinder zum Opfer gleich mehrerer schwerer Verletzungen ihrer Rechte. Im Jahr 2020 führten beispielsweise 37 Prozent der von den Vereinten Nationen verifizierten Entführungen zu einer Rekrutierung der Kinder für den Krieg.

In Somalia, der Demokratischen Republik Kongo und der Zentralafrikanischen Republik waren es sogar mehr als 50 Prozent der Fälle. UNICEF ruft alle Konfliktparteien dazu auf, formale Aktionspläne zum Schutz von Kindern in Kriegsgebieten zu entwickeln und umzusetzen. Dieser Aufruf richtet sich insbesondere an die 61 Parteien, die in den Anhängen des Jahresberichts 2021 zu Kindern und bewaffneten Konflikten des UN-Generalsekretärs aufgeführt sind.

Dazu gehören Maßnahmen, um schwere Verstöße gegen die Kinderrechte zu verhindern, Kinder aus bewaffneten Streitkräften und Gruppen zu befreien und sie vor sexualisierter Gewalt zu schützen. Jegliche Angriffe auf Krankenhäuser und Schulen müssen aufhören. Seit 2005 wurden nur 37 solcher Pläne von Konfliktparteien unterzeichnet - eine schockierend niedrige Zahl, wenn man bedenkt, was für die Kinder auf dem Spiel steht. "Letztlich werden Kinder im Krieg nur dann sicher sein, wenn die Konfliktparteien konkrete Maßnahmen ergreifen, um sie zu schützen, und keine schweren Verstöße mehr begehen", so Fore. „Zum Jahresende 2021 appelliere ich an alle Konfliktparteien, Angriffe gegen Kinder zu stoppen, ihre Rechte zu schützen und nach friedlichen politischen Lösungen zu suchen.“

Not in Afghanistan: „Wenn wir jetzt nicht rasch handeln, werden viele Kinder den Frühling nicht erleben“  

Wintereinbruch und Unterbrechung lebenswichtiger Ernährungs- und Gesundheitsdienste bedrohen Gesundheit von Kindern / Kinder am Hindukusch leiden an Lungenentzündung, Masern und akuten Durchfallerkrankungen   

Kabul/Köln/Duisburg, den 22. Dezember 2021 - Kinder in Afghanistan sind aufgrund der tödlichen Kombination aus Mangelernährung, einer noch nie dagewesenen Hungerkrise, Dürre, sinkenden Temperaturen, Wassermangel sowie der Unterbrechung lebenswichtiger Gesundheits- und Ernährungsdienste zunehmend anfällig für lebensbedrohliche Krankheiten.  Vor dem Hintergrund der sich zunehmend verschlechternden humanitären Lage gefährden Krankheitsausbrüche das Leben der Kinder in Afghanistan. Seit Beginn des Jahres wurden bereits mehr als 66.000 Masernfälle gemeldet und vier Infektionsfälle mit dem Polio-Wildvirus Typ 1 (WPV-1) bestätigt. Gleichzeitig breiten sich Dengue-Fieber, akute Durchfallerkrankungen und Malaria weiter aus.

© UNICEF/UN0562566/Romenzi

Durch das harte Winterwetter, das in vielen Gebieten Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt erreicht, steigt das Risiko von Lungenentzündungen und akuten Atemwegserkrankungen. Gleichzeitig haben die Menschen Mühe, ihr Zuhause zu heizen und ihre Kinder warm zu halten. Kinder, die in höher gelegenen Regionen leben, sind besonders gefährdet und benötigen dringend lebensrettende Winterhilfe, einschließlich wärmender Winterkleidung, Decken und Brennstoff zum Heizen. Schätzungsweise 25-30 Prozent der Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren sind auf Infektionen der Atemwege zurückzuführen, 90 Prozent davon auf Lungenentzündungen.


„Wir nähern uns einem kritischen Punkt für Kinder in Afghanistan, denn der Winter bringt eine Vielzahl von Gefahren für ihre Gesundheit mit sich", sagte Abdul Kadir Musse, UNICEF-Leiter in Afghanistan. "Wir dürfen keine Zeit verlieren. Wenn wir jetzt nicht rasch handeln – und sicherstellen, dass uns die Mittel zur Verfügung stehen, um zusätzliche finanzielle Hilfen und Wintervorräte bereitzustellen – werden viele Kinder den Frühling nicht erleben."

Mehr als 24 Millionen Menschen am Hindukusch sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, die Hälfte davon Kinder. Anfang Dezember hat UNICEF seinen Nothilfeaufruf für Afghanistan veröffentlicht – den bisher größten Aufruf für ein einzelnes Land. UNICEF benötigt im kommenden Jahr zwei Milliarden US-Dollar, um den drohenden Zusammenbruch grundlegender und lebenswichtiger Dienste für Kinder und Familien abzuwenden. 

Im vergangenen Monat hat UNICEF unter anderem:
- die Gehälter von mehr als 10.000 Gesundheitsfachkräften in über 1.000 Gesundheitseinrichtungen bezahlt und mehr als 1.000 Gesundheitseinrichtungen mit medizinischen Hilfsgütern und Heizmaterialien unterstützt;
- die grundlegende Gesundheitsversorgung unterstützt, einschließlich Impfungen, auch durch den Einsatz von mobilen Gesundheits- und Ernährungsteams; 
- rund 105.000 Kinder zwischen sechs Monaten und fünf Jahren mit Masernimpfungen erreicht;  eine Impfkampagne gegen Polio für 8,5 Millionen Kinder unterstützt – davon zwei Millionen Kinder in bisher unzugänglichen Gebieten; 
- 37.000 Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung behandelt; 
- 22.000 Menschen mit Trinkwasser erreicht und Bargeldbeiträge sowie Winterkleidung in die ärmsten und am stärksten vom Winter betroffenen Provinzen gebracht. 

UNICEF geht davon aus, dass im kommenden Jahr eins von zwei Kindern unter fünf Jahren von akuter Mangelernährung betroffen sein werden. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen wird auch im nächsten Jahr weiter auf der Basis der humanitären Grundprinzipien lebensrettende Hilfe für Kinder leisten, dazu beitragen, grundlegende Dienste aufrechtzuerhalten und gleichzeitig hart erkämpfte Fortschritte verteidigen, einschließlich der Rechte von Frauen und Mädchen.  

UNICEF zählt auf die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft, Ausnahmen von Sanktionen zu erleichtern, damit Kinder in Afghanistan rechtzeitig mit Hilfsgütern und lebenswichtigen Diensten erreicht werden können.  

„UNICEF-Foto des Jahres 2021“: Im Auge des Sturms
Das Siegerbild: Vom Untergang einer Hoffnung


© Supratim Bhattacharjee, Indien

Köln/Berlin/Duisburg, den 21. Dezember 2021 - Das UNICEF-Foto des Jahres 2021 hält die Ohnmacht und zugleich die Entschlossenheit eines Mädchens angesichts tosender Naturgewalt fest: Ein verheerender Zyklon im Golf von Bengalen hatte den Teeausschank ihrer Familie hinweggefegt. Das eindringliche Siegerbild des indischen Fotografen Supratim Bhattacharjee aus den indischen Sundarbans zeigt den Überlebenskampf von Kindern angesichts fortschreitender Umweltzerstörung und des Klimawandels.

Die Reportage des indischen Fotografen Sourav
Das über einen Lehrer, der während des Corona-Lockdowns ein ganzes Dorf in ein Freiluftklassenzimmer verwandelt hat, erhält den zweiten Preis. Der irakische Fotograf Younes Mohammad wird für seine Serie über Kinder kriegsverletzter Väter mit dem dritten Preis ausgezeichnet. 

„Der Blick des Mädchens auf dem UNICEF-Foto des Jahres 2021 kann niemanden unberührt lassen“, sagte UNICEF-Schirmherrin Elke Büdenbender. „Mit ihrer Ruhe und ihrer Tapferkeit mitten in einer völlig verzweifelten Situation lässt sie uns spüren, was Umweltzerstörung und Klimawandel für Kinder und Jugendliche bedeuten. Das Siegerbild fordert uns auf, über die Konsequenzen unserer Lebensweise nachzudenken und sie zu verändern.“

„Das Jahr 2021 war für viele Mädchen und Jungen wie die Fortsetzung eines düsteren Katastrophenfilms“, sagt Peter-Matthias Gaede, stellvertretender Vorsitzender von UNICEF Deutschland. „Klimakrise, Corona-Pandemie, Kriege und Katastrophen brauen sich zu einem ‚perfect storm‘ zusammen, der Kinder aus armen Familien mit voller Wucht trifft. Wir müssen ihre Widerstandskraft stärken, damit sie dieser Bedrohung standhalten.“


„Covid-19 hat die Arbeit von Fotoreporterinnen und -reportern auf der ganzen Welt erneut stark eingeschränkt. Trotzdem haben vor allem einheimische Fotografen mit der Kamera bewegende Bilder und Reportagen eingefangen“, sagt Prof. Klaus Honnef, Vorsitzender der Jury. „Die UNICEF-Foto-des Jahres-Jury hat zwölf herausragende Foto-Geschichten ausgewählt, die die kleinen Freuden genauso wie die Härten des Aufwachsens heute in den Mittelpunkt stellen.“

Das Siegerbild: Vom Untergang einer Hoffnung
Ein tropischer Wirbelsturm hat die Wassermassen im Ganges-Delta aufgewühlt, hat den kleinen Tee-Shop der jungen Pallavi und ihrer fünfköpfigen Familie auf der Insel Namkhana fortgerissen. Und damit ihre gesamte Existenz. Der indische Fotograf Supratim Bhattacharjee traf das Mädchen 2020 einen Tag nach der Katastrophe vor den Trümmern ihrer Existenz. Dass ganze Dörfer weggespült werden, Inseln allmählich versinken, der Weg zur Schule durchs kniehohe Wasser führt, gehört zur leidvollen Erfahrung der Menschen in den Sundarbans, einer Küstenregion Indiens und Bangladeschs.

Die fortschreitende Zerstörung der Mangrovenwälder, der Anstieg des Meeresspiegels und die Versalzung ehemaliger Süßwassergebiete nehmen den Familien ihre Lebensgrundlage. Allein in Asien und Afrika wachsen nach UNICEF-Schätzung 530 Millionen Kinder in Überschwemmungs-Regionen auf.

Der zweite Preis: Ein kleiner großer Sieg über die Pandemie
Die Klassenräume verschlossen, Online-Unterricht nicht möglich, weil es kein Internet gibt, oder Handys und Laptops für die Eltern zu teuer sind. Für Millionen Mädchen und Jungen auf der Welt hat Corona bedeutet, dass sie oft über Monate hinweg keinen Unterricht hatten. Dank der Initiative des indischen Lehrers Deep Narayan Nayak, der die Schule in seinem Dorf kurzerhand ins Freie verlegt und die Wände der Häuser in Schultafeln verwandelt hat, konnten die Mädchen und Jungen weiterlernen.


Der indische Fotograf Sourav
Das hat Szenen aus dem Alltag dieser ungewöhnlich kreativen und liebenswerten Dorfschule eingefangen. Auf dem Höhepunkt der Lockdowns konnten laut UNICEF 1,6 Milliarden Kinder nicht zur Schule gehen. Der dritte Preis: Leben mit der Verletzung Wenn der Vater keine Beine mehr hat, wenn ihm die Arme abgerissen worden sind – was bedeutet das für seine Kinder?

Die kurdischen Mädchen und Jungen im Irak, die der Fotograf Younes Mohammad porträtiert hat, sind teils noch Babys. Für ein Kriegstrauma noch zu jung, für alle Zukunft aber begleitet durch die Geschichte ihrer Väter, die gegen die Terror-Truppen des „Islamischen Staats“ gekämpft haben, Opfer von Minen, Scharfschützen oder Gefechten geworden sind. Mohammad hat die große Kraft der Kinder festgehalten, mit dem Schicksal ihrer Familien umzugehen, die Behinderungen ihrer Väter anzunehmen, zu lieben und zu lächeln. 


Neun weitere Reportagen hob die Jury mit ehrenvollen Erwähnungen hervor: 
Ali Haj Suleiman, Syrien, Reportage: Auf den Müllhalden des Krieges (Syrien)
Emily Garthwaite, Großbritannien, Reportage: Unterwegs in der Tradition (Iran)
Emeke Obanor, Nigeria, Reportage: Das Glück, lernen zu dürfen (Nigeria)
Feli & Pepita von Ehrenfeld, Deutschland, Reportage: Lockdown-Gedanken (Deutschland, Schweiz, Singapur)
Gordon Welters, Deutschland, Reportage: Zwei Herzen für Clara (Deutschland)
Jörg Volland, Deutschland, Reportage: Für immer verbunden (Deutschland)  
Matilde Simas, USA, Reportage: Das Haus, das den Kindern Beine schenkt (Philippinen, Äthiopien, Haiti)
Natalya Saprunova, Russland/Frankreich, Reportage: Uliana, die aus der Kälte kommt (Russland)
Toby Binder, Deutschland: Reportage: Arm sein in Duisburg (Deutschland) 

Verglichen etwa mit Niger, Burkina Faso, Haiti gibt es kein Elend in Deutschland. Gemessen am Abstand zum Durchschnittseinkommen und zu den hier etablierten Lebenshaltungskosten gibt es Armut auch in diesem reichen Land aber sehr wohl. Ein UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland weist für 2019 aus, dass annähernd 1,5 Millionen Kinder unter 16 Jahren von Armut betroffen waren. Und das Risiko, zu ihnen zu gehören, hat sich durch die Corona-Pandemie nicht verkleinert.
Duisburg-Hochfeld
ist ein Ort, an dem zu sehen ist, was das bedeutet. Die teilweise Schließung der Schulen hat die „Bildungsferne“ und gesellschaftliche Desintegration vieler Jugendlicher hier noch verschärft. Sie besitzen einen deutschen Pass, fühlen sich aber nirgendwo zuhause, nicht als „wirkliche Deutsche“. Sie leben ohne eine gute Perspektive. Rockergangs, arabische und osteuropäische Clans bieten sich als Alternative an. Druck empfinden die Jugendlichen hier von allen Seiten.

Toby Binder (© Toby Binder) hat sie, die oft zu zehnt in Zwei-Zimmer-Wohnungen leben müssen, fotografiert: ihr Portrait: Toby BinderGelangweiltsein zwischen geschlossenen Läden und verlassenen Fabriken, ihr Herumhängen auf den Straßen, ihre Muskelspiele, ihre Aggressivität schon im Alter von acht oder neun Jahren. Armut in Deutschland sieht anders aus als im Niger oder in Haiti. Aber sie ist da.

Toby Binder, 1977 in Esslingen geboren, hat an der Stuttgarter Akademie für Kunst und Design studiert. Sowohl das Alltagsleben wie Nachkriegs- und Krisensituationen sind sein Thema. Binder hat Reportagen in vielen Ländern Afrikas, Asien, Lateinamerikas und Europas erarbeitet. Seine Reportagen und Porträts wurden unter anderem im Stern, in der ZEIT, im Guardian, in Le Monde, NZZ und Washington Post veröffentlicht. Zu Binders Auszeichnungen zählen der Sony World Photo Award und der Henri-Nannen-Preis.

Eine Ausstellung mit allen prämierten Arbeiten ist bis Ende Januar im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin zu sehen. Anschließend werden die Fotoreportagen vom Freundeskreis Willy-Brandt-Haus e.V. ausgestellt und sind ab dem 17. Februar 2022 für die allgemeine Öffentlichkeit im Willy-Brandt-Haus in Berlin zugänglich. UNICEF-Foto des Jahres Zum 22. Mal zeichnet UNICEF Deutschland mit dem internationalen Wettbewerb „UNICEF-Foto des Jahres“ Bilder und Reportagen professioneller Fotojournalistinnen und -journalisten aus, die die Persönlichkeit und die Lebensumstände von Kindern auf herausragende Weise dokumentieren. Voraussetzung für die Teilnahme ist die Nominierung durch eine*n international renommierte*n Fotografie-Expert*in. Über die Preisvergabe für das „UNICEF-Foto des Jahres“ entschied eine unabhängige Jury. Mehr Informationen unter: www.unicef.de/foto


Köln/Duisburg, den 09. Dezember 2021 - Mit dem „UNICEF-Foto des Jahres“ werden einmal im Jahr herausragende Bilder und Reportagen internationaler Fotojournalistinnen und -journalisten ausgezeichnet. Das diesjährige Siegerbild zeigt die dramatischen Folgen von Umweltzerstörung und Klimawandel für Kinder und ihre Familien. 

Renommierte Fotograf*innen aus der ganzen Welt haben über 1.000 Bilder eingereicht. Sie dokumentieren das Leben von Kindern in Armut und in Krisenländern, erzählen vom Aufwachsen während der Corona-Pandemie und zeigen die enorme Widerstandskraft der Kinder, die sie Schicksalsschlägen entgegensetzen. Eindringlich schildern die Reportagen die vielfältigen Facetten des Aufwachsens in einer unruhigen Zeit. Eine unabhängige Jury von Fotoexperten unter der Leitung von Prof. Klaus Honnef wählte das Siegerfoto, den zweiten und dritten Preis sowie neun ehrenvolle Erwähnungen aus.

© UNICEF/Soliz

Alle Bildreportagen werden am: Dienstag, den 21. Dezember, um 11:00 Uhr auf
www.unicef.de/foto veröffentlicht. Zeitgleich wird die Ausstellung mit allen Siegerbildern im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin eröffnet.  Für zugangsberechtigte Journalisten ist sie dort bis Ende Januar zu sehen. Anschließend werden die Fotoreportagen vom Freundeskreis Willy-Brandt-Haus e.V. ausgestellt. Sie sind ab dem 17. Februar 2022 für die allgemeine Öffentlichkeit im Willy-Brandt-Haus in Berlin zugänglich.

Corona-Pandemie ist größte Krise für Kinder seit Gründung von UNICEF 

Rund 100 Millionen Kinder zusätzlich in Armut / Pandemie macht Fortschritte für Kinder in fast allen Lebensbereichen zunichte, warnt UNICEF anlässlich seines 75. Geburtstags 

New York/Köln/Duisburg, den 09. Dezember 2021 - Die Covid-19-Pandemie stellt die schlimmste Krise für Kinder seit der Gründung von UNICEF vor 75 Jahren dar, warnt das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. In dem heute weltweit veröffentlichten Bericht “Ein verlorenes Jahrzehnt vermeiden” zeigt UNICEF, dass in Folge der Pandemie in Jahrzehnten errungene Fortschritte für Kinder in Gefahr sind: beim Kampf gegen Armut und Ungleichheit sowie bei der Verbesserung der körperlichen und mentalen Gesundheit, der Bildung, der Ernährung und beim Schutz von Kindern. Die Rechte von Kindern sind laut UNICEF in einem nie dagewesenen Maß bedroht.

© UNICEF/UNI347498/Urdaneta



„Seit seiner Gründung hat UNICEF dazu beigetragen, Kindern auf der ganzen Welt ein gesünderes und sichereres Aufwachsen zu ermöglichen, mit großen Fortschritten für Millionen von ihnen", sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore.
"Diese Errungenschaften sind in Gefahr. Die Covid-19-Pandemie ist die größte Bedrohung für Fortschritte für Kinder in unserem 75-jährigen Bestehen. Während die Zahl der Kinder, die hungern, nicht zur Schule gehen, missbraucht werden, in Armut leben oder zwangsverheiratet werden, steigt, sinkt die Zahl der Kinder, die Zugang zu medizinischer Versorgung, Impfstoffen, ausreichender Nahrung und wichtigen Dienstleistungen haben. In einem Moment, in dem wir nach vorne schauen sollten, machen wir Rückschritte.“

„75 Jahre nach der Gründung von UNICEF stehen wir an einem Scheideweg”, sagte Georg Graf Waldersee, Vorsitzender von UNICEF Deutschland. “Wir müssen uns entscheiden: Hält die Weltgemeinschaft zusammen und baut auf den in Jahrzehnten erzielten Fortschritten für Kinder und Jugendliche auf? Oder lassen wir es zu, dass gerade die ärmsten und am meisten benachteiligten Kinder noch mehr zurückfallen?“ 

Laut UNICEF sind wegen der Pandemie bislang schätzungsweise 100 Millionen Kinder zusätzlich in mehrdimensionale Armut geraten – das entspricht einem Anstieg von zehn Prozent seit 2019. UNICEF warnt, dass es lange dauern wird, die Rückschläge auszugleichen – selbst unter besten Bedingungen wird es sieben bis acht Jahre dauern, um das Niveau vor Covid-19 zu erreichen. 

Bereits damals hatten etwa eine Milliarde Kinder keinen ausreichenden Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung, Unterkünften, Ernährung, sanitären Einrichtungen oder sauberem Wasser. Wegen der ungleichmäßigen Erholung der Weltwirtschaft steigt diese Zahl weiter an und verschärft die Kluft zwischen Kindern aus armen und wohlhabenden Familien. Die am stärksten benachteiligten und marginalisierten Kinder leiden am meisten darunter. 


Der UNICEF-Report dokumentiert negative Trends in zentralen Lebensbereichen 
- Auf dem Höhepunkt der nationalen und lokalen Lockdowns während der Corona-Pandemie konnten 1,6 Milliarden Kinder nicht zur Schule gehen.

- Weltweit fiel im ersten Jahr der globalen Krise fast 80 Prozent des Präsenzunterrichts aus; 

- mehr als 13 Prozent der Jugendlichen zwischen 10 und 19 Jahren leiden weltweit an psychischen Erkrankungen. Bis Oktober 2020 wurden wegen der Pandemie in 93 Prozent der Länder grundlegende psychische Gesundheitsdienste unterbrochen oder fielen dauerhaft aus;

- allein in 2020 haben 23 Millionen Mädchen keine Regelimpfungen gegen gefährliche Infektionskrankheiten erhalten – ein Anstieg um vier Millionen gegenüber dem Vorjahr;

- die Zahl der arbeitenden Kinder ist auf 160 Millionen gestiegen - ein Anstieg um 8,4 Millionen in den vergangenen vier Jahren.

- Bis Ende 2022 besteht die Gefahr, dass weitere neun Millionen Kinder in die Kinderarbeit geraten, weil sie zum Lebensuntererhalt ihrer Familien beitragen müssen;

- bis 2030 könnten zusätzlich zehn Millionen Mädchen früh verheiratet werden;

- auf dem Höhepunkt der Pandemie lebten 1,8 Milliarden Mädchen und Jungen in den 104 Ländern, in denen grundlegende Angebote zur Gewaltprävention sowie beim Kinderschutz unterbrochen wurden;

- 50 Millionen Kinder leiden schon heute an Auszehrung, der schwersten Form akuter Mangelernährung.

-  2022 könnten weitere neun Millionen hinzukommen, weil Kinder keine ausgewogene Nahrung bekommen und Ernährungsprogramme eingeschränkt werden.


Der Report warnt zusätzlich vor extremen Gefahren für Kinder und ihre Rechte durch Kriege, Konflikte und den Klimawandel: Schätzungsweise 426 Millionen Mädchen und Jungen – fast jedes fünfte Kind – wachsen in Konfliktregionen auf. Diese Konflikte verschärfen sich und fordern immer mehr Opfer unter der Zivilbevölkerung, darunter besonders viele Kinder. Insbesondere Frauen und Mädchen leiden in Konflikten unter sexualisierter Gewalt. Rund achtzig Prozent aller humanitären Notlagen sind auf Konflikte zurückzuführen. Und eine Milliarde Kinder – fast die Hälfte aller Kinder weltweit – leben in Ländern, die durch die Auswirkungen des Klimawandels "extrem gefährdet" sind.


Vor diesem Hintergrund ruft UNICEF zum Gegensteuern auf.
- Nötig sind gerade jetzt: Investitionen in die soziale Sicherung, in menschliche Entwicklung sowie in Maßnahmen für eine inklusive und widerstandsfähige Erholung nach der Pandemie;

- entschlossene Maßnahmen, um die Pandemie zu stoppen und den Rückschritten bei der Ernährung und der Gesundheit von Kindern entgegen zu wirken;

- die Sicherstellung von qualitativ guter Bildung, Schutz und guter psychischer Gesundheit für jedes Kind; Maßnahmen zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit, um Krisensituationen besser vorzubeugen, auf sie zu reagieren und Kinder vor ihnen zu schützen.

Dafür braucht es neue Ansätze, um Hungersnöte zu beenden, Kindern vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen sowie neue Finanzierungsmodelle im Fall von Katastrophen.