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• Grönland darf nicht als Mittel
zur Spaltung der EU dienen
• Globaler politischer Einfluss der EU bleibt hinter
ihrer wirtschaftlichen Stärke zurück
• EU-Erweiterung als geostrategische Investition in
regionale Sicherheit und Stabilität
• Das Europäische Parlament fordert höhere und
besser koordinierte Verteidigungsausgaben
• Forderung nach einheitlicher EU-Antwort auf
US-Drohungen gegen die Souveränität Grönlands
Brüssel/Duisburg, 24. Januar 2026 - In ihren
Jahresberichten zur Gemeinsamen Außen-, Sicherheits-
und Verteidigungspolitik fordern die
Europaabgeordneten eine Stärkung globaler
Partnerschaften und der EU- Abschreckungsfähigkeit.
In einer am Mittwoch angenommenen Entschließung
verurteilte das Europäische Parlament den Einsatz
einseitiger Handelsdrohungen und wirtschaftlicher
Einschüchterung gegenüber Dänemark und anderen
EU-Mitgliedstaaten als Form von Zwang.
Diese Maßnahmen seien mit dem Völkerrecht und den
grundlegenden Prinzipien der Zusammenarbeit zwischen
NATO-Verbündeten unvereinbar, so die
Europaabgeordneten. Grönland dürfe nicht als
Instrument zur Spaltung der Europäischen Union
missbraucht werden.
Sie fordern die EU auf, geschlossen, entschlossen
und entschieden zu reagieren und sich gegen jegliche
derartigen Zwangsversuche zur Wehr zu setzen.
Das Europäische Parlament bedauert den stärker
transaktionalen Ansatz der US-Regierung in der
Außenpolitik, der mit einem geringeren Einsatz für
Multilateralismus und europäische Sicherheit
einhergehe.
Die EU müsse ihren Verwundbarkeiten lernen, so die
Europaabgeordneten, um künftig nicht erneut in eine
für politischen oder wirtschaftlichen Zwang
anfällige Situation zu geraten.
„Ein Bogen der Instabilität“ rund um Europa
Von der Ukraine über den Kaukasus bis hin zum Nahen
Osten und zur Sahelzone sowie in der Arktis und
darüber hinaus hat sich ein Bogen der Instabilität
rund um Europa gebildet, warnen die
Europaabgeordneten in ihrem Bericht über die
Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP).
Die EU dürfe sich nicht nach innen wenden, sondern
müsse offen und engagiert bleiben. Dabei betonen
sie, dass die globale Sichtbarkeit und der
politische Einfluss der EU häufig hinter ihrem
wirtschaftlichen, finanziellen und diplomatischen
Gewicht zurückbleiben.
Während die Europaabgeordneten eine diplomatische
Lösung des Krieges in der Ukraine unterstützen,
warnen sie davor, dass jede von Russland
aufgezwungene Regelung oder eine Lösung, die
russische Aggression belohnt, die europäische
Sicherheit untergraben würde.
Die russische Aggression destabilisiere das östliche
Umfeld der EU erheblich und löse Spill-over-Effekte
im westlichen Balkan aus, die Reformen verlangsamen
und antieuropäische Narrative befeuern könnten.
Die EU-Erweiterung sei daher eine geostrategische
Investition in regionale Sicherheit und Stabilität,
so die Abgeordneten.
Stärkung globaler Partnerschaften als strategische
Aufgabe
Berichterstatter
David McAllister (EVP, Deutschland) erklärte:
„Die übergeordnete strategische Aufgabe der EU
besteht darin, ihre globalen Partnerschaften zu
stärken, ihre Fähigkeit zur Abschreckung von
Bedrohungen zu verbessern und sicherzustellen, dass
Erweiterung, Nachbarschaftspolitik und die
Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Demokratien
unserer langfristigen Sicherheit dienen.
Gleichzeitig muss die EU ihre Sichtbarkeit erhöhen,
ihr außenpolitisches Auftreten schärfen und
gewährleisten, dass ihre Instrumente – von
Sanktionen über strategische Kommunikation bis hin
zum Global Gateway – wirksam und kohärent eingesetzt
werden.“
Der Bericht wurde mit 392 Stimmen angenommen, 179
Europaabgeordnete stimmten dagegen, 83 enthielten
sich.
EU-Mitgliedstaaten müssen sich autonom
verteidigen können
In ihrem Jahresbericht zur Gemeinsamen Sicherheits-
und Verteidigungspolitik der EU (GSVP) warnen die
Europaabgeordneten, dass Russlands wiederholte
Aggressionen die europäische Sicherheitsordnung
untergraben und das „Versagen einschlägiger
institutioneller und politischer Prozesse“
offengelegt haben.
Die Abgeordneten betonen, dass nur eine
Zusammenarbeit auf der Grundlage gemeinsam
vereinbarter Regeln Krieg verhindern und kollektive
Sicherheit gewährleisten könne, und fordern eine
erneuerte europäische Sicherheitsarchitektur, die
die Zusammenarbeit der EU mit der NATO stärkt.
Zugleich erklärt das Europäische Parlament, dass die
EU-Mitgliedstaaten auch bereit sein müssen, auf der
Grundlage der
gegenseitigen Beistandsklausel der Europäischen
Union, Artikel 42 Absatz 7 EUV, autonom zu
handeln.
US-Drohungen gegen die Souveränität
Grönlands als erhebliche Bedrohung für strategische
EU-Interessen
Das Europäische Parlament äußert zudem große
Besorgnis über ausländische Einmischungen in
Grönland, darunter hybride Maßnahmen sowie
ausdrückliche Drohungen der USA gegen die
Souveränität Grönlands.
Diese werden als erhebliche Bedrohung für die
strategischen Interessen der EU, das atlantische
Bündnis und die regelbasierte Ordnung eingestuft.
Der Text fordert eine geschlossene Reaktion der EU
und unterstützt die
gemeinsame Erklärung mehrerer EU-Mitgliedstaaten
vom 6. Januar 2026, in der bekräftigt wird, dass die
Zukunft Grönlands ausschließlich von Dänemark und
Grönland entschieden werden kann.
Darüber hinaus äußern die Europaabgeordneten
Besorgnis über die Nationale Sicherheitsstrategie
der USA vom Dezember 2025.
Nach Ansicht der Abgeordneten „formalisiert diese
eine haltlose US-Politik, wonach die EU,
einschließlich ihrer grundlegenden Werte,
demokratischen Regierungsprinzipien und mehrerer
zentraler sicherheitspolitischer Ziele, als den
Interessen der USA entgegengesetzt betrachtet wird“.
Unter Anerkennung der zentralen Rolle der NATO und
der USA als wichtigstem Verbündeten Europas weist
das Europäische Parlament zugleich auf die
zunehmende Unberechenbarkeit und den wachsenden
Isolationismus in der US-Außenpolitik hin,
einschließlich des Risikos eines Truppenabzugs aus
Europa.
Es fordert daher eine EU-weite Notfallplanung,
höhere und besser koordinierte Verteidigungsausgaben
der Mitgliedstaaten, stärkere europäische
Verteidigungsfähigkeiten sowie mehr strategische
Autonomie – bei gleichzeitiger Wahrung einer
ausgewogenen transatlantischen Partnerschaft.
Der Bericht wurde mit 395 Stimmen angenommen, 197
Europaabgeordnete stimmten dagegen, 70 enthielten
sich.
„Der GSVP-Bericht dieser Legislaturperiode macht
deutlich, dass die heutigen Umstände keinen Raum für
Zweifel lassen: Europa braucht eine starke, autonome
und einsatzfähige Verteidigung. Das bedeutet, dass
wir kurzfristige nationale Interessen überwinden und
nicht nur den Binnenmarkt für Verteidigung
vollenden, sondern auch die gegenseitige
Beistandsklausel der EU mit Substanz füllen müssen.
Seit fast 20 Jahren existiert die Gemeinsame
Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU
weitgehend nur auf dem Papier – es ist an der Zeit,
sie in die Praxis umzusetzen. Die Realität von heute
verlangt Dringlichkeit, Geschlossenheit und
Handlungsbereitschaft.
Artikel 42 Absatz 7 muss operativ werden, nicht
symbolisch. Es geht nicht darum, mit der NATO zu
konkurrieren, sondern sicherzustellen, dass Europa
auf eigenen Füßen stehen und ein glaubwürdiger
sicherheitspolitischer Akteur sein kann – gegenüber
seinen Bürgerinnen und Bürgern ebenso wie gegenüber
seinen Partnern.
Neben höheren Ausgaben muss die Stärkung unserer
industriellen Basis mit einer erneuerten
Sicherheitsdoktrin, Selbstvertrauen und
strategischem Ehrgeiz einhergehen, die den heutigen
Realitäten entsprechen“, erklärte Berichterstatter
Thijs Reuten (S&D, Niederlande) nach der Abstimmung.
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